(down below in english) In letzter Zeit wurden die Regentage mehr und mehr, bis sie heute den Punkt erreicht haben, an dem das friesische das karibische Wetter überwiegt.
Das ist eigentlich gar nicht so unschön, denn die Wellen sind atemberaubend schön und der Wind saust um den Jürmann, dass es drinnen beinahe knistert wie vor einem Lagerfeuer.
Ungünstig ist, dass wir kein Vorzelt haben und das schmuddelige Nass den Eingang völlig unter Wasser stellt.
Wie also rein und raus, ohne aus unserem Zuhause eine Schlammgrube zu machen und: wie geht man sich auf vier Quadratmetern aus dem Weg, wenn das Wohnzimmer nicht betreten werden kann?
Gar nicht. Man muss sich zusammen kuscheln und sich bemühen, wenig zu reden. Denn Stress schwängert die Atmosphäre. Man kann sich einfach nicht aus dem Weg gehen und die verhangenen Fenster verschließen neben den Ritzen auch den Horizont, den die Seele doch so dringend zum Atmen braucht.
Und wenn ich wie gleich im Schlafzimmer 1,5 Stunden Nachhilfe geben muss, kann Silvana nur daneben sitzen, weil wir kein Schlauchboot haben, um den Strand als Ausweg zu nutzen.
Aber wir sind ja schwierige Situationen gewöhnt und haben uns auch schon eine neue Disputkultur angewöhnt, aber vier Tage Regen sind 96 Stunden Schitwetter und das ist viel Potential um gute Vorsätze schon Mal zu vergessen.
Aber wir haben es uns gemütlich gemacht und genießen auch die Qualität der Stille, in der man trotz Enge und gegenseitigem auf den Füßen stehen, einfach dem Plätschern der Tropfen lauschen kann ohne alles zu kommentieren.
Man kann sagen, wir haben uns verändert und sind an den Herausforderungen gewachsen, aber der Strom hier im Hippiebunker und die Reminiszenz Internet der Moderne gepaart mit Kopfhörern helfen auch, wenn man sich mal vorne auf dem Beifahrersitz oder hinten im Bett einfach in sich zurück ziehen will, denn auch das geduldigeste Herz kann zwar viel ertragen, aber keine 24 Stunden ABBA.
Bis morgen,
Euer Ulf
96 hours with no way out Lately, the rainy days have become more and more frequent, until today they have reached the point where the Frisian outweighs the Caribbean weather.
It’s actually not so bad, because the waves are breathtakingly beautiful and the wind is whipping around the Jürmann, making it almost crackle inside like a campfire.
The unfortunate thing is that we don’t have an awning and the dingy water completely submerges the entrance.
So how do we get in and out without turning our home into a mud pit and: how do we get out of each other’s way on four square meters if we can’t enter the living room?
Not at all. You have to cuddle up together and try not to talk too much. Because stress impregnates the atmosphere. You simply can’t avoid each other and the past windows close off not only the cracks but also the horizon that the soul so urgently needs to breathe.
And when I have to tutor for 1.5 hours in the bedroom, as I’m about to do, Silvana can only sit next to me because we don’t have an inflatable boat to use the beach as an escape route.
But we’re used to difficult situations and have already got used to a new culture of debate, but four days of rain is 96 hours of skiing weather and that’s a lot of potential for forgetting good intentions.
But we’ve made ourselves comfortable and enjoy the quality of the silence, in which you can simply listen to the splashing of the drops without commenting on everything, despite the close quarters and standing on each other’s feet.
You could say we’ve changed and grown to meet the challenges, but the electricity here in the hippie bunker and the reminiscence of the modern Internet paired with headphones also helps when you just want to withdraw into yourself in the front passenger seat or in the back of the bed, because a patient heart can endure a lot, but not 24 hours of ABBA.
(down below in english) Gibt es was Schöneres, als morgens AUSGESCHLAFEN die Sonne aufgehen zu sehen? Den Wellen wie in einem Testbild zu lauschen und zu schweigen?
Einfach Dasein. Jeder Tag an dem etwas nicht funktionierte und jeder Ärger, sind in diesem Moment vergessen.
Das Rauschen wirkt wie ein Besen im Geist, der allen Unmut und jede Windung an friktionale Aktivität einfach hinaus geleitet.
Dass das Mikrophon gestern bei der Nachhilfe nicht funktionierte, vergessen. Das ich so gerädert von einer Millionen Aufgaben die Augen schon um zwei Uhr Nachmittags kaum noch aufhalten konnte, ad Acta gelegt, das ich keinen Tabak mehr habe? Egal.
Schlaf, das Ibuprophen des Gestressten, hat seine Erwartungen mehr als erfüllt. Ich fühle mich wie am jüngsten Tag, nichts erwartend, außer dem, dass es bitte so friedlich bleibe. Bewegtes Standbild ohne Sorgen und Nöte. Was auch immer der Tag bringen mag, hier werde ich es einfach aussitzen.
Geblendet von der Morgensonne die Augen schließen und den salzigen Geschmack des Meeres inhalieren.
Im Jetzt wie hier, erfüllen sich alle Hoffnungen und Wünsche, die unseren Entschluss zu gehen motivierten.
Angekommen in einem Postkartenidyll, in einem Traum, den so viele Maler und Poeten zu manifestieren suchten.
Ich sitze in einem Bild von Monet oder Casper David Friedrich. Mein Umfeld sind die Bilder zu den unzähligen Worten von Thomas Mann. Und meine Seele genießt die Pinselstriche eines Schöpfers, an den ich im Alltag nicht glauben will.
Wenn ich irgendwann sterbe, wird dieser Moment mein letzter Gedanke sein. An diesem Strand wird mich der Fährmann des Jenseits abholen und auf die die andere Seite bringen.
Hier und jetzt, kann ich fühlen und sehen, wie die transzendente Vorstellung von innerem Frieden,Gestalt annimmt.
Bis morgen,
Euer Ulf
In a painting by Monet
Is there anything more beautiful than watching the sun rise in the morning at sunrise, SLEEPING OUT? Listening to the waves as if in a test painting and remaining silent?
Simply being. Every day that didn’t work out and every annoyance are forgotten in this moment.
The noise acts like a broom in the mind that simply channels out all resentment and every twist and turn of frictional activity.
I forget that the microphone didn’t work yesterday during tutoring. That I was so exhausted from a million tasks that I could barely keep my eyes open at two o’clock in the afternoon, put aside the fact that I no longer have any tobacco? Never mind.
Sleep, the ibuprophene of the stressed-out, has more than fulfilled its expectations. I feel like it’s Judgment Day, expecting nothing but that it would please stay this peaceful. A moving still image without worries or hardship. Whatever the day may bring, I’ll just sit it out here.
Blinded by the morning sun, I close my eyes and inhale the salty taste of the sea.
In the now, as here, all the hopes and wishes that motivated our decision to leave are fulfilled
Arrived in a postcard idyll, in a dream that so many painters and poets have tried to manifest.
I am sitting in a painting by Monet or Casper David Friedrich. My surroundings are the paintings to the countless words of Thomas Mann. And my soul enjoys the brushstrokes of a creator I don’t want to believe in in everyday life.
When I die one day, this moment will be my last thought. On this beach, the ferryman of the afterlife will pick me up and take me to the other side.
Here and now, I can feel and see the transcendent idea of inner peace taking shape.
(down below in english) Zimtsterne, Mandelschnecken, Mandarinenduft und Schnee, dass sind für die meisten Weihnachtsmerkmale. Aber für Kinder sind es in erster Linie Geschenke, Geschenke, Geschenke!
Ich bin grad ein Kind und weil es gestern so viele Geschenke gab, wie es sie nur an Weihnachten gibt, fühl ich mich heute wie Weihnachten, obwohl die Rentiere Wildschweine sind und mein Christstollen ein Butterbrot.
Wollen wir zusammen auspacken?
Erst das Größte! Die Verpackung sieht irgendwie langweilig aus. Was da wohl drin ist?
Eine Standheizung! Wie geil ist das denn?! Die hab ich mir ja schon so lange gewünscht. Und sie funktioniert, oh danke lieber Weihnachtsmann, danke!
Oh, da steht da ja Silvana drauf, ups! Darf ich sie trotzdem mal anmachen? Aber erst weiter auspacken.
Was ist das? Ein Umschlag? Bestimmt eine Postkarte von der Rüschentante mit viel Blabla und wenig Geld, egal. Mal gucken.
Nee, ich glaub es nicht! Ein Job als Lehrer! Ich krieg den Mund nicht mehr zu! Das heißt, wir dürfen bleiben? Ehrlich? Oh man, ich bin so aufgeregt.
Und da ist ja noch ein Umschlag! Von Nikki. Wer war das noch gleich? Ah ja, dass ist die Medientante aus der Nähe von Mainz, oder? Die schreibt mir? Was die wohl will?
Nee, ne? Guck Mal Silvana,noch ein Job! Als Chatmoderator! Jetzt kann ich auch mit meiner Lust zu schreiben Geld verdienen! Ich glaub das sind die schönsten Weihnachten, die ich je erlebt habe, findest du nicht auch mein Schatz?
Ja, kleiner Ulf das ist wirklich toll und guck Mal, was ich bekommen habe:
Einen Shunt, damit wir den Batteriestand prüfen können und ein Litiumbatterie Ladegerät! Jetzt sind wir völlig unabhängig!
Und hier! Guck doch mal! Eine Warmwasserpumpe und eine Dusche! Jetzt kann ich endlich jeden Tag die Haare waschen.
Aber was ist das? Wer klopft denn da? Ich geh Mal gucken.
Ah, die Sonne, sie fragt, ob wir mit zum Strand gehen!
Ich bin gleich wieder da!
Euer Ulf
Christmas at last!
Cinnamon stars, almond buns, the scent of mandarin and snow – for most people these are the hallmarks of Christmas. But for children, it’s first and foremost presents, presents, presents!
I’m a child right now and because there were so many presents yesterday, as there are only at Christmas, I feel like Christmas today, even though the reindeer are wild boars and my Christmas stollen is a sandwich.
Shall we unwrap together?
First the biggest one! The packaging looks kind of boring. I wonder what’s inside.
A parking heater! How cool is that? I’ve wanted one for so long. And it works, oh thank you dear Santa, thank you!
Oh, it says Silvana on it, oops! Can I turn it on anyway? But let’s unpack it first.
What’s that? An envelope? Probably a postcard from the frilly aunt with lots of blah blah blah and not much money, never mind. Let’s see.
No, I don’t believe it! A job as a teacher! I can’t keep my mouth shut! Does that mean we can stay? Really? Oh man, I’m so excited.
And there’s another envelope! From Nikki. Who was that again? Ah yes, that’s the media lady from near Mainz, isn’t it? She’s writing to me? I wonder what she wants?
No, no? Look Silvana, another job! As a chat moderator! Now I can earn money with my desire to write! I think this is the best Christmas I’ve ever had, don’t you agree, my darling?
Yes, little Ulf, that’s really great and look what I got:
A shunt so we can check the battery level and a lithium battery charger! Now we are completely independent!
And here! Look at this! A hot water pump and a shower! Now I can finally wash my hair every day.
But what’s that? Who’s that knocking? I’ll go and have a look.
Ah, the sun, it’s asking if we’re going to the beach!
I’ll be right back!
Your Ulf
Wollen wir zusammen auspacken?
Erst das Größte! Die Verpackung sieht irgendwie langweilig aus. Was da wohl drin ist?
Eine Standheizung! Wie geil ist das denn?! Die hab ich mir ja schon so lange gewünscht. Und sie funktioniert, oh danke lieber Weihnachtsmann, danke!
Oh, da steht da ja Silvana drauf, ups! Darf ich sie trotzdem mal anmachen? Aber erst weiter auspacken.
Was ist das? Ein Umschlag? Bestimmt eine Postkarte von der Rüschentante mit viel Blabla und wenig Geld, egal. Mal gucken.
Nee, ich glaub es nicht! Ein Job als Lehrer! Ich krieg den Mund nicht mehr zu! Das heißt, wir dürfen bleiben? Ehrlich? Oh man, ich bin so aufgeregt.
Und da ist ja noch ein Umschlag! Von Nikki. Wer war das noch gleich? Ah ja, dass ist die Medientante aus der Nähe von Mainz, oder? Die schreibt mir? Was die wohl will?
Nee, ne? Guck Mal Silvana,noch ein Job! Als Chatmoderator! Jetzt kann ich auch mit meiner Lust zu schreiben Geld verdienen! Ich glaub das sind die schönsten Weihnachten, die ich je erlebt habe, findest du nicht auch mein Schatz?
Ja, kleiner Ulf das ist wirklich toll und guck Mal, was ich bekommen habe:
Einen Shunt, damit wir den Batteriestand prüfen können und ein Litiumbatterie Ladegerät! Jetzt sind wir völlig unabhängig!
Und hier! Guck doch mal! Eine Warmwasserpumpe und eine Dusche! Jetzt kann ich endlich jeden Tag die Haare waschen.
Aber was ist das? Wer klopft denn da? Ich geh Mal gucken.
Ah, die Sonne, sie fragt, ob wir mit zum Strand gehen!
Ich bin gleich wieder da!
Euer Ulf
Christmas at last! Cinnamon stars, almond buns, the scent of mandarin and snow – for most people these are the hallmarks of Christmas. But for children, it’s first and foremost presents, presents, presents!
I’m a child right now and because there were so many presents yesterday, as there are only at Christmas, I feel like Christmas today, even though the reindeer are wild boars and my Christmas stollen is a sandwich.
Shall we unwrap together?
First the biggest one! The packaging looks kind of boring. I wonder what’s inside.
A parking heater! How cool is that? I’ve wanted one for so long. And it works, oh thank you dear Santa, thank you!
Oh, it says Silvana on it, oops! Can I turn it on anyway? But let’s unpack it first.
What’s that? An envelope? Probably a postcard from the frilly aunt with lots of blah blah blah and not much money, never mind. Let’s see.
No, I don’t believe it! A job as a teacher! I can’t keep my mouth shut! Does that mean we can stay? Really? Oh man, I’m so excited.
And there’s another envelope! From Nikki. Who was that again? Ah yes, that’s the media lady from near Mainz, isn’t it? She’s writing to me? I wonder what she wants?
No, no? Look Silvana, another job! As a chat moderator! Now I can earn money with my desire to write! I think this is the best Christmas I’ve ever had, don’t you agree, my darling?
Yes, little Ulf, that’s really great and look what I got:
A shunt so we can check the battery level and a lithium battery charger! Now we are completely independent!
And here! Look at this! A hot water pump and a shower! Now I can finally wash my hair every day.
But what’s that? Who’s that knocking? I’ll go and have a look.
Ah, the sun, it’s asking if we’re going to the beach!
I’ll be right back!
IiYour Ulf
Wollen wir zusammen auspacken?
Erst das Größte! Die Verpackung sieht irgendwie langweilig aus. Was da wohl drin ist?
Eine Standheizung! Wie geil ist das denn?! Die hab ich mir ja schon so lange gewünscht. Und sie funktioniert, oh danke lieber Weihnachtsmann, danke!
Oh, da steht da ja Silvana drauf, ups! Darf ich sie trotzdem mal anmachen? Aber erst weiter auspacken.
Was ist das? Ein Umschlag? Bestimmt eine Postkarte von der Rüschentante mit viel Blabla und wenig Geld, egal. Mal gucken.
Nee, ich glaub es nicht! Ein Job als Lehrer! Ich krieg den Mund nicht mehr zu! Das heißt, wir dürfen bleiben? Ehrlich? Oh man, ich bin so aufgeregt.
Und da ist ja noch ein Umschlag! Von Nikki. Wer war das noch gleich? Ah ja, dass ist die Medientante aus der Nähe von Mainz, oder? Die schreibt mir? Was die wohl will?
Nee, ne? Guck Mal Silvana,noch ein Job! Als Chatmoderator! Jetzt kann ich auch mit meiner Lust zu schreiben Geld verdienen! Ich glaub das sind die schönsten Weihnachten, die ich je erlebt habe, findest du nicht auch mein Schatz?
Ja, kleiner Ulf das ist wirklich toll und guck Mal, was ich bekommen habe:
Einen Shunt, damit wir den Batteriestand prüfen können und ein Litiumbatterie Ladegerät! Jetzt sind wir völlig unabhängig!
Und hier! Guck doch mal! Eine Warmwasserpumpe und eine Dusche! Jetzt kann ich endlich jeden Tag die Haare waschen.
Aber was ist das? Wer klopft denn da? Ich geh Mal gucken.
Ah, die Sonne, sie fragt, ob wir mit zum Strand gehen!
Ich bin gleich wieder da!
Euer Ulf
Christmas at last! Cinnamon stars, almond buns, the scent of mandarin and snow – for most people these are the hallmarks of Christmas. But for children, it’s first and foremost presents, presents, presents!
I’m a child right now and because there were so many presents yesterday, as there are only at Christmas, I feel like Christmas today, even though the reindeer are wild boars and my Christmas stollen is a sandwich.
Shall we unwrap together?
First the biggest one! The packaging looks kind of boring. I wonder what’s inside.
A parking heater! How cool is that? I’ve wanted one for so long. And it works, oh thank you dear Santa, thank you!
Oh, it says Silvana on it, oops! Can I turn it on anyway? But let’s unpack it first.
What’s that? An envelope? Probably a postcard from the frilly aunt with lots of blah blah blah and not much money, never mind. Let’s see.
No, I don’t believe it! A job as a teacher! I can’t keep my mouth shut! Does that mean we can stay? Really? Oh man, I’m so excited.
And there’s another envelope! From Nikki. Who was that again? Ah yes, that’s the media lady from near Mainz, isn’t it? She’s writing to me? I wonder what she wants?
No, no? Look Silvana, another job! As a chat moderator! Now I can earn money with my desire to write! I think this is the best Christmas I’ve ever had, don’t you agree, my darling?
Yes, little Ulf, that’s really great and look what I got:
A shunt so we can check the battery level and a lithium battery charger! Now we are completely independent!
And here! Look at this! A hot water pump and a shower! Now I can finally wash my hair every day.
But what’s that? Who’s that knocking? I’ll go and have a look.
Ah, the sun, it’s asking if we’re going to the beach!
(down below in english) Ich habe auf dieser Reise bemerken müssen, dass mir meine Unbeschwertheit abhanden gekommen ist. Früher konnte mich nichts erschrecken und jede Hürde hat mich stärker motiviert, über mich hinaus zu wachsen. Das kann ich heute nicht mehr von mir behaupten und nicht mehr als Stärke ins Feld führen, wenn Mut gefragt ist.
Es war nicht so, als gab es früher keinen Grund zur Sorge, ganz im Gegenteil. Omnipräsente schlechte Noten, Stress mit meinen Eltern sowie unzählige Probleme die ich mir selbst zuzuschreiben hatten, pflasterten meinen Weg. Das hat mich auch immer schon sehr belastet und hing wie eine Hantel an meiner Seele, aber seit einigen Jahren wurde daraus eine tiefsitzende Angst, die mich massiv einschränkt.
Während ich noch vor gar nicht so langer Zeit nach jeder gemeisterten Herausforderung sorgloser die nächste kaum erwarten könnte, denke ich heute: Besser nicht noch einmal.
Ich hasse das! Ich will so nicht sein! Ich will nicht, dass die Angst mein Leben beherrscht, aber ich merke, dass sie es macht und ich bin ratlos, wie ich diese Ohnmacht in den Griff bekommen soll.
An welchem Punkt wurde aus konkreter Furcht omnipräsente Angst und wie kann ich sie besiegen?
Oft denke ich, das liegt am Alter und dass es die Masse Furcht einflössender Momente ist, die aus einer zarten Pflanze einen stattlichen Baum Angst mit langen Schatten in meinem Inneren gemacht hat.
Und noch öfter denke ich an bestimmte Personen, die mich mit omnipräsenten Drohungen zu nackter, immer währender Konfrontation mit der Nichtigkeit meiner Selbst in einer Welt drängt, dessen Werte ich nicht, oder zumindest nicht mehr teile.
Ich komme aus privilegiertem Elternhaus, aber Geld war für mich immer nur Mittel zum Zweck. Ich hatte nie den Wunsch, viel zu haben, sondern immer nur das Verlangen nach genug und ich war nie zu faul zum Arbeiten, aber auch nie bereit, für den Reichtum anderer mein Leben zu opfern.
Es sollte reichen um das Leben mit beiden Händen zu packen und genießen zu können. Es ging mir nie, um mehr als andere, denn teilen war nie ein Problem für mich. Wenn ich hatte gab ich und wenn es half, machte das nicht nur mein Gegenüber, sondern auch mich glücklich.
Aber irgendwie darf man so nicht leben. Die oberste Priorität muss sein zu haben, weshalb man besser nie aufhören sollte anzuhäufen. Man weiss ja nie, wann man es gebrauchen könnte.
Kein Vertrauen in Solidarität oder Gemeinsamkeit a la, die eine Hand wäscht die andere. Wenn es gut werden muss, mach es allein. Verlass Dich auf keinen sondern nur auf Geld, denn nur Geld kann alles. Fürs Jugendamt ist es sogar wichtiger als Liebe: „Man hat sie nicht gebeten ihre Tochter zu besuchen. Sie müssen zuvorderst zahlen“.
Seit ich Vater des schönsten, klügsten und besten Menschen der Welt bin, wird mir von derlei Stellen das Leben omnipräsent schlecht geredet und systematisch zur Hölle gemacht. Ich hatte nur die Wahl zwischen unterzuordnen und mich aufzugeben, oder zu kämpfen. Ein Kampf den ich nie gewinnen konnte. Ein Kampf der mich mürbe gemacht hat.
Ein die letzten Kräfte raubender Wettkampf zwischen Gut und Böse, wobei jede Seite sich des Etiketts „gut“ sicher wähnte.
Ich will nicht bestreiten, dass ich auch finanziell besser hätte für mein Kind sorgen müssen, aber meine Bemühungen reichten nicht. Und man darf mir glauben, dass ich am meisten darunter litt.
Ich wollte ein guter Vater sein und habe alles gemacht, was ich in diesem Zusammenhang für notwendig hielt, aber es war und ist seit 18 Jahren zu wenig und man bindet mir das seit 18 Jahren täglich unter die Nase.
Ich habe mir einen guten Job in der Werbung gesucht und bin alle zwei Wochen von München, Hamburg, Berlin und anderen Städten für den letzten Cent nach Münster gefahren, um meinem Kind ein guter und sichtbarer Papa zu sein und alles was dabei rauskam war ein Häufchen Elend, das derzeit in Griechenland weilt und seine Angst nicht mehr in den Griff bekommt.
Aus meiner Tochter wurde in der Zwischenzeit eine stolze und selbstbewusste Frau. Alles,was ich ihr immer gewünscht habe. Und aus ihrem Vater ein Gejagter, der wie Francois Villion auf der Flucht ist, obwohl er keiner Fliege was zu Leide tat.
Das Beste an dieser Tour, dem Ritt auf der Waiküre, der Kunst zu überleben ist, dass ich vor dieser tief sitzenden, destruktiven Angst, nicht mehr weglaufen kann. Denn sie sitzt tief in mir und will jeden Tag aufs neue bezwungen werden. An Anfahrten und bei Umbauten. Im Zusammen mit Silvana und bei der Suche nach Jobs.
Vielleicht bin zumindest ich nur deshalb unterwegs, um endlich diesen Gegner zu bezwingen. Denn mit diesem Gefährten im Nacken kann ich nicht weiterleben und auch Silvana kein guter Partner und Zoé kein guter Vater sein.
Diesen Kampf muss ich noch führen und ich muss ihn gewinnen. Für Zoé und Silvana, aber am meisten für mich.
Denn Angst ist nie ein guter Berater und wenn sie aufgrund der Masse ihrer Erscheinungen ihre Größe erlangte, kann nur eines sie besiegen: mehr Positives.
In diesem Sinne erklimmen wir gleich mit dem Jürmann den Berg und morgen wieder, bis aus Angst wieder Furcht und aus Furcht wieder Herausforderung wird. Denn damit kann ich gut leben, das weiss ich ja aus Erfahrung.
Bis morgen,
Euer Ulf
The difference between fear and anxiety
On this journey, I have realized that I have lost my light-heartedness. In the past, nothing could scare me and every hurdle motivated me more to surpass myself. Today, I can no longer say that about myself and can no longer cite it as a strength when courage is required.
It wasn’t as if there was nothing to worry about in the past, quite the opposite. Omnipresent bad grades, stress with my parents and countless problems that I had to blame on myself paved my path. This has always weighed heavily on me and hung like a barbell on my soul, but in recent years it has become a deep-seated fear that restricts me massively.
Whereas not so long ago, I could hardly wait for the next challenge without a care in the world, I now think: better not again.
I hate this! I don’t want to be like this! I don’t want fear to rule my life, but I realize that it does and I’m at a loss as to how to get a grip on this powerlessness.
At what point did concrete fear become omnipresent fear and how can I conquer it?
I often think it’s down to age and that it’s the mass of fear-inducing moments that have turned a tender plant into a stately tree of fear with long shadows inside me.
And even more often I think of certain people who urge me with omnipresent threats to naked, perpetual confrontation with the nothingness of myself in a world whose values I do not share, or at least no longer share.
I come from a privileged background, but money was always just a means to an end for me. I never had the desire to have a lot, only the desire for enough.and I was never too lazy to work, but also never willing to sacrifice my life for the wealth of others.
It should be enough to be able to grab life with both hands and enjoy it. I was never interested in having more than others, because sharing was never a problem for me. If I had, I gave and if it helped, it not only made the other person happy, but also me.
But somehow you can’t live like that. The top priority must be to have, which is why you should never stop accumulating. You never know when you might need it.
No trust in solidarity or togetherness a la, one hand washes the other. If it has to be good, do it alone. Don’t rely on anyone but money, because only money can do everything. For the youth welfare office, it’s even more important than love: „You weren’t asked to visit your daughter. You have to pay first“.
Ever since I became the father of the most beautiful, smartest and best person in the world, I’ve had my life systematically made a living hell by such authorities. I only had the choice between submitting and giving up, or fighting. A fight that I could never win. A fight that wore me down.
A contest between good and evil that sapped the last of my strength, with each side believing itself safe from the label „good“.
I won’t deny that I should have done better financially for my child, but my efforts weren’t enough. And you can believe me that I suffered the most.
I wanted to be a good father and did everything I thought was necessary in this context, but it was and has been too little for 18 years and I have been told this every day for 18 years.
I looked for a good job in advertising and drove every two weeks from Munich, Hamburg, Berlin and other cities to Münster for the last penny to be a good and visible dad to my child and all that came out of it was a pile of misery that is currently in Greece and can no longer get a grip on its anxiety.
In the meantime, my daughter has become a proud and self-confident woman. Everything I always wanted her to be. And her father has become a hunted man who, like Francois Villion, is on the run, even though he wouldn’t hurt a fly.
The best thing about this tour, the ride on the Waiküre, the art of survival, is that I can no longer run away from this deep-seated, destructive fear. Because it sits deep inside me and wants to be conquered anew every day. On journeys and during renovations. Together with Silvana and when looking for jobs.
Perhaps I, at least, am only on my way to finally defeat this opponent. Because I can’t go on living with this companion breathing down my neck, nor can I be a good partner to Silvana or a good father to Zoé.
I still have to fight this battle and I have to win it. For Zoé and Silvana, but most of all for me.
Because fear is never a good advisor and when it has reached its greatness due to the mass of its manifestations, only one thing can defeat it. more positivity.
With this in mind, let’s climb the mountain with Jürmann right now and again tomorrow, until fear becomes fear again and fear becomes a challenge again. Because I can live with that, I know that from experience.
(down below in english) Am 1. Oktober vergangenen Jahres, stand für uns fest, dass es so wie es war, nicht weiter gehen kann. Zu viel Routinen und zu viel Tristesse macht ein Leben zwar nicht unerträglich, aber unmöglich zu genießen. Uns fehlte die Lebensfreude.
Also beschlossen wir, uns zu verändern. Es sollte radikal sein, also mindestens aus Stadt und Land. Aber wenn man von Horstmar nach, wie wir erst dachten, nach Madeira auswanderte, würde sich doch auch unweigerlich irgendwann wieder ein Alltag einschleichen und man würde, so unsere Befürchtung, erneut im Tagesgeschäft überleben stranden.
„Wie wäre es mit Vanlife?“ Schlug ich vor und Silvana war gleich Feuer und Flamme. Jeden Tag woanders, täglich Sonne und Meer, Meer, Meer.
Wir waren uns bewusst, dass wir nicht viel Geld hatten und auch, dass uns keinerlei Ahnung von dem was uns erwarten würde, als Erfahrung helfen würde. Und selbst unsere optimistische Naivität, war kein unbekanntes Geheimnis, sondern Teil des Plans. Nicht zu viele Probleme kennen, die auf uns zukommen würden, könnte helfen, nicht aufzugeben, bevor wir losgefahren sind.
Und wahrlich, hätten wir eine Ahnung davon gehabt, was uns bisher bereits alles passiert ist, wir wären jetzt noch in Horstmar und nicht an dem Traumstrand, dessen Aussicht uns heute zum Frühstück geschenkt ist.
Was wir aber nicht wussten, war ein Ziel. Nur eine Ahnung von Abenteuer und Selbstfindungserfahrungen motivierte uns von 100 in vier Quadratmeter zu ziehen und die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Der unbedingte Wille, es nicht nur bei honorigen Wünschen zu belassen, gab uns Kraft, viel zu verkaufen, noch mehr wegzuwerfen, alles zu kündigen und uns mit dem Jürmann, den es freilich damals noch nicht gab, aufzumachen, die Welt zu entdecken.
Heute, 13. Monate und ein paar Wochen später, sind wir bereits durch zehn Länder gereist und haben das Schicksal bei den Hörnern gefasst.
Wir haben erleben dürfen und müssen, wie befreiend loslassen ist und reduzieren nicht einschränkt, sondern Möglichkeiten für Neues schafft.
Heute haben wir Bilder im Kopf, statt Schränken voller Plänen. Und heute, wo neben unfassbar einmaligen Erlebnissen und so manchem Unglück ein erstes Fazit gezogen werden darf, können wir nur sagen: Genau richtig, dass wir gefahren sind, auch wenn wir nicht, wie ich gern schreibe, alles richtig gemacht haben.
Denn heute, oder besser gestern, als wir den ersten Tag nur genossen und nicht gearbeitet haben, spüren wir, was wir vor gut einem Jahr nur geahnt haben.
Wir haben uns verändert. Silvana ist die, auf dessen Selbstvertrauen unsere Zukunft ruht und ich musste lernen, das Schwäche als Stärke zu akzeptieren, ein wesentlicher Baustein zur Selbstzufriedenheit ist. Heute habe ich auch noch nicht den Job oder das Leben, aber heute weiß ich zumindest schon einmal viel genauer, was ich will und nicht will und wie ich zukünftige Aufgaben im Kopf vorbereiten muss. Mit Ruhe und Fokussierung und vor allem ohne Angst.
Und ich weiss jetzt, mit Silvana an einem Traumstrand im Griechenland im Arm, was ich nie wieder möchte und das ich ohne die Erlebnisse des letzten Jahres wohl nie erfahren hätte:
Ich will mich nie wieder über Dinge ärgern, die ich mache, obwohl ich sie nicht machen will, deshalb lasse ich das Ungeliebte und erwarte mit Freude das Unvermeidliche immer wieder neue Jetzt, auch wenn das morgen vielleicht bedeuten kann, dass der Jürman die Steigung aus dieser Lagune nicht schafft.
Dann bleiben wir eben noch ein Weilchen, wir sind ja schließlich nicht in Horstmar!
Bis morgen,
Euer Ulf
We are not in Horstmar On October 1 last year, we realized that things could not go on as they were. Too many routines and too much dreariness made life not unbearable, but impossible to enjoy. We lacked joie de vivre.
So we decided to change. It had to be radical, so at least out of the city and out of the country. But if we emigrated from Horstmar to Madeira, as we initially thought, everyday life would inevitably creep back in at some point and, we feared, we would once again be stranded in the daily grind.
„How about vanlife?“ I suggested and Silvana was immediately hooked. Every day somewhere new, every day sun and sea, sea, sea.
We were aware that we didn’t have much money and that no idea of what to expect would help us as an experience. And even our optimistic naivety was not an unknown secret, but part of the plan. Not knowing too many problems that would come our way could help us not to give up before we set off.
And truly, if we’d had any idea what had happened to us so far, we’d still be in Horstmar and not on the dream beach whose view we’ve been given for breakfast today.
But what we didn’t know was a destination. Only an inkling of adventure and the experience of self-discovery motivated us to move from 100 to four square meters and leave the past behind us. The unconditional will to not just leave it at honorable wishes gave us the strength to sell a lot, throw away even more, quit everything and set off to discover the world with Jürmann, who admittedly didn’t exist back then.
Today, 13 months and a few weeks later, we have already traveled through ten countries and taken fate by the horns.
We have experienced and had to experience how liberating it is to let go and not to reduce, but to create opportunities for something new.
Today we have pictures in our heads instead of cupboards full of plans. And today, when we can draw a first conclusion from our unbelievably unique experiences and many a misfortune, we can only say that we were right to go, even if, as I like to write, we didn’t do everything right.
Because today, or rather yesterday, when we were just enjoying the first day and not working, we feel what we only suspected a good year ago.
We have changed. Silvana is the one on whose self-confidence our future lies and I had to learn that accepting weakness as strength is an essential building block for self-satisfaction. Today, I still don’t have the job or the life, but at least today I know much more precisely what I want and don’t want and how I need to prepare future tasks in my head. With calm and focus and, above all, without fear.
And I now know, with Silvana on a dream beach in Greece in my arms, what I never want again and what I would probably never have known without the experiences of the past year:
I never want to get angry again about things I do, even though I don’t want to do them, so I leave the unloved and happily await the inevitable New nows again and again, even if tomorrow that might mean that the Jürman doesn’t make the climb out of this lagoon.
Then we’ll just stay a while longer, we’re not in Horstmar after all!
(down below in english) Manchmal helfen leider weder Schraubenzieher noch Geld, um gewisse Hürden meistern und leider sahen wir uns gestern mit einer solchen konfrontiert.
Beim Tierarzt stellte sich raus, dass der kleine Jeffrey einen Herzfehler hat und unser Leben nicht meistern könnte.
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Natürlich hätten wir es mit Medikamenten und viel Hoffnung versuchen können, aber das wollten wir dem kleinen Lebowski nicht antun. Bei Andrea bekommt er alles was er braucht und muss nicht im Jürmann seine letzten Kräfte für Stress vergeuden, der sich vermeiden läßt.
Wir haben uns ja gewünscht, dass es auch für ihn ein freudiges Abenteuer und keine unnötige Belastung wird, deshalb haben wir ihn ganz schweren Menschenherzens in seiner alten Heimat gelassen. Hier wird es ihm am ehesten lange gut gehen, auch wenn Silvana und mir dieser Schritt sehr schwer fällt.
Man mag gar nicht dran denken, wenn plötzlich unser kleiner Freund leblos im Wagen läge. Ich wüßte nicht, wie ich Silvana dann auffangen sollte und von dem, wie Jeff gelitten haben möge, will ich gar nicht reden.
Also trennten sich gestern unsere Wege sehr tränenreich bevor wir uns gegenseitig noch lieber gewinnen und ein wenn auch ein wenig fauler Kompromiss wie jetzt nicht mehr möglich ist.
Der Himmel zeigt sich sogar solidarisch und verzieht keine Miene. Grau in Grau liegt er auf dem Tag und die Sonne hält sich dezent im Hintergrund.
Danke, liebe Freundin, dass Du uns heute nicht mit vielen fröhlichen Strahlen den gestrigen Abschied noch schwerer machst. Wir werden heute versuchen, uns mit kleinen Reparaturen abzulenken und dabei den kleinen Jeffrey, jeder für sich, ganz doll vermissen.
Bis morgen mit besseren Nachrichten,
Euer Ulf
Wir werden Dich sehr vermissen
It was not meant to be
Sometimes, unfortunately, neither screwdrivers nor money help to overcome certain hurdless and unfortunately we were confronted with one of these yesterday.
At the vet it turned out that little Jeffrey has a heart defect and would not be able to cope with our lives.
Of course we could have tried with medication and a lot of hope, but we didn’t want to do that to little Lebowski. At Andrea’s he gets everything he needs and doesn’t have to waste the last of his energy at Jürmann’s on stress that can be avoided.
We wanted it to be a happy adventure for him too and not an unnecessary burden, so we left him in his old home with a heavy human heart. He is most likely to do well here for a long time, even if Silvana and I find this step very difficult.
It’s hard to imagine our little friend suddenly lying lifeless in the car. I wouldn’t know how to pick Silvana up then and I don’t even want to talk about how Jeff might have suffered.
So we parted ways very tearfully yesterday before we could win each other over and a compromise, even if it was a bit lazy, was no longer possible.
The sky even shows solidarity and doesn’t make a face. The day is gray in gray and the sun stays discreetly in the background.
Thank you, dear friend, for not making yesterday’s farewell even harder for us today with so many cheerful rays. Today we will try to distract ourselves with small repairs and miss little Jeffrey, each one of us, very much.
(down below in english) Der Jürmann bog sich förmlich in den Winden und versuchte mit letzter Kraft ein bisschen Standfestigkeit zu bewahren, während der Regen aus allen Richtungen auf ihn einprasselte und dieses Decresendo der Naturgewalten uns aus dem Schlaf riss.
„Nichts Neues“, dachten wir uns, von den Erfahrungen der letzten Wochen geschult und riskieren nur einen beiläufigen Blick aus dem kleinen Fenster, um das Spektakel der Blitze in den Bergen zu bestaunen.
Wir sahen jedoch keine Blitze, sondern nur Baumreste und anderen Morast von Wind und Wellen zum tanzen gebracht. „Weg, weg, wir müssen hier sofort weg!“, rief ich Panik erfüllt zu Silvana, während diese, cool wie eine alte Hühnerglucke, ihren kleinen Ulf mit „bleib ruhig, Schatz!“ Zur Besinnung mahnte und sich anzog.
Ich konnte also nicht wie früher durchdrehen und in wilden Aktionismus verfallen, sondern mich nur mit Pullover, Hose und Schuhwerk bewaffnen, um im Anschluss mit aller Gewalt die vom Sturm verriegelte Tür zu öffnen.
Es war beängstigend und großartig zugleich, sich auf vormals festem Boden wie auf hoher See zu fühlen, nur das man hier nicht verzweifelt mit einem Eimer das Deck vom Wasser versucht zu befreien, sondern sich vorsichtig durch tiefe Pfützen am Jürmann entlang in die Fahrerkabine zu kämpfen hatte.
Zum Glück ließ uns der Motor nicht im Stich und sprang sofort an, aber an vorwärtskommen war nicht zu denken. Also im Rückwärtsgang, beinahe blind in den Schutzhafen der Saisonhütten für Badegäste, wo wir erstmalig nach gefühlten Stunden (,es können nur Minuten gewesen sein), durchatmen konnten.
Als die Sonne dann schließlich mühsam einige Strahlen durch die dicke Wolkendecke bohrte, beruhigte sich auch die See ein wenig, aber es regnete weiterhin sogar von unten.
Irgendwann folgte ich Capitänin Jürgens Anweisungen und erkundete den einzig möglichen Fluchtweg in die Freiheit. Denn wir wollten auf keinen Fall mit den Bewohnern wie auf Guilligens Insel hier länger als nötig verweilen.
„Ja, es sind noch große und tiefe Pfützen zu überwinden, aber die größten Hürden hab ich beseitigt“, rapportierte ich und erntete einen dicken Schmatzer zum Dank dafür.
„Also los“, beschloss Silvana,“ die Wellen cruisen sich hoch ein. Jetzt oder nie!“
Und. Während ich nervös ein Kreuzzeichen schlug, befestigte die Frau meiner Träume, die mich also auch in Alpträumen nicht allein ließ, unser Hab und Gut im Jürmann.
Dann stellten wir uns der Natur mit 2.5 Tonnen auf 100 PS.
Es wackelte und schaukelte. Aber jedem Abrutschen könnte entgegen gelenkt werden, bis wir, mit Schutzblech auf dem Bett wieder in Sicherheit waren.
Durchatmen, umarmen und knutschen, bis die Anspannung langsam nachließ. „Besser hätte man es nicht machen können“, schlug ich mir selbst auf die Schultern. Nur Silvana fand dann doch noch ein Haar in der Suppe “ Wir haben den Handfeger vergessen“.
Bis morgen,
Euer Ulf
Hooray, we’re still alive!
The Jürmann was literally bending in the winds, trying with his last ounce of strength to maintain a bit of stability while the rain pelted down on him from all directions and this decresendo of the forces of nature tore us from our sleep.
„Nothing new,“ we thought to ourselves, trained by the experiences of the last few weeks, and only risked a casual glance out of the small window to marvel at the spectacle of lightning in the mountains.
However, we didn’t see any lightning, just the remains of trees and other debris made to dance by the wind and waves. „Away, away, we have to get out of here now!“ I shouted in panic to Silvana, while she, cool as an old hen’s cluck, urged her little Ulf to calm down with „stay calm, darling!“ and got dressed.
So I couldn’t go crazy and go into wild actionism like I used to, I could only arm myself with a sweater, trousers and shoes and then force open the door that had been locked by the storm.
It was scary and great at the same time to feel like you were on the high seas on previously solid ground, except that here you didn’t have to desperately try to clear the deck of water with a bucket, but had to carefully fight your way through deep puddles along the Jürmann into the driver’s cab.
Fortunately, the engine didn’t let us down and started immediately, but there was no way of moving forward. So we reversed, almost blindly, into the shelter of the seasonal cabins for bathers, where we were able to take a deep breath for the first time after what felt like hours (it could only have been minutes).
When the sun finally managed to pierce a few rays through the thick cloud cover, the sea calmed down a little, but it was still raining, even from below.
At some point, I followed Captain Jürgen’s instructions and explored the only possible escape route to freedom. We didn’t want to stay here longer than necessary with the inhabitants of Guilligen’s Island.
„Yes, there are still large and deep puddles to overcome, but I’ve cleared the biggest hurdles,“ I reported and received a big pat in return.
„So let’s go,“ Silvana decided, „the waves are getting high. It’s now or never!“
And. While I nervously made the sign of the cross, the woman of my dreams, who wouldn’t leave me alone even in my nightmares, secured our belongings in the Jürmann.
Then we faced nature with 2.5 tons at 100 hp.
It wobbled and rocked. But we were able to counteract any slippage until we were safe again with a protective sheet on the bed.
We took a deep breath, hugged and smooched until the tension slowly subsided. „It couldn’t have been done any better,“ I slapped myself on the back. Only Silvana found a fly in the ointment: „We forgot the hand brush“.
(down below in english) Die Kiesel am Strand scheinen weißer als gestern und das Wasser wirkt auch irgendwie, wie soll ich sagen, … matter. Ein bisschen wie eine flüssige Pampe…
Auch die Wolken sehen ganz anders aus als in den letzten Tagen, düsterer, ja beinahe schwarz. Und auf meiner Haut bilden sich merkwürdige kleine Pickel.
Aber sie jucken nicht, sondern, wie soll ich sagen, es ziept ein wenig so, als ziehe sich die Haut zusammen. Kein Schmerz, sondern mehr ein Kitzeln vom Wind, der inmitten diese Miniaturhügelchen kleinste Tornados bildet.
Auch die Sonne ist nicht zu sehen, obwohl es hell ist. Vor wem oder was sie sich wohl versteckt hat?
Beim suchenden Blick am Horizont entdecke ich sie dann schließlich doch. Ganz weit links erkennt man ein paar vereinzelte Strahlen auf grauem Grund, weil die Wolkendecke eben doch keine Mauer, sondern nur aufgeplusterte Luft ist.
Ich freue mich, so als wäre es wie beim Verstecken spielen früher, meine Aufgabe gewesen, sie zu finden. Dennoch ist das Glück etwas getrübt, denn mein Körper vermisst auf der ganzen Haut ihre sanften Streicheleinheiten.
Wenn ich nur wüsste, was mir grad so sehnsüchtig fehlt?
Beim Grübeln darüber, geh ich ein Stück und die Pickelchen verschwinden urplötzlich, aber nur bis ich wieder stehen bleibe. Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Meine Begierde verlangt nach einem Rolli, und Socken.
Ich glaub, mich fröstelt es ein wenig.
Komisch, früher fand ich das … gar nicht gut, aber jetzt begrüße ich den Herbst mit offenen Armen und hoffe heimlich dennoch, dass er nur auf der Durchreise ist.
Bis morgen,
Euer Ulf
What IS this?
The pebbles on the beach seem whiter than yesterday and the water also seems somehow, how shall I put it … more matt. A bit like a liquid slurry…
The clouds also look completely different to the last few days, darker, almost black. And strange little spots are forming on my skin.
But they don’t itch, instead, how can I put it, it’s a bit of a pull, as if the skin is contracting. No pain, but more a tickling sensation from the wind, which forms tiny tornadoes in the middle of these miniature mounds.
You can’t see the sun either, even though it’s bright. Who or what is it hiding from?
Looking around the horizon, I finally spot it. Far to the left, you can make out a few isolated rays on a gray background, because the cloud cover isn’t a wall after all, but just puffy air.
I’m happy, as if it was my job to find them, just like when I used to play hide and seek. Nevertheless, my happiness is somewhat dampened because my body misses her gentle caresses all over my skin.
If only I knew what I’m missing so longingly right now?
Pondering this, I walk a little and the spots suddenly disappear, but only until I stop again. Then the scales fall from my eyes. My desire calls for a turtleneck and socks.
I think I feel a little chilly.
Funny, I used to think that … Not good at all, but now I welcome autumn with open arms and still secretly hope that it’s just passing through.
(down below in english) Es ist schön heute. Ein bisschen kälter als sonst, aber die Sonne strahlt wie am jüngsten Tag und das Meer plätschert, noch ein wenig verunreinigt von den sinflutartigen Regenfällen der Nacht, seicht im Wind.
Genau der richtige Zeitpunkt, um Bäume auszureißen. Aber nein, ausgerechnet jetzt breitet die Zeit ihre weiten Schwingen über meinen Geist und erfüllt die Gedanken mit Melancholie.
Ich dachte, dieser Moment überkommt mich, wenn der Jürmann in irgendeiner fremden Welt auf einer Hebebühne weilt und ich sein Urteil erwarte, oder ich mich in einem Polizeirevier für einen Unfall zu verantworten habe.
Aber nein, dann sind Ich, Über-Ich und Es viel zu geschäftig für kritische, gegenseitige Betrachtungen.
Erst dann, wenn die Zeit stillzustehen scheint, löst man das Ticket für das Karussell des Bullshitbingos, das dem Ich seine ganz eigenen Geschichten aus gemachten Erfahrungen kredenzt.
Wenn es heißt: Die nächste Runde geht rückwärts, wird es Zeit zu meditieren. Mithilfe des Atems die Geschwindigkeit des Denkens zu drosseln, bis es im Jetzt verweilen kann.
Wenn aus Silvana neben mir, wieder die Liebe meines Lebens wird, die mit Müsli in der Hand grinsend die Stille genießt und meine Seele wieder mit so wohlig vertrauter Wärme erfüllt,wie es keine Sonne jemals zuvor vermochte.
Bis morgen,
Euer Ulf
Stand back please!
It is beautiful today. A little colder than usual, but the sun shines like the last day and the sea, still a little polluted by the sin flood rains of the night, ripples shallowly in the wind.
Just the right time to pull out trees. But no, now of all times spreads its wide wings over my mind and fills the thoughts with melancholy.
I thought this moment would come over me when the Jürmann was in some strange world on a lifting platform and I was awaiting his verdict, or when I had to answer for an accident in a police station.
But no, then ego, superego and id are much too busy for critical, mutual reflections.
Only then, when time seems to stand still, does one release the ticket for the carousel of bullshit bingo, which serves the ego its very own stories from experiences made.
When it says: The next round goes backwards, it’s time to meditate. With the help of the breath, to slow down the speed of thinking until it can dwell in the now.
When Silvana next to me becomes the love of my life again, grinning with muesli in her hand, enjoying the silence and filling my soul with such a pleasantly familiar warmth as no sun has ever been able to do before.
(down below in english) Wenn Hunde zirpen und Grillen bellen, dann kann ich nicht schlafen, weil meine Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen wollen.
Dann ist einfach zu viel passiert, um zu schlummern und ich ziehe leise Schuhe und Hose über, um spazieren zu gehen. Mir hilft es, dass der Mond scheint und nicht die Sonne, denn das dunkle Himmelszelt erleichtert es ungemein, alle nicht schweigen wollenden Gedanken wie Wäsche an funkelnde Sterne zu hängen, ohne dabei von beeindruckender Natur abgelenkt zu werden.
In solchen Momenten frag ich mich, warum gegenüber, in weiter Ferne, am anderen Ende des Meeres noch Licht brennt. Sitz da vielleicht auch grad ein Er oder eine Sie, mit einem vergangenem Tag im Kopf, der zu viele Stunden hatte, um das Erlebte in einem Traum zu verarbeiten?
Einst war ich jemand, der dann den Fernseher einschaltete. Heute weiß ich, das nichts besser ist, als Ferne sehen. Eine endlose Weite, ohne Werbung und Alternativprogramm. Nur ich, mein Kopf und ganz viel Ruhe.
Manchmal kann es Stunden dauern, bis endlich wieder Hunde bellen und Grillen zirpen. Manchmal so lange, bis sich bereits wieder die Sonne zeigt. Heute nicht.
Denn im Hintergrund höre ich Silvana im Schlaf lachen und freue mich, noch einige nachtblaue Stunden dicht an sie gekuschelt einfach nur zu schlafen und von den Wellen zu träumen, die jetzt so still wie ein Teppich vor mir liegen und gleich schon wieder als Wasserstraße das arbeitende Leben willkommen heißt.
Gute Nacht und bis Morgen,
Euer Ulf
The moon has risen
When dogs chirp and crickets bark, I can’t sleep because my thoughts just won’t settle down.
Then just too much has happened to slumber and I quietly put on shoes and pants to go for a walk. It helps me that the moon is shining and not the sun, because the dark canopy of the sky makes it immensely easier to hang all thoughts that do not want to be silent like laundry on twinkling stars without being distracted by impressive nature.
At such moments, I ask myself why there is still a light on the other side, far away, at the other end of the sea. Is there perhaps a he or a she sitting there, with a past day in the head, which had too many hours to process the experience in a dream?
Once I was someone who then turned on the television. Today I know that nothing is better than watching far away. An endless expanse, without advertising and alternative programs. Just me, my head and a lot of peace.
Sometimes it can take hours until finally dogs bark and crickets chirp again. Sometimes so long, until the sun already shows itself again. Not today.
Because in the background I can hear Silvana laughing in her sleep and I’m happy to just sleep for a few more night-blue hours snuggled up close to her and dream of the waves that now lie as still as a carpet in front of me and will soon welcome the working life as a waterway again.