Singing in the rain

(down below in english) Gestern fühlte ich mich wie Tom Hanks in seiner Paraderolle, als er im Vietnamkrieg durch Reisfelder marschierte und es plötzlich zu Regnen begann. Es gab dicke satte Tropfen, als würde Gott die Erde gießen. Das Wasser kam aus allen Richtungen, von oben, unten, rechts und links.

Wasser, Wasser, Wasser und ich zu Fuß auf Bergpässen vom Dorf Richtung Jürmann mit Blick Richtung Himmel und grinsendem Gesicht mittendrin.
.
So schön kann Sauwetter sein, dachte ich und sang dazu lautstark Jimmy Hendricks Gitarrensolo von „Whatchtower“.

Es war nicht kalt und die Tropfen hagelten auch nicht so, wie man es aus Deutschland kennt, sondern ergossen sich wie warme Suppe bis in die letzte Faser.

Die ganze Luft war erfüllt von Feuchtigkeit wie in einer türkischen Sauna, sodass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Jeder Abfluss und jede noch so kleine Fuge im Boden bot ideale Bedingungen für reißende Flüsse.

Es war nicht „raining man“,sondern „durch den Monsun“ und der kleine Ulf ein wandelnder Tropfstein, denn mein Name ist Forrest, Forrest Gump.



„Du denkst vielleicht das stört mich“, schleuderte ich Gebete gen Himmel, „aber ich liebe es! Mehr, mehr, mehr! Ich bin nicht Tina Turner, denn I can stand the rain! Lächelte ich trotzig und schwamm Schritt für Schritt mit Schokolade in klitschnassen Taschen unbeirrt zu meinem Schatz, den ich nach etwa einer Stunde auch Wet, Wet! Wet! erreichte.

Logisch, dass der Himmel wieder aufklarte, als ich vor Silvana stand. Ich fühlte mich, als hätte ich dem Herrgott getrotzt. Ich habe Feuer gemacht feierte sich meine Seele und setzte mich halb nackt vor die Wagenheizung und genoss die Vibrationen des Motors wie knisternde Flammen.

Aber jetzt müssen wir wirklich langsam die Heizung fertig bekommen.

Bis morgen,

Euer Ulf

Singing in the rain
Yesterday, I felt like Tom Hanks in his signature role when he was marching through rice paddies in the Vietnam War and it suddenly started to rain. There were thick, rich drops, as if God were watering the earth. The water came from all directions, from above, below, right and left.

Water, water, water and me on foot on mountain passes from the village towards Jürmann with a view of the sky and a grinning face in the middle of it all.
.
This is how beautiful bad weather can be, I thought and sang Jimmy Hendrick’s guitar solo from „Whatchtower“ at the top of my voice.

It wasn’t cold and the drops weren’t hailing down like they do in Germany, but instead poured down like warm soup into every last fiber.

The whole air was filled with humidity like in a Turkish sauna, so that you could hardly see your hand in front of your eyes. Every drain and every crevice in the floor, no matter how small, provided ideal conditions for torrential rivers.

It wasn’t „raining man“, but „through the monsoon“ and little Ulf was a walking stalactite, because my name is Forrest, Forrest Gump.

„You might think that bothers me,“ I hurled prayers to the heavens, „but I love it! More, more, more! I’m not Tina Turner, because I can stand the rain! I smiled defiantly and swam step by step with chocolate in soaking wet pockets to my treasure, which I also reached after about an hour Wet, Wet! Wet!

Logically, the sky cleared up again when I stood in front of Silvana. I felt like I had defied the Lord God. I made a fire, my soul celebrated and sat half naked in front of the car heater, enjoying the vibrations of the engine like crackling flames.

But now we really have to get the heating ready.

See you tomorrow,

Your Ulf

Nicht schön, aber selten und im Hintergrund ein Himmel, als wäre nichts gewesen

Einfach Mal die Fresse halten

(Down below in english) Wenn man wie Silvana und ich auf vier oder fünf Quadratmetern lebt, muss es langfristig  mehr als Palmen geben, dass einen durchhalten läßt. Denn Alltag auf dem Schoß des anderen erfordert viel Kompromissbereitschaft

Jeder ist ein eigener Charakter mit eigener Geschichte und individuellen Prioritäten, was in unserem Fall beispielsweise bedeutet, das Chaos und Ordnung eine solche Symbiose ergeben müssen wir Feuer und Holz.

Der Platz ist zu gering, als dass beide ein Parallelleben führen könnten, sie müssen sich ergänzen. Das ein muss das andere bedingen, ansonsten wird zumindest langfristig eine Seite sterben müssen, was hieße, dass einer von uns beiden keine andere Wahl hätte, als sich total zu verleugnen, um weiterhin mit dem anderen Leben zu können.

Aber wie schafft man es, das Ego zu überzeugen, zurück zu stecken? Sich selbst hinter dem anderen einzuordnen? Zu leben und nicht nur zu sagen: Es ist Grad gut und notwendig, nicht die erste Geige zu spielen. An dieser oder jener Stelle, ist die eigene Herangehensweise hinderlich und die des anderen das Gebot der Stunde?

Indem man so auf das Gemeinsam vertraut, dass man bereit ist, sich selbst konstruktiv in Frage zu stellen und bereit zu sein, in der eigenen Stärke auch die signifikante Schwäche zu entdecken.

Dafür bedarf es Mut, der aus dem Umstand erwächst, sich öffnen zu können auf Basis der Gewissheit, dass man nicht vorgeführt, sondern angenommen wird.

Silvana sagt in solchen Fällen „ich liebe Deinen Tatendrang und Fleiss, aber jetzt bedarf es Geduld, lass mich eine kleine Weile übernehmen“ dann küsst sie mich, nimmt mir beispielsweise das Telefon oder den Rechner aus der Hand und  nötigt mich zum inne halten; weiß Gott nicht meine Kernkompetenz.

Sie hat leider viel zu oft beweisen müssen, dass ihr das Ergebnis Recht gibt, weil ich viel zu sehr mit meinem Ego zu kämpfen hatte, als meine Kraft für eine Gelegenheit zu schonen, wenn wir auf diese vertrauen müssen.

Unser Ritt auf der Waiküre hat diese Königsdisziplin der Selbstbeherrschung in den letzten zehn Wochen so brachial gefordert, das nicht selten, unser gemeinsamer Traum, an einem seidenen Faden hing.

Es waren nicht Geldsorgen oder Pech, was unser Glück bedrohte, sondern die brachiale Zerstörungswut eines, ich muss es noch deutlicher sagen, meines Egos. Denn Aufgeben war das Einzige, was es nie gelernt hatte und somit musste es in Lichtgeschwindigkeit lernen, wofür es eigentlich Lichtjahre bedurft hätte: Vertrauen.

Nicht auf Silvana oder andere, sondern einzig darauf, dass die Lösung nur darin bestehen kann, zurück zu stecken und zu schweigen, obwohl einem keine Alternative auch nur irgendwie als logisch erscheint. Sich darauf zu verlassen, dass andere einen Weg kennen, wo man selbst  nichts als Leere sieht.

Ich habe in solchen Momenten gelernt, das destruktive Potential in meiner Stärke zu akzeptieren, dass schon das Unterlassen von Aktivität die größten Gefahren verhindert.

Das „es einfach nicht schlimmer machen“ das Beste ist, was ich beitragen kann. Dann funktioniert plötzlich der Strom, das Verhältnis zu Mama entspannt sich und das Wichtigste der Welt hat Platz sich zu entfalten: Liebe.

Bis morgen,

Euer Ulf

Just shut the fuck up

If you live in four or five square meters like Silvana and I do, there has to be more than palm trees to keep you going in the long term. Because everyday life on each other’s laps requires a lot of willingness to compromise

Everyone is a different character with their own story and individual priorities, which in our case, for example, means that chaos and order have to form such a symbiosis as fire and wood.

There is too little space for the two to lead parallel lives, they have to complement each other. The one must condition the other, otherwise one side will have to die, at least in the long term, which would mean that one of us would have no choice but to deny ourselves completely in order to continue living with the other.

But how do you manage to convince the ego to step back? To put yourself behind the other person? To live and not just say: It is good and necessary to not play first fiddle. At this or that point, is your own approach a hindrance and the other person’s the order of the day?

By trusting in each other in such a way that you are prepared to constructively question yourself and be ready to discover the significant weakness in your own strength.

This requires courage, which arises from the fact that you can open up based on the certainty that you are not being shown up, but accepted.

In such cases, Silvana says „I love your drive and diligence, but now I need patience, let me take over for a little while“ then she kisses me, takes the phone or computer out of my hand, for example, and forces me to pause; God knows this is not my core competence.

Unfortunately, she has had to prove her point far too often, because I’ve had far too much to do with my ego to spare my strength for an opportunity when we need to trust in it.

Our ride on the Waiküre has challenged this supreme discipline of self-control so brutally over the last ten weeks that our shared dream has often hung by a thread.

It wasn’t money worries or bad luck that threatened our happiness, but the brute destructive rage of, I have to say it even more clearly, my ego. Because giving up was the only thing it had never learned and so it had to learn at the speed of light what would have taken light years: trust.

Not in Silvana or others, but only in the fact that the solution can only be to stand back and remain silent, even though no alternative seems even remotely logical. Relying on others to know the way where you see nothing but emptiness.

In moments like these, I have learned to accept the destructive potential in my strength, that even refraining from action prevents the greatest dangers.

That „simply not making it worse“ is the best thing I can do. Then suddenly the electricity works, the relationship with mom relaxes and the most important thing in the world has room to unfold: Love.

See you tomorrow,

Your Ulf

Es hat nicht sollen sein

(down below in english) Manchmal helfen leider weder Schraubenzieher noch Geld, um gewisse Hürden meistern und leider sahen wir uns gestern mit einer solchen konfrontiert.

Beim Tierarzt stellte sich raus, dass der kleine Jeffrey einen Herzfehler hat und unser Leben nicht meistern könnte.

Hier kann man spenden!

Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns, wenn Ihnen unser Block gefällt und Sie uns vielleicht mit einer kleinen Spende unterstützen. Vielen Dank

1,00 €

Natürlich hätten wir es mit Medikamenten und viel Hoffnung versuchen können, aber das wollten wir dem kleinen Lebowski nicht antun. Bei Andrea bekommt er alles was er braucht und muss nicht im Jürmann seine letzten Kräfte für Stress vergeuden, der sich vermeiden läßt.

Wir haben uns ja gewünscht, dass es auch für ihn ein freudiges Abenteuer und keine unnötige Belastung wird, deshalb haben wir ihn ganz schweren Menschenherzens in seiner alten Heimat gelassen. Hier wird es ihm am ehesten lange gut gehen, auch wenn Silvana und mir dieser Schritt sehr schwer fällt.

Man mag gar nicht dran denken, wenn plötzlich unser kleiner Freund leblos im Wagen läge. Ich wüßte nicht, wie ich Silvana dann auffangen sollte und von dem, wie Jeff gelitten haben möge, will ich gar nicht reden.

Also trennten sich gestern unsere Wege sehr tränenreich bevor wir uns gegenseitig noch lieber gewinnen und ein wenn auch ein wenig fauler Kompromiss wie jetzt nicht mehr möglich ist.

Der Himmel zeigt sich sogar solidarisch und verzieht keine Miene. Grau in Grau liegt er auf dem Tag und die Sonne hält sich dezent im Hintergrund.

Danke, liebe Freundin, dass Du uns heute nicht mit vielen fröhlichen Strahlen den gestrigen Abschied noch schwerer machst. Wir werden heute versuchen, uns mit kleinen Reparaturen abzulenken und dabei den kleinen Jeffrey, jeder für sich, ganz doll vermissen.

Bis morgen mit besseren Nachrichten,

Euer Ulf

Wir werden Dich sehr vermissen

It was not meant to be


Sometimes, unfortunately, neither screwdrivers nor money help to overcome certain hurdless and unfortunately we were confronted with one of these yesterday.

At the vet it turned out that little Jeffrey has a heart defect and would not be able to cope with our lives.

Of course we could have tried with medication and a lot of hope, but we didn’t want to do that to little Lebowski. At Andrea’s he gets everything he needs and doesn’t have to waste the last of his energy at Jürmann’s on stress that can be avoided.

We wanted it to be a happy adventure for him too and not an unnecessary burden, so we left him in his old home with a heavy human heart. He is most likely to do well here for a long time, even if Silvana and I find this step very difficult.

It’s hard to imagine our little friend suddenly lying lifeless in the car. I wouldn’t know how to pick Silvana up then and I don’t even want to talk about how Jeff might have suffered.

So we parted ways very tearfully yesterday before we could win each other over and a compromise, even if it was a bit lazy, was no longer possible.

The sky even shows solidarity and doesn’t make a face. The day is gray in gray and the sun stays discreetly in the background.

Thank you, dear friend, for not making yesterday’s farewell even harder for us today with so many cheerful rays. Today we will try to distract ourselves with small repairs and miss little Jeffrey, each one of us, very much.

See you tomorrow with better news,

Your Ulf

Der kleine Jeffrey Lebowski

(down below in english) Wie sagt man in der Religion so schön „wie die Jungfrau zum Kind“‚, kamen wir zu Jeff, einer klitzekleinen weißbraunen Miezekatze. Pause für meine Mutter, die jetzt wohl den Kaffee verschüttet hat.

Also, … Gestern sind wir zum Waschen als auch seelischen wie Litiumakkus aufladen, bei einem Campingplatz gelandet, wo wir bereits von Andrea aus Stade so begrüßt wurden, als kennen wir uns schon ewig.

Bei strömendem Regen dachte sie sogar an Klopapier, während ich schon vergessen hatte, welche Notdurft für mich am dringendsten war.

Als es mir dann wieder ein und ordnungsgemäß in den Abfluß fiel, war der Kaffee bereits fertig und Silvana auf ihrem Platz an der Sonne, denn das Wetter wechselt hier schneller als oftmals meine Launen.

Dann begann auch schon Andrea ungefragt und wie der Regen zuvor von süßen kleinen Kätzchen und deren Kastration zu plaudern. Und während mich beinahe solidarisch Phantomschmerzen plagten, begann Silvana das jetzt zeugungsunfähige Würmchen Jeffrey zu kraulen.

Jeder Widerstand meinerseits wäre zwar nicht zweck- aber herzlos gewesen. Denn dieses kleine Wesen schenkt Silvana genau die Zuneigung, zu der ich in der Hektik unseres aufregenden Lebens derzeit oft nicht fähig bin. Deshalb musste ich sie auch beinahe dazu überreden, den kleinen Jeffrey zu adoptieren.

Als ich nämlich gen Abend vom Wäschwaschen zurückkam, saß sie mit Tränen in den Augen auf der Couch und wollte sich selbst davon überzeugen, den kleinen Kater nicht zu lieben, während dieser durch einen kleinen Winkel in der Armbeuge auf ihren Schoß krabbelte.

Mit der Gewissheit im Rücken, dass Jeffrey zeugungsunfähig und geimpft war, könnten folglich 10 Euro für Katzenfutter im Monat kein ausreichendes Argument gegen einen Stubentiger sein und der Egoismus Vorwurf von Silvana ist so absurd, dass wir logischerweise und unumkehrbar beschlossen, von nun an zu Dritt weiter zu reisen.

Und während ich diese Zeilen schreibe, schiebt bereits Donny sein winziges Köpfchen in meine Armbeuge und schläft, aber zwei Haustiere haben in unserem Jürmann nun wirklich keinen Platz; auch wenn es mir jetzt Grad beinah das Herz bricht.

Bis morgen,

Euer Ulf

Und mich mag er auch noch, …

The little Jeffrey Lebowski


As they say in religion, „like a virgin to a child“, we came across Jeff, a tiny little white and brown pussycat. A break for my mother, who must have spilled her coffee.

So… yesterday we ended up at a campsite to wash and recharge our batteries, of soul and litium, where we were greeted by Andrea from Stade as if we had known each other forever.

In the pouring rain, she even thought of toilet paper, while I had already forgotten which emergency need was the most urgent for me.

By the time I’d got it back in and properly down the drain, the coffee was already ready and Silvana was in her place in the sun, because the weather here changes faster than my moods often do.

Then Andrea started chatting about cute little kittens and their neutering, unasked and like the rain before. And while I was suffering from phantom pains almost in solidarity, Silvana began to cuddle Jeffrey, who was now unable to conceive.

Any resistance on my part would have been futile but heartless. Because this little creature gives Silvana exactly the affection that I am often incapable of in the hectic pace of our exciting lives at the moment. That’s why I almost had to persuade her to adopt little Jeffrey.

When I came back from doing the laundry in the evening, she was sitting on the couch with tears in her eyes, trying to convince herself that she didn’t love the little cat, while he crawled onto her lap through a little nook in the crook of her arm.

With the certainty behind us that Jeffrey was unable to conceive and had been vaccinated, 10 euros a month for cat food could not be a sufficient argument against a house cat and Silvana’s accusation of selfishness was so absurd that we logically and irreversibly decided to continue traveling as a threesome from now on.

And as I write these lines, Donny is already pushing his tiny head into the crook of my arm and sleeping, but two pets really have no place in our Jürmann; even if it almost breaks my heart now.

See you tomorrow,

Your Ulf