Frieden braucht Nähe

(down below in english) Morgen sind wir nun schon ein halbes Jahr unterwegs und wir haben gestern Abend festgestellt, wie sehr wir uns verändert haben.

Wir sind zu einer unbeschreiblichen Einheit verschmolzen, die wie ein Uhrwerk funktionieren kann, denn auch wenn natürlich hin und wieder Ärger in der Luft liegt, streiten wir uns kaum. Wir spüren, dass das unmöglich ist, da wir beiden so aufeinander angewiesen sind. Der Eine braucht alle Qualitäten des anderen und umgekehrt. Was wäre ich nur ohne Silvanas Struktur und Ruhe und sie ohne meinen Humor?

Wenn was nicht läuft, dann lachen wir und manchmal gehen wir uns auch aus dem Weg, indem wir schweigen, uns böswillige Kommentare schenken und so die Eskalation im Keim ersticken. Dann sitz ich vorne und schreibe, während Silvana hinter mir schmollt oder am Strand spazieren geht und eine Stunde oder so später kommt meist Silvana zurück und überwindet sich zu einem Lächeln in meine Richtung, wofür ich mich nicht selten mit „danke, das hätte ich grad noch nicht geschafft“, bedanke.

Ich bin mir sicher, dass ich noch nie in meinem Leben so wenig gefrustet und wütend war. Meine Mama würde sich wundern, wie gut ich Still sein gelernt habe.

Silvana und ich kennen uns so genau, wissen in kleinsten Regungen, was die Stunde beim anderen geschlagen hat und reagieren, indem wir akzeptieren, manchmal tolerieren und selten schlucken, aber immer bemüht sind uns daran zu erinnern, das der jeweils andere nicht aus seiner Haut kann, weil seine Welt grad ist wie sie ist und der andere nicht schuld, sondern manchmal einfach nur auch da ist.

Zum Glück, denn ohne einander können wir uns das Leben nicht mehr vorstellen.

Wir sind zu Jürmann geworden, ohne unsere Individualität aufzugeben. Gibt es was Schöneres?

Bis morgen,

Euer

Ulf

Peace needs closeness

Tomorrow we will have been on the road for six months and last night we realized how much we have changed.

We have merged into an indescribable unit that can function like clockwork, because even though there is of course anger in the air from time to time, we hardly ever argue. We feel that this is impossible because we are so dependent on each other. One needs all the qualities of the other and vice versa. Where would I be without Silvana’s structure and calm and she without my humor?

When things go wrong, we laugh and sometimes we avoid each other by keeping quiet, making malicious comments and nipping escalation in the bud. Then I sit at the front and write while Silvana sulks behind me or goes for a walk on the beach and an hour or so later Silvana usually comes back and manages to smile in my direction, for which I often say „thank you, I couldn’t have done that just yet“.

I’m sure I’ve never been so frustrated and angry in my life. My mom would be amazed at how well I’ve learned to be quiet.

Silvana and I know each other so well, we know in the smallest of ways what the other’s mood is and react by accepting, sometimes tolerating and rarely swallowing, but always trying to remember that the other can’t get out of their own skin because their world is just the way it is and the other is not to blame, but sometimes just there too.

Fortunately, because we can no longer imagine life without each other.

We have become Jürmann without giving up our individuality. Is there anything more beautiful?

See you tomorrow,

Your

Ulf

Bauer sucht Frau

(down below in english) und jetzt das Wetter. Es ist bewölkt und diesig bei fiesen Nieselregen und gefühlten 12 Grad. Man könnte auch sagen “ Hallo Niedersachsen“. Deshalb geben wir jetzt auch direkt ab zu Inka Bause. „Hall Inka“ -„Hallo Gerd. Ich bin hier heute in Griechenland in der Nähe von Kalamata, wo man wie immer schon seit sieben auf den Beinen ist, denn so ein Vanleben auf dem Acker nimmt keine Rücksicht auf „Schietwetter“ sagt man hier, nicht wahr?“ – „Jo“. Das neben mir ist übrigens der ungemütliche Ulf, der Tag ein Tag aus mit 100 Pferdestärken dafür sorgt, dass man in der gesamten Republik mit Texten versorgt wird.
Hallo Gerd“ -„Calimera Inka“.
„Calimera, das ist hier die Landessprache und heißt sowas wie Moin, Moin. Ich sag dann auch mal Calimera uriger Ulf. Du suchst also eine Frau, die mit dir an diesem tollen Strand mit echt nordischen Temperaturen morgens Müsli und Kaffee teilt um im Anschluss die Camper zu verscheuchen, stimmt das?“
(Nicken)
„Wie sollte diese Traumfrau denn sein?“
„No jo, sie muss morgens vor mir aufsteh’n, Kaffee machen, mein Büro aufbau’n un nicht so viel snacken, nicht?!“
„Das klingt nach einem echten Aschenputtel das der ungeduldige Ulf sucht. Aber wir wollen an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten. Nur soviel, das die sympathische Silvana, eine frohgemute Bäckereiverkäuferin aus Horstmar sich mit dem Jürmann auf den Weg zu unserem Ulf gemacht hat und die beiden gleich hier.auf vier Quadratmetern so manchen Frust ohne Schnaps runter schlucken muss. Bleiben Sie also dran. Ich geb zurück ins Studio.

Bis morgen

Eure Labertasche des Vertrauens

Farmer seeks wife


„And now the weather. It’s cloudy and hazy with a nasty drizzle and what feels like 12 degrees. You could also say „Hello Lower Saxony“. That’s why we’re going straight to Inka Bause. „Hello Inka“ – „Hello Gerd. I’m here today in Greece near Kalamata, where, as always, people have been on their feet since seven, because such a van life in the field doesn’t take „bad weather“ into account, don’t they say here?“ – „Yes.“ By the way, the guy next to me is the uncomfortable Ulf, who works day in, day out with 100 horsepower to ensure that you are supplied with texts all over Germany.
Hello Gerd“ – „Calimera Inka“.
„Calimera, that’s the local language here and means something like Moin, Moin. I’ll say Calimera quaint Ulf. So you’re looking for a woman to share muesli and coffee with you on this great beach with really Nordic temperatures in the morning and then scare the campers away, is that right?“
(Nodding)
„What would this dream woman be like?“
„No yo, she has to get up before me in the morning, make coffee, set up my office and not snack so much, right?“
„That sounds like a real Cinderella that impatient Ulf is looking for. But we don’t want to give too much away at this point. Just so much that the likeable Silvana, a cheerful bakery saleswoman from Horstmar, has made her way to our Ulf with Jürmann and the two of them have to swallow a lot of frustration right here on four square meters without a schnapps. So stay tuned. I’ll return to the studio.

See you tomorrow

Your trusted chatterbox

Schlinge um den Hals der Seele

(down below in english) Zwischen Asterix und Autoscooter gelandet, fristeten wir die letzte Nacht, um vor dem Sturm zu flüchten, der dann doch aus blieb.

Erstmalig fühlte es sich bedrückend an,  ein Rolling Stone zu sein, kein Zuhause zu haben, denn ein Parkplatz wie dieser erfüllt alle negativen Gefühlsklischees unseres neuen Lebens.

Man steht auf, öffnet die Tür und sieht Häuser, Schilder und Zäune. Man fühlt den Montag aus Aufgaben und Bürde, ihn meistern zu müssen. Ind der Asphalt der Straße legt sich wie eine Schlingel um den Hals der Seele.

Nichts wie weg. Zurück nach Hause. An den Strand.
Es regnet. Egal. Im Rückspiegel schwarze Wolken: who care’s?! Denn vor uns riecht es schon wieder nach Meer.

Und siehe da, kaum biegen wir um die Kurve mit der abgesackten Teerdecke, da zeigt sich auch schon wieder die Sonne und erwartet uns mit dicken weißen Schaumkronen auf den Wellen, wie eine Familie die uns schon sehnlichst erwartet hat.

Ich will fast sagen, so schlimm kann es gar nicht werden, als dass ich je wieder einen solchen Kompromiss nur aus Angst vor „Wetter“ eingehe.
Aber wir beide wissen jetzt noch gewisser als vorher, wie dringend wir dieses Friedliche Ambiente aus rauschendem Wasser und sich darin spiegelnder Lebenskraft brauchen,um glücklich zu sein.

Stand jetzt ist zumindest bei mir, dass ich mir nicht mehr vorstellen kann und will, darauf jemals wieder zu verzichten.

Bis morgen,

Euer Ulf

Rope around the neck of the soul
Landed between Asterix and the bumper cars, we spent the last night fleeing from the storm, which then failed to materialize.

For the first time, it felt depressing to be a Rolling Stone, to have no home, because a parking lot like this fulfills all the negative emotional clichés of our new life.

You get up, open the door and see houses, signs and fences. You feel the Monday of tasks and the burden of having to master them and the asphalt of the road wraps itself around your soul like a snare.

Let’s get out of here. Back home. To the beach.

It’s raining. No matter. Black clouds in the rear-view mirror: who cares? Because ahead of us it smells like the sea again.

And lo and behold, as soon as we turn the corner with the sagging tarmac, the sun appears again and awaits us with thick white whitecaps on the waves, like a family that has been eagerly awaiting us.

I almost want to say that it can’t get that bad for me to make such a compromise again just for fear of the „weather“, but we both know even more than before how much we need this peaceful ambience of rushing water and the life force reflected in it to be happy.

As things stand now, at least for me, I can’t and won’t imagine doing without it anymore.

See you tomorrow,

Your Ulf

Geschüttelt, nicht gerührt

Geschüttelt nicht gerührt
Der Wind, der Wind, das himmlische Kind scheint in die Pubertät gekommen zu sein, denn schon die ganze Nacht rüttelt er am Jürmann, als seien wir auf hoher See.

Gut, dass Udo Lindenberg mit einigen Zeilen vorgesorgt hat, denn zur Melodie von Andrea Andoria und Co schunkeln Silvana und ich in unserer Kajüte und hoffen, dass die Böen nicht noch stärker werden.

Silvan hört schon die Flöhe husten, denn irgendwas unter uns rumpelt und pumpelt wohl, während ich „keine Panik auf der Titanic“ summe und nur das Pfeifen in den Ritzen höre und dem Mobiliar beim Wackeln zuschaue.

Aber ehrlich gesagt finde ich das Wetter gar nicht schlecht, sondern richtig spannend. Ich bin sogar bei der Frühstückszigarette wieder in nordischen „Släng“ verfallen und begrüßte den Morgen mit einem fröhlichen “ Na du Olle Spinatwachtel, tut das Not, dass du hier so’n Stress machen tust?““
„Nej“, pfiff es durch irgendeine undichte Stelle hinten, während die schneebedeckten Bergspitzen im kalten Sonnenlicht erstrahlen, die den Himmel in heroischem Licht einer Schneekönigin eine wahrhaft imposante Würde verleihen.
Im wahrsten Sinne des Wortes „Nordisch bei Nature“ nur hier bei sanften 14 Grad. Wenn wir nicht wüssten, dass heute Nacht das bockige Kind sogar wieder Lust auf Bäume ausreißen bekommen könnte, würden wir bleiben und es nur genießen, aber da unser Jürmann weder Segel noch Flügel hat, riskieren wir das lieber nicht und werden uns wohl nachher ein stilleres Örtchen suchen, damit Mutti sich in Westfalen keine Sorgen machen muss.
In diesem Sinne verkneifen wir uns jetzt einen schönen Rum mit Tee und gönnen uns einen heißen Kaffee mitm büschn Milch, geschüttelt, nicht gerührt, versteht sich.

Bis morgen,

Euer Ulf


Shaken, not stirred


The wind, the wind, the heavenly child seems to have hit puberty, because it shakes the Jürmann all night long as if we were at sea.

It’s a good thing that Udo Lindenberg contributed a few lines, because Silvana and I sway in our cabin to the sounds of Andrea Andoria and co. and hope that the gusts don’t get any louder.

Silvana can already hear the fleas coughing because something must be purring and pumping underneath us, while I hum „no panic on the Titanic“ and only hear the hissing in the cracks and see the furniture shaking.

But to be honest, I don’t think the weather is that bad, I actually find it really exciting. I even returned to my Scandinavian „Släng“ over my morning cigarette and greeted the morning with a cheery „Well, you old spinach quail, is it necessary to make such a fuss here?“.
„Nej,“ he hissed through a leak in the back, while the snowy mountain peaks glowed in the cold sunlight, giving the sky the heroic light of a snow queen with truly imposing dignity.
Literally „Scandinavian by nature“, except that it was a balmy 14 degrees here. If we hadn’t known that the stubborn child might have the urge to uproot trees again tonight, we would have stayed and just enjoyed it, but as our Jürmann has neither sails nor wings, we’d rather not take the risk and will probably look for a quieter spot later so that mom doesn’t have to worry in Westphalia.
With this in mind, we’ll forgo a nice rum and tea and enjoy a hot coffee with a little milk – shaken, not stirred, of course.

See you tomorrow,

Your Ulf

Oder soll’s vielleicht doch ein Keks sein?


(Down below in english) Wie oft hab ich heimlich über Mathilde, Ottilie, Marie und Liliane laut gelacht, aber dann am Ende inbrünstig mitgetröhlt:

Aber bitte mit Sahne!

Schlager, das war für mich nicht die Hohe Kunst der Leichtigkeit, sondern albernes Geld Geschachere, das doch jeder, auch nach zehn Bier noch hinkritzeln kann.

Mein Ego war so groß, dass ich vor vielen Jahren bei einem Casting ein Lied vorsingen
Musste und dachte:

Dadadat:
Aber bitte mit Sahne!

Der Tag kam, der Regisseur wartete und damals noch Adi begann:

Sie treffen sich täglich um viertel nach drei
Ohoho, oh yeah

Und dann: Text vergessen. Eine unangenehme Stille trat ein. Aber die Regieassistentin hatte Erbarmen und flüsterte:
Am Stammtisch im Eck in der Konditorei

Und in mir regte sich freudig ein:
Ohoho, oh yeah
Aber dann war wieder Schluss. Kein Blasen auf das Kuchenbuffet, kein Schwarzwälder-Kirsch auf Sahne-Baisser, und erst Recht kein
Auf Früchteeis: Ananas, Kirsch und Banane –

Statt dessen ein verschämtes Lala in Anlehnung an den bekannten Ohrwurm garniert mit einem kläglichen:

aber bitte mit Sahne.

Selten bin ich in fünf Minuten so sehr über meine Selbstüberschätzung gestolpert und 1000 Tode gestorben.

Wohl nie wieder passte „Die Hinterbliebenen fanden vor Schmerz keine Worte“ wie bei diesem Casting.

Von wegen „Ohoho“ und mit Sicherheit kein „oh yeah“.
Sondern eher ein

Und der Pfarrer begrub ihn mit rührenden Worten, ….
Aber bitte mit Sahne

Und heute 20 Jahre später, laboriere ich an meinem täglichen Blog wie damals am Text von Udo Jürgens. Und Silvana so:
Dadadat:

Aber bitte mit Sahne

Bis morgen

Euer Ulf

Or maybe it should be a cookie after all?

How often have I secretly laughed out loud at Mathilde, Ottilie, Marie and Liliane, but then roared along fervently at the end:

But with cream, please!

For me, Schlager was not the high art of lightness, but silly money haggling that anyone can scribble down, even after ten beers.

My ego was so big that I had to sing a song at a casting many years ago.
had to and thought:

Dadadat:
But with cream, please!

The day came, the director was waiting and Adi started:

They meet every day at a quarter past three
Ohoho, oh yeah

And then: forgot the text. There was an awkward silence. But the assistant director had mercy and whispered:
At the regulars‘ table in the corner of the patisserie

And a joyful stirring went through me:
Ohoho, oh yeah
But then it was over again. No bubbles on the cake buffet, no Black Forest cherries on cream biscuits, and certainly no
On fruit ice cream: pineapple, cherry and banana –

Instead, a coy lala in the style of the well-known catchy tune garnished with a pitiful:

but with cream, please.

Rarely have I stumbled over my overconfidence so much in five minutes and died a thousand deaths.

Probably never again has „The bereaved found no words for their pain“ been as fitting as in this casting.

No „Ohoho“ and certainly no „oh yeah“.
But rather

And the priest buried him with touching words, ….
But with cream, please

And today, 20 years later, I’m suffering from my daily blog like I did with Udo Jürgens‘ lyrics back then. And Silvana like this:
Dadadat:

But with cream, please

See you tomorrow

Your Ulf

Der Küchenchef enpfielt


(Down below in english) Jeden Tag werden etwa 10 Millionen Essensbilder gepostet. Egal ob kulinarische Leckerbissen oder verbrannter Toast, die digitale Festplatte ist voll von Bildern, die kein Mensch braucht. Der Vorteil dabei scheint, dass das digitale Gehirn nicht aktiv in dem Sinne leben muss, dass es all diese Menüs und andere mehr oder weniger erinnerungswürdige Momente zur Bestreitung anstehender 24 Stunden braucht.

Beim menschlichen Gehirn ist das anders. Jeden Tag kommen auch hier neue Bilder, Töne und Gefühle zum bisher wahrgenommen hinzu und, ob man es will oder nicht, alles Vergangene gestaltet die Perspektive, mit der man das Zukünftige betrachtet.

Wenn ich also jetzt meinen Kaffee genieße, bestimmt sogar meine ehemalige Englischlehrerin Frau Brumberg, Nomen est Omen, wie er mir schmeckt.

Man kann also fast sagen, dass es einem Wunder gleichkommt, dass ich überhaupt noch genießen kann. Glücklicherweise ist dem ganz und gar nicht so, denn es gibt unendlich viel, was ich wie ein Neugeborenes genießen kann. Aber die Nacht gehörl leider nicht dazu.

Wenn es draussen dunkel wird, scheint sich auch mein Geist zu verdunkeln. Beinahe jede Nacht fühlt es sich so an, als blättere ich sämtliche Erinnerungsalben meines Lebens durch, wobei ich mit Themen wie „schlimmste Erinnerungen aller Zeiten zu beginnen scheine und erst gegen sechs bei Zoé, Silvana oder Kalamatas ankomme.

Es ist nicht so, vielleicht leider, dass ich mich daran erinnere, aber ich wache jede Nacht unzählige Male auf und bin gerädert vom Kopfkino, bis der Wecker um sieben Klingelt und der Autor dieses Blogs aufstehen muss.

Ich habe so viel auf dieser Reise zum guten wenden können, aber wenn es um durschlafen geht fühle ich mich wie ein Fisch der fliegen soll, ich kann es einfach nicht. Die unzähligen verkochten Mahlzeiten aus in der Schule sitzen bleiben oder anderer versalzener Erinnerungen auf der Festplatte meines Superrechners, wollen jede Nacht betrachtet werden, als ob mein RAM dächte, dass ohne diese kein Leben möglich wäre.

Ich weiss, dass das Quatsch ist und da ich alles von Freud gelesen habe, habe ich sogar eine Ahnung davon, was mein persönlicher Yogibär mir damit sagen will, aber den Schritt, diese schwatzen Gedanken wie unweigerlich verstreichende Sekunden und Stunden einfach ziehen zu lassen, gelingt mir einfach noch nicht.

Aber vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich genau dieser Baustelle zu widmen, denn alles andere in meinem Leben hat sein Ziel erreicht. Jetzt gilt es also, einfach nur das Gute zu genießen.Wer hätte gedacht, das eine scheinbar so herrliche und dankbare Aufgabe, die schwerste Hürde in einem Leben sein kann?

Aber ehrlich, es gibt doch keinen einzigen Grund, davor Angst zu haben, denn man muss ja nicht Verbrannte Toasts verdauen lernen sondern ausschließlich, Gambas, Hähnchen, Filetsteaks und Schokopudding.

Vielleicht fehlte bisher einfach der Hunger, aber jetzt ist er da!

Bis morgen,

Euer Ulf

The chef recommends
Around 10 million food pictures are posted every day. Whether culinary delicacies or burnt toast, the digital hard disk is full of pictures that nobody needs. The advantage of this seems to be that the digital brain does not have to live actively in the sense that it needs all these menus and other more or less memorable moments in order to cope with the upcoming 24 hours.

The human brain is different. Every day, new images, sounds and feelings are added to what we have already perceived and, whether we like it or not, everything in the past shapes the perspective with which we view the future.

So when I enjoy my coffee now, even my former English teacher Mrs. Brumberg, nomen est omen, determines how it tastes to me.

So you could almost say it’s a miracle that I can still enjoy it at all. Fortunately, that’s not the case at all, because there are so many things I can enjoy like a newborn. But unfortunately, the night is not one of them.

When it gets dark outside, my mind seems to darken too. Almost every night it feels like I’m leafing through all the memory albums of my life, where I seem to start with topics like „worst memories ever“ and only get to Zoé, Silvana or Kalamatas around six.

It’s not, perhaps sadly, that I remember, but I wake up countless times every night and I’m choked up from the head cinema until the alarm clock rings at seven and the author of this blog has to get up.

I’ve managed to turn so much of this trip around, but when it comes to sleeping through the night I feel like a fish that’s supposed to fly, I just can’t do it. The countless overcooked meals from sitting at school or other salty memories on my supercomputer’s hard drive want to be looked at every night, as if my RAM thinks that life is impossible without them.

I know this is nonsense and having read all of Freud, I even have an idea of what my personal yogi bear is trying to tell me, but I just can’t yet take the step of letting these chattering thoughts pass like inevitable seconds and hours.

But perhaps now is exactly the right time to dedicate myself to this construction site, because everything else in my life has reached its destination. So now it’s time to simply enjoy the good: who would have thought that such a seemingly wonderful and rewarding task could be the hardest hurdle in life?

But honestly, there’s not a single reason to be afraid of it, because you don’t have to learn to digest burnt toast, only prawns, chicken, fillet steaks and chocolate pudding.

Maybe I just wasn’t hungry before, but now I am!

See you tomorrow,

Your Ulf

Logbucheintrag vom 30. Januar 2024

(Down below in english) Die See ist stürmisch und der blanke Hans des Mittelmeers tobt nicht nur auf den Meeren sondern auch in meiner Brust, denn kleine Meutereien im virtuellen Raum haben mich zu viel Rum in den Tee schütten lassen.

Wir sind mit der MS Jürmann zwar noch auf dem richtigen Kurs Richtung Glückseligkeit, aber ein dreimal schwarzer Kater hat die Laune von Kapitän Ulfsen verfinstert.

Glücklicherweise ist die erste Steuerfrau auf Posten und hat das Ruder übernommen, sodass der alte Seebär brummig die Krabben fürs Mittagessen pulen kann.

„Warum“, so der alte Kapitän, „müssen immer irgendwo solche Döspaddel sein und warum findet sich auf jedem Deck mindestens ein Hain Blöd“, hustet Ulfsen in den Dreitagebart.
Aber da kommt auch schon Steuerfrau Jürgenson und bringt eine Aspirin mit pechschwarzen Kaffee.

„Weil“, sagt die unerbitterlich frohgemute Offizierin, „das weiss ich nicht Chef, „aber“, holt sie Luft, „deshalb braucht jedes Schiff das dampft und segelt, einen, der die Sache regelt, und das sind glücklicherweise Sie Chef“.

„Ach Kappes“, brummt Ulfsen, „erstens mag ich keine Westerwellischen Zitate und 2. Würde ohne Sie die MSS Jürmann schon viel länger nicht mehr fahren, sondern auf Grund laufen, nech?!“.


„Aber wir fahren und das sollten Sie nicht vergessen Kapitän,  sie bekamen gestern ein Angebot von einer kleinen Reederei, dass sie notfalls die Flagge wechseln können,schon vergessen?!“

„Gut, gut, me Deern“, lächelt Kapitän Ulfsen etwas gequält und steckt sich eine Zigarette in den Mund, dann geh ich jetzt noch Mal kurz an Deck und wenn ich wiederkommen wird gespult, bis die Finger bluten, ja?“

„Eye, eye, Captain, und immer dran denken, ney, nicht lang schnacken, kopp in Nacken“.

„Yo, yo yo yo yo!“

Bis morgen,

Euer alter Seebär Ulf

Logbook entry January 3, 2024
The seas are stormy and the sheer Hans of the Mediterranean is raging not only on the seas but also in my chest, because small mutinies in virtual space have caused me to pour too much rum into my tea.

We are still on the right course towards bliss with the MSS Jürmann, but a triple black hangover has darkened Captain Ulfsen’s mood.

Fortunately, the first helmswoman is on duty and has taken over the helm so that the old sea dog can grumpily pick the crabs for lunch.

Why, says the old captain, do there always have to be such döspaddles somewhere and why is there at least one Hain Blöd on every deck, Ulfsen coughs into his three-day beard.
But then helmswoman Jürgenson arrives and brings an aspirin with pitch-black coffee.

„Because,“ says the implacably cheerful officer, „I don’t know boss, but,“ she takes a breath, „that’s why every ship that steams and sails needs someone to take care of things, and fortunately that’s you boss.“

„Oh, that’s silly,“ grumbles Ulfsen, „firstly, I don’t like Westerwellian quotes and secondly, without you, the MSS Jürmann wouldn’t have been sailing for much longer, it would have run aground, wouldn’t it?“.
„But we are sailing and you shouldn’t forget that, Captain, yesterday you received an offer from a small shipping company that you can change the flag if necessary, remember?“

„Well, well, me Deern,“ smiles Captain Ulfsen a little pained and puts a cigarette in his mouth, „then I’ll go on deck for a moment and when I come back I’ll wind until my fingers bleed, yes?“

„Eye, eye, Captain, and always remember, ney, don’t take too long, head in neck“.

„Yo, yo yo yo yo!“

See you tomorrow,

Your old sea dog Ulf

War was?!

(down below in english) Laut ADAC sind wir gerade einmal 2876 Kilometer von Münster entfernt, oder wie man im Netz sagt one day four hours and 40 Minutes. Ein Katzensprung quasi. Da fragt man sich natürlich auch, wo die rund 2000 Kilometer mehr auf der Uhr des Jürmanns kommen, denn gefühlt standen wir ja hauptsächlich in Igoumenitsa und hier in Kalamata.

Ach ja, da war ja noch die Sache mit Brüssel und, ach ja, der Friedhof mit den freundlichen alten Ladies in Arlon, die Tanke mit dem Motorradfahrer dem ich beinahe die Maschine umgefahren habe in Luxemburg und Billard mit Dylan in Saarburg habe ich noch vergessen.

Und Herrsching, Salzburg, Florenz, das Tichuana von Slowenien, unser erster richtiger Strand in Krk und Dubrovnik. Oh Dubrovnik, da fällt mir ein, dass die abgeschleppten Kilometer gar nicht mitgezählt wurden.

Ups, das wunderschöne Bosnien und Herzegowina mit Anton und Slatan ist mir da wohl durchgerutscht und die unfassbar schöne Flusströmung mit dem Obdachlosen Penthouse, der uns sogar die Pornos da gelassen hat. Zum Glück ging unser kleiner Streit dort nicht ganz so weit, dass ich das Angebot annehmen musste.

Und während ich hier so liege und gedanklich durch unser Zuhause streife, denke ich natürlich an die blaue Beule am Jürmann hinten rechts, die wir uns auf dem Parkplatz in Bosna zugezogen haben. Gut, dass Montenegro auch noch Kotar und den Long Beach zu bieten hatte, sonst würde ich bei dieser Region wohl nur noch an den Golffahrer mit Flachmann auf der Schnellstraße denken, oder an die Panik die ich hatte, als ich Silvana Nachts nicht wieder fand.

Aber alles vergeben und vergessen. Auch der wahrscheinlich überflüssige Werkstattaufenthalt in Albanien bei Antonio, der so nett war und unser Pfeifproblem doch nicht lösen konnte. Aber den Turbo zu checken, war bestimmt eine gute Prophylaxe für später.

Und dann waren wir ja auch schon in Igoumenitsa, wo wir uns endlich den wahren Problemen wie beinahe Absaufen und unsere Heizung Petra kümmern konnten, ach ne, das kam ja erst später, nach Peter, Andrea und Nikita und TJ aus Hannover.

Wann war eigentlich das mit der Miliz? Ach ja, da, kurz vor dem Campingplatz von Andrea, wo wir unseren Jeffrey Lebowski zurück lassen mussten.

Unvergesslich auch das Treffen mit Peter am Meer, das jeden Tag die Farbe wechselte, und seinem Wohnmobil, dass in Italien Jürmannattitüden annahm. Gut, dass ihm nichts passiert ist.

Oder das Münster von Griechenland, Patras, von dem wir immer noch nicht wissen, ob es mit oder ohne „s“ geschrieben wird aber dessen Brückenkosten unvergesslich bleiben.

Und natürlich Jannis, unser Freund aus Inglewood, würde man in Pulp Fiction wohl sagen. Der griechische Ulf mit Dortmunder Wurzeln, dessen Waschsalon unser Ziel war, aber dessen Freundschaft wir gewinnen konnten. Zwar kurz vor Patras, aber wen stört das schon?

Irina fragt sich bestimmt grad, ob ich sie vergessen habe. Nein hab ich nicht und Mareike mit ihrem Mann Chris sowie das schnuckeligen Haus in den Bergen natürlich auch nicht.

Und dann sind auch schon fünf Monate um und ein waschechter Sokratis repariert den Wagen eines Philosophen. Was will man mehr?

Nie wieder zurück!

Bis morgen,

Euer Ulf

Something Missing?!
According to the ADAC, we are just 2876 kilometers away from Münster, or as they say on the net, one day four hours and 40 minutes. A stone’s throw, so to speak. Of course, this also makes you wonder where the extra 2000 kilometers on the Jürmann’s clock came from, because we felt like we were mainly in Igoumenitsa and here in Kalamata.

Oh yes, there was also the thing with Brussels and, oh yes, the cemetery with the friendly old ladies in Arlon, the petrol station with the motorcyclist I nearly knocked over in Luxembourg and billiards with Dylan in Saarburg.

And Herrsching, Salzburg, Florence, the Tichana in Slovenia, our first real beach in Krk and Dubrovnik. Oh Dubrovnik, I just remembered that I didn’t count the kilometers we towed.

Oops, I must have slipped through the beautiful Bosnia and Herzegovina with Anton and Slatan and the incredibly beautiful river current with the homeless penthouse, who even left us the porn. Fortunately, our little argument there didn’t go quite so far that I didn’t have to accept the offer.

And while I’m lying here, mentally wandering around our home, I’m of course thinking about the blue bruise on Jürmann’s back right that we got in the parking lot in Bosna. It’s a good thing that Montenegro also had Kotar and Long Beach to offer, otherwise I would probably only think of the golf driver with a hip flask on the highway, or the panic I had when I couldn’t find Silvana again at night.

But all is forgiven and forgotten. Even the probably superfluous workshop visit in Albania with Antonio, who was so nice and couldn’t solve our whistle problem after all. But checking the turbo was certainly a good preventative measure for later.

And then we were already in Igoumenitsa and could finally deal with the real problems like almost sinking and heating, oh no, that only came later, after Peter, Andrea and Nikita and TJ from Hanover.

When was it with the militia? Oh yes, just before Andrea’s campsite, where we had to leave our Jeffrey Lebowski behind.

The meeting with Peter by the sea, which changed color every day and whose motorhome in Italy took on Jürmannatti characteristics, was also unforgettable. It’s a good thing nothing happened to him.

Or the cathedral of Greece, Patras, which we still don’t know whether it is spelled with or without an „s“ but whose bridge costs remain unforgettable.

And of course Jannis, our friend from Inglewood, as they would say in Pulp Fiction. The Greek Ulf with roots in Dortmund, whose launderette was our destination, but whose friendship we managed to win. Just before Patras, but who cares?

Irina must be wondering if I’ve forgotten her. No, I haven’t and of course neither have Mareike and her husband Chris, nor the cosy house in the mountains.

And then it’s already five months later and a real Sokratis is repairing a philosopher’s car. What more could you want?

Never go back!

See you tomorrow,

Your Ulf

I had a dream

(down below in english) Puuuh, hab ich einen Scheiss geträumt. Wir waren in New York und wie früher lief erst alles gut bis es plötzlich ins Gegenteil umschlug. Ich kämpfte nach Leibeskräften um gesellschaftliche Akzeptanz, die mir einfach nicht zu Teil werden wollte,weil ich die Dinge zu individuell betrachtete und dementsprechend auch anging.

Und wie kurz vor Beginn unserer Reise, bekam ich es mit der Angst zu tun, dass ich den Ausweg nicht fänd. Ich wusste, dass wir zum Flughafen mussten, aber fürchtete mich, dass ich den Weg nicht finden würde. Ich haderte an meinen Sprachkenntnissen und strampelte in meiner Traumwelt wie eine Fliege in Milch ums überleben.

Dann wurde ich wach und war noch ganz benommen von diesem comicartig pituresken Eindrücken in meinem Kopf und verstand gar nicht, was ich wohl damit verarbeitet habe, denn die Reise auf der ich mich mit Silvana befinde, läuft ausgesprochen gut. Wir finden, was wir suchen und haben keinerlei Sozialisationsprobleme. Im Gegenteil, nie hat man uns mit offenen Armen empfangen als auf unserem Ritt auf der Waiküre und nie war ich mir sicherer, auf dem richtigen Weg zu sein.

Vielleicht muss ich einfach mein Gestern mit dem heute versöhnen und begreifen, in was für einem Leben ich mich befand. Ein hilflos Suchender, der alles für einen Hinweis auf den richtigen Weg gegeben hätte, aber nie bekam.

Mein Fehler war wahrscheinlich, dass ich tief in mir drin, meiner Intention nicht traute, obwohl ich dieser Alternativlösung ausgeliefert war und bin. Mein Weg ist nicht der von vielen anderen, ja ich lebe nicht einmal in der gleichen Welt wie die meisten, nicht zwingend wegen der scheinbar objektiv gleichen Welt, die uns allen gegeben ist, sondern allein schon, wie ich sie sehe.

Andere mögen im Chaos einen Flughafen brauchen, weshalb auch ich mich nach diesem auf den Weg machte, aber mein Platz ist nicht in einer Boing von Lufthansa und Co mit Nahmen Landsberg oder Heidelberg, meine Arche Noah ist ein alter Transporter aus Frankreich mit dem Namen Jürmann.

Und diesen Renault Master fliegt kein Kapitän und ich bin kein Passagier, sondern ich sitze im Cockpit und Silvana ist mein Copilot. Und wir verschwinden nicht mit 1000 Kilometer pro Stunde auf Flügeln über den Wolken, sondern wir fahren mit 80 km/h mitten durchs Leben.

Und während andere in einem New York ankommen und dort zwei oder drei Wochen verweilen, quälen wir uns durch Bosnien, Slowenien und Griechenland, um an Orten wie diesen den ganzen Winter zu verweilen.

Wir reisen nicht um vieles zu sehen, sondern uns zu finden. Und unser Ziel ist die Weite und das Meer, statt verstopfte Straßen. Wo es in New York Gucci gibt haben wir Palmen und wo in der Zivilisation das Leben unruhig pulsiert, plätschern hier sanft die Wellen.

Und während alle fürchten, dass der Urlaub bald vorbei ist, warten wir nur auf den richtigen Moment an dem die Sonne und weiter führt, wohin auch immer.

Bis morgen,

Euer Ulf

I had a dream

Phew, I had a dream. We were in New York and, just like before, everything was going well until it suddenly turned into the opposite. I fought as hard as I could for social acceptance, which I simply didn’t want because I looked at things too individually and approached them accordingly.

And just like just before we started our trip, I was afraid that I wouldn’t find a way out. I knew that we had to get to the airport, but I was afraid that I wouldn’t be able to find the way. I struggled with my language skills and struggled to survive in my dream world like a fly in milk.

Then I woke up and was still in a daze from these comic-like pituresque impressions in my head and didn’t even understand what I was dealing with, because the journey I’m on with Silvana is going really well. We find what we are looking for and have no socialization problems whatsoever. On the contrary, people have never welcomed us with more open arms than on our ride on the Waiküre and I’ve never been more sure that I’m on the right track.

Maybe I just need to reconcile my yesterday with today and realize what kind of life I found myself in. A helpless seeker who would have given anything for a clue to the right path, but never got it.

My mistake was probably that deep down I didn’t trust my intention, even though I was and still am at the mercy of this alternative solution. My path is not that of many others, indeed I don’t even live in the same world as most, not necessarily because of the seemingly objectively identical world that we are all given, but simply because of how I see it.

Others may need an airport in the chaos, which is why I also set off for one, but my place is not in a Boeing from Lufthansa and Co called Landsberg or Heidelberg, my Noah’s Ark is an old van from France called Jürmann.

And this Renault Master is not driven by a captain and I am not a passenger, I sit in the cockpit and Silvana is my co-pilot. And we don’t disappear at 1000 kilometers per hour with wings above the clouds, but we drive right through life at 80 kilometers per hour.

And while others arrive in a New York and stay there for two or three weeks, we torture ourselves through Bosnia, Slovenia and Greece to spend the whole winter in places like these.

We don’t travel to see many things, but to find ourselves. And our destination is the vastness and the sea, rather than congested streets. Where there is Gucci in New York, we have palm trees and where life pulsates restlessly in civilization, the waves lapping gently here.

And while everyone fears that the vacation will soon be over, we’re just waiting for the right moment for the sun to take us onwards, wherever that may be.


See you tomorrow,

Your Ulf

Warten auf Sokratis

(down below in english) Die Nacht war bescheiden. Ironischerweise wahrscheinlich deshalb, weil ich gestern zur Entspannung mal wieder gelesen habe „das egoistische Gen“ von Richard Dawkins.

Ein sehr interessantes Buch und in Bezug auf die philosophische Interpretation biologischer Selektion eines der wichtigsten und besten die je geschrieben wurden. Aber eben auch eines über Selektion und nicht Inklusion.

In den beeindruckenden Bildern und Beschreibungen erzählt und erklärt der Autor, warum die Welt ist, wie sie ist, ohne den Egoismus zu bewerten, aber er spricht ihm eine genetische Relevanz zu.

Ich hatte nie Zeit für dieses Werk und habe mich gestern so darauf gefreut, im Sonnenschein den lang gehegten Wunsch endlich wahr werden zu lassen, diesen Wälzer verschlingen zu können.

Aber ich merkte schnell, dass es mich nicht beflügelt, sondern belastet, zu verstehen. Denn ich bin wohl das, was er selbst eine genetische Fehlmutation genannt hätte, denn im klassischen Sinne habe ich wohl nichts vom darwinistischen „survival of the fittest“, denn ich funktioniere nicht wie die anderen. Ich bin sensibel, wo man hart sein soll, selbstlos, wo Egoismus gefragt ist und mit Geld (Ressourcen), kann ich auch nicht umgehen.

Ich teile mir Bedürftigen und nicht nur mit jenen, von dessen Wohlwollen ich profitieren kann. Meine Schulstunden sind oft länger als sie bezahlt werden, weil es mir wichtig ist, das jeder versteht und Silvana und ich helfen mit Busti kets, wo Menschen allein hilflos wären.

Wir werden Oli wahrscheinlich nicht wieder sehen und wenn, dann nicht um Geld einzutreiben, sondern, um einen lieb gewonnenen Menschen wieder zu sehen.

Und ich bin so naiv, dass ich glaube, dass die meisten Menschen so sind. Ich glaube an das Prinzip von Karma, wenn jeder hilft wo er kann, ist jedem geholfen und wenn alle mehr an den nächsten denken, gibt es weniger Leid.

Interessant ist, dass es auf dieser Reise plötzlich zu funktionieren scheint. Hier wird mir und uns von Fremden geholfen, die sich zumindest keinen Nutzen davon versprechen können oder könnten, uns zu unterstützen und dennoch waren und sind Jannis, Jens Peter und Antonius in Albanien für uns da. Immer? Nicht immer, aber immer, wenn sie können und deshalb möchte ich auch, dass der Name Antonius ein gutes Omen war, denn meine Mama steckte mich mit der Hoffnung an den heiligen Antonius, den Schutzheiligen an und auch deshalb will ich auch, dass es kein Zufall ist, dass der Mechaniker der uns gleich abholt, Sokratis heißt.

Gewiss, das muss nicht so sein, aber wie sagte der verstorbene Papst Benedikt zu Henrik MBroder in Bezug auf Gott und Glauben so schön: Tun sie doch einfach so.

Bis morgen,
Euer und Ihr Ulf

Waiting for Sokratis
It was a modest night. Ironically, probably because yesterday I read „The Selfish Gene“ by Richard Dawkins again to relax.

A very interesting book and, in terms of the philosophical interpretation of biological selection, one of the most important and best ever written. But also one about selection and not inclusion.

In the impressive pictures and descriptions, the author tells and explains why the world is the way it is, without judging selfishness, but giving it a genetic relevance.

I never had time for this work and yesterday I was so looking forward to finally fulfilling my long-cherished wish to devour this tome in the sunshine.

But I quickly realized that it doesn’t inspire me, but burdens me to understand. Because I am probably what he himself would have called a genetic mutation, because in the classic sense I probably have nothing of the Darwinian „survival of the fittest“, because I don’t function like the others. I’m sensitive where you have to be tough, selfless where selfishness is required and I can’t handle money (resources) either.

I share with those in need and not just with those whose goodwill I can benefit from. My school hours are often longer than they are paid for because it is important to me that everyone understands and Silvana and I help with Busti kets where people would be helpless on their own.

We probably won’t see Oli again and if we do, it won’t be to collect money, but to see a loved one again.

And I am so naive that I believe that most people are like that. I believe in the principle of karma, if everyone helps where they can, everyone is helped and if everyone thinks more about the next person, there is less suffering.

It is interesting that it suddenly seems to work on this trip. Here I and we are being helped by strangers who at least cannot or could not expect any benefit from supporting us and yet Jannis, Jens Peter and Antonius were and are there for us in Albania. Always? Not always, but always when they can and that’s why I want the name Antonius to be a good omen, because my mom infected me with the hope of St. Antonius, the patron saint, and that’s also why I want it to be no coincidence that the mechanic who is about to pick us up is called Sokratis.

Of course, it doesn’t have to be that way, but as the late Pope Benedict said to Henrik MBroder in relation to God and faith: just pretend.

See you tomorrow,
Yours and yours Ulf