Magie der Musik

(down below in english) Als der erste Mensch am Wasser stand und Musik statt Rauschen erklang, passierte ein Wunder. Jede Welle wurde zum rhythmischen Taktgeber und ihre weichen, sich überschlagenden Schaumkronen, zum Vehikel einer Emotion der Sehnsucht.

Vielleicht war es aber auch kein Wasser, sondern ein Bambusrohr, das vertrocknet und verlassen darauf wartete, geblasen zu werden. Plötzlich musste ein sensibles Ohr von Angriffswarnung auf Melancholie umgesprungen sein, und eine Lucy lauschte dem heiseren Ton nach, der sich aus dem Hohlrohr befreite und alles Sein in Erinnerungen tauchte.


Jeder sich bewegende Kiesel lachte ein sanftes Kinderlächeln und ein kleines Gebüsch mit dichtem Laub kündete von einer vergangenen romantischen Nacht. Alle bildlichen Eindrücke erwachen im Kopf als vergangenes Leben und erzählen der Phantasie eine Geschichte, die so berührt, dass einem die Tränen in die Augen schießen, ohne dass sich auch nur eine Wolke zu bewegen scheint

Die Sonne strahlt nicht mehr, sondern streichelt wie eine fürsorgliche Mutter über den Kopf und der Wind haucht einem das Lied der Freiheit ins Ohr.

Mein Gehirn entführte mich heute in einen dieser Momente und summte eine Melodie, deren vertraute Töne von der Bildgewalt einer Szene künden, an dessen Ende ein Mann und seine Frau glücklich in die dunkle Zukunft reiten.

Die Kerzenständer auf dem Tisch sind gefallen und ihre Dochte sind erloschen. Das Böse hat für einen Moment ausgedient und macht der Hoffnung Platz, die bei mir hier in einem Blick aus dem Jürmann in die Ferne ihren Zenit erreicht.


Bitte lass mich noch ein wenig verweilen, Muse der Sensiblen, denn ich bin noch nicht wieder bereit für Blätterrauschen und Wellenbrechen, mein Überich will noch ein wenig in Vergangenheiten weilen und sich auf die Zukunft freuen.

Bis morgen,

Euer Ulf

The magic of music


When the first person stood at the water’s edge and heard music instead of noise, a miracle happened. Each wave became a rhythmic beat and its soft, swirling whitecaps a vehicle for an emotion of longing.

Or maybe it wasn’t water, but a bamboo reed, dried up and abandoned, waiting to be blown. Suddenly, a sensitive ear must have switched from attack warning to melancholy, and a Lucy listened for the hoarse sound that broke free from the hollow tube, bathing all being in memories.

Every moving pebble laughed a gentle child’s smile and a small bush with dense foliage told of a romantic night gone by. All the visual impressions come to life in the mind as a past life and tell the imagination a story that is so moving that tears spring to the eyes without even a cloud seeming to move

The sun no longer shines, but caresses your head like a caring mother and the wind breathes the song of freedom into your ear.

My brain whisked me away to one of these moments today, humming a melody whose familiar tones tell of the imagery of a scene at the end of which a man and his wife ride happily into the dark future.

The candlesticks on the table have fallen and their wicks have gone out. Evil has had its day for a moment and makes way for hope, which reaches its zenith for me here in a look out of the Jürmann into the distance.

Please let me linger a little longer, muse of the sensitive, because I am not yet ready for the rustling of leaves and the breaking of waves, my superego wants to dwell a little longer on the past and look forward to the future.

See you tomorrow,

Your Ulf

Donnerstag

(Down below in english) Gewitter sind in Griechenland mehr als nur Donner und Blitze, deshalb sind sie im Jürmann auch immer ein echtes Erlebnis.

Plötzlich wird es durch die kleinen Fenster taghell und der Wind rüttelt wie ein Geldeintreiber am Zuhause, während es so furchterregend donnert, dass man sich wie ein Kind fühlt.

Man bekommt eine Ahnung davon wie Mann sich vor gut 2000 Jahren gefühlt hat, als der Irminsul, einer alten Eiche gehuldigt wurde.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde der Gott Donhar so um Gnade gebeten, dass er nicht Haus und Hof in Brant setzte.



Subtrahiert man nun in unserem Falle das Vorleben, spürt man, wie verzweifelt die Germanen (Kriegerische, Wilde – lat. Gere=Krieg) waren, als Karl der Große diesen Baum im Zuge der Christianisierung fällen ließ.

Wer einmal nicht schlafen konnte, weil alles wackelt und Donner wie Blitze einen das Fürchten lehren, indem Sie einem die eigene Nichtigkeit beweisen, bekommt Respekt vor der Natur und weiss, wer hier wen Untertan gemacht hat.

Mag sein, dass Karl wirklich nur beste Absichten hatte, als er dem Haidenglauben den Gar ausmachen wollte, aber womit hat er das Recht, den Menschen ihre Hoffnung zu nehmen?

Vielleicht wollte er auch nur zeigen, dass, wer die Irminsul fällt, auch den Donner kontrolliert, aber wenn ich Abends oder Nachts zucke, weil Donhar sein Unwesen treibt, wünsche ich mir eine alte Eiche und keinen Karl den Großen.

Bis morgen,

Euer Ulf

Thursday  (Day of Thunder)

Thunderstorms in Greece are more than just thunder and lightning, which is why they are always a real experience at the Jürmann.

Suddenly it becomes as bright as day through the small windows and the wind shakes your home like a bill collector, while it thunders so terrifyingly that you feel like a child.

You get an idea of how people felt a good 2000 years ago when they paid homage to the Irminsul, an ancient oak tree.

In the night from Wednesday to Thursday, the god Donhar was asked for mercy so that he would not set the house and farm on fire.

If you now subtract the previous life in our case, you can sense how desperate the Germanic tribes (warriors, savages – lat. Gere = war) were when Charlemagne had this tree felled in the course of Christianization.

Anyone who has ever been unable to sleep because everything is shaking and thunder and lightning teach you to fear by proving your own nothingness gains respect for nature and knows who has subjugated whom.

It may be that Charlemagne really only had the best of intentions when he wanted to put an end to the belief in sharks, but what right does he have to take away people’s hope?

Maybe he just wanted to show that whoever falls the Irminsul also controls the thunder, but when I twitch in the evening or at night because Donhar is up to mischief, I wish for an old oak tree and not Charlemagne.

See you tomorrow,

Your Ulf

Emanzipation

(down below in english) Tief in mir brodelt es noch immer und wenn ich genau darüber nachdenke, brodelt es schon lange. Ich hab es nur nicht gemerkt. Ignorant und selbstverliebt habe ich mit drei Kilo Hirn gedacht, dass ich besser weiss was mein Körper braucht, als die etwa 75 anderen Kilo.

Schokolade, Bier, Fleisch, Cola: Ich kann das nicht mehr, weil alles in mir nach Erlösung schreit. Bitte nicht!

Und dennoch habe ich nichts geändert. Aber seit einiger Zeit horche ich tiefer in mich rein, Frage mich wie ich Hunger haben kann, obwohl ich so voll bin, dass ich kaum laufen kann.

Mein Mikrobiom schreit aus Leibeskräften nach Alternativen und mein Ego versucht unentwegt lauter zu sein.

Jetzt ist Schluss damit. Wenn ich nach zwei Bier Tags drauf matschig im Kopf bin, dann werde ich sie jetzt weglassen und wenn ich nachts nicht schlafen kann, liegt das nicht an Problemen, kann es nicht, denn ich habe keine. Allein mein Körper fleht um Gnade: Bitte vergiftet mich nicht weiter.

Mag sein, dass das am Alter liegt, aber ich glaube nicht nur. Denn ist es nicht logisch, dass man und Frau am Meer nach Fisch verlangen statt nach Salami?

Alle Angeln und ich fresse Kuh, überall wachsen Orangen, aber mein Zucker ist Schokolade und die Luft ist so frisch wie im Labor künstlich produziert und ich rauche. Und weil es mir dann Abends notwendigerweise schlecht geht,nehm ich ein Bier zum beruhigen oder so.

Geht es noch ignoranter?!

Damit ist jetzt Schluss. Ab heute höre ich auf mich und nicht auf meinen Kopf. Kaufe wie gestern einen gebrauchten Replay Pullover für einen Euro im Vintage Store, arbeite am besten Rechner den ich je hatte, einem Gebrauchten und verzichte mit jedem Tag mehr auf die tägliche Dosis Gift.

Mag sein, dass das für Adi das Richtige war, aber Ulf kann darauf verzichten.

Nicht als bester Verzichtet der Welt von jetzt auf gleich, sondern als Mensch in seiner Kontingenz; immer ein bisschen mehr. Ich muss einfach nur auf mich hören.

Bis morgen,

Euer Ulf

Emancipation


It’s still bubbling deep inside me and if I think about it carefully, it’s been bubbling for a long time. I just didn’t realize it. Ignorant and self-absorbed, I thought with three kilos of brain that I knew better what my body needed than the 75 or so other kilos.

Chocolate, beer, meat, cola: I can’t do it anymore because everything inside me is screaming for release. Please don’t!

And yet I haven’t changed anything. But for some time now I’ve been listening deeper into myself, asking myself how I can be hungry even though I’m so full I can hardly walk.

My microbiome is screaming at the top of its lungs for alternatives and my ego is constantly trying to be louder.

Now it’s over. If I’m muddy in the head after two beers the next day, then I’ll leave them out now and if I can’t sleep at night, it’s not because of problems, it can’t be because I don’t have any. It’s just my body begging for mercy: please don’t poison me any more.

It may be due to age, but I don’t think it’s just that. After all, isn’t it logical that men and women by the sea crave fish instead of salami?

Everyone fishes and I eat cow, oranges grow everywhere, but my sugar is chocolate and the air is as fresh as if it were artificially produced in a laboratory and I smoke. And because I necessarily feel bad in the evening, I take a beer to calm down or something.

Could it get any more ignorant?

That’s over now. From today onwards, I’ll listen to myself and not my head. Like yesterday, I’ll buy a second-hand Replay sweater for one euro at the vintage store, work on the best computer I’ve ever had, a second-hand one, and do without the daily dose of poison more and more every day.

Maybe that was the right thing for Adi, but Ulf can do without it.

Not as the best renunciate in the world from now on, but as a human being in his contingency; always a little more. I just have to listen to myself.

See you tomorrow,

Your Ulf

Opfer und Täter

(down below in english) Silvana und ich kommen eigentlich aus völlig verschiedenen Welten, aber wie sagt man über das Verhältnis von Hund und Herrchen: Man wird sich mit der Zeit immer ähnlicher.

Gut, ich werde nicht in ein paar Monaten zur Frau und Silvana nicht zum Männlein, aber es ist auch an uns zweifelsfrei erkennbar, wie wir uns einander annähern. Am stärksten merkt man das beim Humor.

Natürlich haben wir in mancherlei Hinsicht gemeinsam notwendigen Sarkasmus entwickelt, aber nicht nur das, wir spüren, wenn ein Lachen notwendig ist und setzten gezielt wie ein Chirurg sein Skalpell im Alltag Pointen, die dem Leben die richtige Würze geben.

Friktionen dafür gibt es genug und Anlässe auch, denn immerhin leben wir in einem antiken Van. Logisch, dass man sich da nicht selten auf die Füsse tritt, weshalb das beim Witz eigentlich nicht mehr passieren kann, denn jede Schwachstelle in, an und um uns musste zwangsläufig dabei schon einmal mit einem dreckigen Lacher geehrt werden.

Graue Haare, Falten, Brüste, ihre wie meine und Hygiene, meine fehlende und ihre leidenschaftliche.

„Weißt Du eigentlich wie sehr ich die Sonne vermisst habe“ wird von ihr mit einem “ die Dusche leider nicht“ gekontert und wenn ich einfach nicht in den Quark komme, weißt sie mich darauf hin, dass ich ihr bitte nicht zu ähnlich werden soll.

Und gestern, als ich hunderte Male von Nominativ und Subjekt sprach, meinte sie dass ich das Objekt zu oft vergessen, woraufhin ich meinte, dass sie kein Objekt, sondern mehr eine adverbiale Bestimmung sei.

Dann gibt es einen Lacher und im Anschluss eine Nackenschelle, oft auch umgekehrt, aber Ärger gibt es dann so gut wie nie, denn wir beide wissen, wie wichtig Lachen ist und wie sehr wir den anderen brauchen, nicht nur als Stichwortgeber.

Apropos, heute ist in Griechenland Weiberfastnacht, Mal schauen, wer unser Opfer wird, hier sieht man ja fast nur Männer.

Bis morgen,

Euer Ulf

Victim and perpetrator
Silvana and I actually come from completely different worlds, but as they say about the relationship between dog and master: We become more and more alike over time.

Well, I won’t become a woman in a few months and Silvana won’t become a man, but there’s no doubt that we’re getting closer to each other. This is most noticeable in our sense of humor.

Of course, we have developed the necessary sarcasm together in some respects, but not only that, we can sense when a laugh is needed and, like a surgeon using a scalpel, we make targeted puns in everyday life that add the right spice to life.

There are enough frictions and occasions for this, because after all, we live in an antique van. Logically, it’s not uncommon to step on each other’s toes, which is why this can’t really happen with jokes anymore, because every weak spot in, on and around us has inevitably had to be honored with a dirty laugh.

Grey hair, wrinkles, breasts, hers like mine and hygiene, my lack of it and her passionate one.

„Do you know how much I’ve missed the sun“ is countered by her with „unfortunately not the shower“ and when I just can’t get into the swing of things, she tells me not to be too much like her.

And yesterday, when I talked about nominative and subject hundreds of times, she said that I forget the object too often, whereupon I said that she is not an object, but more of an adverbial determination.

Then there’s a laugh and then a neck slap, often the other way round, but there’s hardly ever any trouble because we both know how important laughter is and how much we need each other, not just as a cue.

Speaking of which, today is Women’s Carnival in Greece, so let’s see who will be our victim, as you almost only see men here.

See you tomorrow,

Your Ulf

Siga, siga

(down below in english) Seit wir im Land der Helen sind, bin ich langsamer geworden. Ich sitze oft wie Heraklit am Wasser und denke „man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss springen“, und auch Epicur, der Einmalige, mit seinem genügsamen Hedonismus ist seit einiger Zeit weit mehr als nur ein weiser Theoretiker.

Ich spüre in diesem dünn besiedelten Land, wie der Geist der Philosophie omnipräsent ist. Griechenland ist Natur, die zum Verweilen einlädt. Und die Griechen, die sich stolz Anhänger der Göttin Helena nennen, versuchen nur selten, das Rad der Zeit ein bisschen schneller zu drehen, denn sie spüren die Endlichkeit und relativieren alles an ihr.

Nichts ist ewig, keiner unsterblich und wenn einer die Natur besiegt, dann kann sie es nur selbst sein.

Hier, wo Aristoteles (der Beste), Platon, der Flache, (wegen seiner Pläte) und Sokratis, der mir hier sogar als Mechaniker begegnete, sich seit über 2400 Jahren den Schirlingsbecher (Giftbecher) in die Hand geben, werde auch ich wieder zum Sterblichen. Aber nicht von der Medizin oder Politik, sondern von der Zeit, die im Wechsel der Positionen von Sonne, Wolken, Mond und Sterne, der hier schneller von Statten geht als überall wo ich bisher war.

Man spürt, dass man nur einige dieser Phänomene sehen kann. Dass es vor einem so war und nach einem so sein wird. Ob Orkan, Weltkrieg oder vielleicht irgendwann als Erfinder einer Zeitmaschine.

Dein Sein ist endlich, weil Du nie alles erleben kannst. Und diese Endlichkeit, nur sie allein, macht nur für Dich, Dein Leben und alles darin und daran besonders.

Und hier in Griechenland spürt man, wenn man das verstanden hat, braucht man weder ewig leben noch schnell sein, denn der Lauf der Zeit, die nur ein Steigbügel der Fantasie zum Begreifen des Ichs ist, lässt sich weder überlisten noch beeinflussen.

Der Fluss wechselt sein Wasser und der Mensch sich, ob Letzterer eingreift oder nicht, weil nur das Notwendigkeit des Seins ist.

Bis morgen,

Euer Ulf

Siga, Siga (slow, slow)



Since we’ve been in the land of Helena, I’ve slowed down. I often sit by the water like Heraclitus and think: „You can’t jump into the same river twice“, and even Epicurus, the one and only, with his simple hedonism, has long been much more than a wise theorist.

In this sparsely populated country, I have the feeling that the spirit of philosophy is omnipresent. Greece is a nature that invites you to linger. And the Greeks, who proudly call themselves followers of the goddess Helena, rarely try to turn the wheel of time a little faster, because they sense finiteness and relativize everything around them.

Nothing is eternal, no one is immortal, and if anyone can conquer nature, it can only be him.

Here, where Aristotle (the best), Plato the Flat (because of his platitudes) and Socrates, whom I even met here as an engineer, have been shaking hands for over 2400 years, I become mortal again. But not through medicine or politics, but through time, which passes faster here with the changing position of the sun, the clouds, the moon and the stars than anywhere I’ve been before.

You have the feeling that you can only see some of these phenomena. That it was like this before you and will be like this after you. Be it a hurricane or a world war, or maybe one day as the inventor of a time machine.

Your existence is finite because you can never experience everything. And this finiteness, that alone, makes your life and everything it contains something special.

And here in Greece, you feel that once you understand this, you don’t have to live forever or be fast, because time, which is just a stirrup for the imagination to catch, cannot be fooled or influenced.

The river changes its water and man changes himself, whether he interferes or not, for that alone is the necessity of existence.

See you tomorrow,

Your Ulf

Palace Hotel Ballroom im Norden

Frühstück von Jiannis Guitare Murphy

(down below in english) Es war ein besonderer Tag, der erste März 2024. Denn wir waren endlich wieder im Waschsalon. Es fühlte sich an, als wären wir nach Hause gefahren.
Der bekannte kleine Ort durch den sich zu „boom, boom, boom boom, in Kopf und Herzen,  der Jûrmann vorbei am Opel Astra gleichen Baujahres schob und dann, wie bei Muttern, dieses bekannte Dröhnen der Waschmaschinen, hinter dem unser Matt Guitare Murphy sein Tagwerk erledigte.

Am liebsten hätte ich gerufen „ma’am, ich hätte gerne zwei trockene Scheiben Toast, zwei gebratene Brathähne und eine Cola“ und wie im Film hat sich Jiannis umgedreht und uns mit einem breiten Lächeln und offenen Armen empfangen „Scheiße, die Blues Brothers!“

Wir haben uns vorher erst einmal gesehen, vor etwa vier Monaten und uns danach, wie vor hundert Jahren näher kennen gelernt, mit erst kleinen und dann längeren Nachrichten, die wir, motiviert von meinem Blog, sukzessive täglich austauschten.

Ich hab seine Aretha Franklin Aristhea nie gesehen, aber kannte sie gefühlt schon so genau, als hätte Jiannis sie auf einer Tour durch die Nacht mit uns kennengelernt.

Aber sie befürchtet zu Recht nicht, das wir ihren Mann entführen wollten, auch wenn bei der Umarmung von uns Vieren James Brown gerufen hätte „Siehst Du dieses Licht“ und alle im Chor geantwortet hätten „Die Bänd, wir bringen die Bänd wieder zusammen“.

Es gibt nicht viele Leute, deren Anwesenheit ich jemals so genossen habe wie die von Jiannis, seiner Frau, seiner Mutter und dem kauzig lächelnden Vater. Alle schienen zu wissen, das wir im Auftrag des Herrn unterwegs sind und das es gut ist, die good old Blues Brothers Boys band wieder spielen zu sehen, denn everybody, needs Somebody to Love und alle so „i need you you you“.

Bis morgen,

Euer


Ulf

Palace Hotel Ballroom up north


It was a special day, the first of March 2024, because we were finally back at the laundrette. It felt like we had gone home.
The familiar little town through which the Jûrmann pushed past the Opel Astra of the same model year to the sound of „boom, boom, boom boom“ in my head and heart and then, just like at my mother’s, the familiar roar of the washing machines behind which our Matt Guitare Murphy was doing his daily work.

I would have loved to shout „ma’am, I’d like two slices of dry toast, two fried roosters and a Coke“ and just like in a movie, Jiannis turned around and welcomed us with a broad smile and open arms „Shit, the Blues Brothers!“

We’d only seen each other once before, about four months ago, and then got to know each other better, like a hundred years ago, with first short and then longer messages that we gradually exchanged every day, motivated by my blog.

I never saw his Aretha Franklin Aristhea, but I felt I already knew her as well as if Jiannis had met her on a tour through the night with us.

But she rightly didn’t fear that we were going to kidnap her husband, even if, as the four of us embraced, James Brown had shouted „See that light“ and everyone had replied in chorus „The band, we’re getting the band back together“.

There are not many people whose presence I have ever enjoyed as much as that of Jiannis, his wife, his mother and the oddly smiling father. Everyone seemed to know that we are on a mission from the Lord and that it’s good to see the good old Blues Brothers Boys band playing again, because everybody, needs Somebody to Love and everybody is like „i need you you you“.

See you tomorrow,

Your
Ulf

Lecka!

*Wer ist Franjo?

(down below in english) Wie schreibt man Briefe, Einkaufszettel, Nachrichten oder Blogs wie diesen? Die meisten werden sagen, dass man „einfach“ Gedanken, also das, was man sagen will, in Buchstaben umwandelt und niederschreibt, getippt oder mit einem Stift.

Das stimmt aber nur bedingt, zumindest bei mir, denn so wie oben „beschrieben“ formuliere ich nur Einkaufszettel. Aber Briefe und Blogs entstehen anders und Nachrichten könnte ich gar nicht schreiben. Denn das oberste Gebot bei Nachrichten ist Sachlichkeit, auch wenn sich nur noch wenige daran zu halten scheinen.

Nachrichten müssen von jedweder Sprachpoesie und Fantasie befreit sein. Ein Umstand, der, wie ich finde, in Sprachen wie Französisch gar nicht möglich ist. Nachrichten sind noch nicht einmal wie Mathe, denn Nachrichten stellen nur da, was (angeblich) ist, ganz ohne Konklusio. Nachrichten sind vielleicht wie: Da steht eine zwei, irgendwo da noch eine und guck mal, da ist ein Kreuz. Wir sind also weit entfernt von „2+2“ und erst Recht von „= 4“.


Wie gesagt, ich könnte das nicht, zumindest nicht so. Deshalb ist es gut, dass ich keine Nachrichten schreibe, denn ich würde mit Bildern anreichern und so eloquent wie möglich aus zwei arabischen Reminiszenzen eine Geschichte machen, dessen Logik meinem Denken und meiner Fantasie verpflichtet ist.

Deshalb überlasse ich etwas, das auf den ersten Blick gleich ist anderen, die das besser können. Denn ich kann nicht so denken.

In meinem Geist gibt es keine schnörkellosen Bilder, ja nicht einmal Klare. Ein Auto sieht in meinem Kopf immer anders aus, je nachdem, wann es auftaucht. Mal hat es vier Räder, mal einen Motor, mal ist es farbig, oder ein bestimmter Ton oder ein Gefühl wie Zahnschmerzen und zu wieder anderen Zeiten ist es nur eindeutig nicht da.

Meine Gedanken sind Multifunktionswerkzeuge ohne einer Verwendungsverpflichtung. Physikalische Gesetze und somit auch Orthographie und Grammatik sind nur Optionen, die beim Darstellen von etwas, das sich erst im Prozess gestaltet, praktische Stilmittel oder Werkzeuge sind die mal helfen, Bilder mit Worten zu malen und manchmal stören, wie Motorlärm beim Konzentrieren.

Ich geben zu, nicht selten benutze ich auch die gedanklichen Notwendigkeiren des Lesers, von denen ich weiss, dass diese oft jenen Logik verpflichtet ist, um Friktionen in ihrem Geist zu provozieren. Dann machen Blumen plötzlich Lärm oder ein Komma wird zur Gedanken,Pause, wo sie der Lehrer kritisieren würde.

Aber ich bin eben kein Lehrer, zumindest nicht, wenn ich schreibe und selbst wenn ich einer bin, ermutige ich meine Schüler mutig zu sein, beim Anwenden von Grammatik und Rechtschreibung Kreativität walten zu lassen, denn Sprache soll doch Gedanken in Schrift verbindlichen und nicht umgekehrt.

Sprache ist in erster Linie der Verdeutlichung von Wunschdenken verpflichtet: Ich wünsche mir Dieses oder Jenes und so glaube ich, versteht das -der oder die-, der ich mich anvertraue, am besten.

Alles andere ist eine Kastration von Persönlichkeit. Nur wenn der kleine Ulf Fater mit „F“ schreibt, dann sieht er Franjo,* bei „Vater mit V“ sieht er jemanden ganz anderes, auch wenn das keiner verstehen kann.

Bis morgen,

Euer Ulf

*Who is Franjo?

How do you write letters, shopping lists, messages or blogs like this one? Most people will say that you „simply“ convert thoughts, i.e. what you want to say, into letters and write them down, typed or with a pen.

But that’s only partly true, at least for me, because I only formulate shopping lists as „described“ above. But letters and blogs are written differently and I couldn’t write messages at all. Because the top priority for news is objectivity, even if few people seem to adhere to it.

News must be free of any linguistic poetry and fantasy. A circumstance that, in my opinion, is not even possible in languages such as French. News is not even like math, because news only states what (supposedly) is, without any conclusion. Messages are perhaps like: There’s a two, somewhere there’s another one and look, there’s a cross. So we are a long way from 2+2 and even further from „=4“.
As I said, I couldn’t do it, at least not like this, so it’s good that I don’t write news, because I would enrich it with images and make a story out of two Arabic reminiscences as eloquently as possible, the logic of which is committed to my thinking and my imagination.

That’s why I leave something that is the same at first glance to others who can do it better. Because I can’t think like that.

There are no straightforward images in my mind, not even clear ones. A car always looks different in my head, depending on when it appears. Sometimes it has four wheels, sometimes an engine, sometimes it is colored, or a certain sound or a feeling like a toothache and at other times it is just clearly not there.

My thoughts are multifunctional tools without any obligation to use them. Physical laws and thus also orthography and grammar are only options that are practical stylistic devices or tools that sometimes help to paint pictures with words and sometimes interfere like engine noise when concentrating.

I admit that I often use the reader’s mental necessities, which I know are often bound by logic, to provoke friction in their minds. Then flowers suddenly make noise or a comma becomes a pause for thought, where it would criticize the teaching.

But I’m not a teacher, at least not when I’m writing, and even if I am, I encourage my students to be brave, to be creative in their use of grammar and spelling, because language is supposed to translate thought into writing, not the other way around.

Language is first and foremost committed to clarifying wishful thinking: I wish for this or that and so I think -the one or the ones- I confide in understand this best.

Anything else is a castration of personality. Only when little Ulf writes Fater with an „F“ does he see Franjo,* when he sees „Father with a V“ he sees someone completely different, even if nobody can understand that.

See you tomorrow,

Your Ulf


„In German ,you have to write „Vater“ (father) with „v“, i did IT with „f“

Ein guter Tag für Richard III

(down below in english) Jeder auch noch so große König hat mal einen schlechten Tag und heute ist meiner.
Das ewige vorm Rechner sitzen fordert seinen Tribut in Rückenschmerzen, das Wetter ist mal wieder grau, mir ist kalt und ich muss Pippi.
Geben wir dem Kind den Namen Montag.

Aber ich kann gleich von Zuhause arbeiten, meine Schülerinnen und Schüler sind wirklich nett und bin nicht in Deutschland, auch wenn alles danach schreit, denn Regnen soll es nachher auch noch.

Früher konnte ich wenigstens gepflegt irgendeinen Unschuldigen der mir über den Weg läuft dafür verantwortlich machen und pöbeln, aber erstens ist grad keiner da und zweitens sind die Griechen meist so nett, dass selbst mir zu besten Adi Zeiten ein gepflegtes „Halt die Backen“ wie ein Klos im Hals stecken geblieben wäre.

Aber als Lehrer hab ich noch einen kleinen Trumpf im Ärmel: Diktat üben. Mal gucken wie lange ich durchhalte, Richard der III zu bleiben.

Bis morgen,

Euer Ulf

Good day for Richard III


Every king, no matter how great, has a bad day and today is mine.
Sitting in front of the computer all day is taking its toll in the form of back pain, the weather is gray again, I’m cold and I have to pee.
Let’s give the child the name Monday.

But I can work from home, my students are really nice and I’m not in Germany, even if everything is screaming for it, because it’s supposed to rain later.

In the past, I could at least blame some innocent person I came across and rant about it, but firstly, there’s no one around at the moment and secondly, the Greeks are usually so nice that even in my best Adi days a neat „Shut your cheeks“ would have stuck in my throat like a loo.

But as a teacher, I still have a little trump card up my sleeve: Practicing dictation. Let’s see how long I can keep Richard the III going.

See you tomorrow,

Your Ulf

Frieden braucht Nähe

(down below in english) Morgen sind wir nun schon ein halbes Jahr unterwegs und wir haben gestern Abend festgestellt, wie sehr wir uns verändert haben.

Wir sind zu einer unbeschreiblichen Einheit verschmolzen, die wie ein Uhrwerk funktionieren kann, denn auch wenn natürlich hin und wieder Ärger in der Luft liegt, streiten wir uns kaum. Wir spüren, dass das unmöglich ist, da wir beiden so aufeinander angewiesen sind. Der Eine braucht alle Qualitäten des anderen und umgekehrt. Was wäre ich nur ohne Silvanas Struktur und Ruhe und sie ohne meinen Humor?

Wenn was nicht läuft, dann lachen wir und manchmal gehen wir uns auch aus dem Weg, indem wir schweigen, uns böswillige Kommentare schenken und so die Eskalation im Keim ersticken. Dann sitz ich vorne und schreibe, während Silvana hinter mir schmollt oder am Strand spazieren geht und eine Stunde oder so später kommt meist Silvana zurück und überwindet sich zu einem Lächeln in meine Richtung, wofür ich mich nicht selten mit „danke, das hätte ich grad noch nicht geschafft“, bedanke.

Ich bin mir sicher, dass ich noch nie in meinem Leben so wenig gefrustet und wütend war. Meine Mama würde sich wundern, wie gut ich Still sein gelernt habe.

Silvana und ich kennen uns so genau, wissen in kleinsten Regungen, was die Stunde beim anderen geschlagen hat und reagieren, indem wir akzeptieren, manchmal tolerieren und selten schlucken, aber immer bemüht sind uns daran zu erinnern, das der jeweils andere nicht aus seiner Haut kann, weil seine Welt grad ist wie sie ist und der andere nicht schuld, sondern manchmal einfach nur auch da ist.

Zum Glück, denn ohne einander können wir uns das Leben nicht mehr vorstellen.

Wir sind zu Jürmann geworden, ohne unsere Individualität aufzugeben. Gibt es was Schöneres?

Bis morgen,

Euer

Ulf

Peace needs closeness

Tomorrow we will have been on the road for six months and last night we realized how much we have changed.

We have merged into an indescribable unit that can function like clockwork, because even though there is of course anger in the air from time to time, we hardly ever argue. We feel that this is impossible because we are so dependent on each other. One needs all the qualities of the other and vice versa. Where would I be without Silvana’s structure and calm and she without my humor?

When things go wrong, we laugh and sometimes we avoid each other by keeping quiet, making malicious comments and nipping escalation in the bud. Then I sit at the front and write while Silvana sulks behind me or goes for a walk on the beach and an hour or so later Silvana usually comes back and manages to smile in my direction, for which I often say „thank you, I couldn’t have done that just yet“.

I’m sure I’ve never been so frustrated and angry in my life. My mom would be amazed at how well I’ve learned to be quiet.

Silvana and I know each other so well, we know in the smallest of ways what the other’s mood is and react by accepting, sometimes tolerating and rarely swallowing, but always trying to remember that the other can’t get out of their own skin because their world is just the way it is and the other is not to blame, but sometimes just there too.

Fortunately, because we can no longer imagine life without each other.

We have become Jürmann without giving up our individuality. Is there anything more beautiful?

See you tomorrow,

Your

Ulf

Liebe Grüße aus Mytikas

(down below in english) Liebe Grüße aus Mytikas,
Freunde der Sonne, die gerade von den Wolken noch etwas geärgert wird, aber schon andeutet, dass wir sie gleich in voller Pracht sehen werden.
Das letzte Mal als wir hier waren, hab ich einen lustigen Blog von einem Rentnerparadies fabuliert, in dem wir waschen waren, heute stehen wir etwa zehn Kilometer nördlich von Wanderstöcken und Mosaikpflaster an einem Strand, der Seinesgleichen sucht. Direkt an einer Palme, die wie Ihr geneigter Autor zwar etwas zu klein geraten ist, aber das Ambiente erst richtig gemütlich macht.

Wir haben es Ende Februar und hier zeigt der Sommer, wenn er nicht wie vorletzte Nacht verregnet wird, schon all sein paradiesisches Können mit felsigen Sandstrand und Wellen wie aus dem Bilderbuch. Unfassbar schön. Wenn ich ehrlich bin, ist der Strand sogar schöner als der in Kalamata; aber wer will schon bei einem so dekadenten Leben wie wir es führen vergleichen?!

Hier tanzen sogar Nachts noch die Schmetterlinge und die ersten Mücken künden schon vom Sommer. Nur ein paar Motorräder stören hin und wieder die Idylle, denn die Straße hinter uns ist zwar relativ unbeliebt, aber so lang und gerade, dass sie regelrecht zum lebensgefährlichen Heizen einläd.

Aber wir schauen ja nicht hinter uns, sondern nach vorn und da befindet sich hundert Meter Küste mit Reisekatalogfeeling, das ich am Jürmann lehnend in mich einsauge wie ein trockener Schwamm.

Deshalb beschließe ich jetzt mein Kleinod Poesie mit einem kleinen Limmerik

Es lehnte ein Mann aus Deutschland
An einem Bus aus Frankreich
Das Rauschen der Wellen vergisst er nie
Weil er das Paradies hier fand

In seiner schwarzen Seele.

Bis morgen,

Euer Ulf

Greetings from Mytikas,

Friends of the sun, which is still being teased a little by the clouds, but is already hinting that we are about to see it in all its glory.
The last time we were here, I wrote a funny blog about a pensioner’s paradise where we went for a wash, today we are standing a little over ten kilometers north of walking sticks and mosaic paving on a beach that is second to none. Right next to a palm tree which, like you, the author, is a little too small but makes the ambience really cozy.

It’s the end of February and, if it doesn’t rain like the night before last, summer is already showing off all its paradisiacal skills with a rocky sandy beach and picture-book waves. Unbelievably beautiful. If I’m honest, the beach is even more beautiful than the one in Kalamata; but who wants to compare with a life as decadent as the one we lead?

The butterflies still dance here at night and the first mosquitoes are already heralding the arrival of summer. Only a few motorcycles disturb the idyll from time to time, because the road behind us is relatively unpopular, but so long and straight that it’s downright life-threatening.

But we’re not looking behind us, we’re looking ahead and there’s a hundred meters of coastline with a travel catalogue feeling, which I soak up like a dry sponge leaning against the Jürmann.

So I’ll end my little gem of poetry with a little Limmerik

A man from Germany was leaning
On a bus from France
He never forgets the sound of the waves
Because he found paradise here

In his black soul.

See you tomorrow,

Your Ulf