Mittendrin statt nur dabei

(down below in english) „Irgendwie vergeht die Zeit grad schneller als sonst“, stellte meine Liebste heute Morgen fest und ich musste ihr beipflichten, denn als ich in die Sonne schaute, war mir auch nicht so, als wenn seit gestern schon vier Tage vergangen waren.

Aber sich nicht auf schlechten Wetterbericht verlassen können, ist doch auch mal eine gute Nachricht zum Zigarettenfrühstück mit schwarzem Kaffee, sinnierte mein Kopf und wollte im gleichen Moment meinen Körper zum Strand tragen.

Bis uns dann meine klitschnassen Schuhe ins Auge fielen: „Ach ja, das hab ich ja ganz vergessen“. Es sind zwar keine 96 Stunden vergangen, aber ich war gestern Abend so nass, als hätte ich die besagten vier Tage im Regen gestanden, denn beim Nachtspaziergang weilte ich kurz am Pier, die wilden Wassermassen beobachtend, als sich mitten im meditativen Moment eine bestimmt  drei Meter Höhe Welle anschlich und mich, gemütlich mit einem Bier bewaffnet, grinsend unter sich begrub.

Überraschung! Eigentlich wollte ich doch nur Zuschauer dieses Neptunspektakels sein und nicht mittendrin weilen, wenn starke Böen das Mittelmeer wie ein Reiter aufpeitschen. Dennoch habe ich nur lachen können, weil ich mich so freute, dass ich mich an einem so faszinierenden Ort befinden darf.

Wann konnte ich das letzte Mal echtes Sauwetter so genießen? Wann  bin ich jemals freiwillig bei Starkregen spazieren gewesen? Und wann waren mir Zukunft und Vergangenheit so egal wie gestern, als die Palmen sich bogen und das Bier nach Salzwasser schmeckte?

Ich glaube, noch nie! Es scheint so, als bin ich meinem Ziel, alles loszulassen und einfach nur noch jeden Tag für sich als Wunder intensiv so zu erleben, als wäre er der Letzte, ein ganzes Stück näher gekommen.

Ganz ohne Schuhe und Navi, einfach nur dem inneren Kompass gefolgt, mit Silvana an der Hand und Liebe im Herzen.

Bis morgen Ihr da draußen, Jenseits der Fluten. Passt gut auf Euch auf.

Euer Ulf


In the thick of it

instead of just being there
„Somehow time is passing faster than usual“ my sweetheart said this morning and I had to agree with her, because when I looked at the sun, I didn’t feel as if four days had passed since yesterday.

But not being able to rely on bad weather reports is also good news for a cigarette breakfast with black coffee, my head mused and at the same time wanted to carry my body to the beach.

Until my soaking wet shoes caught our eye: „Oh yes, I forgot all about that. Not 96 hours have passed, but last night I was as wet as if I’d been standing in the rain for the four days in question, because I was out for a short walk at night on the pier, watching the wild masses of water, when in the middle of a meditative moment, a wave three meters high crept up and buried me under it, grinning and comfortably armed with a beer.

Surprise! Actually, I only wanted to be a spectator of this Neptune spectacle and not be in the middle of it when strong gusts whipped up the Mediterranean like a rider. Nevertheless, I could only laugh because I was so happy to be in such a fascinating place.

When was the last time I was able to enjoy really bad weather like this? When have I ever voluntarily gone for a walk in heavy rain? And when have I been so indifferent to the future and the past as I was yesterday, when the palm trees bent and the beer tasted of salt water?

I don’t think ever! It seems as if I’ve come a lot closer to my goal of letting go of everything and simply experiencing each day as a miracle in its own right, as if it were the last.

Without any shoes or GPS, just following my inner compass, with Silvana by my side and love in my heart.

See you out there tomorrow, beyond the floods. Take good care of yourselves.

Your Ulf

96 Stunden ohne Ausweg

(down below in english) In letzter Zeit wurden die Regentage mehr und mehr, bis sie heute den Punkt erreicht haben, an dem das friesische das karibische Wetter überwiegt.

Das ist eigentlich gar nicht so unschön, denn die Wellen sind atemberaubend schön und der Wind saust um den Jürmann, dass es drinnen beinahe knistert wie vor einem Lagerfeuer.

Ungünstig ist, dass wir kein Vorzelt haben und das schmuddelige Nass den Eingang völlig unter Wasser stellt.

Wie also rein und raus, ohne aus unserem Zuhause eine Schlammgrube zu machen und: wie geht man sich auf vier Quadratmetern aus dem Weg, wenn das Wohnzimmer nicht betreten werden kann?

Gar nicht. Man muss sich zusammen kuscheln und sich bemühen, wenig zu reden. Denn Stress schwängert die Atmosphäre. Man kann sich einfach nicht aus dem Weg gehen und die verhangenen Fenster verschließen neben den Ritzen auch den Horizont, den die Seele doch so dringend zum Atmen braucht.

Und wenn ich wie gleich im Schlafzimmer 1,5 Stunden Nachhilfe geben muss, kann Silvana nur daneben sitzen, weil wir kein Schlauchboot haben, um den Strand als Ausweg zu nutzen.

Aber wir sind ja schwierige Situationen gewöhnt und haben uns auch schon eine neue Disputkultur angewöhnt, aber vier Tage Regen sind 96 Stunden Schitwetter und das ist viel Potential um gute Vorsätze schon Mal zu vergessen.

Aber wir haben es uns gemütlich gemacht und genießen auch die Qualität der Stille, in der man trotz Enge und gegenseitigem auf den Füßen stehen, einfach dem Plätschern der Tropfen lauschen kann ohne alles zu kommentieren.

Man kann sagen, wir haben uns verändert und sind an den Herausforderungen gewachsen, aber der Strom hier im Hippiebunker und die Reminiszenz Internet der Moderne gepaart mit Kopfhörern helfen auch, wenn man sich mal vorne auf dem Beifahrersitz oder hinten im Bett einfach in sich zurück ziehen will, denn auch das geduldigeste Herz kann zwar viel ertragen, aber keine 24 Stunden ABBA.

Bis morgen,

Euer Ulf

96 hours with no way out
Lately, the rainy days have become more and more frequent, until today they have reached the point where the Frisian outweighs the Caribbean weather.

It’s actually not so bad, because the waves are breathtakingly beautiful and the wind is whipping around the Jürmann, making it almost crackle inside like a campfire.

The unfortunate thing is that we don’t have an awning and the dingy water completely submerges the entrance.

So how do we get in and out without turning our home into a mud pit and: how do we get out of each other’s way on four square meters if we can’t enter the living room?

Not at all. You have to cuddle up together and try not to talk too much. Because stress impregnates the atmosphere. You simply can’t avoid each other and the past windows close off not only the cracks but also the horizon that the soul so urgently needs to breathe.

And when I have to tutor for 1.5 hours in the bedroom, as I’m about to do, Silvana can only sit next to me because we don’t have an inflatable boat to use the beach as an escape route.

But we’re used to difficult situations and have already got used to a new culture of debate, but four days of rain is 96 hours of skiing weather and that’s a lot of potential for forgetting good intentions.

But we’ve made ourselves comfortable and enjoy the quality of the silence, in which you can simply listen to the splashing of the drops without commenting on everything, despite the close quarters and standing on each other’s feet.

You could say we’ve changed and grown to meet the challenges, but the electricity here in the hippie bunker and the reminiscence of the modern Internet paired with headphones also helps when you just want to withdraw into yourself in the front passenger seat or in the back of the bed, because a patient heart can endure a lot, but not 24 hours of ABBA.

See you tomorrow,

Your Ulf

Vorübergehend geschlossen

(down below in english)

Ich bin heute faul. Es ist nicht so, dass es nichts zu erzählen gibt, im Gegenteil, aber ich bin Grad im Urlaubsmodus.

Die Sonne scheint. Der Himmel ist strahlend blau, die Temperaturen könnten ein wenig höher sein und ich bin, … Einfach müde.

Da ich die halbe Nacht nicht geschlafen habe und die andere gearbeitet habe, fehlt mir einfach der Antrieb. Die letzten Wochen haben einfach so viel Energie gekostet, dass ich einfach nur Lust auf Nichtstun habe. So wie jetzt im Bett liegen, den Tag genießen und zwischendurch die Augen schließen.

Und da wir grad an einem wunderschönen Ort weilen, wo es Strom für drei Euro und gutes Wetter zumindest heute gratis gibt, lass ich mich auch nicht von meinem schlechten Gewissen beirren. Denn das hat heute Hausverbot in meinem Kopf. Vorübergehend geschlossen quasi.

Irgendwie fühlt es sich heute erstmalig an wie Urlaub, auch wenn in diesem Moment ein lauter Trecker vorbei fährt. Egal, wir machen einfach da weiter, wo wir gestern aufgehört haben, beim Knutschen. Danach vielleicht wieder ein bisschen Spazieren gehen. Wellen zählen und es genießen, dass der Kopf einfach nicht  darf.

Morgen, ja morgen, da wollen wir schaffen, sieben Tage lang ja für ein Leben oder zwei. Aber heute heute nicht. Heute lassen wir andere Arbeiten. Den Bauern mit seinem Trecker, den Mann mit dem Handy und die Besitzerin des kleinen Restaurants in dem wir gestern zwei Stunden auf Burger und Pommes gewartet haben. Für sie und alle anderen darf heut Montag sein. Aber wir haben Ruhetag.

Ich finde das einen guten Plan und werde deshalb dieses kleine Poem beenden und mich noch einmal umdrehen.

Bis morgen,

Euer Ulf

I’m lazy today.

It’s not that there’s nothing to tell, on the contrary, but I’m in vacation mode.

The sun is shining. The sky is bright blue, the temperatures could be a little higher and I’m… Just tired.

Since I didn’t sleep half the night and worked the other half, I just don’t have the drive. The last few weeks have simply taken so much energy that I just feel like doing nothing. Like lying in bed now, enjoying the day and closing my eyes from time to time.

And as we’re in a beautiful place where electricity is three euros and the weather is free, at least today, I’m not letting my guilty conscience get in the way. Because it’s banned from my head today. Temporarily closed, so to speak.

Somehow it feels like a vacation for the first time today, even though a loud tractor is driving past at the moment. Anyway, we’ll just pick up where we left off yesterday, making out. Then maybe go for a little walk again. Counting waves and enjoying the fact that our heads just can’t.

Tomorrow, yes tomorrow, we want to make it, seven days for a lifetime or two. But not today. Today we let others do the work. The farmer with his tractor, the man with his cell phone and the owner of the little restaurant where we waited two hours for burgers and fries yesterday. For them and everyone else, today can be Monday. But we have a day off.

I think that’s a good plan, so I’ll finish this little poem and turn around again.

See you tomorrow,

Your Ulf

Prometheus

(down below in english) Bedecke deinen Himmel Zeus,
mit Wolkendunst.
Und übe, dem Knaben gleich, der Disteln köpft.

So beginnt der junge Goethe seiner Wut auf Gottheiten Luft zu machen und mir klingen seine Worte wie Donnerhall in den Ohren, wenn der Wind wie auf Helgoland wütet und dazu Blitze aus den Bergen auf uns nieder preschen.

Urgewalten bahnen sich hier ihren Weg, ohne Rücksicht auf Verluste. Wer sich nicht in Sicherheit gebracht hat, wird von orkanartigen Regenfällen wie von einem Lasso umschlungen und vom. Wind in die wilden Fluten gestoßen.

Der Schall aufeinanderprallender Luftmassen direkt über uns, läßt den Jürmann erzittern und unsere Blicke stieren ergriffen durch die Fenster in ein Spektakel, das Wagner nicht besser hätte inszenieren können.

Hier in Griechenland beginnt der Winter nicht sanft mit hinabfallenden Blättern als Herbst. Hier folgt er auf Frühling oder Sommer. Am gleichen Tag, bleibt dann manchmal nur 20 Minuten und verschwindet genauso schnell wieder.

Aber wenn er so plötzlich auftaucht, wie ein ungebetener Gast an Weihnachten, dann werden kleine Hunde an der Leine ihres Herrchens zu Drachen und vier Quadratmeter zu einem Liebesnest, dass nie wieder verlassen werden möchte. Es sei denn, es wird gleich wieder Sommer.

Bis morgen,

Euer Ulf

Cover your sky Zeus,

with cloudy haze.
And practice like the boy who beheads thistles.

This is how the young Goethe begins to vent his anger at deities and his words ring in my ears like thunder when the wind rages as if on Heligoland and lightning flashes down on us from the mountains.

Elemental forces make their way here, regardless of the consequences. Those who have not taken shelter are lassoed by hurricane-like downpours and thrown into the wild waters by the wind. wind into the wild floods.

The sound of colliding air masses directly above us makes the Jürmann tremble and our gazes stare through the windows into a spectacle that Wagner could not have staged better.

Here in Greece, winter does not begin gently as autumn with falling leaves. Here it follows spring or summer. On the same day, it sometimes lasts only 20 minutes and disappears just as quickly.

But when it appears as suddenly as an uninvited guest at Christmas, small dogs on their master’s leash become dragons and four square meters become a love nest that never wants to be left again. Unless it’s about to be summer again.

See you tomorrow,

Your Ulf

Willkommen und Abschied

(Down below in english) Gestern war es soweit, wir sind wieder gestartet. Raus aus der Comfort Zone Igoumenitsa zurück ins Abenteuer. Ein letztes Gyros mit unseren neuen Freunden Andrea und Nikita in der Stadt und dann los Richtung Süden.

Und beide überkam ein wenig Wehmut, man könnte fast sagen Heimweh, als wir um die Ecke Richtung Parga bogen. Das kleine örtchen an der Grenze zu Albanien war uns mit seiner unscheinbaren Schönheit und ihren freundlichen Bewohnern wie Gästen ans Herz gewachsen.

Aber wir hatten den Jürmann ja als mobiles Heim gedacht und so freuten wir uns auch auf das, was uns jetzt erwarten würde.

Und wir würden wahrlich nicht enttäuscht. Traumstrände, so weit das Auge reicht und jeder einzelne war ein Erlebnis. Dennoch, wir spürten, das uns die letzten Wochen verändert haben. Ein Traumstrand ist ein Traumstrand, aber wir bekamen Lust auf Menschen. Es muss ja nicht gleich Istanbul sein.

Also verließen wir eine einsame Lagune, schön wie in „the beach“ nur, weil wir den Kaffee vergessen haben und fuhren weiter. Diesmal ohne Navi, nur die Nase im Wind und den Blick in die Ferne, bis wir Parga erreichten.

Unbeschreiblich schön, wie die niederländischen Antillen. Einsame kleine Inseln, bewohnt wie von Jim Knopf, vor einer kleinen Bucht, die von den Menschen liebevoll gestaltet wurde. Nur ein paar Hotels, dessen Auffahrten für uns jedoch wirklich unpassierbar waren. Natürlich der einzige Grund, warum wir nicht einkehren.

Wir genossen also den Sonnenuntergang, auch wenn es ein wenig wolkig war und fuhren später glückselig in einen weiteren, noch kleineren Ort, wo wir heute erwachten. Hier, wo wir endlich an unseren Kaffee dachten und genau zwischen vereinzelten Häusern und einem Strand, an dem die Wellen 50 Meter lang auslaufen, werden wir bleiben, sagten wir uns und lächelten in den Regenbogen

Nur für ein paar Tage versteht sich. Wie immer.

Bis morgen,

Euer Ulf

Welcome and farewell

Yesterday was the day, we took off again. Out of the comfort zone of Igoumenitsa and back into adventure. One last gyros with our new friends Andrea and Nikita in the city and then off south.

And both of us were a little nostalgic, you could almost say homesick, as we turned the corner towards Paga. We had grown fond of the small village on the border with Albania with its unassuming beauty and friendly inhabitants and guests.

But we had thought of the Jürmann as a mobile home and so we were looking forward to what awaited us.

And we were not disappointed. Dream beaches as far as the eye could see and every single one was an experience. Nevertheless, we felt that the last few weeks had changed us. A dream beach is a dream beach, but we were in the mood for people. It doesn’t have to be Istanbul.

So we left a lonely lagoon, beautiful as in „the beach“ only because we forgot the coffee and drove on. This time without a satnav, just our noses in the wind and a view into the distance until we reached Paga.

Indescribably beautiful, like the Dutch Antilles. Lonely little islands, inhabited as if by Jim Knopf, in front of a small bay that has been lovingly landscaped by the people. There were only a few hotels, but their driveways were really impassable for us. The only reason why we didn’t stop off, of course.

So we enjoyed the sunset, even if it was a little cloudy, and later drove blissfully to another, even smaller town, where we woke up today. Here, where we finally thought of our coffee and right between scattered houses and a beach where the waves run out for 50 meters, we will stay, we said to ourselves and smiled into the rainbow

Just for a few days, of course. As always.

See you tomorrow,

Your Ulf

Lieber Papa,

(Down beloe in english) heute vor 81 Jahren, wurdest Du geboren und dennoch gibt es Dich schon seit sechs Jahren nicht mehr.

Ich weiss noch genau, wie ich damals, Mitten im Abiturstress zu Dir in die Klinik gefahren bin und Dich besuchte. Gesprochen haben wir beiden aber nicht mehr miteinander.

Du lagst im Bett, nach der OP, vollgepumpt mit Propophol und aufgedunsen von all den anderen Medikamenten die man Dir verabreichte auf dem Bauch, mit dem Gesicht nach unten und ich stand hilflos an Deiner Seite.

Ich hab mir so gewünscht, mich noch mit Dir zu versöhnen, aber die Gelegenheit gab es leider nicht mehr, Du musstest gehen. Und ich es akzeptieren.

Zoé war damals 12 und fragte mich, ob Du wieder gesund würdest und ich konnte nicht lügen und meinte “ ich fürchte nicht. Und ich glaube auch, dass es wohl besser ist, denn man müsste Dir sonst die Beine abnehmen und das würde Opa geistig wohl nicht verkraften“.

Dann kamen mir wie jetzt die Tränen und sie, das kleine Mädchen, nahm mich in den Arm und sagte “ ich bin ja bei Dir Papa“.

In diesem Moment habe ich zum ersten Mal wirklich gespürt, was Zeit ist, dass sie unaufhörlich voranschreitet und alle mitnimmt. Auch mich. Dass ich jetzt der Generation angehöre, die als nächstes zu gehen hat. Nicht zwingend morgen oder übermorgen, aber eben als nächstes.

Für die Ewigkeit bin ich jetzt dran und dann wird vielleicht Zoé als Mama weinend von ihren Sohn in den Arm genommen und getröstet.

Mittlerweile ist das alles schon wieder sehr lange her. Zoé studiert in Wiesbaden und ich sitze in Griechenland am Strand mit einer Frau, meiner Frau, die du leider nicht mehr kennen lernen konntest.

Und Du? Du bist wahrscheinlich Teil des Himmels über mir. Unendlich viele Teilchen, die zurück in den ewigen Kreislauf gekehrt sind.

Für viele mag das unbefriedigend sein, denn sie wünschen sich Flügel zu bekommen und in einem Jenseits auf ihre Lieben geduldig zu warten. Ich finde die Teilchen Idee nicht nur realistischer, sondern auch versöhnlicher.

Es ist beruhigend zu wissen, dass Du nicht über mir, sondern bei mir bist, im Sand, in den Palmen, den Wellen und der Luft um mich herum.

Aufpassen konnte man eh nie auf mich, dafür war ich schon von Kindesbeinen an zu eigensinnig, aber es ist ein schönes Gefühl, nicht allein zu sein. Du liegst nicht in einem 3500 Kilometer entfernten Grab und erwartest meinen Besuch, sondern bist omnipräsent, für Mama in Heek, Marén in Herrsching und mich hier im Süden.

Du bist das, was Du eigentlich fast immer für mich warst, ein Ideal im Kopf, das mich begleitet wo immer ich bin. Zu weit weg, um mich mit Dir zu streiten, aber nah genug, um Adressat all meiner Sorgen und Sehnsüchte zu sein. Ansprechpartner in Selbstgesprächen, die mich in dunklen Stunden wieder aufrichten und in hellen zum lächeln bringen.

Und so, auch ganz ohne Physik, immer ein Teil von mir.

Dein Ulf

Dear Dad,

81 years ago today, you were born and yet you have not been around for six years.

I still remember exactly how I drove to the clinic to visit you in the middle of the stress of my A-levels. But we never spoke to each other again.

You were lying in bed after the operation, pumped full of Propophol and bloated from all the other medication you had been given, on your stomach, face down, and I stood helplessly by your side.

I wanted so much to make up with you, but unfortunately I didn’t get the chance, you had to go. And I had to accept it.

Zoé was 12 at the time and asked me if you would get better and I couldn’t lie and said „I’m afraid not. And I also think it’s probably better, because otherwise your legs would have to be taken off and Grandpa wouldn’t be able to cope with that mentally“.

Then I started to cry, just like now, and she, the little girl, took me in her arms and said „I’m with you, Dad“.

At that moment, I really felt for the first time what time is, that it is constantly progressing and taking everyone with it. Including me. That I now belong to the generation that has to go next. Not necessarily tomorrow or the day after tomorrow, but next.

For eternity, it’s my turn now and then maybe Zoé, as mom, will be taken in her son’s arms and comforted while he cries.

In the meantime, it’s all been a very long time. Zoé is studying in Wiesbaden and I’m sitting on the beach in Greece with a woman, my wife, who you unfortunately never got to meet.

And you? You are probably part of the sky above me. An infinite number of particles that have returned to the eternal cycle.

For many, this may be unsatisfactory, as they wish to take wings and wait patiently for their loved ones in an afterlife. I find the particle idea not only more realistic, but also more conciliatory.

It is comforting to know that you are not above me, but with me, in the sand, in the palm trees, the waves and the air around me.

You could never take care of me anyway, I was too headstrong for that from an early age, but it’s a nice feeling not to be alone. You’re not lying in a grave 3500 kilometers away awaiting my visit, you’re omnipresent, for mom in Heek, Marén in Herrsching and me here in the south.

You are what you have almost always been for me, an ideal in my head that accompanies me wherever I go. Too far away to argue with you, but close enough to be the addressee of all my worries and longings. Someone to talk to when I’m talking to myself, someone who lifts me up in dark hours and makes me smile in bright ones.

And so, even without physics, always a part of me.

Your Ulf









In einem Bild von Monet

(down below in english) Gibt es was Schöneres, als morgens AUSGESCHLAFEN die Sonne aufgehen zu sehen? Den Wellen wie in einem Testbild zu lauschen und zu schweigen?

Einfach Dasein. Jeder Tag an dem etwas nicht funktionierte und jeder Ärger, sind in diesem Moment vergessen.

Das Rauschen wirkt wie ein Besen im Geist, der allen Unmut und jede Windung an friktionale Aktivität einfach hinaus geleitet.

Dass das Mikrophon gestern bei der Nachhilfe nicht funktionierte, vergessen. Das ich so gerädert von einer Millionen Aufgaben die Augen schon um zwei Uhr Nachmittags kaum noch aufhalten konnte, ad Acta gelegt, das ich keinen Tabak mehr habe? Egal.

Schlaf, das Ibuprophen des Gestressten, hat seine Erwartungen mehr als erfüllt. Ich fühle mich wie am jüngsten Tag, nichts erwartend, außer dem, dass es bitte so friedlich bleibe. Bewegtes Standbild ohne Sorgen und Nöte. Was auch immer der Tag bringen mag, hier werde ich es einfach aussitzen.

Geblendet von der Morgensonne die Augen schließen und den salzigen Geschmack des Meeres inhalieren.

Im Jetzt wie hier, erfüllen sich alle Hoffnungen und Wünsche, die unseren Entschluss zu gehen motivierten.

Angekommen in einem Postkartenidyll, in einem Traum, den so viele Maler und Poeten zu manifestieren suchten.

Ich sitze in einem Bild von Monet oder Casper David Friedrich. Mein Umfeld sind die Bilder zu den unzähligen Worten von Thomas Mann. Und meine Seele genießt die Pinselstriche eines Schöpfers, an den ich im Alltag nicht glauben will.

Wenn ich irgendwann sterbe, wird dieser Moment mein letzter Gedanke sein. An diesem Strand wird mich der Fährmann des Jenseits abholen und auf die die andere Seite bringen.

Hier und jetzt, kann ich fühlen und sehen, wie die transzendente Vorstellung von innerem Frieden,Gestalt annimmt.

Bis morgen,

Euer Ulf

In a painting by Monet

Is there anything more beautiful than watching the sun rise in the morning at sunrise, SLEEPING OUT? Listening to the waves as if in a test painting and remaining silent?

Simply being. Every day that didn’t work out and every annoyance are forgotten in this moment.

The noise acts like a broom in the mind that simply channels out all resentment and every twist and turn of frictional activity.

I forget that the microphone didn’t work yesterday during tutoring. That I was so exhausted from a million tasks that I could barely keep my eyes open at two o’clock in the afternoon, put aside the fact that I no longer have any tobacco? Never mind.

Sleep, the ibuprophene of the stressed-out, has more than fulfilled its expectations. I feel like it’s Judgment Day, expecting nothing but that it would please stay this peaceful. A moving still image without worries or hardship. Whatever the day may bring, I’ll just sit it out here.

Blinded by the morning sun, I close my eyes and inhale the salty taste of the sea.

In the now, as here, all the hopes and wishes that motivated our decision to leave are fulfilled

Arrived in a postcard idyll, in a dream that so many painters and poets have tried to manifest.

I am sitting in a painting by Monet or Casper David Friedrich. My surroundings are the paintings to the countless words of Thomas Mann. And my soul enjoys the brushstrokes of a creator I don’t want to believe in in everyday life.

When I die one day, this moment will be my last thought. On this beach, the ferryman of the afterlife will pick me up and take me to the other side.

Here and now, I can feel and see the transcendent idea of inner peace taking shape.

See you tomorrow,

Your Ulf

Der Winter ist da

(Down below in english) „die Luft schmeckt irgendwie anders, es riecht nach Winter“ sagte Silvana neulich und streckte dabei ihre Nase in den Wind.

Sie sollte Recht behalten, denn auch hier wird es langsam kalt. Nicht immer, aber immer öfter, regnet es in Strömen und auch der Jürmann wird dadurch nicht selten zu einer einzigen Schlammgrube.

Wenn Silvana nicht wäre, würden wir wirklich darin versinken. Gut, dass Sie auf all diese Details achtet, sonst könnte ich mich nicht nur aufs Geld verdienen konzentrieren.

Ja, man merkt wohl, derzeit ist unser Ritt mehr Bürde als Segen, aber dennoch wollen wir weiter, denn. Unzählige, unvergessliche Sonnenuntergänge,Strände, Leute und andere nie gekannte Eindrücke, kompensieren so viele Herausforderungen, die sich täglich neu gestalten.

Mal spinnt das Netz, oder unsere Technik, was das Verdienen bedroht, dann das Wetter oder die bei beiden belasteten Nerven machen einen Strich durch die oft so leicht gemachte Rechnung, aber nie, wirklich nie haben wir ernsthaft an eine Rückkehr ins alte Leben gedacht.

Das heißt nicht, dass die Heimat nicht manchmal verführerisch mit einfacheren Umständen lockt, das schon, aber wir mögen, ja lieben, das Leben am Meer, die Weiten und die Ruhe, auch wenn es manchmal stressigiger ist, als uns lieb ist.

Denn hier entspannen wir bei Wellenrauschen und nicht bei RTL2 und Co.

Hier fallen wir müde ins Bett und wissen nicht, welche Herausforderung uns erwarten wird. Ob man es glaubt oder nicht, das macht unmenschlichen machbarer als die Aussicht auf 9 to 5 in bürgerlicher Tristesse, irgendwo im Festland der deutschen Republik, denn da wird selbst in schönen Momenten gemotzt, was hier nie vorkommt.

Es sei denn,wir können mit unserem Glück nicht umgehen, wenn wir beispielsweise mal wieder in alte Rituale zurückfallen und uns über Kleinigkeiten streiten.

Aber über fehlenden Schnee, haben wir hier noch nie geklagt.

Bis morgen,

Euer Ulf

Winter is here

„the air tastes different somehow, it smells like winter“ said Silvana the other day, sticking her nose out into the wind.

She was right, because it’s getting cold here too. Not always, but more and more often, it rains cats and dogs and the Jürmann often turns into a muddy pit.

If it weren’t for Silvana, we would really sink into it. It’s a good thing she pays attention to all these details, otherwise I wouldn’t be able to concentrate solely on earning money.

Yes, you can probably tell that our ride is more of a burden than a blessing at the moment, but we still want to keep going because. Countless, unforgettable sunsets, beaches, people and other never-before-seen impressions compensate for so many challenges that change every day.

Sometimes the network or our technology goes haywire, which threatens our earnings, then the weather or our nerves, both of which are fraught, throw a spanner in the works, but never, really never, have we seriously thought about returning to our old life.

That’s not to say that home doesn’t sometimes tempt us with simpler circumstances, it does, but we like, indeed love, life by the sea, the vastness and the peace and quiet, even if it is sometimes more stressful than we would like.

Because here we relax to the sound of the waves and not to RTL2 and the like.

Here we fall into bed tired and don’t know what challenges await us. Believe it or not, that makes the inhuman more feasible than the prospect of 9 to 5 in bourgeois dreariness somewhere on the mainland of the German Republic, because people grumble there even in good moments, which never happens here.

Unless, for example, we can’t deal with our happiness when we fall back into old rituals and argue about little things.

But we’ve never complained about the lack of snow here.

See you tomorrow,

Your Ulf

Guten Morgen, Freunde der Sonne!

(down below in english) Vermisst ihr sie auch grad so wie ich? Da denkt man sich, jetzt schön mit einem Becher Kaffee an den Strand, Sonnenaufgang und so, und was ist?

Man fühlt sich wie in Hamburg, nur das Hammerbrook als Korfu vor einem liegt und Aaldieter noch schläft.

Aber die Möwen kreischen und die kleinen Wellen plätschern, leicht gelangweilt vor sich hin. Echtes Schietwetter quasi. Beinah wie früher, als ich ausnüchternd von einer Nacht am Kiez an der Strandperle ausnüchterte.

Da plötzlich kommt sogar ein „Moin, Moin“ von den Nachbarn aus Stade. Da kriegt  man glatt Lust auf ein Fischbrötchen.

Glücklicherweise ist Silvana dabei und erinnert mich mit braungebrannte Gesicht daran, dass diesmal meine vier Quadratmeter Kajüte mobil ist und nicht in der Seilerstraße steht.

Aber auch diesmal muss ich gleich arbeiten, nur nicht als Telefonverkäufer sondern als Onlineleherer.

Dann heißt es wieder: „Seid ihr down?“
„Türlich, türlich, sicher Digger!“

Man merkt schon, ich bin nordisch by Nature, auch wenn meine Wurzeln eigentlich in Gronau liegen. Aber ich bin in der Auslegung so frei wie mein Freund Udo der, trotz gleicher Wurzeln,  sogar behauptet,  dass er “ hoch im Norden, hinter den Deichen“ geboän ist.

Aber er wohnt ja auch im Atlantik und nicht im Jürmann.

Nun denn, nicht lang snacken, Kopp in’n Nacken. Tasse Kaff an‘ Start und ab dafüä!

Ich wünsch Euch nen crämigen Start in den Tag und immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel nej?!

Bis morgä(h)n,

Euer Ulf

Good morning, friends of the sun
Do you miss it like I do? You think to yourself, now off to the beach with a cup of coffee, sunrise and all, and what?

You feel like you’re in Hamburg, only Hammerbrook is in front of you as Corfu and Aaldieter is still asleep.

But the seagulls are screeching and the small waves are lapping, slightly bored. Real shitty weather, so to speak. Almost like when I was sobering up from a night on the beach at the Strandperle.

Suddenly there’s even a „Moin, Moin“ from the neighbors in Stade. It really makes you want a fish sandwich.

Luckily, Silvana is there and reminds me with a tanned face that this time my four square meter cabin is mobile and not in Seilerstraße.

But this time I also have to work straight away, just not as a telemarketer but as an online teacher.

Then it’s „Are you down?“ again.
„Sure, sure, sure Digger!“

You can tell I’m Nordic by nature, even though my roots are actually in Gronau. But I’m as free in my interpretation as my friend Udo who, despite having the same roots, even claims that he was born „high in the north, behind the dykes“.

But he also lives in the Atlantic and not in Jürmann.

Well then, don’t „snack“ for long, head down. Cup of coffee at the start and off you go!

I wish you a good start to the day and always a hand’s breadth of water under your keel!

See you tomorrow,

Your Ulf




Und täglich grüßt das Murmeltier

(down below in english) Vielleicht war es mal wieder Zeit, dass der eitle Sonnenschein ein bisschen getrübt werden musste, denn, es kann ja nicht jeden Tag Sonntag sein.

Nicht das ein Montag all die Potentiale hat wie ein Sonntag, aber komischerweise tragen Tage wie dieser meist den Namen Montag.

Ich bin gerädert vom Arbeiten und zudem war es wirklich kalt heute Nacht. Gut, dass die Heizung endlich läuft, beinahe so, als wäre es von höherer Stelle geplant gewesen. Aber vielleicht ist es auch die luxuriöse Situation, dass sie und vieles andere funktioniert, die dazu verleitet, auch ziemlich gut Funktionierendes wie unsere Beziehung optimieren zu wollen.

Jedenfalls gab es Stress, obwohl unser Gespräch eigentlich das Gegenteil zum Ziel hatte, wir wollten optimieren; die Raumverhältnisse und Arbeitsbedingungen, kurz: die kleinen Baustellen, die jetzt zu Tage treten.

Was dazu benötigt wird sind eine neue Internetkarte, eine neue Maus für den Computer und Strom, damit man auch alles benutzen kann, denn die Sonne scheint zwar, aber es reicht nicht, um alle modernen Bedürfnisse damit zu befriedigen. Wir sind halt lange noch nicht so reduziert, wie wir es gern wären.

Aber die nächste Stadt in der das alles möglich wäre ist leider noch Igouminiza, unser heimliches griechisches Münster. Wir können es eigentlich wirklich nicht mehr sehen, (auch wenn das wirklich ungerecht gegenüber diesem liebevollen Städtchen ist) aber es ist zu praktisch, um alle Bedürnisse miteinander zu verbinden.

Wir kommen günstig an Strom und haben eine Gelegenheit Wäsche zu waschen. Zudem wissen wir, wo wir bis Freitag stehen können,sodass ich vernünftig arbeiten kann, denn die Aufgabe des Lehrers kann ich, zumindest jetzt noch nicht, unbeschwingt nebenbei erledigen.

Ich muss mich vorbereiten und brauche Ruhe, damit ich die Schüler nicht zu kleinen Ulfs, sondern besseren Deutschsprachigen werden können und Silvana ein bisschen Inspiration, damit es auch für sie schön bleiben kann.

Also, aufstehen Freunde, heut ist Murmeltiertag!
„I’ve got you Babe, tata, umtata umtata um I’ve got you Babe“.

Bis morgen,

Euer Ulf
And the groundhog greets us daily

Perhaps it was time for the vain sunshine to be dimmed a little, because it can’t be Sunday every day.

Not that a Monday has all the potential of a Sunday, but strangely enough, days like this are usually called Monday.

I’m exhausted from working and it was really cold tonight. It’s good that the heating is finally on, almost as if it had been planned from higher up. But maybe it’s also the luxurious situation of having it and many other things working that makes me want to optimize things that work pretty well, like our relationship.

In any case, there was stress, although our conversation actually had the opposite aim, we wanted to optimize; the room conditions and working conditions, in short: the small construction sites that are now coming to light.

What is needed is a new Internet card, a new mouse for the computer and electricity so that everything can be used, because although the sun is shining, it is not enough to satisfy all modern needs. We are still a long way from being as reduced as we would like to be.

But unfortunately, the nearest town where all this would be possible is Igouminiza, our secret Greek cathedral. We really can’t see it anymore (even if that’s really unfair to this lovely little town) but it’s too practical to combine all our needs.

We can get electricity cheaply and have an opportunity to do laundry. We also know where we can stay until Friday so that I can work properly, because I can’t do the teacher’s job on the side, at least not yet.

I have to prepare myself and need peace and quiet so that I can turn the pupils into better German speakers rather than little Ulfs, and Silvana needs a bit of inspiration so that she can stay happy.

So, get up friends, today is Groundhog Day!
„I’ve got you babe, tata, umtata umtata um I’ve got you babe“.

See you tomorrow,

Your Ulf