SilVANa TV aktuell

(Down below in english) Es ist neun Uhr, Sie hören Nachrichten: Griechenland: in einem kleinen Renault Master mit Namen Jürmann, wartet ein deutsches Pärchen auf den Sommer, während man in Deutschland froh ist, dass es nicht zu winterlich wird.

Die Tatsache, von mitteleuropäischer Zivilisation abgeschnitten zu sein, zwingt die beiden, viel zu kuscheln und ihre wenigen Worte auf „du stehst im Schach“ zu reduzieren. In meditative Einöde liegt also am südlichen Zipfel des Peloponnes der Straßenhund begraben, während Katzen und Schakale sich in ihre Höhlen zurück gezogen haben.

Die neueste Erfindung, das sogenannte „Internet“, wird dabei vom Polarwind beflügelt, der auch die Einwohner Griechenlands unter ihre Decken verschwinden lässt und somit den kleinen Mann gleich arbeiten lassen.

Deutschland: In Horstmar war ein anderer kleiner Mann auf Schalke um eine Eisrevue zu bestaunen, während man sich in Köln beim Tanzen warme Gedanken macht. Vom Rest hört man nichts, was die Vermutung nahelegt, dass sich alle anderen Bewohner diverser Dörfer und Städte wohl im Winterschlaf befinden.

Das Tier des Tages ist eine rote Katze, die sich „oh wie niedlich“ auf Beutefang befindet.

Zum Wetter: Arschkalt, aber wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen, will heißen Sonne.

Kommen Sie gut durch den Tag,

Bis morgen,

Ihr

Ulf

SilVANa TV current

It’s nine o’clock, you’re listening to the news: Greece: in a small Renault Master named Jürmann, a German couple is waiting for summer, while in Germany they are glad it’s not getting too wintry.

The fact that they are cut off from Central European civilization forces them to cuddle a lot and reduce their few words to „you’re in check.“ So the street dog lies buried in a meditative wasteland at the southern tip of the Peloponnese, while cats and jackals have retreated to their caves.

The latest invention, the so-called „Internet“, is spurred on by the polar wind, which also makes the inhabitants of Greece disappear under their blankets and thus puts the little man to work.

Germany: in Horstmar, another little man has been to Schalke to marvel at an ice revue, while in Cologne people are having warm thoughts while dancing. Nothing is heard from the rest, which suggests that all the other inhabitants of various villages and towns are probably in hibernation.

The animal of the day is a red cat that is „oh how cute“ and is on the prowl.

About the weather: cold as ass, but cloudy with a chance of meatballs, which means sunshine.

Have a good day,

See you tomorrow,

Yours

Ulf

Apollo 11 am Peleponnes

(Down below in english) In der Realität war ich auf alles vorbereitet: ich war ausgeschlafen, Strom war da, das Internet hatte perfekten Empfang. Und dennoch funktionierte nichts. Die Zoomsitzung war, als wollte ich vom Mond zur Erde funken und das einzige was man am anderen Ende verstand war „Huston, we’ve got a Problem“.

Ob es die wohl zu große Anzahl Camper war, die gleichzeitig ins Netz wollte, auch mein neueres, teureres Handy wieder zu voll war oder nur das Schicksal etwas dagegen hatte, dass alles lief wie geplant, weiss ich nicht, jedenfalls mussten wir die Sitzung abbrechen und werden es morgen wieder probieren.

Der Tag an dem unendlich viele „eigentlichs“ auf der Agenda stand, obwohl mein. Kopf nach ausruhen schreit. Mein Plan auf dieser Fahrt war zu schreiben, doch statt dessen gilt es von Tag eins an, Probleme zu bewältigen. Bremsen,Getriebe, Kupplung, Turbo. Im Anschluss Heizung, Solar, Batterien, Innenraum fertig machen, Job suchen und Campingplatz finden. Da war ja alles funktionsfähig und nachdem im Jürman alles ready“ scheint, funktioniert in der Zivilisation das Internet nicht mehr. Also am Straßenrand vorm Hotel arbeiten und bei all dem die Beziehung nicht vergessen.

Und cool bleiben, was das Geld angeht, denn ich habe zu liefern, aber Zahlungen kommen mal am 10. mal am 20., oder so. Je nachdem welche Probleme der Arbeitgeber grad hat.(Aber: Er zahlt!)

Ich will keine Vorwürfe machen, denn ich kenne es ja, wie oben erwähnt,wenn einen Probleme das Eigentliche vergessen lassen müssen, aber Fakt ist, dass ich hier Ruhe bewahren muss, obwohl alles nach ausrasten schreit.

Aber, ich bin nicht allein, habe Chefs, die mir wohlgesonnen sind und mich nicht Vierteilen, wenn eine Sitzung trotz jedweder Prophylaxe in Zweiundreissigstel oder noch mehr Teile zerstückelt wird. Schüler, die sich mit einer außer planmäßigen Sitzung einverstanden erklären, obwohl es nicht ihr Fehler war, dass alles streikte. Eine andere Chefin, die mich verteidigt,wenn ein ihr Vorgesetzter bemängelt, dass auch ich mich mal verschreibe und eine Frau, die mit ihrer Liebe meiner Hoffnung immer wieder Mut macht, nicht aufzugeben.

Im Raumfahrt Duktus würde man vielleicht sagen: „Das Leben ist oft ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber eine große Herausforderung für mich.

Aber, die Sonne scheint, was will man mehr?!

Bis morgen,

Euer Ulf

Apollo 11 on the Peloponnese
In reality, I was prepared for everything: I had slept well, there was electricity, the internet had perfect reception. And yet nothing worked. The zoom session was as if I was trying to radio from the moon to earth and the only thing anyone at the other end could understand was „Huston, we’ve got a problem“.

I don’t know whether it was the large number of campers who wanted to connect to the internet at the same time, whether my newer, more expensive cell phone was too full again or whether it was just fate that prevented everything from working as planned, but we had to abort the session and will try again tomorrow.

The day on which there were an infinite number of „actuallys“ on the agenda, although my. My head was screaming for a rest. My plan on this trip was to write, but instead there are problems to deal with from day one. Brakes, gearbox, clutch, turbo. Then heating, solar, batteries, getting the interior ready, looking for a job and finding a campsite. Everything was working and after everything seems to be ready in Jürman, the internet no longer works in civilization. So we work on the roadside in front of the hotel and don’t forget our relationship.

And stay cool about the money, because I have to deliver, but payments sometimes come on the 10th, sometimes on the 20th, or so. Depending on what problems the employer has at the moment (but: he pays!).

I don’t want to make any accusations because, as mentioned above, I know what it’s like when problems make you forget the real thing, but the fact is that I have to keep calm here, even though everything seems to be screaming out.

But I’m not alone, I have bosses who are well-disposed towards me and don’t cut me in half if a session is split into thirty-second or more parts despite any prophylaxis. Students who agree to an unscheduled session even though it wasn’t their fault that everything went on strike. Another boss who defends me when one of her superiors complains that I sometimes make mistakes and a woman who, with her love, always encourages my hope not to give up.

In space travel terms, you might say: „Life is often a small step for mankind, but a big challenge for me.

But the sun is shining, what more could you want?

See you tomorrow,

Your Ulf

Sonne allein reicht nicht

(down below in english)In der Nutellawerbung heißt es“ Der Morgen macht den Tag und wenn man wie wir beinahe täglich mit den schönsten Margarine, Toast und Kornflakesbildern geweckt wird, kann man diesem Claim kaum widersprechen.

Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht zuvorderst singen möchte“ guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Botterram“.

Aber selbst das fröhlichste Lächeln der Sonne ist kein Garant für einen guten Tag. Denn zu viel kann passieren, sodass aus einem Anlachen ein Auslachen wird. Wenn die Solarzellen nicht laden oder für den ersten Kaffee zuvorderst gespült werden muss, weil auch die vergangene Vollmondnacht so schön war, dass man lieber Arm in Arm kuscheln statt Business as ususal machen wollte.

Die Kunst, den anderen dann ausreden zu lassen, war und ist auch heute noch die Königsdisziplin einer solchen Reise. Man muss lernen, die Kritik als befreiende Brise einzuatmen, sie sacken zu lassen und auch als Gegenpart nicht als Provokation zu empfinden.

Denn Nitzsche sagte schon, man kann sich nie verstehen, sondern immer nur mögen oder nicht“. Wir verstehen uns ergo auch heute oft nicht, aber das Verstehen der Argumentation des anderen ist nicht wichtig, sondern einzig das sich vertrauen. Der andere meint es nicht böse, er oder sie will nicht streiten, sondern sich nur aus dem Korsett seelischer Konventionen befreien.

Jede Schlaufe ist ein liebgewonnenes Ritual und Erfolgsrezept aus einer Welt, in der wir uns nicht mehr befinden. Jedes Fluchen eine Reminiszenz an das, was wir hinter uns gelassen haben und heute ein Grund, dem Gegenüber zu signalisieren, nimm mich bitte in den Arm.

Das klappt freilich nicht immer, aber mit jedem Streitgespräch ein bisschen besser, denn wahrlich, Versöhnung ist beflügelnder als der schönste Sonnenaufgang.

Ein Tag, an dem wir uns versöhnen könnten, würde somit zum unvergesslichsten Moment. Man könnte fast sagen“ Versöhnung macht den Tag“, aber glücklicherweise, bereichern wir unsere Gewohnheiten derzeit immer häufiger mit Ruhe und Schweigen. Lassen nicht jeden Unmut am anderen aus, sondern lassen ihn sich mit dem Dampf des ersten Kaffees einfach auflösen oder schicken ihn als befreiendes Ohhhmmmm mit den Wellen auf die Reise.

Dafür braucht es nicht unbedingt Sonne und Strand und schon gar nicht Nutella, aber all das schadet ganz bestimmt auch nicht.

Bis morgen,

Euer Ulf

Sun alone is not enough
The Nutella advertisement says „The morning makes the day“ and if, like us, you are woken up almost daily with the most beautiful pictures of margarine, toast and cornflakes, you can hardly contradict this claim.

Hardly a day goes by without you wanting to sing „Good morning, good morning, good morning Botterram“.

But even the sun’s cheerful smile is no guarantee of a good day. Because too much can happen to turn a smile into a laugh. When the solar panels don’t charge or the first coffee has to be washed up first because the previous full moon night was so beautiful that you’d rather cuddle arm in arm than do business as usual.

The art of letting the other person finish speaking was and still is the supreme discipline of such a journey. You have to learn to breathe in criticism as a liberating breeze, let it sink in and not perceive it as a provocation.

As Nitzsche said, „You can never understand each other, you can only like each other or not“. So even today we often don’t understand each other, but understanding each other’s arguments is not important, only trusting each other is. The other person doesn’t mean any harm, he or she doesn’t want to argue, they just want to free themselves from the corset of mental conventions.

Every loop is a cherished ritual and recipe for success from a world in which we no longer find ourselves. Every curse is a reminder of what we have left behind and today a reason to signal to the other person to please give me a hug.

Of course, this doesn’t always work, but it works a little better with every argument, because reconciliation is truly more inspiring than the most beautiful sunrise.

A day on which we could reconcile would therefore be the most unforgettable moment. You could almost say „reconciliation makes the day“, but fortunately, we are increasingly enriching our habits with calm and silence. We don’t take out our resentment on others, but simply let it dissolve with the steam of our first coffee or send it on its way with the waves as a liberating Ohhhmmmm.

You don’t necessarily need sun and beach for this, and certainly not Nutella, but all that certainly doesn’t hurt either.

See you tomorrow,

Your Ulf

„Scheiss-egal“ zu Weihnachten

(down below in english) Ruhe, es war eine Stille Nacht, man könnte fast sagen, eine heilige, die hinter uns liegt. Selbst die Kojoten schienen zu schlafen, als hätten auch sie Weihnachten gefeiert.

Selbst als ich um zehn erwachte, umgab uns trotz Nachbarn noch eine meditative Stille, die nur vom Wellenrauschen als lebendige Zeit markiert wurde.

Vor gar nicht langer Zeit, hätte ich das nicht ertragen können, weil eine Mischung aus schlechtem Gewissen oder irgendeinem zivilisiert überflüssigen Pflichtbewusstsein mich genötigt hätte, irgendwas wie Musik zu konsumieren, um meinen Geist wie ein weinerliches Kind zu beruhigen.

Aber ich bekam dieses Jahr Muße vom Christkind, ein schlicht verpacktes „scheiss egal“, dass nicht durch seine pompöse Verpackung, sondern seine Kraft beeindruckt.

Ob der Kaffee zu lange braucht, die Zigaretten knapp werden oder der Computer Rechenschieber spielt: Mein „Scheiss egal“ ist da und jedweder Druck im Kopf ist verschwunden.

Aber, wie so häufig auf unserem Ritt, darf ich solche Conclusiae weder denken noch schreiben, ohne vom Schicksal geprüft zu werden, ob ich nur rede oder es auch meine.

Diesmal war der Kaffee mein Lehrmeister, ich goss,oder besser habe zu viel heißes Wasser in den Filter gegossen, die Filtertüte dadurch verknickt und mir die heiße Plörre über die Finger gegossen. Nicht viel, aber zu viel, um ein Fluchen und reflexartiges Klagen nicht vermeiden zu können. Und gleichzeitig säuselt es von hinten “ ist noch Kaffee da?“

„Ja mein Schatz, sogar mit Stückchen, soll ich Dir einen eingießen?“

Und während ich einen guten Morgen Kuss in der Sonne genieße, Nehm ich mir einfach vor, für Silvana Neuen zu machen und meine Stückchenbrühe einfach umzurühren.dann wird er eben türkisch, wir wollen ja eh nach Istanbul.

Es wirkt also wirklich,

Bis morgen,

Euer. Ulf

P.S.“Aber ich hab ihn doch auch getrunken“, meinte Silvana grad, und ich dachte glücklich „wie schön, sie hat offensichtlich auch eines bekommen.“

„who care’s“ for Christmas


Quiet, it was a silent night, one could almost say a holy one, behind us. Even the coyotes seemed to be asleep, as if they too had celebrated Christmas.

Even when I woke up at ten, despite the neighbors, a meditative silence still surrounded us, marked as a living time only by the sound of the waves.

Not so long ago, I wouldn’t have been able to bear it because a mixture of guilty conscience or some civilized superfluous sense of duty would have compelled me to consume something like music to calm my mind like a whiny child.

But this year I got leisure from the Christ Child, a plainly packaged „who cares“ that impresses not with its pompous packaging, but with its power.

Whether the coffee is taking too long, the cigarettes are running low or the computer is playing slide rule: my „who care’s?!“ is there and any pressure in my head is gone.

But, as so often on our ride, I’m not allowed to think or write such conclusions without being tested by fate to see whether I’m just talking or actually mean it.

This time the coffee was my teacher, I poured, or rather poured too much hot water into the filter, kinked the filter bag and poured the hot brew over my fingers. Not a lot, but too much to prevent me from swearing and reflexively complaining. And at the same time I hear a whisper from behind: „Is there any coffee left?“

„Yes my darling, even with a slice, shall I pour you one?“

And while I enjoy a good morning kiss in the sun, I simply decide to make new ones for Silvana and stir my chunky brew. then it will be Turkish, we want to go to Istanbul anyway.

So it really works.

See you tomorrow,

Yours. Ulf

P.S. „But I drank it too“, Silvana just said, and I thought happily „how nice, she obviously got one too.“

Liebe Leser*innen,

Einfach glücklich

(down below in english) Das einzige, was Me(h/e)r wird, wenn man es teilt, ist eine Geschichte in der Bibel. Alles andere geht kaputt: Ein Stuhl, ein Auto und auch Glück.

Denn teilen heißt angreifbar und bewertbar machen. Zu teilen heißt zu offenbaren: Hier, das habe ich und möchte, dass auch Du daran Freude hast. Aber nur selten sieht man andere gern glücklich, denn wenn man es erkennt, dann erkennt man gleizeitig, dass man selbst an einem anderen Punkt steht und zumindest nicht das selbe Glück empfindet.

Dasjenige, von dem im Sprichwort „das einzige, das mehr wird, wenn man es teilt, ist Glück“ spricht, ist etwas anderes. Dieses Glück ist keine Ware, die man mitteilen darf oder kann, sondern ein Zustand den man lebt und der wie eine Krankheit ansteckend ist. Hier ist die Expression des Gefühls der Kommunikator, nicht der, die oder das Fühlende.

Das ansteckende Glück, kann nämlich nicht weniger werden, wenn es nicht verstanden oder bezweifelt wird, sondern nur sein, indem es erfüllt geseint wird. Wer es sieht oder fühlt, kann nicht anders als es annehmen und wer es lebt braucht nicht zu wissen, dass er gerade nicht nur glücklich ist, sondern auch Freude schenkt.

Je bewusster dieser Akt, desto geringer das Gefühl, denn glücklich sein ist nicht “ glücklich machen wollen, weder sich noch andere. Glücklich sein ist die Bedingtheit eines kontingenten Gefüges, dass man nur dergestalt steuern kann, dass man es provoziert hat, indem man ihm durch das Leben das man lebt, wie man es lebt, Gestalt verleiht.

Glück ist Glück wenn man es nicht erwarten konnte. Als ein gesuchtes Ziel, wie beim glücklich machen, ist es Wirkung einer inszenierten Ursache. Das ist kein Glück, sondern Kalkül und als solches macht es nicht glücklich sondern maximal (mit sich) zufrieden.

Glück teilen wollen ist nichts anderes als geseinter Egoismus, „bin ich nicht selbstlos, dass ich all meine Kraft aufwende, damit es Dir gut geht?!“. Glück ist, wenn man selbst davon überzeugt ist, es nicht verdient zu haben. Ein überwältigendes Gefühl der Erfüllung, indem nichts anderes Platz hat, als eine Seele, die es wahr nimmt, weil sie nicht anders kann.

Wahres Glück ist dann vollkommen, wenn es unerträglich ist, weil der Mensch im bewussten Zustand nie zufrieden sein kann, da er immer nach mehr giert, um ein gutes und sicheres Über und Weiterleben wahrscheinlicher zu machen, denn der Mensch ist und das einzige was er mit diesem Sein machen kann, ist es zu genießen. Wer will, egal was, ist schon nicht mehr Genuss, sondern das Wollen und somit nicht glücklich.

Wollen kann man genießen und Glück wahrscheinlich nicht mal das. Glücklich ist, wer dem erfüllten Gefühl nicht mit prognostizierten Erwartungen entgegen wirkt, sondern einfach zulässt, sich darauf einlässt, dass man nichts dagegen unternimmt, dass das Sein ohne eigene Anstrengung einfach statthaben kann.

Das Glück muss also nicht enden um Glück zu sein und zu bleiben, sondern die Seele muss bereit sein, dass Leben in all seinen Facetten immer wieder ohne Widerstände annehmen und (dieses) Sein sein zu können.

Ich wünsche Ihnen allen deshalb kein Glück zu Weihnachten, sondern möglichst wenige innere Widerstände, die als Kategorien das Glück zur prognostizierten Ware machen.

Sein Sie ihr Ihr ich indem Sie alles was dies in jedem Moment ausmacht einfach annehmen. All die Sicherheit die man so gerne kauft, ist am Ende eben nur ein Teil eines sich gegenseitig bedingenen Ganzen, das mit seiner Kernkompetenz Planbarkeit, der Kernkompetenz unverdient, wahres glücklich sein unmöglich macht.

Bis morgen,

Euer und Ihr Ulf

Dear readers
The only thing that becomes more when you share it is a story in the Bible. Everything else breaks: a chair, a car and even happiness.

Because sharing means making it vulnerable and assessable. To share means to reveal: Here, I have this and I want you to enjoy it too. But you rarely like to see others happy, because when you realize it, you realize at the same time that you yourself are at a different point and at least don’t feel the same happiness.

The one referred to in the proverb „the only thing that gets more when you share it is happiness“ is something else. This happiness is not a commodity that one may or can share, but a state that one lives and that is contagious like a disease. Here, the expression of the feeling is the communicator, not the person or thing feeling it.

The contagious happiness cannot become less if it is not understood or doubted, but can only be if it is felt. Those who see or feel it cannot help but accept it and those who live it do not need to know that they are not only happy, but that they are also giving joy.

The more conscious this act is, the less the feeling, because being happy is not “ wanting to make yourself or others happy. Happiness is the conditionality of a contingency. Happiness is the conditionality of a contingent structure that you can only control in such a way that you have provoked it by living the life you live, the way you live it.

Happiness is happiness when you could not expect it. As a sought-after goal, as with happiness, it is the effect of a staged cause. This is not happiness, but calculation and as such it does not make you happy, but at most satisfied (with yourself).

Wanting to share happiness is nothing more than selfish selfishness: „Aren’t I selfless for spending all my energy to make you feel good?“. Happiness is when you are convinced that you don’t deserve it. An overwhelming feeling of fulfillment in which there is no room for anything other than a soul that perceives it because it cannot do otherwise.

True happiness is perfect when it is unbearable, because man can never be satisfied in a conscious state, as he always craves more in order to make a good and secure survival and continuation of life more likely, because man is and the only thing he can do with this being is to enjoy it. Whoever wants, no matter what, is no longer enjoyment, but wanting and therefore not happy.

You can enjoy wanting and happiness is probably not even that. You are happy if you don’t counteract the fulfilled feeling with predicted expectations but simply allow it to happen, if you accept that you don’t do anything to prevent it, that being can simply happen without any effort on your part.

So happiness does not have to end in order to be and remain happiness, but the soul must be prepared to accept life in all its facets again and again without resistance and to be able to be (this) being.

I therefore wish you all no happiness for Christmas, but as little inner resistance as possible, which as categories turn happiness into a predicted commodity.

Be your own self by simply accepting everything that constitutes this in every moment. All the security you like to buy is ultimately just one part of a mutually dependent whole that makes true happiness impossible with its core competence of predictability, the core competence of being undeserving.

See you tomorrow,

Yours and yours Ulf

Von Biohazard zu Roy Black

(down below in english) Seit nunmehr etwa drei Monaten darf ich euch und Ihnen von unserem Ritt auf der Waiküre berichten, aber heute ist der erste Tag, an dem es sich nicht aufdrängt zu schreiben. Denn obwohl gestern wieder so viel Schönes passiert ist, bin ich von jener Zufriedenheit überwältigt, nach der ich so lange gegiert habe. Weit länger, als der kleine rollings stone oder Herr Rossi aus Westfalen, unterwegs ist.

Seit ich denken kann, bin ich auf der Suche, nach Anerkennung in Form von Geld oder Lob und seit dem 25. März 1976 war ich jeden Tag unzufrieden. Warum sonst, bin ich bereits mit vier das erste Mal abgehauen, oder auf Luftmatratze oder einem Boot meinem Leben entflohen? Mehr als einmal musste ich wohl gerettet werden, weil ich bei meiner Neugierde auf das Leben und die welt in Gefahr geraten bin. Mal holte man mich aus einer Tankerfahrrinne in der Nordsee, ein anderes Mal musste mich ein Kapitän in Spanien von einer kleinen Insel zurück nach Mallorca bringen, weil ich ohne zu fragen auf ein Glas-Bottom-Boot gestiefelt bin und einfach wegfuhr.

In der Grundschule habe ich die Rommekasse meiner Mutter geplündert und bin wieder abgehauen und mit zehn wollte ich auf ein Internat, weil es mir zu Hause nicht passte. Weg, weg, weg. Das hat mich im Laufe der Jahre an viele Orte gebracht und in viele Aufgaben geführt, in denen ich ein Heil suchte, Ob Amerika oder Mexiko, als Schauspieler oder Werbekonzeptioner, als Ehemann und Vater oder einsamer Wolf, wenn es eine neue Gelegenheit gab, mich zu verändern, griff ich zu.

Selten hatte ich eine Ahnung was ich tat, aber immer war ich von einem inneren Selbstbewusstsein erfüllt, dass mich mutig vor keiner Herausforderung zurückschrecken ließ. Das dachte ich zumindest, denn erst jetzt weiss ich, dass es kein Selbstbewusstsein war, sondern Unzufriedenheit. Ich war so unzufrieden mit mir und der Welt, dass mir kein Preis zu hoch war, um alles zu ändern.

Als Legastheniker Texter zu werden, ist dabei wohl das passenste Bild, um dieses ewige Dilemma meiner Seele zu beschreiben.

Man sieht also, dass es mir nicht an Fleiss fehlte, was mir oft vorgeworfen wurde, sondern an Orientierung. Weil ich keine Ahnung hatte wer ich war und was ich eigentlich mit meinem Leben anfangen sollte, verlor ich mich in einem sein aus Optionen, dessen Konstanz allein darin bestand, dass es diese nicht gab. Bis jetzt!

Denn seit ich mit Silvana im Jürmann unterwegs bin, habe ich eine Ahnung von dem, was ich in meinem Leben immer schon vermisst habe. Selbstwertgefühl, dass auf sicheren Boden gebaut ist. Ein Bewussein meiner selbst, das sich aus Wissen über das was ich kann und auch aus dem was ich nicht kann zusammensetzt.

Erst jetzt fange ich an morgens zu erwachen und nicht zu denken: „Just another victom kick!“ sondern „schön ist es auf der Welt zu sein!“ Von Biohazard zu Roy Black. Das nenne ich jetzt eine Rolle vorwärts und nicht rückwärts.

Meine Aufgabe besteht nicht mehr darin zu überleben, sondern zu erleben, obwohl Ersteres nie schwieriger war. Unser Geld reicht nur für die Basics, aber diese sind hier in Griechenland und auf dem Weg dorthin endlich nicht mehr Ray Ban, Ralph Lauren oder Porsche, sondern Friede, Freude Eierkuchen; ok, Letzteren mag ich auch heute noch nicht.

Wenn der Jürmann klingt wie eine Dampfmaschine und Silvana mit anlächelt, bin ich glücklich. Und wenn dazu noch eine Nachricht von Zoé kommt, könnte das Glück nicht schöner sein.

Ich habe aufgehört unentwegt zu gieren und zu erwarten, das Heil ausschließlich im Nächsten und immer wieder Neuen zu suchen. Seit Kalamata ist Jetzt das Beste. Nicht weil ich es mir nicht anders vorstellen kann, sondern weil ich froh bin, es erleben zu dürfen.

Bis morgen,

euer Ulf

From Biohazard to Roy Black

For about three months now, I’ve been able to tell you about our ride on the Waiküre, but today is the first day on which it doesn’t feel like writing. Even though so many wonderful things happened yesterday, I am overwhelmed by the satisfaction I have been longing for. Far longer than the little rolling stone or Mr. Rossi from Westphalia has been on the road.

For as long as I can remember, I have been searching for recognition in the form of money or praise and I have been dissatisfied every day since March 25, 1976. Why else did I run away for the first time at the age of four, or escape my life on an air mattress or a boat? I must have had to be rescued more than once because my curiosity about life and the world put me in danger. Once I was rescued from a tanker in the North Sea, another time a captain in Spain had to bring me back to Mallorca from a small island because I stepped onto a glass-bottom boat without asking and simply sailed away.

At elementary school, I plundered my mother’s Romme fund and ran away again and when I was ten, I wanted to go to boarding school because I didn’t like it at home. Away, away, away. Over the years, this has taken me to many places and led me to many jobs in which I sought salvation, whether in America or Mexico, as an actor or advertising designer, as a husband and father or lone wolf, whenever there was a new opportunity to change myself, I grabbed it.

I rarely had any idea what I was doing, but I was always filled with an inner self-confidence that made me brave enough not to shy away from any challenge. At least that’s what I thought, because only now do I know that it wasn’t self-confidence, but dissatisfaction. I was so dissatisfied with myself and the world that no price was too high for me to change everything.

Becoming a copywriter as a dyslexic is probably the most fitting image to describe this eternal dilemma of my soul.

So you can see that I wasn’t lacking in diligence, which I was often accused of, but in orientation. Because I had no idea who I was and what I was supposed to do with my life, I got lost in a world of options whose only consistency was that they didn’t exist. Until now!

Because since I’ve been out and about with Silvana at Jürmann, I’ve had an inkling of what I’ve always been missing in my life. Self-esteem that is built on solid ground. An awareness of myself that is made up of knowledge about what I can and cannot do.

Only now am I starting to wake up in the morning and not think: „Just another victory kick!“ but „It’s nice to be in the world!“ From Biohazard to Roy Black. Now that’s what I call a roll forward and not backwards.

My job is no longer to survive, but to experience, although the former has never been more difficult. Our money is only enough for the basics, but here in Greece and on the way there, they are finally no longer Ray Ban, Ralph Lauren or Porsche, but peace, joy and pancakes; ok, I still don’t like the latter.

When Jürmann sounds like a steam engine and Silvana smiles at me, I’m happy. And when there’s also a message from Zoé, I couldn’t be happier.

I’ve stopped constantly craving and expecting to find salvation only in what’s next and always new. Since Kalamata, now is the best. Not because I can’t imagine it any other way, but because I’m happy to be able to experience it.

See you tomorrow,

your Ulf






Über Gott und die Welt

(Down below in english) Tadschikistan, Indien, Aserbaidschan, Ruanda, Thailand, Venezuela, Brasilien, Uganda, Kamerun, Madagaskar, Mosambique, die Philippinen und Italien, meine Schüler kommen aus der ganzen Welt und lernen bei einem Deutschen in Griechenland meine Heimatsprache.

Ich bin jeden Tag auf’s Neue überwältigt vom multikulturellen Charakter meiner „Arbeit“. Noch nie habe ich etwas so konstruktives, wertvolles und bereicherndes gemacht und ohne unsere Reise wäre ich wohl nie in die „Not“ geraten, mein Leben so bereichern zu müssen.

Drei Mal die Woche erkläre ich via Zoom Genitiv und Relativpronomen und erfahre, ganz nebenbei, wie man in all diesen Ländern Weihnachten feiert und wofür mein Heimatland  bewundert wird: seine Kultur.

Junge Frauen aus Madagaskar, dessen Landessprache Französisch ist, werden Au-Pair in Deutschland, weil sie Goethe verstehen wollen. Ein junger Mann aus Venezuela giert nach Bonn, weil dort sein Vorbild Beethoven lebte und eine Schülerin aus Thailand entdeckt die Heimat von Weihnachtsbâumen, die man bei ihr zu Hause bei Amazon bestellt.

Die Geschichten, die ich seit einigen Wochen morgens, mittags und abends hören darf, sind der Grund, warum ich unterwegs bin. Ich will nach Brasilien, wo man Weihnachten am Strand feiert, nach Tadschikistan, wo Weihnachten nur ein Grund zum Feiern ist, weil man nicht arbeiten muss, denn hier glaubt man mehrheitlich an Allah, was nicht heißt, dass man sich nicht für eine deutsche Christmette interessiert. „Ich verstehe kein Wort, aber finde es aufregend all die Gläubigen in stiller Andacht beobachten zu können.“

Vorgestern erfuhr ich, dass die Weihnachtsmesse in einem Dort in Mosambique sechs Stunden dauert. Da muss wirklich gefeiert werden, denn ich war früher bei uns nach zwanzig Minuten schon bedient.

Aber dieses Jahr ist Weihnachten für mich spannend und einmalig wie selten, denn ich erfahre nicht nur mehr über die jeweiligen Rituale zum Fest, sondern auch beispielsweise, dass man in Verona Shakespeare nicht ausstehen kann, weil Romeo und Julia das kleine Städtchen mit Touristen fluten, sodass man nach Düsseldorf flieht. Auf den Philippinen werden scheinbar schüchterne Frauen geboren, die den Mut haben, nach München zu ziehen und in Ruanda weiss man jetzt, dass es nicht nur in Willich viel zu viele alte Menschen gibt.

Weihnachten 2023, das Fest der Liebe, ein Fest der Neugierde. Ich will wissen, was ein Tadschike von Riesling hält, den seine Gastfamilie anbaut, ich find es interessant, dass Asiatinnen den Spreepark uninteressant finden und statt dessen von echten Bäumen im Wohnzimmer begeistert sind, die man mit Kugeln behängt, als wären sie Göttinen und ich will es nur genießen, dass meine Frau, die nichts vom Glauben hält, sich auf einen orthodoxen Gottesdienst am 24. freut.

Ja, meine Tochter ist grad nicht bei mir, sondern mit ihrer Mutter in Stockholm und ich vermisse sie unglaublich. Aber wir gönnen einander unser jeweiliges Glück, „Videocallen“ stundenlang und freuen uns, dass wir uns haben.

Wenn wir jetzt über Gott und die Welt reden, meinen wir das wörtlich. Wir haben uns wirklich was zu erzählen. Sie fragt mich, wie das Sprachtheorem von Grice funktioniert und an welchem Strand ich aktuell mehr über Uganda erfahre und ich sie nach ihrem Leben in Wiesbaden, Münster und Stockholm und, ob es bei ihren Plänen mit Paris bleibt.

Und während ich diesen Blog schreibe schläft Silvana, müde vom Nähen der Vorhänge und vom Spaziergang am Strand. Ich weiss nicht, ob sie von mir oder dem Markt in Kalamata träumt, auf den wir morgen gehen wollen, aber ich bin mir sicher, dass wir beide über unsere Entscheidung zu fahren, mehr als glücklich sind, denn so aufregend und spannend wie jetzt, ist unser Leben schon lange nicht mehr gewesen. Und wir hoffen, dass es allen Lesern ähnlich geht.

Ich wünsche jedenfalls, stellvertretend für uns beide, allen Menschen fröhliche Weihnachten, mit ausgelassenen Tänzen wie in Brasilien, Familie und Freunden wie in Uganda, gemeinsamem Kochen wie in Venezuela, aber hoffentlich mit kürzeren Christmette als in Mosambique.

Bis morgen,

Euer Ulf

About God and the world
Tajikistan, India, Azerbaijan, Rwanda, Thailand, Venezuela, Brazil, Uganda, Cameroon, Madagascar, Mozambique, the Philippines and Italy, my students come from all over the world and learn my native language from a German in Greece.

Every day I am overwhelmed anew by the multicultural character of my „work“. I have never done anything so constructive, valuable and enriching and without our trip I would probably never have had the need to enrich my life so much.

Three times a week, I explain genitives and relative pronouns via Zoom and learn, in passing, how Christmas is celebrated in all these countries and what my home country is admired for: its culture.

Young women from Madagascar, whose national language is French, become au pairs in Germany because they want to understand Goethe. A young man from Venezuela is eager to visit Bonn because his role model Beethoven lived there and a schoolgirl from Thailand discovers the home of Christmas trees, which she orders from Amazon at home.

The stories I’ve been listening to morning, noon and night for a few weeks now are the reason why I’m on the road. I want to go to Brazil, where people celebrate Christmas on the beach, to Tajikistan, where Christmas is just a reason to celebrate because you don’t have to work, because the majority of people here believe in Allah, which doesn’t mean they aren’t interested in a German Christmas mass. „I don’t understand a word, but I find it exciting to be able to watch all the believers in silent prayer.“

The day before yesterday I learned that Christmas mass in a village in Mozambique lasts six hours. That must really be a celebration, because in the past I was already served after twenty minutes.

But this year Christmas is more exciting and unique than ever for me, because not only do I learn more about the respective rituals for the festival, but also, for example, that people in Verona can’t stand Shakespeare because Romeo and Juliet flood the small town with tourists, so they flee to Düsseldorf. In the Philippines, seemingly shy women are born who have the courage to move to Munich and in Rwanda we now know that there are far too many old people, and not just in Willich.

Christmas 2023, the festival of love, a festival of curiosity. I want to know what a Tajik thinks of the Riesling that his host family grows, I find it interesting that Asian women find the Spreepark uninteresting and are instead enthusiastic about real trees in the living room that are hung with baubles as if they were goddesses and I just want to enjoy the fact that my wife, who thinks nothing of faith, is looking forward to an Orthodox church service on the 24th.

Yes, my daughter is not with me at the moment, but with her mother in Stockholm and I miss her incredibly. But we allow each other our respective happiness, „videocall“ for hours and are happy that we have each other.

When we talk about God and the world now, we mean it literally. We really have something to talk about. She asks me how Grice’s language theorem works and on which beach I am currently learning more about Rwanda and I ask her about her life in Wiesbaden, Münster and Stockholm and whether her plans for Paris are still on track.

And while I’m writing this blog, Silvana is sleeping, tired from sewing the curtains and walking on the beach. I don’t know if she’s dreaming about me or the market in Kalamata we’re going to tomorrow, but I’m sure we’re both more than happy about our decision to go, because our lives haven’t been this exciting and thrilling for a long time. And we hope that all readers feel the same way.

In any case, on behalf of both of us, I wish everyone a Merry Christmas, with exuberant dancing like in Brazil, family and friends like in Uganda, cooking together like in Venezuela, but hopefully with shorter Christmas masses than in Mozambique.

See you tomorrow,

Your Ulf

Advent, Advent, die Sonne brennt

(down below in english) Gestern, nach dem wunderbaren Morgen, der sich just wiederholt, haben wir uns mal wieder in die Zivilisation gewagt. Kalamata hieß das Ziel, von dem Manu s schon so häufig vorschwärmte und das uns mit sanfter Stimme in seine Innenstadt zog.

Und die Lockrufe waren kein leeres Versprechen, auch wenn wir statt Schildkröten und Oliven auf Menschen stießen, dessen Heimat von so viel lebendiger Freundlichkeit und Lebensfreude erfüllt war, dass uns das Herz aufging.

Junge und Alte gemeinsam in griechisch urbaner Atmosphäre, die ihres Gleichen sucht.

Begierig erkundeten wir kleine Gassen und breite Einkaufsstraßen, dessen Weihnachtsdeko von strahlendem Sonnenschein statt glitzerndem Schnee zum Leuchten gebracht wurde.

Hier spürte man die Lebensfreude, von der auch ich bereits am frühen Morgen so ergriffen war. Bei 19 Grad flanierten man wie bei uns zum Gefrierpunkt in dicke Jacken gehüllt und mit Sonnenbrille inszeniert stolz über den Plaza, vorbei an Gucci H&M und den Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsmarkt?! Ja, Weihnachtsmarkt! Kleine Buden mit Filz bedeckten Dächern, in denen der Nikolaus Kinder auf den Schoß nahm oder in grün, rot und weiß gefasste Devotionalien angeboten wurden.

Alles rund um einen großen Weihnachtsbaum arrangiert und samt Kinderkarussell so unwirklich schön wie in einem gemalten Bild von Bert aus Marry Poppins.

Hunde in gestrickten Jacken und Familien um Restauranttische, an denen frisch gegrilltes Souflaki mit Ouzo serviert wurde. Und mitten drin Silvana und Ulf, die aus dem Staunen nicht mehr raus kamen.

Ganz ohne Schnee und Glühwein spürten wir die schönste Seite vom Geist der Weihnacht und freuten uns, dass wir dabei sein konnten.

Hier in Kalamata wurde die Erwartung erfüllt, die wir an Patras hatten, hier fühlten wir uns sobald wohl wie schon lange nicht mehr.

Und so, wie wir in Patras die Pläne änderten, überkam uns auch hier der Sinneswandel. Warum direkt weiter Richtung Thessaloniki, wenn wir uns doch inmitten von Hohoho und Hihihi auf Griechisch so wohl fühlten?!

Deshalb sitze ich auch heute nicht irgendwo anders, sondern erneut am Fuße eines Berges, dessen Name ich nicht kenne, aber dessen Silhouette mir so sympathisch bekannt ist und genieße einen unglaublichen Sonnenaufgang.

Gleich geht es dann erneut ins Getümmel, denn ich brauche noch eine neue Internetkarte, auch wenn die reale Welt hier viel schöner ist.

Bis morgen,

Euer Ulf

Advent, Advent,  and sun is burning

Yesterday, after the wonderful morning that just keeps repeating itself, we ventured back into civilization. Kalamata was the name of the destination that Manu had already raved about so often and which drew us into its city center with a gentle voice.

And the lure was no empty promise, even if instead of turtles and olives we came across people whose home was filled with so much lively friendliness and joie de vivre that our hearts sank.

Young and old together in a Greek urban atmosphere that is second to none.

We eagerly explored the small alleyways and wide shopping streets, whose Christmas decorations were lit up by bright sunshine instead of glistening snow.

Here you could feel the joie de vivre that I had already been so moved by in the early morning. At 19 degrees, people strolled proudly across the plaza, past Gucci H&M and the Christmas market, wrapped in thick jackets and wearing sunglasses, just like here at freezing point.

Christmas market? Yes, Christmas market! Small stalls with felt-covered roofs, where Santa Claus took children on his lap or offered devotional items in green, red and white.

Everything was arranged around a large Christmas tree and, together with the children’s carousel, looked as surreally beautiful as in a painted picture of Bert from Marry Poppins.

Dogs in knitted jackets and families around restaurant tables where freshly grilled souflaki with ouzo was served. And in the middle of it all, Silvana and Ulf, who couldn’t stop marveling.

Without any snow or mulled wine, we felt the most beautiful side of the spirit of Christmas and were delighted that we could be there.

Here in Kalamata, the expectations we had of Patras were fulfilled; we felt more at home here than we had for a long time.

And just as we changed our plans in Patras, we also had a change of heart here. Why go straight on to Thessaloniki when we felt so comfortable surrounded by hohoho and hihihi in Greek?

That’s why I’m not sitting anywhere else today, but once again at the foot of a mountain whose name I don’t know, but whose silhouette is so familiar to me and enjoying an incredible sunrise.

I’m about to get back into the thick of things, because I need a new internet map, even though the real world here is much nicer.

See you tomorrow,

Your Ulf

Aber früher war mehr Lametta

(down below in english) Um rechtzeitig um neun für die erste Stunde fit zu sein, stehe ich gegen sieben auf und spaziere zum Strand, denn es gibt nicht viel, dass ich um diese Zeit genießen kann. Aber Sonnenaufgänge über dem Meer sind einfach traumhaft, immer, auch wenn es bewölkt ist.

In letzteren Momenten ist die Sonne für mich wie Silvana, die sich noch einmal umdreht, graue Bettwäsche über ihr Gesicht zieht und noch für „nur fünt Minuten“ den Tagesanfang einfach etwas nach vorne verschiebt.

Ich gönne ihr und der Sonne gerne diese Zeit, denn beide sind unentwegt fleissig und schenken den Rest des Tages so viel Freude, dass sie auch ruhig öfter den ganzen Tag verschlafen dürften. Ich habe ja die sanften Wogen des Meeres, die meine Sinne langsam wachküssen.

Ich genieße es dann, allein zu sein, oder mich zumindest so zu fühlen, als wäre ich der einzige Mensch auf dieser Welt und fühle mich, als würde jedes Rauschen, jedes Vogelgezwitscher und jede Brise des Windes nur für mich zelebriert.

Aber auf dem Campingplatz ist das anders. Hier bin ich gezwungen die Einsamkeit zu suchen, denn das Morgenritual von Rentnern und Freizeitcampern beginnt um die gleiche Zeit, nur bei ihnen mit Tisch und Gartenstühle aufstellen, spülen und fegen.

Nicht einer oder eine sitzt wie ich auf der kleinen Mauer oder am Strand, und lauscht den Wellen oder beobachtet die aufsteigenden Wolken eines Heissgetränkes in den Händen. Kaum sind die Augen geöffnet, muss erledigt werden.

Der Hund, der über Nacht vorm großen Wohnmobil wacht, braucht Fressen und Auslauf, die Frau oder der Mann frisch gegrillten Speck und das Chemieklo muss auch geleert werden. Nur Staubsauger scheinen die meisten vergessen zu haben.

Kaum einer verläßt die vier Quadratmeter Wohnwagenterrasse, die nicht selten von Plastikdach oder Zaun abgesteckt sind und wenn, dann nur zum Müll wegbringen oder Joggen; natürlich mit Schrittzähler an Arm oder Handgelenk und Musik in den Ohren.

Man scheint sich richtig zu bemühen, den behaglichen Frieden hier zu verdrängen. Man ist ja nicht zum Vergnügen hier.

Aber im Gegensatz zu früher, ist dies Morgenritual deutscher Gründlichkeit kein Grund mehr, mich zu echaffieren, sondern ich begleite es, manchmal nur mit meinen Ohren, während ich aufs Meer schaue und denke an Lorriot „aber dann machen wir es uns gemütlich“.

Bis morgen,

Euer Ulf

There used to be more tinsel
To be fit in time for the first lesson at nine, I get up around seven and walk to the beach, because there’s not much I can enjoy at this time of day. But sunrises over the sea are simply gorgeous, always, even when it’s cloudy.

In the latter moments, it’s like Silvana for me, turning over once more, pulling gray bed linen over her face and simply pushing the start of the day forward for „just five minutes“.

I don’t begrudge her and the sun this time, because they are both constantly hard-working and bring so much joy to the rest of the day that they could sleep the whole day away more often. I have the gentle waves of the sea that slowly kiss my senses awake.

I then enjoy being alone, or at least feeling as if I am the only person in the world and feel as if every sound, every birdsong and every breeze of the wind is celebrated just for me.

But it’s different on the campsite. Here I am forced to seek solitude, because the morning ritual of pensioners and leisure campers begins at the same time, only with them setting up the table and garden chairs, washing up and sweeping.

Not one of them is sitting on the small wall or on the beach like me, listening to the waves or watching the rising clouds of a hot drink in their hands. As soon as you open your eyes, you have to get things done.

The dog, who spends the night in front of the large motorhome, needs food and exercise, the wife or husband needs freshly grilled bacon and the chemical toilet also needs emptying. The only thing most people seem to have forgotten is a vacuum cleaner.

Hardly anyone leaves the four square meter caravan terrace, which is often covered by a plastic roof or fence, and if they do, then only to take out the garbage or go jogging; of course with a pedometer on their arm or wrist and music in their ears.

People seem to make a real effort to displace themselves from the cozy peace here. After all, you’re not here for pleasure.

But unlike in the past, this morning ritual of German thoroughness is no longer a reason for me to get eaten, but I accompany it, sometimes only with my ears, while I look out to sea and think of Lorriot „but then we’ll make ourselves comfortable“.

See you tomorrow,

Your Ulf

Heimatgefühle

(Down below in english) Wir sind heute an einem Ort, der für viele das Paradies auf Erden ist, einem Campingplatz. Es gibt Strom, Waschmaschinen, einen Minimarkt und, wenn man die Nummernschilder sowie Satelitenschüsseln betrachtet, auch wohl RTL.

Selbst das Wetter ist wie in Deutschland: Grau. Man könnte sagen, wir fühlen uns wie Zuhause, nur die Rasenmäher fehlen, aber es ist ja auch Winter, selbst in Griechenland.

Aber unser Plan war doch weg zu fahren. Mehr als 4000 Kilometer haben wir zurück gelegt, um all dem zu entfliehen, aber ich bin eben Deutscher, muss also arbeiten und leider gibt es nur hier einigermaßen gutes Internet.

Kultivieren wir also, dass wir uns in einer germanischen Enklave befinden und nutzen die Gelegenheit, mal wieder Wäsche zu waschen, richtig zu duschen und den Strom aus der Steckdose zu beziehen.

Genießen wir, den Umstand, die Sprache der Einheimischen zu kennen. Mit rollenden „R“ wie in „guten Morgen“ und richtiger Grammatik, die ich gleich unterrichten muss. Freuen wir uns, wie in Horstmar aufs Wochenende, das morgen beginnt. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass wir dann zu einsamen Stränden reisen und nicht zum Weihnachtsmarkt gehen.

Ja, diese gemütliche Behaglichkeit der Weihnachtszeit vermissen wir hier ein wenig. Denn blinkende Lichter an einem Plastikbaum, können einen echten Weihnachtsbaum nicht ersetzen, aber ein bisschen Schwund ist ja immer.

Bis morgen,

Euer Ulf

Feelings of home
Today we are in a place that for many is paradise on earth, a campsite. There is electricity, washing machines, a mini-market and, judging by the license plates and satellite dishes, probably RTL.

Even the weather is like in Germany: gray. You could say we feel at home, only the lawnmowers are missing, but it’s winter, even in Greece.

But our plan was to leave. We’ve covered more than 4,000 kilometers to get away from it all, but I’m German, so I have to work and unfortunately there’s only reasonably good internet here.

So let’s cultivate the fact that we’re in a Germanic enclave and take the opportunity to do the laundry again, take a proper shower and get electricity from the socket.

Let’s enjoy the fact that we know the language of the locals. With a rolling „R“ as in „good morning“ and proper grammar, which I have to teach in a moment. Just like in Horstmar, let’s look forward to the weekend, which starts tomorrow. The only difference is that we’ll be traveling to secluded beaches instead of going to the Christmas market.

Yes, we miss the cozy comfort of the Christmas season a little here. After all, twinkling lights on a plastic tree can’t replace a real Christmas tree, but there’s always a bit of wastage.

See you tomorrow,

Your Ulf