As time goes by

(down below in english) Während am Anfang die Zeit, Korn für Korn beinahe in Zeitlupe durch die Sanduhr lief, scheinen derzeit Baggerschaufeln voll Gestein mit jedem bewußten Augenblick unbewusst vergangen zu sein.

Ein schlechtes Zeichen, denn es bedeutet, dass sich Routine eingestellt hat und das Besondere an unserem Trip ein wenig verloren gegangen scheint. In einem Van zu leben und zu arbeiten ist also Alltag geworden, den man, mal mehr, mal weniger glücklich bewältigt.

Zugegeben, ich bin glücklicher denn je, rege mich kaum noch auf und genieße jeden Abend die schönsten Sternenhimmel und morgens Sonnenschein über Mittelmeer, aber Griechenland ist für uns wie eine Art Zuhause geworden, wo man Öffnungszeiten und Wege kennt und bereits in Landessprache die ersten Floskeln parlieren kann.

Aber als Rolling Stone fühle ich mich ein wenig wie in eine Kuhle gekullert, die zwar sehr gemütlich ist, aber auch wenig Neues bereit hält.

Wie gut, dass ich Silvana dabei habe, die mich seit Längerem schon mit Ausflügen motivieren will, die Komfort Zone zu verlassen und wie morgen auf den Karneval nötigt.

Bisher fühltte ich mich dazu oft nicht bereit, weil die Aufgaben nicht vernachlässigt werden durften und ich dachte, sie fordern alle Aufmerksamkeit, doch jetzt merke ich, dass alles im Fluss ist.


Die Schule ist freudige Aufgabe, keine Bürde mehr, denn es ist unheimlich erfüllend, anderen zu helfen und dabei neue Kulturen kennen zu lernen und mit dem neuen Rechner ist weder Unterricht noch Chatten aktig. Rechner auf und los.


Natürlich muss ich mich konzentrieren und weiter machen (wie bisher), aber ich brauche nicht mehr zu befürchten, dass ich der Aufgabe, dieses Leben zu finanzieren, nicht gewachsen bin.

Jetzt kann ich mich endlich erneut und jetzt noch beschwingter, der wahren Qualität dieser Reise widmen: erleben. Mit Silvana den naheliegenden Wald erkunden,  mit ihr und unserem Freund Jiannis Karneval feiern sowie bald Geburtstag, aber dann auch wieder reisen.

Weiter Richtung Orient in die Türkei, wo wir dank des Sohnes dieses kautzig freundlichen Mannes bereits eine Anlaufstelle in Bodrum haben und dieses unbekannte Land inhalieren dürfen, um im Anschluss den Kontinent Richtung Westen zu durchqueren, damit der nächste Winter hinter Casablanca unserem Leben neue Impulse schenken kann.

Ich freue mich,

Bis morgen,

Euer Ulf


As time goes by


While in the beginning time ran through the hourglass, grain by grain, almost in slow motion, at present excavator shovels full of rock seem to have passed unconsciously with every conscious moment.

A bad sign, because it means that routine has set in and the special thing about our. Trip seems to have been lost a little. So living and working in a van has become part of everyday life, which we cope with, sometimes more, sometimes less happily.

Admittedly, I’m happier than ever, I hardly get upset anymore and enjoy the most beautiful starry skies every evening and sunshine over the Mediterranean in the morning, but Greece has become a kind of home for us, where we know opening times and routes and can already parrot the first phrases in the local language.

But as a Rolling Stone, I feel a bit like I’ve rolled into a hollow, which is very cozy, but also has little new to offer.

How good it is that I have Silvana with me, who has been trying to motivate me to leave the comfort zone with excursions for a while now and will force me to go to the carnival tomorrow.

Until now, I often didn’t feel ready to do this because the tasks could not be neglected and I thought they demanded all my attention, but now I realize that everything is in a state of flux.


School is a joyful task, no longer a burden, because it is incredibly fulfilling to help others and get to know new cultures, and with the new computer, neither lessons nor chatting are active. Computer on and go.


Of course I have to concentrate and keep going (as before), but I no longer have to worry that I’m not up to the task of financing this life.

Now I can finally devote myself to the true quality of this journey again, and now even more exhilarated: experiencing. Exploring the nearby forest with Silvana, celebrating carnival with her and our friend Jiannis and soon a birthday, but then traveling again.

Onwards towards the Orient to Turkey, where we already have a place to stay in Bodrum thanks to the son of this cheeky, friendly man, and where we can inhale the unknown Country before crossing the continent to the west so that the next winter behind Casablanca can give our lives new impetus.

I’m looking forward to it,

See you tomorrow,

Your Ulf

Magie der Musik

(down below in english) Als der erste Mensch am Wasser stand und Musik statt Rauschen erklang, passierte ein Wunder. Jede Welle wurde zum rhythmischen Taktgeber und ihre weichen, sich überschlagenden Schaumkronen, zum Vehikel einer Emotion der Sehnsucht.

Vielleicht war es aber auch kein Wasser, sondern ein Bambusrohr, das vertrocknet und verlassen darauf wartete, geblasen zu werden. Plötzlich musste ein sensibles Ohr von Angriffswarnung auf Melancholie umgesprungen sein, und eine Lucy lauschte dem heiseren Ton nach, der sich aus dem Hohlrohr befreite und alles Sein in Erinnerungen tauchte.


Jeder sich bewegende Kiesel lachte ein sanftes Kinderlächeln und ein kleines Gebüsch mit dichtem Laub kündete von einer vergangenen romantischen Nacht. Alle bildlichen Eindrücke erwachen im Kopf als vergangenes Leben und erzählen der Phantasie eine Geschichte, die so berührt, dass einem die Tränen in die Augen schießen, ohne dass sich auch nur eine Wolke zu bewegen scheint

Die Sonne strahlt nicht mehr, sondern streichelt wie eine fürsorgliche Mutter über den Kopf und der Wind haucht einem das Lied der Freiheit ins Ohr.

Mein Gehirn entführte mich heute in einen dieser Momente und summte eine Melodie, deren vertraute Töne von der Bildgewalt einer Szene künden, an dessen Ende ein Mann und seine Frau glücklich in die dunkle Zukunft reiten.

Die Kerzenständer auf dem Tisch sind gefallen und ihre Dochte sind erloschen. Das Böse hat für einen Moment ausgedient und macht der Hoffnung Platz, die bei mir hier in einem Blick aus dem Jürmann in die Ferne ihren Zenit erreicht.


Bitte lass mich noch ein wenig verweilen, Muse der Sensiblen, denn ich bin noch nicht wieder bereit für Blätterrauschen und Wellenbrechen, mein Überich will noch ein wenig in Vergangenheiten weilen und sich auf die Zukunft freuen.

Bis morgen,

Euer Ulf

The magic of music


When the first person stood at the water’s edge and heard music instead of noise, a miracle happened. Each wave became a rhythmic beat and its soft, swirling whitecaps a vehicle for an emotion of longing.

Or maybe it wasn’t water, but a bamboo reed, dried up and abandoned, waiting to be blown. Suddenly, a sensitive ear must have switched from attack warning to melancholy, and a Lucy listened for the hoarse sound that broke free from the hollow tube, bathing all being in memories.

Every moving pebble laughed a gentle child’s smile and a small bush with dense foliage told of a romantic night gone by. All the visual impressions come to life in the mind as a past life and tell the imagination a story that is so moving that tears spring to the eyes without even a cloud seeming to move

The sun no longer shines, but caresses your head like a caring mother and the wind breathes the song of freedom into your ear.

My brain whisked me away to one of these moments today, humming a melody whose familiar tones tell of the imagery of a scene at the end of which a man and his wife ride happily into the dark future.

The candlesticks on the table have fallen and their wicks have gone out. Evil has had its day for a moment and makes way for hope, which reaches its zenith for me here in a look out of the Jürmann into the distance.

Please let me linger a little longer, muse of the sensitive, because I am not yet ready for the rustling of leaves and the breaking of waves, my superego wants to dwell a little longer on the past and look forward to the future.

See you tomorrow,

Your Ulf

Donnerstag

(Down below in english) Gewitter sind in Griechenland mehr als nur Donner und Blitze, deshalb sind sie im Jürmann auch immer ein echtes Erlebnis.

Plötzlich wird es durch die kleinen Fenster taghell und der Wind rüttelt wie ein Geldeintreiber am Zuhause, während es so furchterregend donnert, dass man sich wie ein Kind fühlt.

Man bekommt eine Ahnung davon wie Mann sich vor gut 2000 Jahren gefühlt hat, als der Irminsul, einer alten Eiche gehuldigt wurde.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde der Gott Donhar so um Gnade gebeten, dass er nicht Haus und Hof in Brant setzte.



Subtrahiert man nun in unserem Falle das Vorleben, spürt man, wie verzweifelt die Germanen (Kriegerische, Wilde – lat. Gere=Krieg) waren, als Karl der Große diesen Baum im Zuge der Christianisierung fällen ließ.

Wer einmal nicht schlafen konnte, weil alles wackelt und Donner wie Blitze einen das Fürchten lehren, indem Sie einem die eigene Nichtigkeit beweisen, bekommt Respekt vor der Natur und weiss, wer hier wen Untertan gemacht hat.

Mag sein, dass Karl wirklich nur beste Absichten hatte, als er dem Haidenglauben den Gar ausmachen wollte, aber womit hat er das Recht, den Menschen ihre Hoffnung zu nehmen?

Vielleicht wollte er auch nur zeigen, dass, wer die Irminsul fällt, auch den Donner kontrolliert, aber wenn ich Abends oder Nachts zucke, weil Donhar sein Unwesen treibt, wünsche ich mir eine alte Eiche und keinen Karl den Großen.

Bis morgen,

Euer Ulf

Thursday  (Day of Thunder)

Thunderstorms in Greece are more than just thunder and lightning, which is why they are always a real experience at the Jürmann.

Suddenly it becomes as bright as day through the small windows and the wind shakes your home like a bill collector, while it thunders so terrifyingly that you feel like a child.

You get an idea of how people felt a good 2000 years ago when they paid homage to the Irminsul, an ancient oak tree.

In the night from Wednesday to Thursday, the god Donhar was asked for mercy so that he would not set the house and farm on fire.

If you now subtract the previous life in our case, you can sense how desperate the Germanic tribes (warriors, savages – lat. Gere = war) were when Charlemagne had this tree felled in the course of Christianization.

Anyone who has ever been unable to sleep because everything is shaking and thunder and lightning teach you to fear by proving your own nothingness gains respect for nature and knows who has subjugated whom.

It may be that Charlemagne really only had the best of intentions when he wanted to put an end to the belief in sharks, but what right does he have to take away people’s hope?

Maybe he just wanted to show that whoever falls the Irminsul also controls the thunder, but when I twitch in the evening or at night because Donhar is up to mischief, I wish for an old oak tree and not Charlemagne.

See you tomorrow,

Your Ulf

Kleine Werbepause

Beim Blick auf die weißen Schaumkronen der Wellen, erinnere ich mich an eine Werbung, bei der Wildpferde wie in einer Fabel daraus hervor galoppieren. Mit schnaubenden Nüstern und angezogenen Vorderläufen gestaltet sich aus Wassertropfen lebendiges Leben und symbolisiert so die Lebenskraft, die in Wasser steckt.

Ich kann nicht anders, als immer wieder beim Blick an den Strand dieses beeindruckende Bild zu halluzinieren und dabei an meine Zeit als Werber zurück zu denken, in der es meine Aufgabe war, in solch faszinierenden Bildern die Moderne zu verkaufen.

Mein Porsche ließ die Sonne untergehen und bündelte so „Naturgewalten“ und mein Mercedes goss mit seinen Abgasen Blumen oder spielte in Queensland mit dem Auspuff Didgeridoo. Alles war erlaubt, solange die Bildidee zum Träumen einlud, indem eine Symbiose von Technik und Natur diese Versöhnung als frohe Botschaft die Massen zum konsumieren einlud.

Wenn ein Amarok den Homo sapiens Sapiens dahin brachte, wo noch keiner war, oder zur Arbeit, dann ging mein Herz auf und wenn man meine Ideen klaute, wie bei der Start/Stop Automatik, dem ersten Stillstand, der Fortschritt bedeutete, wurde ich nur wütend darüber, dass ich dafür nicht bezahlt wurde, aber nicht, weil es eine Einladung zur Umweltverschmutzung war.

Wenn mein Porsche 911 GT3 RS mit dem Verbrennen von unzähligen Litern Benzin Rekorde aufstellte, dann galt es, diese zu brechen und nicht, endlich mit diesem Irrsinn aufzuhören.

Und als ich es feiern sollte, dass man mit Lidl Kaffee so viel Geld sparen würde, jedoch „mit dem „Sozialen“ kam, verlor ich meinen Job. Solche Menschen warben für sich selbst mit dem Namen „Freunde“ und als ich irgendwann den Irrsinn verstand und kündigte, würde ich für dumm erklärt, denn man kann doch nicht einen gut dotierten Job nur wegen sensibler Animositäten aufgeben. „Wovon willst Du denn in den Urlaub fahren?“,fragte man mich allen Ernstes.

Heute stehe ich mit Silvana im Jürmann am Strand und noch immer verfolgen mich die Dämonen der Vergangenheit, denen ich teilweise selbst und freiwillig Tür und Tor zu meiner Seele gestatte und ich weiss nicht, ob ich mich freuen sollte, dass ich mit jedem Bild an meine Entwicklung erinnert werde oder bedauere, dass ich bei Wellen, nicht einfach nur an Wasser denken kann.

Bis morgen,

Euer Ulf

HiShort commercial break
Looking at the white whitecaps on the waves, I remember an advertisement in which wild horses gallop out of them like in a fable. With snorting nostrils and raised forelegs, drops of water are transformed into living life, symbolizing the life force that lies in water.

I can’t help but hallucinate this impressive image every time I look at the beach and think back to my time as an advertiser, when it was my job to sell modernity in such fascinating images.

My Porsche let the sun go down and thus bundled „forces of nature“ and my Mercedes watered flowers with its exhaust fumes or played the didgeridoo in Queensland with its exhaust pipe. Everything was allowed as long as the image idea invited you to dream, in that a symbiosis of technology and nature invited the masses to buy this reconciliation as good news.

When an Amarok took Homo sapiens Sapiens where no one had gone before, or to work, my heart soared and when my ideas were stolen, as with the automatic start/stop system, the first standstill that signified progress, I only got angry that I wasn’t paid for it, but not because it was an invitation to pollute the environment.

If my Porsche 911 GT3 RS was setting records by burning countless liters of gasoline, it was to break them, not to finally stop this madness.

And when I was supposed to celebrate the fact that Lidl coffee would save so much money, but „came up with the „social“, I lost my job. People like that advertised themselves as „friends“ and when I eventually understood the madness and quit, I was declared stupid, because you can’t give up a well-paid job just because of sensitive animosities. „What do you want to go on vacation for?“ I was asked in all seriousness.

Today I’m standing on the beach with Silvana at Jürmann and I’m still haunted by the demons of the past, some of which I have voluntarily allowed to enter my soul and I don’t know whether I should be happy that I’m reminded of my development with every picture or regret that I can’t just think of water when I see waves.

See you tomorrow,

Your Ulf

A bisserl was is immer

Der Schein trügt

(down below in english) In einem normalen Zuhause ist ein Wasserrohrbruch oder ein verstopftes Klo eine echte Katastrophe. Sowas kann uns dank Boxio Trenntoilette und Miniwasserversorgung aus Fässern nicht passieren.

Unser verstopftes Klo heißt: festgefahren und unser Wasserrohrbruch heißt Computer kaputt.
Sagen wir so, die Küche ist wieder trocken aber der Klempner ist erst auf dem Weg, denn ich muss ja vorher noch Unterricht geben.

Wir spielen also heute DMAX, Ulf, 47 Lehrer aus echtem Schrot und Korn begrüßt heute seine Kandidaten aus der Kiesgrube am Strand.
Wer wir die Challenge, härtester Kiesel gewinnen und am Ende an der Abschleppkette hängen?

Wir sind aber froh, dass ein special Guest sein Kommen angekündigt hat und mit Pickup die Herausforderung annimmt:

Die männliche Galaktica aus Hallo Spencer, der unerschrockene Waschmaster Jiannis Margaritis. Einen herzlichen Applaus also für den, ohne den der Jürmann ein Strandgut würde und Ulf zum Tier. Gut, dass Superwoman die Ruhe behalten hat und alles regelt, denn: Auf jedem Van der fährt und steht sorgt eine dafür das was geht und das ist sie.

Und ich? Ich werde alle Kräfte auf’s ruhig bleiben konzentrieren und mich in buddhistischer Ruhe üben, sodass am Ende der Jürmann nicht in Jürgens umgetauft werden muss.

Ich liebe Dich Honeybunny (Honigbiene)
Und ich, Silvana, liebe Dich smasching pumkin (zerplatzende Wassermelone).

Und allen anderen:

Bis morgen,

Euer


Ulf

Der Held!

There’s always something wrong
In a normal home, a burst water pipe or a blocked toilet is a real disaster. Thanks to our Boxio urine-diverting toilet and mini water supply from barrels, this can never happen to us.

Our blocked toilet means: stuck and our burst water pipe means broken computer.
Let’s put it this way, the kitchen is dry again but the plumber is still on his way because I have to give lessons first.

So today we’re playing DMAX, Ulf, 47 teachers made of real grit and grist, welcomes his candidates from the gravel pit on the beach.
Who will win the hardest pebble challenge and end up on the tow chain?

But we are glad that a special guest has announced his arrival and is taking on the challenge with a pickup truck:

The male Galactica from Hello Spencer, the intrepid washmaster Jiannis Margaritis. So a hearty round of applause for him, without whom Jürmann would be flotsam and Ulf would be an animal. It’s a good thing Superwoman kept her cool and sorted everything out, because: On every van that drives and stands, there’s one person who makes sure that things work, and that’s her.

And me? I’m going to concentrate all my energy on staying calm and practising Buddhist tranquillity so that Jürmann doesn’t have to be renamed Jürgens in the end.

I love you Honeybunny (honeybee)
And I, Silvana, love you smashing pumkin (bursting watermelon).

And to everyone else:

See you tomorrow,

Your


Ulf

Siga, siga

(down below in english) Seit wir im Land der Helen sind, bin ich langsamer geworden. Ich sitze oft wie Heraklit am Wasser und denke „man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss springen“, und auch Epicur, der Einmalige, mit seinem genügsamen Hedonismus ist seit einiger Zeit weit mehr als nur ein weiser Theoretiker.

Ich spüre in diesem dünn besiedelten Land, wie der Geist der Philosophie omnipräsent ist. Griechenland ist Natur, die zum Verweilen einlädt. Und die Griechen, die sich stolz Anhänger der Göttin Helena nennen, versuchen nur selten, das Rad der Zeit ein bisschen schneller zu drehen, denn sie spüren die Endlichkeit und relativieren alles an ihr.

Nichts ist ewig, keiner unsterblich und wenn einer die Natur besiegt, dann kann sie es nur selbst sein.

Hier, wo Aristoteles (der Beste), Platon, der Flache, (wegen seiner Pläte) und Sokratis, der mir hier sogar als Mechaniker begegnete, sich seit über 2400 Jahren den Schirlingsbecher (Giftbecher) in die Hand geben, werde auch ich wieder zum Sterblichen. Aber nicht von der Medizin oder Politik, sondern von der Zeit, die im Wechsel der Positionen von Sonne, Wolken, Mond und Sterne, der hier schneller von Statten geht als überall wo ich bisher war.

Man spürt, dass man nur einige dieser Phänomene sehen kann. Dass es vor einem so war und nach einem so sein wird. Ob Orkan, Weltkrieg oder vielleicht irgendwann als Erfinder einer Zeitmaschine.

Dein Sein ist endlich, weil Du nie alles erleben kannst. Und diese Endlichkeit, nur sie allein, macht nur für Dich, Dein Leben und alles darin und daran besonders.

Und hier in Griechenland spürt man, wenn man das verstanden hat, braucht man weder ewig leben noch schnell sein, denn der Lauf der Zeit, die nur ein Steigbügel der Fantasie zum Begreifen des Ichs ist, lässt sich weder überlisten noch beeinflussen.

Der Fluss wechselt sein Wasser und der Mensch sich, ob Letzterer eingreift oder nicht, weil nur das Notwendigkeit des Seins ist.

Bis morgen,

Euer Ulf

Siga, Siga (slow, slow)



Since we’ve been in the land of Helena, I’ve slowed down. I often sit by the water like Heraclitus and think: „You can’t jump into the same river twice“, and even Epicurus, the one and only, with his simple hedonism, has long been much more than a wise theorist.

In this sparsely populated country, I have the feeling that the spirit of philosophy is omnipresent. Greece is a nature that invites you to linger. And the Greeks, who proudly call themselves followers of the goddess Helena, rarely try to turn the wheel of time a little faster, because they sense finiteness and relativize everything around them.

Nothing is eternal, no one is immortal, and if anyone can conquer nature, it can only be him.

Here, where Aristotle (the best), Plato the Flat (because of his platitudes) and Socrates, whom I even met here as an engineer, have been shaking hands for over 2400 years, I become mortal again. But not through medicine or politics, but through time, which passes faster here with the changing position of the sun, the clouds, the moon and the stars than anywhere I’ve been before.

You have the feeling that you can only see some of these phenomena. That it was like this before you and will be like this after you. Be it a hurricane or a world war, or maybe one day as the inventor of a time machine.

Your existence is finite because you can never experience everything. And this finiteness, that alone, makes your life and everything it contains something special.

And here in Greece, you feel that once you understand this, you don’t have to live forever or be fast, because time, which is just a stirrup for the imagination to catch, cannot be fooled or influenced.

The river changes its water and man changes himself, whether he interferes or not, for that alone is the necessity of existence.

See you tomorrow,

Your Ulf

Liebe Grüße aus Mytikas

(down below in english) Liebe Grüße aus Mytikas,
Freunde der Sonne, die gerade von den Wolken noch etwas geärgert wird, aber schon andeutet, dass wir sie gleich in voller Pracht sehen werden.
Das letzte Mal als wir hier waren, hab ich einen lustigen Blog von einem Rentnerparadies fabuliert, in dem wir waschen waren, heute stehen wir etwa zehn Kilometer nördlich von Wanderstöcken und Mosaikpflaster an einem Strand, der Seinesgleichen sucht. Direkt an einer Palme, die wie Ihr geneigter Autor zwar etwas zu klein geraten ist, aber das Ambiente erst richtig gemütlich macht.

Wir haben es Ende Februar und hier zeigt der Sommer, wenn er nicht wie vorletzte Nacht verregnet wird, schon all sein paradiesisches Können mit felsigen Sandstrand und Wellen wie aus dem Bilderbuch. Unfassbar schön. Wenn ich ehrlich bin, ist der Strand sogar schöner als der in Kalamata; aber wer will schon bei einem so dekadenten Leben wie wir es führen vergleichen?!

Hier tanzen sogar Nachts noch die Schmetterlinge und die ersten Mücken künden schon vom Sommer. Nur ein paar Motorräder stören hin und wieder die Idylle, denn die Straße hinter uns ist zwar relativ unbeliebt, aber so lang und gerade, dass sie regelrecht zum lebensgefährlichen Heizen einläd.

Aber wir schauen ja nicht hinter uns, sondern nach vorn und da befindet sich hundert Meter Küste mit Reisekatalogfeeling, das ich am Jürmann lehnend in mich einsauge wie ein trockener Schwamm.

Deshalb beschließe ich jetzt mein Kleinod Poesie mit einem kleinen Limmerik

Es lehnte ein Mann aus Deutschland
An einem Bus aus Frankreich
Das Rauschen der Wellen vergisst er nie
Weil er das Paradies hier fand

In seiner schwarzen Seele.

Bis morgen,

Euer Ulf

Greetings from Mytikas,

Friends of the sun, which is still being teased a little by the clouds, but is already hinting that we are about to see it in all its glory.
The last time we were here, I wrote a funny blog about a pensioner’s paradise where we went for a wash, today we are standing a little over ten kilometers north of walking sticks and mosaic paving on a beach that is second to none. Right next to a palm tree which, like you, the author, is a little too small but makes the ambience really cozy.

It’s the end of February and, if it doesn’t rain like the night before last, summer is already showing off all its paradisiacal skills with a rocky sandy beach and picture-book waves. Unbelievably beautiful. If I’m honest, the beach is even more beautiful than the one in Kalamata; but who wants to compare with a life as decadent as the one we lead?

The butterflies still dance here at night and the first mosquitoes are already heralding the arrival of summer. Only a few motorcycles disturb the idyll from time to time, because the road behind us is relatively unpopular, but so long and straight that it’s downright life-threatening.

But we’re not looking behind us, we’re looking ahead and there’s a hundred meters of coastline with a travel catalogue feeling, which I soak up like a dry sponge leaning against the Jürmann.

So I’ll end my little gem of poetry with a little Limmerik

A man from Germany was leaning
On a bus from France
He never forgets the sound of the waves
Because he found paradise here

In his black soul.

See you tomorrow,

Your Ulf

Wenn Engel reisen

(Down below in English) Ein bisschen weh tat es schon, unser Winterquartier, den liebgewonnenen Bouka Beach zu verlassen. Aber nahende Einfamilienhäuser auf Rädern haben es uns dann doch erleichtert, Roger, den Hund, den man hier gemeinsam mit allen anderen aufpäppelte, „good Bye“ zu sagen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben wir uns überwunden und sind Meer, Bergen und Blumen winkend davongefahren.

Die ersten Kilometer waren wieder ein bisschen wie beim ersten Mal, es kribbelte im Bauch, ich musste mich wieder ans längere Fahren und auch an die wechselnden Höhenmeter gewöhnen, aber es hat sich mehr als gelohnt, denn obwohl es wolkig war und nach Regen aussah, erwartete uns ein echtes Paradies aus wildem Wuchs und flüssigem Christall.

Zwischen Bergen aus unzähligen satten Grüntönen, gesprenkelt von gelben, weißen und blutroten Blumen mit Chanonartigem Vogelgesang, lag versteckt ein Garten Eden, der nur wirklich uns allein zu gehören schien.

Sonne spiegelte sich in Silvanas Augen und türkisfarbenem Quellwasser und meisselte mit Leichtigkeit aus meiner brummigen Schnute ein überwältigtes Lächeln. Man schmeckte den Frühling so intensiv, dass man es erst im Rückblick wahrhaft genießen konnte, was für eine dekadente Schönheit sich da vor uns präsentierte.


Es war und ist zu facettenreich und unbeschreiblich für ein echtes Dasein, um zu begreifen, welch unglaubliches Naturschauspiel wir dort erleben konnten. Wir durchschritten wahrhaft die doors of perception. Silvana gluckste vor Glück wie ein Kind zwischen all den Farnen, Steinen sprudelnden Wasserfällen und mit offenem Mund staunendem Ulf.

Wir mussten irgendwann einfach weiter, bevor wir begonnen hätten, den Baum der Erkenntnis zu suchen und konnten erst 100 Kilometer später erahnen, welch Geschenk uns da offenbart wurde.

Und heute Morgen ist auch plötzlich all die Wehmut von vor 24 Stunden purer Vorfreude gewichen. Gleich können wir endlich wieder weiter unseren Ritt auf der Waiküre reiten, denn was soll schon passieren, wenn Engel reisen?

Bis morgen,

Euer Ulf

When angels travel
(Down below in English) It was a little painful to leave our winter home, our beloved Bouka Beach. But the approaching detached houses on wheels made it easier for us to say „goodbye“ to Roger, the dog who was being nursed here along with everyone else.

With one laughing and one crying eye, we got over ourselves and drove off waving to the sea, mountains and flowers.

The first few kilometers were a bit like the first time, my stomach tingled, I had to get used to riding for longer and to the changing altitude, but it was more than worth it, because although it was cloudy and looked like rain, a real paradise of wild growth and liquid Christall awaited us.

Hidden between mountains of countless lush shades of green, dotted with yellow, white and blood-red flowers with chanonlike birdsong, lay a Garden of Eden that really seemed to belong to us alone.

The sun was reflected in Silvana’s eyes and turquoise spring water, easily chiseling an overwhelmed smile from my grumpy muzzle. You could taste the spring so intensely that you could only truly enjoy the decadent beauty that presented itself to us in retrospect.

It was and is too multifaceted and indescribable for a real existence to comprehend what an incredible natural spectacle we were able to experience there. We truly passed through the doors of perception. Silvana gurgled with happiness like a child among all the ferns, gushing waterfalls and Ulf’s open-mouthed amazement.

At some point we simply had to move on before we could start looking for the tree of perception and only 100 kilometers later were we able to guess what a gift had been revealed to us.

And this morning, all the melancholy of 24 hours ago suddenly gave way to pure anticipation. We can finally continue our ride on the Waiküre, because what can happen when angels travel?

See you tomorrow,

Your Ulf

Ich könnte singen

(down below in Englisch) Schule, Einkaufen, Apotheke schreiben, Wasser holen und Regen, nicht nur unsere physischen Akkus sind leer, sondern auch die Lithium gehen auf dem Zahnfleisch, kurz:

Sehr geehrte Fahrgäste, der Intermaster Jürmann von Horstmar um die Welt über Patras, Jiannistown und Izmir verspätet sich um etwas 24 Stunden. Grund für die Verzögerung ist einfach noch keine Lust.

Denn es ist grad sooooooo schön hier! Die Sonne scheint ich hab frei und der Herr sah, dass es gut war/ist.

Frühstück, auch wenn es aktuell nur Kippe und Kaffee ist, am Meer, geblendet von der Sonne, die immer gute Laune hat (gut, Silvana sagt: Die kann ja auch kommen und gehen wann sie will“).

Meine Inbrunst will “ Die Sonne, die Sonne und Du, gehörn dazuhuhuhu“ singen, aber ich möchte mit meim Günther Gabriel Organ nicht alles kaputt machen.

„Ja, sche is, gell Spatzerl?“
„Spatzerl?“

(Leichtes Schnarchen aus dem Schlafwagenabteil)

Ich schenk mir besser das „die Fahrscheine bitte und betrachte dabei „Deine Spuren im Sand“.

Bis morgen,

Ihr ewiger Stenz

Aber „oder so“ ginge

I could sing


School, shopping, writing to the chemist, fetching water and rain, not only are our physical batteries empty, but the lithium is also running on empty, in short:

Dear passengers, the Intermaster Jürmann from Horstmar around the world via Patras, Jiannistown and Izmir is delayed by about 24 hours. The reason for the delay is simply that we are not in the mood yet.

Because it’s sooooooo beautiful here right now! The sun is shining, I’m free and the Lord saw that it was/is good.

Breakfast, even if it’s currently just a fag and coffee, by the sea, dazzled by the sun, which is always in a good mood (well, Silvana says: „It can come and go whenever it wants“).

My fervor wants to sing „Die Sonne, die Sonne und Du, gehörn dazuhuhuhu“, but I don’t want to ruin everything with my Günther Gabriel organ.

„Yes, it is, right Spatzerl?“
„Spatzerl?“

(Light snoring from the sleeping compartment)

I’d better give myself the „tickets please and look at „your tracks in the sand“.

See you tomorrow,

Your eternal Stenz

Bauer sucht Frau

(down below in english) und jetzt das Wetter. Es ist bewölkt und diesig bei fiesen Nieselregen und gefühlten 12 Grad. Man könnte auch sagen “ Hallo Niedersachsen“. Deshalb geben wir jetzt auch direkt ab zu Inka Bause. „Hall Inka“ -„Hallo Gerd. Ich bin hier heute in Griechenland in der Nähe von Kalamata, wo man wie immer schon seit sieben auf den Beinen ist, denn so ein Vanleben auf dem Acker nimmt keine Rücksicht auf „Schietwetter“ sagt man hier, nicht wahr?“ – „Jo“. Das neben mir ist übrigens der ungemütliche Ulf, der Tag ein Tag aus mit 100 Pferdestärken dafür sorgt, dass man in der gesamten Republik mit Texten versorgt wird.
Hallo Gerd“ -„Calimera Inka“.
„Calimera, das ist hier die Landessprache und heißt sowas wie Moin, Moin. Ich sag dann auch mal Calimera uriger Ulf. Du suchst also eine Frau, die mit dir an diesem tollen Strand mit echt nordischen Temperaturen morgens Müsli und Kaffee teilt um im Anschluss die Camper zu verscheuchen, stimmt das?“
(Nicken)
„Wie sollte diese Traumfrau denn sein?“
„No jo, sie muss morgens vor mir aufsteh’n, Kaffee machen, mein Büro aufbau’n un nicht so viel snacken, nicht?!“
„Das klingt nach einem echten Aschenputtel das der ungeduldige Ulf sucht. Aber wir wollen an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten. Nur soviel, das die sympathische Silvana, eine frohgemute Bäckereiverkäuferin aus Horstmar sich mit dem Jürmann auf den Weg zu unserem Ulf gemacht hat und die beiden gleich hier.auf vier Quadratmetern so manchen Frust ohne Schnaps runter schlucken muss. Bleiben Sie also dran. Ich geb zurück ins Studio.

Bis morgen

Eure Labertasche des Vertrauens

Farmer seeks wife


„And now the weather. It’s cloudy and hazy with a nasty drizzle and what feels like 12 degrees. You could also say „Hello Lower Saxony“. That’s why we’re going straight to Inka Bause. „Hello Inka“ – „Hello Gerd. I’m here today in Greece near Kalamata, where, as always, people have been on their feet since seven, because such a van life in the field doesn’t take „bad weather“ into account, don’t they say here?“ – „Yes.“ By the way, the guy next to me is the uncomfortable Ulf, who works day in, day out with 100 horsepower to ensure that you are supplied with texts all over Germany.
Hello Gerd“ – „Calimera Inka“.
„Calimera, that’s the local language here and means something like Moin, Moin. I’ll say Calimera quaint Ulf. So you’re looking for a woman to share muesli and coffee with you on this great beach with really Nordic temperatures in the morning and then scare the campers away, is that right?“
(Nodding)
„What would this dream woman be like?“
„No yo, she has to get up before me in the morning, make coffee, set up my office and not snack so much, right?“
„That sounds like a real Cinderella that impatient Ulf is looking for. But we don’t want to give too much away at this point. Just so much that the likeable Silvana, a cheerful bakery saleswoman from Horstmar, has made her way to our Ulf with Jürmann and the two of them have to swallow a lot of frustration right here on four square meters without a schnapps. So stay tuned. I’ll return to the studio.

See you tomorrow

Your trusted chatterbox