Bauer sucht Frau

(down below in english) und jetzt das Wetter. Es ist bewölkt und diesig bei fiesen Nieselregen und gefühlten 12 Grad. Man könnte auch sagen “ Hallo Niedersachsen“. Deshalb geben wir jetzt auch direkt ab zu Inka Bause. „Hall Inka“ -„Hallo Gerd. Ich bin hier heute in Griechenland in der Nähe von Kalamata, wo man wie immer schon seit sieben auf den Beinen ist, denn so ein Vanleben auf dem Acker nimmt keine Rücksicht auf „Schietwetter“ sagt man hier, nicht wahr?“ – „Jo“. Das neben mir ist übrigens der ungemütliche Ulf, der Tag ein Tag aus mit 100 Pferdestärken dafür sorgt, dass man in der gesamten Republik mit Texten versorgt wird.
Hallo Gerd“ -„Calimera Inka“.
„Calimera, das ist hier die Landessprache und heißt sowas wie Moin, Moin. Ich sag dann auch mal Calimera uriger Ulf. Du suchst also eine Frau, die mit dir an diesem tollen Strand mit echt nordischen Temperaturen morgens Müsli und Kaffee teilt um im Anschluss die Camper zu verscheuchen, stimmt das?“
(Nicken)
„Wie sollte diese Traumfrau denn sein?“
„No jo, sie muss morgens vor mir aufsteh’n, Kaffee machen, mein Büro aufbau’n un nicht so viel snacken, nicht?!“
„Das klingt nach einem echten Aschenputtel das der ungeduldige Ulf sucht. Aber wir wollen an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten. Nur soviel, das die sympathische Silvana, eine frohgemute Bäckereiverkäuferin aus Horstmar sich mit dem Jürmann auf den Weg zu unserem Ulf gemacht hat und die beiden gleich hier.auf vier Quadratmetern so manchen Frust ohne Schnaps runter schlucken muss. Bleiben Sie also dran. Ich geb zurück ins Studio.

Bis morgen

Eure Labertasche des Vertrauens

Farmer seeks wife


„And now the weather. It’s cloudy and hazy with a nasty drizzle and what feels like 12 degrees. You could also say „Hello Lower Saxony“. That’s why we’re going straight to Inka Bause. „Hello Inka“ – „Hello Gerd. I’m here today in Greece near Kalamata, where, as always, people have been on their feet since seven, because such a van life in the field doesn’t take „bad weather“ into account, don’t they say here?“ – „Yes.“ By the way, the guy next to me is the uncomfortable Ulf, who works day in, day out with 100 horsepower to ensure that you are supplied with texts all over Germany.
Hello Gerd“ – „Calimera Inka“.
„Calimera, that’s the local language here and means something like Moin, Moin. I’ll say Calimera quaint Ulf. So you’re looking for a woman to share muesli and coffee with you on this great beach with really Nordic temperatures in the morning and then scare the campers away, is that right?“
(Nodding)
„What would this dream woman be like?“
„No yo, she has to get up before me in the morning, make coffee, set up my office and not snack so much, right?“
„That sounds like a real Cinderella that impatient Ulf is looking for. But we don’t want to give too much away at this point. Just so much that the likeable Silvana, a cheerful bakery saleswoman from Horstmar, has made her way to our Ulf with Jürmann and the two of them have to swallow a lot of frustration right here on four square meters without a schnapps. So stay tuned. I’ll return to the studio.

See you tomorrow

Your trusted chatterbox

Über die Konstruktivität von doofen Ideen

(down below in english) Oh man, wenn ihr mich fragt, bekommt das Leben gerade ein wenig zu viel Alltagsfeeling. Ich arbeite zu viel und genieße zu wenig, weshalb ich auch zwei Tage nicht gechattet habe. Es war einfach mal wieder Zeit, Abends mir Silvana zu sprechen, statt mit jenen, die nicht selten begründet allein sind.

Denn Silvan hört viel zu selten das von mir, was ich allabendlich in Kasernen, Wohn- und Schlafzimmer der Republik sende.

Allerdings fand sie gestern viele meiner Ideen doof, weshalb ich ab heute wohl wieder chattet und meine Liebe wieder mit Talern zum Ausdruck bringe. Strafe muss sein.

Aber gestern konnten wir dennoch unseren Kompass mal wieder richten. Sprachen über unsere Ziele und wie es sie zu erreichen möglich sein könnte, nämlich mit nähen und schreiben. Bis jetzt, so stellten wir fest, haben wir uns eingelebt, Rituale entwickelt und uns in unserem neuen Leben als Vanlifer gefestigt.

Aber nun gilt es, die Autonomie zu nutzen. wieder mehr Zeit im Wohnzimmer zu verbringen und weniger im Büro. Anfangs mussten wir beweisen, dass man so Geld verdienen kann, jetzt heißt es das Wie etwas spinozistischer zu interpretieren und wenn es nur deshalb ist, damit ich weniger oder gar endlich ganz aufhöre zu rauchen, denn das kostet so viel wie mindestens die Hälfte meiner Nächte vorm Rechner.

Bitte versteht mich nicht falsch, der Job macht mir Spaß denn ich liebe das Schreiben, aber der kleine Ulf in mir kann nicht allabendlich die unendliche Einsamkeit ertragen, die meine Gesprächspartner oft deprimiert, vielleicht, weil ich selbst so oft und lange alleine war.

Drei Mal die Woche möchte ich einsamen „formally Ichs“ widmen, aber dreimal will ich auch andere Dinge schreiben und einmal die Woche soll der ganze Tag und Abend Silvana gehören, auch wenn sie meine Ideen doof findet. Wer weiss, vielleicht sind sie es ja wirklich und werden dann wieder besser?

Bis morgen,

Euer Ulf

On the constructiveness of stupid ideas


Oh man, if you ask me, life is getting a little too much of a daily grind right now. I’m working too much and enjoying myself too little, which is why I haven’t chatted for two days. It was just time to talk to Silvana again in the evening instead of those who are often alone for good reason.

Silvana hears far too little of what I say every evening in the barracks, living rooms and bedrooms of the Republic.

However, she found many of my ideas stupid yesterday, which is probably why I’m chatting again from today and expressing my love with coins again. Punishment is necessary.

But yesterday we were still able to set our compass straight again. We talked about our goals and how it might be possible to achieve them, namely by sewing and writing. So far, we realized, we have settled in, developed rituals and established ourselves in our new life as vanlifers.

But now we have to make the most of our autonomy and spend more time in the living room and less in the office. In the beginning, we had to prove that we could earn money this way, but now we have to interpret the how in a more spinozistic way, even if it’s just so that I smoke less or even finally stop smoking altogether, because that costs as much as at least half of my nights in front of the computer.

Please don’t get me wrong, I enjoy my job because I love writing, but the little Ulf in me can’t bear the endless loneliness that often depresses my conversation partners every evening, perhaps because I’ve been alone so often and for so long myself.

Three times a week I want to devote to lonely „formally me“, but three times I also want to write other things and once a week the whole day and evening should belong to Silvana, even if she thinks my ideas are stupid. Who knows, maybe they really are and then they’ll be better again?

See you tomorrow,

Your Ulf

Sonne, Strand und Küsschen

(down below in english) Ich weiss, es ist schon beinahe ekelig, wie glücklich wir sind. Jeden Morgen dieses “ die unfassbar schöne Sonne am traumhaften Strand“, ich hätte schon aufgehört, mich zu lesen, weil ich uns wie eines dieser Youtubepaare gesehen hätte.

Aber deshalb schreibe ich auch von anderen Dingen, denn natürlich ist hier nicht nur eitler Sonnenschein, oder anders gesagt: Hier finden auch Friktionen statt, aber eben meist zu Sonnenschein, der es der Seele einfach unmöglich macht, lange zu granteln.

Das Schönste ist aber, dass man hier unter Gleichgesinnten ist: Punks, Weltreisender Frauen mit geheimnisvollen Tattoos, Bankkauffrauen, die auf modernste Weise Liebe und Autonomie in ihrem Mercedes Sprinter verbinden, Lebenstrainer aus Polen, die unter britischer Flagge ihre Einsamkeit suchen und eine Portugisin, die 500 Meter weiter ihre Einsamkeit sucht ohne das andere Gleichgesinnte dabei im Weg sind

Man sieht sich beim spazieren, plauscht mal kürzer, mal länger bei Frühstück oder Kaffee, tauscht Erfahrungen aus und lauscht ganz ohne Vorbehalte, was andere motiviert hat, diesen oder einen ähnlichen Lebensweg zu beschreiten.

Man kennt sich kaum und spricht dennoch über Probleme oder Steuern, als sei man gemeinsam aufgewachsen.
Schaut morgens kurz, was der ein oder andere Wegabschnittsgefährte grad erlebt und freut sich ganz neidfrei über fremdes Glück oder leidet mit denen, denen es nicht so gut geht. Meist kann man nichts tun, außer das Gefühl zu geben oder anzunehmen, auf dieser Art von Lebensweg nicht allein zu sein.

Mut zusprechen, Wärme teilen und helfen wo man kann. So einfach kann es sein, wenn man sich einfach von Pseudopflichten im Kopf befreit.
Klar, auch hier müssen die Menschen Geld verdienen, aber weit weniger als in der jeweiligen Heimat. Hier wird der Job nicht zu einer skalaren Orientierung, in die man sich einzuordnen hat, sondern zu einem spannenden Gesprächsthema und manchmal gar zur Inspiration. Interessant, wie oder was Du machst.

Und dazu Sonne, Strand und Küsschen. Was will man mehr?

Bis morgen,

Euer Ulf

Sun, beach and kisses
I know, it’s almost disgusting how happy we are. Every morning this „the unbelievably beautiful sun on the gorgeous beach“, I would have stopped reading myself already because I would have seen us like one of those Youtube couples.

But that’s why I write about other things, because of course it’s not all vain sunshine here, or to put it another way: there’s friction here too, but mostly sunshine that simply makes it impossible for the soul to grumble for long.

But the best thing is that you are among like-minded people here: punks, globetrotting women with mysterious tattoos, bank clerks who combine love and autonomy in their Mercedes Sprinter in the most modern way, life coaches from Poland looking for solitude under the British flag and a Portuguese woman looking for solitude 500 meters away without other like-minded people in the way

You see each other on a walk, chat sometimes for a short time, sometimes longer over breakfast or coffee, share experiences and listen without reservations to what motivated others to take this or a similar path in life.

You hardly know each other and yet you talk about problems or taxes as if you had grown up together.
You take a quick look in the morning to see what one or the other fellow traveler is currently experiencing and, without envy, rejoice in other people’s happiness or suffer with those who are not doing so well. In most cases, there is nothing you can do except give or accept the feeling that you are not alone on this kind of life journey.

Encourage, share warmth and help where you can. It can be that simple if you just free yourself from pseudo obligations in your head.
Sure, people have to earn money here too, but far less than in their home country. Here, the job doesn’t become a scalar orientation that you have to fit into, but an exciting topic of conversation and sometimes even an inspiration. It’s interesting how or what you do.

Plus sun, beach and kisses. What more could you want?

See you tomorrow,

Your Ulf

(Mit) Meer arbeiten

(down below in english) Heute haben wir Kassensturz gemacht. Fakt ist: Ich rauche zu viel und an Keksen könnten wir auch sparen, aber ich habe auch zu viel gearbeitet, was Kompensation fordert, Also Nikotin, Schokolade und Feierabendbier.

Man glaubt gar nicht, wie schnell man auch im Paradies in alte Trotte verfällt. Plötzlich, beinahe ohne es zu merken, sagt man zu diesem Job ja und zu anderen, das kann man auch noch machen. Nicht gut.

Aber gut ist, das man Kassensturz macht, nur dass am Strand daraus eine Reflexion wird. Es ist nicht mehr wie früher, als ich nur darüber schimpfte, wie erbärmlich manche Bezahlung ist, sondern hier schaue ich in erster Linie darauf, wie ich mein oder besser gesagt wir unser Leben ändern müssen, damit es besser wird.

Natürlich werde ich jetzt ein bisschen mehr Fleiss als geplant investieren müssen, aber ich muss auch darauf achten, dass ich mich nicht stressen lasse, denn Stress ist der größte Kostenfaktor.

Wenn die Wellen rauschen und ich im Sonnenschein durchatme, überfällt mich eine solche Genügsamkeit, dass ich auch zwei Stunden danach noch entspannter bin. Ergo, darf ich die Pausen nicht vergessen, damit ich nicht unnötig viel konsumieren muss, um zu erarbeiten, was uns dieser Stress zusätzlich kostet.

Machen wir uns nichts vor, auch hier hat die Arbeitswoche 40 Stunden und seien wir auch ehrlich, die Bezahlung ist jenseits von Mindestlohn angesiedelt, aber dafür müssen wir das nicht in einer städtischen Wohnung ertragen. Wir dürfen am Strand Mittagspause machen und nach der letzten Sitzung um 21 Uhr in ein Himmelszelt voller Sterne blicken.

Und auch wenn gleich noch Bewerbungen zu schreiben sowie in der Nacht einsame Herzen zu trösten sind, können wir viermal die Woche ausschlafen.

Das schönste an diesem Leben ist wohl, dass man endlich den Aberglauben besiegt, dass immer mehr Geld, die einzige Lösung ist. Deshalb geh ich jetzt auch erst einmal zu Silvana, ein bisschen knutschen und nicht arbeiten und bevor wieder Umsatz gemacht wird, werde ich erst an meinem Buch weiter schreiben, denn wir sind ja nicht zum Arbeiten hier.

Bis morgen,

Euer Ulf

Working (with) the sea

Today we did a cash check. The fact is: I smoke too much and we could save on cookies, but I’ve also worked too much, which demands compensation, i.e. nicotine, chocolate and after-work beer.

You wouldn’t believe how quickly you fall into old ruts, even in paradise. Suddenly, almost without realizing it, you say yes to this job and yes to others, you can do that too. Not good.

But it’s good to take stock, except that on the beach it becomes a reflection. It’s no longer like before, when I only complained about how miserable some of the pay is, but here I’m looking first and foremost at how I need to change my life, or rather our lives, so that it gets better.

Of course, I will now have to put in a little more effort than planned, but I also have to make sure that I don’t let myself get stressed, because stress is the biggest cost factor.

When the waves are crashing and I’m breathing deeply in the sunshine, I’m overcome by such a sense of contentment that I’m still more relaxed two hours later. So I mustn’t forget to take breaks so that I don’t have to consume unnecessarily in order to work out what this stress is costing us.

Let’s not kid ourselves, the working week here is also 40 hours and let’s be honest, the pay is above minimum wage, but we don’t have to put up with it in an urban apartment. We can take our lunch break on the beach and look up at a sky full of stars after the last meeting at 9 pm.

And even if there are still job applications to write and lonely hearts to comfort at night, we can sleep in four times a week.

The best thing about this life is that you finally overcome the superstition that more and more money is the only solution. That’s why I’m going to go to Silvana’s for now, have a little snog and not work, and before we start making sales again, I’m going to continue writing my book, because we’re not here to work.

See you tomorrow,

Your Ulf


Anders genau richtig

(down below in english) Bevor wir den Ritt auf der Waiküre begannen, war mein Leben geprägt von „ungenügend sein“. In meiner Kindheit war ich zu klein für mein Alter und zu schwer obendrein. Meine Rechtschreibung war mies, für einen Jungen war ich zu sensibel und als Werber für potentielle Kunden zu kreativ.

„Du bist zu verkopft“, „denkst zu kompliziert“, bist zu unordentlich“ oder, was beinahe am Schlimmsten war „Du hast nur Flausen im Kopf“.

Es gab keine einzige Kathegorie, in der ich angemessen, gut oder konstruktiv besser war als andere. Selbst als Vater musste ich mich damit abfinden, dass es andere gab, die diese Aufgabe wohl besser konnten als ich, denn ich war einfach nicht in der Lage, vernünftiges Geld zu verdienen.

Der Komplex der Versagensangst, der seit jeher über mir wie ein Damoklesschwert über mir baumelte, machte mich unfähig, in einer Welt zu funktionieren, die Kompetenzen von mir erwartete, die ich nicht besaß.

In Zeugnissen schrieb man auch gerne „er hatte sich stets bemüht“, was nichts anders hieß als „sitzen bleiben; zweimal. Und weil ein solches Dasein echt frustrierend ist, versuchte ich auch gar nicht mehr zu funktionieren, sondern kultivierte mein Anderssein.

Ich log, stahl, und betrog, bis sich die Balken bogen, verarschte alles und jeden, bis ich von sämtlichen Schulen flog und wurde zu einem kleinen Drecksack, der das Leben zwar liebte, aber mit jedem Tag mehr daran verzweifelte.

Schlussendlich hatte ich trotz imensem Ehrgeiz und einer bewundernswerten Renitenz die Schnauze so voll vom Hier und Jetzt, dass ich nur noch weg wollte.

Und da kam Silvana. Sie war ähnlich hilflos in dieser Welt, wie ich. Konnte nicht verstehen, warum man hart sein müsste, um zu überleben und machte sich ihre Welt widde, widde, wie sie ihr gefällt. Baute Schränke und Tische, zog in ein einsames Kleinod auf dem Land und las zufällig die von mir mit letztem Geld verzweifelte Anzeige „ich denk nicht immer nur an das Eine, sondern hin und wieder auch an Sex“.

Sie antwortete, hatte den Mut den zu einem anstrengenden Professor mutierten Ulf zu treffen und verliebte sich in ihn. Und er ihn sie, weshalb er sie besuchte und sie aus ihrer Wohnung ausziehen oder sich von mir trennen musste, denn „der geht gar nicht“.

Also suchten wir gemeinsam etwas Neues und zogen nach Horstmar. Aber das einzig Gute da war, dass der Wunsch in uns keimte, alles hinter uns zu lassen.
Kurz und gut, wir kauften den Jürmann, kündigten alles und machten uns gemeinsam auf den Weg in unsere Perspektive der Welt und plötzlich wurde alles anders.

Nicht ich bin das technische Hirn in unserer Liebe, sondern sie. Silvana macht alles, was vermeintliche Männeraufgaben sind. Und ich bin plötzlich Lehrer für junge Erwachsene aus der ganzen Welt die bei uns noch nicht dazu gehören. Für sie scheine ich ein guter Lehrer zu sein, anderen schreibe aussergewöhnliche Bewerbungen und für wieder andere, die in meiner alten Heimat alles sind, was mir verwehrt blieb, bin ich Abends die Liebe ihres Lebens und mit all dem, darf ich für unser neues Leben den Unterhalt bestreiten.

Alles richtig gemacht, finden wir zumindest und sind für unser Glück jeden Tag aufs Neue unendlich dankbar.

Bis morgen,

Euer Ulf

Different just right
Before we started riding the Waiküre, my life was characterized by „being inadequate“. As a child, I was too small for my age and too heavy to boot. My spelling was lousy, I was too sensitive for a boy and too creative as an advertiser for potential customers.

„You’re too cerebral“, „you think too complicated“, „you’re too messy“ or, almost worst of all, „you’re just crazy“.

There wasn’t a single category in which I was appropriate, good or constructively better than others. Even as a father, I had to come to terms with the fact that there were others who were probably better at this task than I was, because I simply wasn’t in a position to earn decent money.

The fear of failure complex that had always hung over me like a sword of Damocles made me unable to function in a world that expected me to have skills that I didn’t possess.

In school reports, people also liked to write „he always made an effort“, which meant nothing other than „remain seated; twice. And because such an existence is really frustrating, I no longer even tried to function, but instead cultivated my otherness.

I lied, stole and cheated until the beams bent, fooled everyone and everything until I was expelled from all schools and became a little scumbag who loved life but despaired of it more and more every day.

In the end, despite my immense ambition and admirable renitence, I was so fed up with the here and now that I just wanted to leave.

And then Silvana came along. She was just as helpless in this world as I was. She couldn’t understand why you had to be tough to survive and made her world the way she liked it. Built cupboards and tables, moved into a lonely little place in the country and happened to read the ad I had desperately placed with the last of my money: „I don’t always think of just one thing, I also think of sex now and again“.

She replied, had the courage to meet Ulf, who had mutated into an exhausting professor, and fell in love with him. And he fell in love with her, which is why he visited her and she had to move out of her apartment or break up with me, because „he’s no good at all“.

So we looked for something new together and moved to Horstmar. But the only good thing there was that we felt the desire to leave everything behind.
In short, we bought the Jürmann, quit everything and set off together into our perspective of the world and suddenly everything changed.

I’m not the technical brain in our love affair, she is. Silvana does everything that is supposed to be a man’s job. And I’m suddenly a teacher for young adults from all over the world who don’t yet belong to us. For them I seem to be a good teacher, for others I write exceptional applications and for still others, who are everything I was denied in my old home country, I am the love of their lives in the evenings and with all this I am allowed to support our new life.

We think we’ve done everything right and are infinitely grateful for our good fortune every day.

See you tomorrow,

Your Ulf

Tabula rasa

(down below in english) Wir mussten gestern umziehen, weg vom Strand mit dem idealen Internet zu dem, der durch seine Ruhe besticht.

Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Denn hier ist es traumhaft. Vereinzelte Vögel am Horizont, Wellenrauschen und eine Sonne, die es nur gut mit einem meint. Kein verlogenes „na wie geht es Dir?“ Keine Nachricht, in der steht, dass man leider umdisponieren muss, weil, keine identitäre Profilierungssucht, die, wenn man selbst ein Problem hat zum Yoga muss und echauffiert ist, wenn der Knecht grad seinen Schreibtisch ordnet.

Eine kleine Wolke aus dem Mund, weil die Nacht noch Spuren der Kälte für den Tag hinterlassen hat und Frieden in der Sprache die jeder versteht und verstehen will: Sonnenstrahlen auf Morgentau.

Hier, in diesem, unserem kleinen Paradies, gibt es keine Wochentage oder Rechnungen, nur andere Reisende, die selbst auf der Suche nach dieser Ruhe sind und in der Ferne ein Schiff, dass symbolisiert, dass irgendwo in der eigenen Seele auch mal eine Sehnsucht nach mehr steckte.

Aber diese Sehnsucht ist in mir gestillt, wie Durst nach einem Kaltgetränk. Nichts weiter als eine Erinnerung an ein Imperfekt, mit dem sich jetzt andere rumzuschlagen haben.

Nie wieder Angst, egal vor was, nie wieder Selbstzweifel, weil andere an einem zweifeln könnten. Ich bin zufrieden mit mir, mit mir im Reinen, wie ich es noch nie war und dieses Glück lasse ich mir von keinem mehr kaputt machen.

Nie wieder.

Lieber gern wenig gezahlt bekommen als ungern viel. Nie wieder Bringschuld. Ich habe immer getan was ich konnte, mehr geht nicht und ich weiss das, und hier, kann ich mich auch endlich damit versöhnen, dass ich damit zufrieden bin.

Und Silvana? Sie fragt mich nur, ob ich auch einen Kaffee will, grüsst im Vorbeigehen kurz unsere gemeinsame Freundin, kuschelt sich wieder in die Decke und haucht sanft: Ist das schön hier.

Mehr geht nicht.

Bis morgen,

Euer Ulf

Tabula rasa
We had to move yesterday, away from the beach with the ideal internet to the one that impresses with its tranquillity.

Sometimes you have to be forced to be happy. Because it’s a dream here. A few birds on the horizon, the sound of the waves and a sun that only means well with you. No mendacious „how are you?“ No messages telling you that you unfortunately have to change your plans because you have to go to yoga when you have a problem and you’re so upset when your servant is tidying his desk.

A small cloud from the mouth, because the night has left traces of the cold for the day, and peace in the language that everyone understands and wants to understand: sunbeams on morning dew.

Here, in this, our little paradise, there are no weekdays or bills, only other travellers who are themselves in search of this peace and a ship in the distance that symbolizes that somewhere in your own soul there was once a longing for more.

But this longing is quenched in me, like a thirst for a cold drink. Nothing more than a reminder of an imperfection that others now have to deal with.

No more fear, no matter what, no more self-doubt because others might doubt you. I’m happy with myself, at peace with myself like I’ve never been before and I won’t let anyone ruin this happiness.

Never again.

I’d rather be paid a little than a lot. No more debt. I’ve always done what I could, I can’t do more and I know that, and here I can finally reconcile myself to the fact that I’m happy with that.

And Silvana? She just asks me if I want a coffee too, says a quick hello to our mutual friend as we walk past, snuggles back into the blanket and breathes softly: „It’s lovely here.

That’s all I can do.

See you tomorrow,

Your Ulf

Endlich wieder Vogelfänger

Und plötzlich sogar wieder Sonne

(down below in english) „Wo warst du denn? Die Frauen vom Kostüm sind schon da!“ „Welche Frauen vom Kostüm?“ „Na wir! Hier, zieh das mal an, was da auf dem Stuhl liegt!“
Ich tat, wie mir geheißen und nichts war komisch, denn ich kannte das Prozedere, leicht verkatert irgendwo einfach machen was man mir sagt, dann wird schon alles gut. Denn damals als Schauspieler war das normaler Alltag. Irgendwer holt mich irgeqndwo ab und betüddelt mich mit leichter Hektik,bis ich schlussendlich mit einem versifften Textbuch an einem Cateringbus auf meinen Einsatz warten musste.

Diesmal holte mich aber keine Regieassistentin ans Set, sondern der Wecker zurück ins Jetzt und das war waschküchengrau und kalt.

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann es morgens mal so deutsch durchs Fenster winkte. Aber es machte mir eigentlich nichts aus, ich stellte das Kaffeewasser an, blickte in die Ferne und überlegte, wann ich letztmalig so Katastrophen arm geträumt habe.

Und während ich meinen Gedanken so nachhing, krabbelte plötzlich ein Kleinstinsekt an mir vorbei. „Wie schön“, ging es mir durch den Kopf, „ein Vorbote des Frühlings und dazu Vogelgezwitscher, dass mich wie eine mozartsche Ouvertüre vom Papageno in Erinnerungen entführte.

Plötzlich stand ich am Stadtrand von Wien, 10 Mark in der Tasche und auf dem Weg nach München. Danach auf dem alten Marktplatz in Rostock, trampend nach Berlin, mit der Vorfreude auf Döner und Großstadt im Bauch.

Herrlich, trotz Armut frohgemute wie ein Hans im Glück die Zukunft kaum erwarten zu können; selbst wenn das Wetter schlecht ist.

Ich vertraute einfach auf mich und mein Adressheft. Irgendeiner wird schon da sein und sich über das Bier, was ich für 10 Mark bekäme freuen.

Und da wir dann eh bis in die Nacht reden würden, bräuchte ich auch kein Bett, denn der Schlaf würde mich eh mitten im Satz heimsuchen, bis ich wieder erwachen würde und dran denke, dass unten bereits ein Wagen auf mich wartet und mich zur Kostümprobe holt, oder eine Castingdirektoren zwischen Tapes und Fotos dem kleinen Mann aus Westfalen guten Tag sagt.
Ich freue mich schon darauf, was heute Nacht passiert, aber jetzt erst einmal Kaffee und dann Schule, als Lehrer, auf den sich andere junge Menschen freuen, fast so wie ich damals, nur dass sie meist besser vorbereitet sind.

Bis morgen,

Euer Ulf

Bird catcher again at last
„Where have you been? The women from the costume are already here!“ „Which women from the costume?“ „Well, us! Here, put this on, what’s on the chair!“
I did as I was told and nothing was strange, because I knew the procedure – just do what I’m told, slightly hungover, and everything will be fine. Because back then, as an actor, that was normal everyday life. Someone would pick me up from somewhere and would pester me until I finally had to wait for my cue on a catering bus with a filthy textbook.

This time, however, it wasn’t an assistant director who brought me to the set, but the alarm clock brought me back to the present, which was cold and gray.

I can’t even remember when it waved so German through the window in the morning. But I didn’t really mind, I turned on the coffee water, looked into the distance and thought about the last time I had such a poor dream about a catastrophe.

And while I was pondering my thoughts, a tiny insect suddenly crawled past me. „How beautiful,“ it went through my head, „a harbinger of spring and the twittering of birds that transported me into memories like a Mozartian overture from Papageno.

Suddenly I was standing on the outskirts of Vienna, 10 marks in my pocket and on my way to Munich. Then on the old market square in Rostock, hitchhiking to Berlin, with the anticipation of kebabs and the big city in my stomach.

It’s wonderful to be able to look forward to the future like a happy-go-lucky Hans despite poverty, even if the weather is bad.

I simply trusted in myself and my address book. Someone will be there and will be happy about the beer I get for 10 marks.

And since we’d be talking into the night anyway, I wouldn’t need a bed, because sleep would haunt me in the middle of a sentence anyway, until I woke up again and remembered that a car was already waiting for me downstairs to take me to the costume rehearsal, or a casting director was saying hello to the little man from Westphalia between tapes and photos.
I’m looking forward to what happens tonight, but for now, coffee and then school, as a teacher, which other young people look forward to, almost like I did back then, only they’re usually better prepared.

See you tomorrow,

Your Ulf

Jeden Tag eine neue Welt

(Down below in english)

(Weibliche Stimme mit sanftem Tembre:) „Herzlich willkommen zur ersten Folge von „entspannen mit Ulf“ – um das ganze Potential dieses extra für moderne Menschen wie Sie entwickelten Braincustomizing excellerator Kurses aktivieren zu können, empfehlen wir diese aus zarten Polyesterfäden gesponnene „keep calm pans“, die Professor Dr. Ulf Münstermann in einem Meditationskurs von seinem Zen Meister Ying Yang als bester Schüler auf einem einsamen Berg in den Anden kurz vor dessen Ableben überlassen wurde.

Dieses thermostatisch aufgeladene und mit Liebespigmenten besetzte Kleidungsstück besticht nicht nur durch sein exotisches Muster aus zarten Weinrot mit kontrastieren Nachtblau zur dunklen Stunde, sondern schmiegt sich auch wie eine zweite Skinrole an gestresste Körper, wo sie allein durch Berührung die inneren Nervenbahnen aktiviert und dabei einen verjüngenden Aloeveraeffekt auf das größte Organ ihres Trägers, die Haut, hervorprüft.

Und für nur 499 Euro inklusive Versand bekommen Sie den passenden Meditationsfaden aus reiner Baumwolle, gesponnen nach dem Vorbild einsiedelnder Bergapte aus einem Kloster am Fuße des Peleponnes gratis hinzu“.

(Sanfte Töne einer voluminösen Klangschale erklingen)

(Ein tiefer Bariton kriecht in das Trommelfell der Hörer:) „Haben Sie eine wohlig, entspannte Sitzposition eingenommen? Dann schließen Sie ihre Augen und atmen Sie tief ein. Ist es nicht herrlich, wie die frische Luft aus Nikotion und Kondensat die jungen Lungenbläschen verklebt?

Und ausatmen“.

(Es erklingt erneut die weibliche Stimme mit dem sanftem Tembre:)“Die extra für solche Momente, die nur Ihnen gehören, in liebevoller Handarbeit gedrehten Glücksstäbchen mit Vanillearoma, kann man übrigens ebenfalls über Professor Doktor Ulf Münstermanns Wohlfühloase im Internet ordern“.

Unter http://www.bis-morgen.com

Euer Glücksguru des Vertrauens

A new world every day

(Female voice with a gentle tembre:) „Welcome to the first episode of „relax with Ulf“ – to activate the full potential of this brain-customizing excellerator course developed especially for modern people like you, we recommend these „keep calm pans“ spun from delicate polyester threads, which were given to Professor Dr. Ulf Münstermann in a meditation course by his Zen master Ying Yang as his best student on a lonely mountain in the Andes shortly before he passed away.

This thermostatically charged garment, studded with love pigments, not only captivates with its exotic pattern of delicate wine red with contrasting midnight blue in the dark hours, but also clings to stressed bodies like a second skinrole, where it activates the inner nerve pathways through touch alone, producing a rejuvenating aloe vera effect on the wearer’s largest organ, the skin.

And for only 499 euros including shipping, you get the matching meditation thread made of pure cotton, spun according to the model of hermitic mountain apts from a monastery at the foot of the Peloponnese, for free“.

(Soft tones of a voluminous singing bowl sound)

(A deep baritone creeps into the eardrums of the listeners:) „Have you taken a comfortable, relaxed sitting position? Then close your eyes and take a deep breath. Isn’t it wonderful how the fresh air of nicotine and condensation clogs the young alveoli?

And breathe out“.

(The female voice with the gentle tembre is heard again:) „By the way, you can also order the vanilla-flavored bliss sticks, lovingly handmade especially for such moments that belong only to you, from Professor Doctor Ulf Münstermann’s feel-good oasis on the Internet“.

At http://www.bis-morgen.com

Your trusted happiness guru



Logbucheintrag vom 30. Januar 2024

(Down below in english) Die See ist stürmisch und der blanke Hans des Mittelmeers tobt nicht nur auf den Meeren sondern auch in meiner Brust, denn kleine Meutereien im virtuellen Raum haben mich zu viel Rum in den Tee schütten lassen.

Wir sind mit der MS Jürmann zwar noch auf dem richtigen Kurs Richtung Glückseligkeit, aber ein dreimal schwarzer Kater hat die Laune von Kapitän Ulfsen verfinstert.

Glücklicherweise ist die erste Steuerfrau auf Posten und hat das Ruder übernommen, sodass der alte Seebär brummig die Krabben fürs Mittagessen pulen kann.

„Warum“, so der alte Kapitän, „müssen immer irgendwo solche Döspaddel sein und warum findet sich auf jedem Deck mindestens ein Hain Blöd“, hustet Ulfsen in den Dreitagebart.
Aber da kommt auch schon Steuerfrau Jürgenson und bringt eine Aspirin mit pechschwarzen Kaffee.

„Weil“, sagt die unerbitterlich frohgemute Offizierin, „das weiss ich nicht Chef, „aber“, holt sie Luft, „deshalb braucht jedes Schiff das dampft und segelt, einen, der die Sache regelt, und das sind glücklicherweise Sie Chef“.

„Ach Kappes“, brummt Ulfsen, „erstens mag ich keine Westerwellischen Zitate und 2. Würde ohne Sie die MSS Jürmann schon viel länger nicht mehr fahren, sondern auf Grund laufen, nech?!“.


„Aber wir fahren und das sollten Sie nicht vergessen Kapitän,  sie bekamen gestern ein Angebot von einer kleinen Reederei, dass sie notfalls die Flagge wechseln können,schon vergessen?!“

„Gut, gut, me Deern“, lächelt Kapitän Ulfsen etwas gequält und steckt sich eine Zigarette in den Mund, dann geh ich jetzt noch Mal kurz an Deck und wenn ich wiederkommen wird gespult, bis die Finger bluten, ja?“

„Eye, eye, Captain, und immer dran denken, ney, nicht lang schnacken, kopp in Nacken“.

„Yo, yo yo yo yo!“

Bis morgen,

Euer alter Seebär Ulf

Logbook entry January 3, 2024
The seas are stormy and the sheer Hans of the Mediterranean is raging not only on the seas but also in my chest, because small mutinies in virtual space have caused me to pour too much rum into my tea.

We are still on the right course towards bliss with the MSS Jürmann, but a triple black hangover has darkened Captain Ulfsen’s mood.

Fortunately, the first helmswoman is on duty and has taken over the helm so that the old sea dog can grumpily pick the crabs for lunch.

Why, says the old captain, do there always have to be such döspaddles somewhere and why is there at least one Hain Blöd on every deck, Ulfsen coughs into his three-day beard.
But then helmswoman Jürgenson arrives and brings an aspirin with pitch-black coffee.

„Because,“ says the implacably cheerful officer, „I don’t know boss, but,“ she takes a breath, „that’s why every ship that steams and sails needs someone to take care of things, and fortunately that’s you boss.“

„Oh, that’s silly,“ grumbles Ulfsen, „firstly, I don’t like Westerwellian quotes and secondly, without you, the MSS Jürmann wouldn’t have been sailing for much longer, it would have run aground, wouldn’t it?“.
„But we are sailing and you shouldn’t forget that, Captain, yesterday you received an offer from a small shipping company that you can change the flag if necessary, remember?“

„Well, well, me Deern,“ smiles Captain Ulfsen a little pained and puts a cigarette in his mouth, „then I’ll go on deck for a moment and when I come back I’ll wind until my fingers bleed, yes?“

„Eye, eye, Captain, and always remember, ney, don’t take too long, head in neck“.

„Yo, yo yo yo yo!“

See you tomorrow,

Your old sea dog Ulf

Du liest mich, also bin ich

(Down below in english) Es gibt viele, beinahe unendlich viele Menschen, die sich auf den Weg machten und machen, um die Welt zu entdecken oder sich selbst zu finden und es gibt wohl nur wenige, die das nicht in die Welt tragen.

Bilder, Videos, Kommentare und Blogs auf Instagram, Tik,Tok, Facebook und WordPress sind eindrückliche Beweise dafür.

Unzählige Synonyme wie „Vanlife happylife“ oder „unserrittaufderwaiküre“ zeugen von dieser Sehnsucht und dem Mut, der damit verbunden ist oder scheint. Aber sie sind auch Reminiszenz einer mitteilungsbedürftigen Gesellschaft, die sich zurückgelassen oder vergessen fühlt. „Hey ihr da, sehr ihr, was ich Tolles mache?“ Schreit es täglich von diversen social Media Seiten an die vermeintlich unglücklich Zuhausegeblieben.

Einzig wichtig scheint, dass die Bilder beeindrucken. Höher, schneller, weiter und immer mit einem grinsenden Gesicht als Ausdruck purer Glückseeligkeit. Denn wann sieht man schon mal einen Motorschaden, Mechaniker,leere Kassen oder Streit?

Nur dann, wenn man sich auch davon ein lukratives Geschäft verspricht. „10 Gründe, warum wir nie wieder Vanlifen“ oder „die fünf besten Tipps, damit die Reise im Wohnmobil keine Katastrophe wird“, heißt es da in Überschriften auf YouTube und immer mit dem Verweis “ was haltet ihr davon? Schreibt es in die Kommentare und vergesst auch nicht zu liken, damit ihr auch beim nächsten Mal dabei seid“, wenn es wieder heißt: ich habe ein Ego oder Geldproblem.

Ich bin da keine Ausnahme, denn auch ich habe das Netz mit meinem Bullshit in der Hoffnung geflutet, damit Geld zu verdienen. Ich mache es ja sogar in diesem Moment und es gibt nicht das kleinste Gegenargumente, dass diese negative Seite meines Blogs entkräften könnte.

Für mich zeigt das, dass ich immer noch nicht da bin, wo ich sein will. In einer Selbstzufriedenheit, die einer inszenierten Darstellung erübrigt. Solange ich schreibe, ob kritisch oder freundlich, weiss jeder, dass ich ein Problem mit mir habe.

Ja, es stimmt, es ist nicht mehr so groß wie zu Beginn der Reise, aber das es kleiner wurde liegt nicht an meinem Blog, sondern einzig an der Reise, die mich mit Momenten konfrontiert, die meine Seele zur selbstreflektierten Genesung zwingen.

Und ja, das Schreiben hilft mir, aber das Posten hat mit der Selbstheilung Nichts zu tun. Ich möchte beinahe sagen, es steht mir im Weg.
Denn solange ich öffentlich mache, was mich bewegt, will ich auch wissen, ob man das auch an anderer Stelle gut findet. Und ist es nicht eigentlich das jenes, von dem ich mich befreien wollte?

Aber ich bin ein Mensch, also zumindest heute ein lieb gemeint es:

Bis morgen,

Euer Ulf

You read me, therefore I am
There are many, almost infinitely many people who have set out to discover the world or to find themselves and there are probably only a few who do not bring this to the world.

Pictures, videos, comments and blogs on Instagram, Tik,Tok, Facebook and WordPress are impressive proof of this.

Countless synonyms such as „Vanlife happylife“ or „unserrittaufderwaiküre“ bear witness to this longing and the courage that is or seems to be associated with it. But they are also reminiscent of a society in need of communication that feels left behind or forgotten. „Hey you there, do you know what great thing I’m doing?“ It is shouted daily from various social media sites to the supposedly unhappy people who have stayed at home.

The only thing that seems to matter is that the pictures impress. Higher, faster, further and always with a grinning face as an expression of pure bliss. Because when do you ever see engine damage, mechanics, empty tills or arguments?

Only when you expect to make a lucrative business out of it. „10 reasons why we’ll never vanlift again“ or „the five best tips to ensure your motorhome trip isn’t a disaster“ are the headlines on YouTube, always with the link „What do you think? Write it in the comments and don’t forget to like it so that you’ll be there next time too“ when it says again: I have an ego or money problem.

I am no exception, because I too have flooded the net with my bullshit in the hope of earning money with it. I’m even doing it right now and there’s not the slightest counterargument that could invalidate this negative side of my blog.

For me, this shows that I’m still not where I want to be. In a self-satisfaction that makes a staged presentation unnecessary. As long as I write, whether critically or kindly, everyone knows that I have a problem with myself.

Yes, it’s true, it’s not as big as it was at the beginning of the journey, but the fact that it’s gotten smaller is not because of my blog, but solely because of the journey, which confronts me with moments that force my soul into self-reflective recovery.

And yes, writing helps me, but posting has nothing to do with self-healing. I almost want to say it gets in my way.
Because as long as I make public what moves me, I also want to know whether it will be appreciated elsewhere. And isn’t that actually what I wanted to free myself from?

But I’m a human being, so at least today I’m a well-meaning one:

See you tomorrow,

Your Ulf