Der Küchenchef enpfielt


(Down below in english) Jeden Tag werden etwa 10 Millionen Essensbilder gepostet. Egal ob kulinarische Leckerbissen oder verbrannter Toast, die digitale Festplatte ist voll von Bildern, die kein Mensch braucht. Der Vorteil dabei scheint, dass das digitale Gehirn nicht aktiv in dem Sinne leben muss, dass es all diese Menüs und andere mehr oder weniger erinnerungswürdige Momente zur Bestreitung anstehender 24 Stunden braucht.

Beim menschlichen Gehirn ist das anders. Jeden Tag kommen auch hier neue Bilder, Töne und Gefühle zum bisher wahrgenommen hinzu und, ob man es will oder nicht, alles Vergangene gestaltet die Perspektive, mit der man das Zukünftige betrachtet.

Wenn ich also jetzt meinen Kaffee genieße, bestimmt sogar meine ehemalige Englischlehrerin Frau Brumberg, Nomen est Omen, wie er mir schmeckt.

Man kann also fast sagen, dass es einem Wunder gleichkommt, dass ich überhaupt noch genießen kann. Glücklicherweise ist dem ganz und gar nicht so, denn es gibt unendlich viel, was ich wie ein Neugeborenes genießen kann. Aber die Nacht gehörl leider nicht dazu.

Wenn es draussen dunkel wird, scheint sich auch mein Geist zu verdunkeln. Beinahe jede Nacht fühlt es sich so an, als blättere ich sämtliche Erinnerungsalben meines Lebens durch, wobei ich mit Themen wie „schlimmste Erinnerungen aller Zeiten zu beginnen scheine und erst gegen sechs bei Zoé, Silvana oder Kalamatas ankomme.

Es ist nicht so, vielleicht leider, dass ich mich daran erinnere, aber ich wache jede Nacht unzählige Male auf und bin gerädert vom Kopfkino, bis der Wecker um sieben Klingelt und der Autor dieses Blogs aufstehen muss.

Ich habe so viel auf dieser Reise zum guten wenden können, aber wenn es um durschlafen geht fühle ich mich wie ein Fisch der fliegen soll, ich kann es einfach nicht. Die unzähligen verkochten Mahlzeiten aus in der Schule sitzen bleiben oder anderer versalzener Erinnerungen auf der Festplatte meines Superrechners, wollen jede Nacht betrachtet werden, als ob mein RAM dächte, dass ohne diese kein Leben möglich wäre.

Ich weiss, dass das Quatsch ist und da ich alles von Freud gelesen habe, habe ich sogar eine Ahnung davon, was mein persönlicher Yogibär mir damit sagen will, aber den Schritt, diese schwatzen Gedanken wie unweigerlich verstreichende Sekunden und Stunden einfach ziehen zu lassen, gelingt mir einfach noch nicht.

Aber vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich genau dieser Baustelle zu widmen, denn alles andere in meinem Leben hat sein Ziel erreicht. Jetzt gilt es also, einfach nur das Gute zu genießen.Wer hätte gedacht, das eine scheinbar so herrliche und dankbare Aufgabe, die schwerste Hürde in einem Leben sein kann?

Aber ehrlich, es gibt doch keinen einzigen Grund, davor Angst zu haben, denn man muss ja nicht Verbrannte Toasts verdauen lernen sondern ausschließlich, Gambas, Hähnchen, Filetsteaks und Schokopudding.

Vielleicht fehlte bisher einfach der Hunger, aber jetzt ist er da!

Bis morgen,

Euer Ulf

The chef recommends
Around 10 million food pictures are posted every day. Whether culinary delicacies or burnt toast, the digital hard disk is full of pictures that nobody needs. The advantage of this seems to be that the digital brain does not have to live actively in the sense that it needs all these menus and other more or less memorable moments in order to cope with the upcoming 24 hours.

The human brain is different. Every day, new images, sounds and feelings are added to what we have already perceived and, whether we like it or not, everything in the past shapes the perspective with which we view the future.

So when I enjoy my coffee now, even my former English teacher Mrs. Brumberg, nomen est omen, determines how it tastes to me.

So you could almost say it’s a miracle that I can still enjoy it at all. Fortunately, that’s not the case at all, because there are so many things I can enjoy like a newborn. But unfortunately, the night is not one of them.

When it gets dark outside, my mind seems to darken too. Almost every night it feels like I’m leafing through all the memory albums of my life, where I seem to start with topics like „worst memories ever“ and only get to Zoé, Silvana or Kalamatas around six.

It’s not, perhaps sadly, that I remember, but I wake up countless times every night and I’m choked up from the head cinema until the alarm clock rings at seven and the author of this blog has to get up.

I’ve managed to turn so much of this trip around, but when it comes to sleeping through the night I feel like a fish that’s supposed to fly, I just can’t do it. The countless overcooked meals from sitting at school or other salty memories on my supercomputer’s hard drive want to be looked at every night, as if my RAM thinks that life is impossible without them.

I know this is nonsense and having read all of Freud, I even have an idea of what my personal yogi bear is trying to tell me, but I just can’t yet take the step of letting these chattering thoughts pass like inevitable seconds and hours.

But perhaps now is exactly the right time to dedicate myself to this construction site, because everything else in my life has reached its destination. So now it’s time to simply enjoy the good: who would have thought that such a seemingly wonderful and rewarding task could be the hardest hurdle in life?

But honestly, there’s not a single reason to be afraid of it, because you don’t have to learn to digest burnt toast, only prawns, chicken, fillet steaks and chocolate pudding.

Maybe I just wasn’t hungry before, but now I am!

See you tomorrow,

Your Ulf

War was?!

(down below in english) Laut ADAC sind wir gerade einmal 2876 Kilometer von Münster entfernt, oder wie man im Netz sagt one day four hours and 40 Minutes. Ein Katzensprung quasi. Da fragt man sich natürlich auch, wo die rund 2000 Kilometer mehr auf der Uhr des Jürmanns kommen, denn gefühlt standen wir ja hauptsächlich in Igoumenitsa und hier in Kalamata.

Ach ja, da war ja noch die Sache mit Brüssel und, ach ja, der Friedhof mit den freundlichen alten Ladies in Arlon, die Tanke mit dem Motorradfahrer dem ich beinahe die Maschine umgefahren habe in Luxemburg und Billard mit Dylan in Saarburg habe ich noch vergessen.

Und Herrsching, Salzburg, Florenz, das Tichuana von Slowenien, unser erster richtiger Strand in Krk und Dubrovnik. Oh Dubrovnik, da fällt mir ein, dass die abgeschleppten Kilometer gar nicht mitgezählt wurden.

Ups, das wunderschöne Bosnien und Herzegowina mit Anton und Slatan ist mir da wohl durchgerutscht und die unfassbar schöne Flusströmung mit dem Obdachlosen Penthouse, der uns sogar die Pornos da gelassen hat. Zum Glück ging unser kleiner Streit dort nicht ganz so weit, dass ich das Angebot annehmen musste.

Und während ich hier so liege und gedanklich durch unser Zuhause streife, denke ich natürlich an die blaue Beule am Jürmann hinten rechts, die wir uns auf dem Parkplatz in Bosna zugezogen haben. Gut, dass Montenegro auch noch Kotar und den Long Beach zu bieten hatte, sonst würde ich bei dieser Region wohl nur noch an den Golffahrer mit Flachmann auf der Schnellstraße denken, oder an die Panik die ich hatte, als ich Silvana Nachts nicht wieder fand.

Aber alles vergeben und vergessen. Auch der wahrscheinlich überflüssige Werkstattaufenthalt in Albanien bei Antonio, der so nett war und unser Pfeifproblem doch nicht lösen konnte. Aber den Turbo zu checken, war bestimmt eine gute Prophylaxe für später.

Und dann waren wir ja auch schon in Igoumenitsa, wo wir uns endlich den wahren Problemen wie beinahe Absaufen und unsere Heizung Petra kümmern konnten, ach ne, das kam ja erst später, nach Peter, Andrea und Nikita und TJ aus Hannover.

Wann war eigentlich das mit der Miliz? Ach ja, da, kurz vor dem Campingplatz von Andrea, wo wir unseren Jeffrey Lebowski zurück lassen mussten.

Unvergesslich auch das Treffen mit Peter am Meer, das jeden Tag die Farbe wechselte, und seinem Wohnmobil, dass in Italien Jürmannattitüden annahm. Gut, dass ihm nichts passiert ist.

Oder das Münster von Griechenland, Patras, von dem wir immer noch nicht wissen, ob es mit oder ohne „s“ geschrieben wird aber dessen Brückenkosten unvergesslich bleiben.

Und natürlich Jannis, unser Freund aus Inglewood, würde man in Pulp Fiction wohl sagen. Der griechische Ulf mit Dortmunder Wurzeln, dessen Waschsalon unser Ziel war, aber dessen Freundschaft wir gewinnen konnten. Zwar kurz vor Patras, aber wen stört das schon?

Irina fragt sich bestimmt grad, ob ich sie vergessen habe. Nein hab ich nicht und Mareike mit ihrem Mann Chris sowie das schnuckeligen Haus in den Bergen natürlich auch nicht.

Und dann sind auch schon fünf Monate um und ein waschechter Sokratis repariert den Wagen eines Philosophen. Was will man mehr?

Nie wieder zurück!

Bis morgen,

Euer Ulf

Something Missing?!
According to the ADAC, we are just 2876 kilometers away from Münster, or as they say on the net, one day four hours and 40 minutes. A stone’s throw, so to speak. Of course, this also makes you wonder where the extra 2000 kilometers on the Jürmann’s clock came from, because we felt like we were mainly in Igoumenitsa and here in Kalamata.

Oh yes, there was also the thing with Brussels and, oh yes, the cemetery with the friendly old ladies in Arlon, the petrol station with the motorcyclist I nearly knocked over in Luxembourg and billiards with Dylan in Saarburg.

And Herrsching, Salzburg, Florence, the Tichana in Slovenia, our first real beach in Krk and Dubrovnik. Oh Dubrovnik, I just remembered that I didn’t count the kilometers we towed.

Oops, I must have slipped through the beautiful Bosnia and Herzegovina with Anton and Slatan and the incredibly beautiful river current with the homeless penthouse, who even left us the porn. Fortunately, our little argument there didn’t go quite so far that I didn’t have to accept the offer.

And while I’m lying here, mentally wandering around our home, I’m of course thinking about the blue bruise on Jürmann’s back right that we got in the parking lot in Bosna. It’s a good thing that Montenegro also had Kotar and Long Beach to offer, otherwise I would probably only think of the golf driver with a hip flask on the highway, or the panic I had when I couldn’t find Silvana again at night.

But all is forgiven and forgotten. Even the probably superfluous workshop visit in Albania with Antonio, who was so nice and couldn’t solve our whistle problem after all. But checking the turbo was certainly a good preventative measure for later.

And then we were already in Igoumenitsa and could finally deal with the real problems like almost sinking and heating, oh no, that only came later, after Peter, Andrea and Nikita and TJ from Hanover.

When was it with the militia? Oh yes, just before Andrea’s campsite, where we had to leave our Jeffrey Lebowski behind.

The meeting with Peter by the sea, which changed color every day and whose motorhome in Italy took on Jürmannatti characteristics, was also unforgettable. It’s a good thing nothing happened to him.

Or the cathedral of Greece, Patras, which we still don’t know whether it is spelled with or without an „s“ but whose bridge costs remain unforgettable.

And of course Jannis, our friend from Inglewood, as they would say in Pulp Fiction. The Greek Ulf with roots in Dortmund, whose launderette was our destination, but whose friendship we managed to win. Just before Patras, but who cares?

Irina must be wondering if I’ve forgotten her. No, I haven’t and of course neither have Mareike and her husband Chris, nor the cosy house in the mountains.

And then it’s already five months later and a real Sokratis is repairing a philosopher’s car. What more could you want?

Never go back!

See you tomorrow,

Your Ulf

I had a dream

(down below in english) Puuuh, hab ich einen Scheiss geträumt. Wir waren in New York und wie früher lief erst alles gut bis es plötzlich ins Gegenteil umschlug. Ich kämpfte nach Leibeskräften um gesellschaftliche Akzeptanz, die mir einfach nicht zu Teil werden wollte,weil ich die Dinge zu individuell betrachtete und dementsprechend auch anging.

Und wie kurz vor Beginn unserer Reise, bekam ich es mit der Angst zu tun, dass ich den Ausweg nicht fänd. Ich wusste, dass wir zum Flughafen mussten, aber fürchtete mich, dass ich den Weg nicht finden würde. Ich haderte an meinen Sprachkenntnissen und strampelte in meiner Traumwelt wie eine Fliege in Milch ums überleben.

Dann wurde ich wach und war noch ganz benommen von diesem comicartig pituresken Eindrücken in meinem Kopf und verstand gar nicht, was ich wohl damit verarbeitet habe, denn die Reise auf der ich mich mit Silvana befinde, läuft ausgesprochen gut. Wir finden, was wir suchen und haben keinerlei Sozialisationsprobleme. Im Gegenteil, nie hat man uns mit offenen Armen empfangen als auf unserem Ritt auf der Waiküre und nie war ich mir sicherer, auf dem richtigen Weg zu sein.

Vielleicht muss ich einfach mein Gestern mit dem heute versöhnen und begreifen, in was für einem Leben ich mich befand. Ein hilflos Suchender, der alles für einen Hinweis auf den richtigen Weg gegeben hätte, aber nie bekam.

Mein Fehler war wahrscheinlich, dass ich tief in mir drin, meiner Intention nicht traute, obwohl ich dieser Alternativlösung ausgeliefert war und bin. Mein Weg ist nicht der von vielen anderen, ja ich lebe nicht einmal in der gleichen Welt wie die meisten, nicht zwingend wegen der scheinbar objektiv gleichen Welt, die uns allen gegeben ist, sondern allein schon, wie ich sie sehe.

Andere mögen im Chaos einen Flughafen brauchen, weshalb auch ich mich nach diesem auf den Weg machte, aber mein Platz ist nicht in einer Boing von Lufthansa und Co mit Nahmen Landsberg oder Heidelberg, meine Arche Noah ist ein alter Transporter aus Frankreich mit dem Namen Jürmann.

Und diesen Renault Master fliegt kein Kapitän und ich bin kein Passagier, sondern ich sitze im Cockpit und Silvana ist mein Copilot. Und wir verschwinden nicht mit 1000 Kilometer pro Stunde auf Flügeln über den Wolken, sondern wir fahren mit 80 km/h mitten durchs Leben.

Und während andere in einem New York ankommen und dort zwei oder drei Wochen verweilen, quälen wir uns durch Bosnien, Slowenien und Griechenland, um an Orten wie diesen den ganzen Winter zu verweilen.

Wir reisen nicht um vieles zu sehen, sondern uns zu finden. Und unser Ziel ist die Weite und das Meer, statt verstopfte Straßen. Wo es in New York Gucci gibt haben wir Palmen und wo in der Zivilisation das Leben unruhig pulsiert, plätschern hier sanft die Wellen.

Und während alle fürchten, dass der Urlaub bald vorbei ist, warten wir nur auf den richtigen Moment an dem die Sonne und weiter führt, wohin auch immer.

Bis morgen,

Euer Ulf

I had a dream

Phew, I had a dream. We were in New York and, just like before, everything was going well until it suddenly turned into the opposite. I fought as hard as I could for social acceptance, which I simply didn’t want because I looked at things too individually and approached them accordingly.

And just like just before we started our trip, I was afraid that I wouldn’t find a way out. I knew that we had to get to the airport, but I was afraid that I wouldn’t be able to find the way. I struggled with my language skills and struggled to survive in my dream world like a fly in milk.

Then I woke up and was still in a daze from these comic-like pituresque impressions in my head and didn’t even understand what I was dealing with, because the journey I’m on with Silvana is going really well. We find what we are looking for and have no socialization problems whatsoever. On the contrary, people have never welcomed us with more open arms than on our ride on the Waiküre and I’ve never been more sure that I’m on the right track.

Maybe I just need to reconcile my yesterday with today and realize what kind of life I found myself in. A helpless seeker who would have given anything for a clue to the right path, but never got it.

My mistake was probably that deep down I didn’t trust my intention, even though I was and still am at the mercy of this alternative solution. My path is not that of many others, indeed I don’t even live in the same world as most, not necessarily because of the seemingly objectively identical world that we are all given, but simply because of how I see it.

Others may need an airport in the chaos, which is why I also set off for one, but my place is not in a Boeing from Lufthansa and Co called Landsberg or Heidelberg, my Noah’s Ark is an old van from France called Jürmann.

And this Renault Master is not driven by a captain and I am not a passenger, I sit in the cockpit and Silvana is my co-pilot. And we don’t disappear at 1000 kilometers per hour with wings above the clouds, but we drive right through life at 80 kilometers per hour.

And while others arrive in a New York and stay there for two or three weeks, we torture ourselves through Bosnia, Slovenia and Greece to spend the whole winter in places like these.

We don’t travel to see many things, but to find ourselves. And our destination is the vastness and the sea, rather than congested streets. Where there is Gucci in New York, we have palm trees and where life pulsates restlessly in civilization, the waves lapping gently here.

And while everyone fears that the vacation will soon be over, we’re just waiting for the right moment for the sun to take us onwards, wherever that may be.


See you tomorrow,

Your Ulf

Warten auf Sokratis

(down below in english) Die Nacht war bescheiden. Ironischerweise wahrscheinlich deshalb, weil ich gestern zur Entspannung mal wieder gelesen habe „das egoistische Gen“ von Richard Dawkins.

Ein sehr interessantes Buch und in Bezug auf die philosophische Interpretation biologischer Selektion eines der wichtigsten und besten die je geschrieben wurden. Aber eben auch eines über Selektion und nicht Inklusion.

In den beeindruckenden Bildern und Beschreibungen erzählt und erklärt der Autor, warum die Welt ist, wie sie ist, ohne den Egoismus zu bewerten, aber er spricht ihm eine genetische Relevanz zu.

Ich hatte nie Zeit für dieses Werk und habe mich gestern so darauf gefreut, im Sonnenschein den lang gehegten Wunsch endlich wahr werden zu lassen, diesen Wälzer verschlingen zu können.

Aber ich merkte schnell, dass es mich nicht beflügelt, sondern belastet, zu verstehen. Denn ich bin wohl das, was er selbst eine genetische Fehlmutation genannt hätte, denn im klassischen Sinne habe ich wohl nichts vom darwinistischen „survival of the fittest“, denn ich funktioniere nicht wie die anderen. Ich bin sensibel, wo man hart sein soll, selbstlos, wo Egoismus gefragt ist und mit Geld (Ressourcen), kann ich auch nicht umgehen.

Ich teile mir Bedürftigen und nicht nur mit jenen, von dessen Wohlwollen ich profitieren kann. Meine Schulstunden sind oft länger als sie bezahlt werden, weil es mir wichtig ist, das jeder versteht und Silvana und ich helfen mit Busti kets, wo Menschen allein hilflos wären.

Wir werden Oli wahrscheinlich nicht wieder sehen und wenn, dann nicht um Geld einzutreiben, sondern, um einen lieb gewonnenen Menschen wieder zu sehen.

Und ich bin so naiv, dass ich glaube, dass die meisten Menschen so sind. Ich glaube an das Prinzip von Karma, wenn jeder hilft wo er kann, ist jedem geholfen und wenn alle mehr an den nächsten denken, gibt es weniger Leid.

Interessant ist, dass es auf dieser Reise plötzlich zu funktionieren scheint. Hier wird mir und uns von Fremden geholfen, die sich zumindest keinen Nutzen davon versprechen können oder könnten, uns zu unterstützen und dennoch waren und sind Jannis, Jens Peter und Antonius in Albanien für uns da. Immer? Nicht immer, aber immer, wenn sie können und deshalb möchte ich auch, dass der Name Antonius ein gutes Omen war, denn meine Mama steckte mich mit der Hoffnung an den heiligen Antonius, den Schutzheiligen an und auch deshalb will ich auch, dass es kein Zufall ist, dass der Mechaniker der uns gleich abholt, Sokratis heißt.

Gewiss, das muss nicht so sein, aber wie sagte der verstorbene Papst Benedikt zu Henrik MBroder in Bezug auf Gott und Glauben so schön: Tun sie doch einfach so.

Bis morgen,
Euer und Ihr Ulf

Waiting for Sokratis
It was a modest night. Ironically, probably because yesterday I read „The Selfish Gene“ by Richard Dawkins again to relax.

A very interesting book and, in terms of the philosophical interpretation of biological selection, one of the most important and best ever written. But also one about selection and not inclusion.

In the impressive pictures and descriptions, the author tells and explains why the world is the way it is, without judging selfishness, but giving it a genetic relevance.

I never had time for this work and yesterday I was so looking forward to finally fulfilling my long-cherished wish to devour this tome in the sunshine.

But I quickly realized that it doesn’t inspire me, but burdens me to understand. Because I am probably what he himself would have called a genetic mutation, because in the classic sense I probably have nothing of the Darwinian „survival of the fittest“, because I don’t function like the others. I’m sensitive where you have to be tough, selfless where selfishness is required and I can’t handle money (resources) either.

I share with those in need and not just with those whose goodwill I can benefit from. My school hours are often longer than they are paid for because it is important to me that everyone understands and Silvana and I help with Busti kets where people would be helpless on their own.

We probably won’t see Oli again and if we do, it won’t be to collect money, but to see a loved one again.

And I am so naive that I believe that most people are like that. I believe in the principle of karma, if everyone helps where they can, everyone is helped and if everyone thinks more about the next person, there is less suffering.

It is interesting that it suddenly seems to work on this trip. Here I and we are being helped by strangers who at least cannot or could not expect any benefit from supporting us and yet Jannis, Jens Peter and Antonius were and are there for us in Albania. Always? Not always, but always when they can and that’s why I want the name Antonius to be a good omen, because my mom infected me with the hope of St. Antonius, the patron saint, and that’s also why I want it to be no coincidence that the mechanic who is about to pick us up is called Sokratis.

Of course, it doesn’t have to be that way, but as the late Pope Benedict said to Henrik MBroder in relation to God and faith: just pretend.

See you tomorrow,
Yours and yours Ulf

Auf Achse

(down below in english) Wenn ich zu Kindertagen frei hatte, ist mein Vater häufig sehr früh in mein Zimmer gekommen und hat mich mit den Worten geweckt wie “ Ulf,  kommst Du mit auf Submission?“ Das hieß eigentlich nur, dass ich ihn auf langen Autofahrten begleiten sollte, an dessen Ende er in irgendeiner Stadt ein Angebot für eine Brücke oder Kläranlage abzugeben hatte.

Ich  hatte oft gar keine Lust darauf aber habe mich dennoch aufgerafft und bin eingestiegen. Wir fuhren dann gemeinsam einige Stunden nach Dortmund, Köln oder in eine andere Stadt,  wo die Aufgabe allein darin bestand, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Haufen Papier persönlich abzugeben.

Nicht selten hatten wir am Abend vorher Knatsch, aber dennoch konnte er wohl zu solcher Gelegenheit nur mich und ich zu dieser Zeit nur ihn ertragen konnte. Bei diesen Fahrten lernte ich schweigen, denn keiner von uns wollte über das Vergangene sprechen und war froh, dass es dem anderen ähnlich ging.

Wir genossen dann beide, später auch mit Zigarette das Vorbeiziehen der Landschaft und die Abwesenheit Dritter. Er war froh, dass er seinem Umfeld entfliehen konnte und ich, dass ich weder Mama noch meiner Schwester über den Weg laufen musste.

Nach einiger Zeit tätschelte er dann, weil er wie ich den Zwist zwischen uns nicht ertragen konnte, mein Knie oder meine Hand mit seiner kleinen aber zärtlichen Hand, die nur über die Erfahrung des Lebens verlernt hatte, weich zu sein und meinte „Sollen wir gleich noch ein Eis essen gehen?“ Dann nickte ich, machte mir eine Kippe an und schwieg weiter.

Als wir dann wieder zu Hause waren, setzte er mich ab und meinte meist als letztes. „Sei nicht immer so bockig, nahm mich brachial in den Arm und verabschiedete sich ins Büro.

Diese Touren haben wir unzählige Male gemacht, solange, bis ich weit in den 20ern und sogar noch älter. Dann zwar für andere Aufgaben, aber die Intention und das Gefühl waren bis zum Schluss immer gleich: Wir haben so Frieden miteinander geschlossen, egal was zuvor passiert war. Nur manchmal, sehr selten, haben wir beide viel miteinander geredet und er zeigte mir unterwegs, welche Brücken und Kläranlagen sie bereits gebaut hatten.

Ich weiss nicht, wann ich wohin das letzte Mal mit ihm gefahren bin, aber diese Touren sind wohl die einprägsamsten Erinnerung an meinen Vater und wenn ich an Übermorgen denke, wenn ich mit Silvana weiter fahre, komme ich nicht umhin, mich daran zu erinnern und freue mich.

Denn dann geht es einfach wieder los und alles was ist und war, verschwindet in Vorbeiziehender Landschaft und am Ende wird es auch wohl Freitag ein Eis geben.

Bis morgen,

Euer Ulf

On the road
When I was free as a child, my father would often come into my room very early and wake me up with the words „Ulf, are you coming on a submission?“. This actually only meant that I was supposed to accompany him on long car journeys, at the end of which he had to submit a bid for a bridge or sewage treatment plant in some town or other.

I often didn’t feel like it, but I pulled myself together and got in the car anyway. We would then drive together for a few hours to Dortmund, Cologne or another city, where the only task was to deliver a pile of paper in person at a certain time.

It wasn’t unusual for us to have a row the evening before, but he could probably only stand me on such occasions and I could only stand him at the time. I learned to keep quiet on these trips because neither of us wanted to talk about the past and was glad that the other felt the same way.

We both enjoyed the passing scenery and the absence of others, later also with a cigarette. He was glad that he could escape his surroundings and I was glad that I didn’t have to run into my mom or my sister.

After a while, he patted my knee or my hand with his small but tender hand, which had only forgotten how to be soft through life’s experiences, because, like me, he couldn’t bear the strife between us, and said, „Shall we go for another ice cream?“ Then I nodded, lit a cigarette and kept quiet.

When we got back home, he dropped me off and usually said last. „Don’t always be so stubborn, gave me a big hug and said goodbye to the office.

We did these trips countless times until I was well into my 20s and even older. Then for other tasks, but the intention and the feeling were always the same until the end: we made peace with each other, no matter what had happened before. Only sometimes, very rarely, did the two of us talk a lot and he would show me the bridges and sewage treatment plants they had already built along the way.

I don’t know when I last went where with him, but these trips are probably the most memorable memories of my father and when I think about the day after tomorrow, when I’m driving on with Silvana, I can’t help but remember them and look forward to them.

Because then it just starts again and everything that is and was disappears into the passing landscape and in the end there will probably be an ice cream on Friday.

See you tomorrow,

Your Ulf

Wir bitten um Ihr Verständnis

(down below in english) Heute habe ich ausgeschlafen und es fühlte sich herrlich an, denn Schlaf kam in letzter Zeit wirklich zu kurz. Der ganze Tripp ist nämlich, auch das musste ich lernen, viel anstrengender als ich dachte und kostet manchmal die letzte Kraft.

Dennoch sind wir froh, dass wir unterwegs sind, denn nie war das Leben reicher und vielfältiger als im vergangenen knappen halben Jahr.

Aber dann kommen auch die Momente, wo morgens als erstes die Nachricht auftaucht: Wo ist dein Blog? Nicht dass es mich nicht ungemein freut, dass meine Zeilen und Gedanken vermisst werden, ja, ich will sogar sagen, dafür schreibe ich, aber in dieser Frage spiegelt sich die gesamte Problematik unserer Reise. Wir müssen funktionieren, jeden Tag, denn man verlässt sich auf uns, aber: Auf wen können wir uns verlassen?

Manchmal scheint es, als dürfe man von uns, nur weil wir uns im Traum vieler befinden, alles erwarten. „Schließlich haben die ja die ganze Zeit Urlaub.“

Aber wir sind nicht im Urlaub, wir leben nur woanders. Ja, wir haben uns entschieden, in die Sonne zu wandern, oder ihr hinterher, aber wir haben nicht 24 Stunden frei wie jene, die hier zwei Wochen all inklusive buchen.

Wir leben, arbeiten, lieben und streiten im Jürmann. Das ist schon ohne Job nicht selten harte Arbeit. Aber zur Belastung wird es erst, wenn einen das Gefühl umschleicht, dass man ausschließlich in der Bringschuld ist. Wir haben zu liefern, täglich, aber wehe, wir erwarten. Und ich rede nicht von Wundern, sondern von vereinbartem Deal.

Selbst auf 4 Quadratmeteren kostet das Leben Geld, nur dürfen und können wir damit oft nicht rechnen. Denn“du weißt ja, ich bekomme erst am 25.“ Oder: „Wir zahlen meist um den 10.“ Von Blogspenden rede ich da gar nicht und auch nicht davon, dass man nicht mehr bereit ist zu lesen, wenn ich Werbung posten würde. Dann heißt es „der denkt ja nur an Geld und ist ja gar kein Idealist“. Ich habe es genauso erlebt.

Mein Stundenlohn liegt im Durchschnitt bei 8 Euro brutto, egal ob Weihnachten, Wochenende oder Nacht. Ich kann damit leben, da wir keine Miete zu zahlen haben und weil ich bzw. Wir uns das ausgesucht haben, aber weniger geht auch nicht, denn, ob man es wahrhaben will oder nicht: Liebe allein reicht nicht.

Soll das jetzt heißen: Das war’s? Nein. Ganz im Gegenteil: Das heißt für uns: Jetzt erst Recht.

Nur wollte ich einmal formulieren, wo allgemeine Probleme liegen. Das kleinste Rad wird von den Großen in die Pflicht und beim Wort genommen, man ist ja schließlich Verträge eingegangen, denen man verpflichtet ist, aber wehe wir würden nach 4 Monaten gern 150 Euro vom ADAC wiederbekommen. Dann heißt es wie so oft nur : „Aufgrund einer Vielzahl von Anfragen, kann es zu Verzögerungen kommen. Wir bitten um ihr Verständnis.“ Das schreibe ich Visa morgen auch mal.

Bis morgen und bitte nicht böse sein. Ich will keinen brüskieren, sondern fühle mich nur der Aufgabe meines Blogs verpflichtet: Daily Shit in guten wie in schlechten Zeiten.

Euer Ulf

We ask for your understanding
I slept in today and it felt wonderful, because sleep has really been in short supply lately. The whole trip is much more exhausting than I thought and sometimes takes the last of my strength.

Nevertheless, we are glad that we are on the road, because life has never been richer and more varied than in the past six months.

But then there are also those moments when the first thing that pops up in the morning is the news: Where’s your blog? Not that I’m not immensely pleased that my lines and thoughts have been missed, I’d even like to say that’s why I write, but this question reflects the whole problem of our journey. We have to function, every day, because we rely on and, but who can we rely on?

Sometimes it seems as if we are expected to do everything just because we are in the dream of many. „After all, they’re on vacation all the time.“

But we’re not on vacation, we just live somewhere else. Yes, we have decided to wander off into the sun, or after it, but we don’t have 24 hours free like those who book two weeks all-inclusive here.

We live, work, love and argue at Jürmann. Without a job, it’s often hard work. But it only becomes a burden when you get the feeling that you are solely responsible for delivering. We have to deliver, every day, but woe betide us if we expect anything. And I’m not talking about miracles, but about an agreed deal.

Even on 4 square meters, life costs money, but we often can’t and can’t count on it. Because „you know, I don’t get paid until the 25th“. Or: „We usually pay around the 10th“. I’m not even talking about blog donations or the fact that people are no longer willing to read if I post advertising. Then they say „he’s only thinking about money and isn’t an idealist at all“. I’ve had the same experience.

My average hourly wage is 8 euros gross, regardless of whether it’s Christmas, weekend or night. I can live with it because we don’t have to pay rent and because I or we have chosen it, but less is not possible because, whether you want to admit it or not, love alone is not enough.

Does that mean that’s it? No. Quite the opposite: for us it means: now more than ever.

I just wanted to formulate where the general problems lie. The smallest bike is taken to task and taken at its word by the big ones – after all, we have entered into contracts to which we are bound, but woe betide us if we want to get 150 euros back from the ADAC after 4 months. Then, as is so often the case, we are told that there may be delays due to a large number of requests. We ask for your understanding. I’ll write the same thing to Visa tomorrow.

See you tomorrow and please don’t be angry. I don’t want to offend anyone, I just feel committed to the mission of my blog: Daily Shit in good times and bad.

Your Ulf

Die Krone der Schöpfung

(down below in english) Vogelküken piepsen, wenn man in Nikolaos die ersten Schritte vor die Tür macht. Und irgendwie fühlt man sich selbst wie eines, das von der Sonne mit den ersten warmen Strahlen des Tages daran erinnert wird, das man Hunger hat.

Zugegeben, ich vavorisiere Mûsli mit Milch und dazu einen heißen Kaffee statt Würmern, aber mit der Schale in der Hand ist es ein echter Traum, dem neuen noch jungen Leben beim Rufen der Eltern beizuwohnen. Denn die lieblichen Töne werden hier von nichts gestört.

Kein Auto, keine menschliche Stimme und kein anderes Geräusch außer Vater und Mutter Piepmatz, die ihre Brut versorgen. Und sie haben viel zu tun, denn schon bald müssen die Kinder dahin fliegen, wo wir mit dem Jürmann gestartet sind. Über 4000 Kilometer Richtung Westen, um dort den Sommer zu verbringen, weil es hier zu heiß wird.

Ihre Aufgabe im Leben ist nicht eine Hausarbeit über Ethik zu schreiben, Brötchen zu verkaufen oder sich mit Ämtern und Stromanbietern herumärgern. Sie müssen nicht rechnen, schreiben und lesen lernen, um mit ihren kleinen Flügeln das Mittelmeer zu überqueren.

Amsel, Drossel, Fink und Star sagen sich nicht „oh fuck, ich hab gar keinen Bock drauf, bald nach Deutschland, Holland oder Polen zu fliegen“ und es fiept ihnen auch keiner was vom Ernst des Lebens mit Worten wie „Jetzt stell Dich nicht so an“ vor. Sie piepen einfach so lange, bis sie stark genug sind, die lange Reise anzutreten. Und wenn der Tag gekommen ist, legen sie einfach los. Ohne Versicherungen zu checken, Proviant einzupacken und den Wetterbericht zu prüfen, breiten sie die Schwingen aus, legen sich auf den Wind und fliegen.

Ihr kleines Gehirn folgt nur einem inneren Kompass, der sie dahin führt, wo sie hin müssen, um selbstständig Würmer zu speisen und Äste für ihren Nachwuchs zu besorgen.

Sie pfeifen im wahrsten Sinne des Wortes auf politische Weltlage und Zukunftssorgen. Sie überflattern Grenzen, Berge und Täler ganz ohne Angst, auch wenn jeder Zentimeter der letzte sein könnte, denn sie wissen es nicht.

All unser Wissen brauchen sie nicht, um zu überleben. Wenn sie ein Ziel erreichen, ist es gut und wenn nicht sind sie eben nicht mehr.

Das einzige was ihnen etwas bedeutet ist zu sein. Epicurs philosophische Weisheit vom Leben, das nichts mit dem Tod zu tun hat und umgekehrt, wurde nicht über Jahre studiert, sondern ist einfach Tatsache, die man nicht kultivieren oder gar lernen muss. Sie ist alternativlose Wahrheit, nicht ontologische, sondern pragmatische.

Fragt sich, wer hier die Krone der Schöpfung ist.

Bis morgen,

Euer Ulf
The crown of creation
Bird chicks chirp when you take your first steps outside the door in Nikolaos. And somehow you feel like one yourself, reminded by the sun with the first warm rays of the day that you’re hungry.

Admittedly, I prefer mûsli with milk and a hot coffee instead of worms, but with a bowl in my hand, it’s a real dream to witness the new, still young life calling its parents. Because nothing disturbs the sweet sounds here.

No cars, no human voices and no other noises apart from the father and mother peeps caring for their brood. And they have a lot to do, because soon the children have to fly to where we started with the Jürmann. Over 4000 kilometers to the west to spend the summer there because it gets too hot here.

Their task in life is not to write a term paper on ethics, sell bread rolls or deal with the authorities and electricity providers. They don’t have to learn to count, write and read in order to cross the Mediterranean on their little wings.

Blackbirds, thrushes, finches and starlings don’t say to themselves „oh fuck, I don’t feel like flying to Germany, Holland or Poland any time soon“ and no-one whispers to them about the seriousness of life with words like „don’t be like that“. They just beep until they are strong enough to make the long journey. And when the day arrives, they simply set off. Without checking insurance, packing provisions or checking the weather forecast, they spread their wings, lie down on the wind and fly.

Their little brains just follow an internal compass that guides them to where they need to go to feed worms and get branches for their offspring.

They literally don’t give a damn about the political world situation and worries about the future. They cross borders, mountains and valleys without fear, even if every centimeter could be their last, because they don’t know it.

They don’t need all our knowledge to survive. If they reach a goal, it is good and if not, they are no more.

The only thing that matters to them is to be. Epicurus‘ philosophical wisdom about life having nothing to do with death and vice versa has not been studied for years, but is simply a fact that does not need to be cultivated or even learned. It is truth without alternative, not ontological, but pragmatic.

The question is, who is the crown of creation here?

See you tomorrow,

Your Ulf

Knusper, knusper Kneuschen…

(down below in english) Es war einmal, vor vielen, vielen Jahren, da wurden ein Junge und ein Mädchen geboren, die aus der Zeit gefallen schienen.

Sie war schüchtern und liebte es, allein mit ihren Puppen zwischen Heizung und Couch fantasievolle Geschichten von Prinzessinnen und Prinzen aus Märchen und Sagen zu inszenieren, während er, trotz goldenen Löffels, sich auch lieber allein als mit anderen Kindern zu beschäftigen.

Er stöberte in den unzähligen Räumen seines Elternhauses nach verborgenen Schätzen und liebte die Herausforderung, verschlossene Türen zu öffnen. Die Neugierde war einfach zu groß für den kleinen Mann.

Jede Kiste und Lade gestaltete sich als eine Schatztruhe aus Bildern der Vergangenheit und unzähligen spannenden Dingen, die er nicht kannte. Die Welt war voller Geheimnissen, die er lüften wollte.

Und weil beide das Alte und Vergangene so liebten, trafen sie sich auch viele Jahre später nicht im Internet, sondern über eine Zeitungsanzeige, die er von seinen letzten Talern in der Stadtzeitung aufgab.

Ungewöhnlich neu und geheimnisvoll, wie die Laden und Kisten, war das Mädchen, das mittlerweile zur Frau geworden war für den auch gereiften Jungen und er präsentierte sich als strahlender Prinz, dessen Schein gülden, aber Wahrheit pechschwarz war.

Sie beschnupperten sich wie interessierte Hunde, lauschten den Geschichten des anderen und gewannen sich darüber so lieb, das nichts sie mehr trennen konnte; auch wenn das nicht von Jetzt auf Gleich passierte.

Eines Tages dann beschlossen die gemeinsam einsamen Herzen, dass es für sie zwar keine eigene Welt geben könne, aber sie zusammen alles anders erleben könnten, wenn sie nicht weiter in Wohnungen wie viele andere, sondern in einem Van leben würden.

Und so verkauften sie ihr Hab und Gut und bauten sich ein kleines rollendes Heim und fuhren, wie Hans im Glück der Aschenputtel getroffen hat, in die Welt hinaus, wo sie gemeinsam erlebten, wie faszinierend das sein kann, was für viele nur Alltag war.

Straßen aus 10001 Nacht und Sonnenaufgänge wie im Bilderbuch. Wildfremde Menschen die Ihnen mal ungewöhnlich schroff aber auch sehr oft unfassbar wohlgesonnen begegneten.

Einer der Letzteren war eine Frau, dessen Tochter weit ab von Spielkonsole und Einkaufszentrum in den Bergen Griechenlands ein kleines Häuschen besass, dem noch Vorhänge fehlten. Und weil unsere Heldin nähen konnte und ihr Mann nur zu schreiben brauchte, um Leben zu können, besuchten sie mit ihrem fahrenden Wohnzimmer das kleine Heim am Ende der Welt und sollten dort, zwischen Oliven und Abhängen nach langer Zeit wieder ein Bett wie aus Zuckerwatte vorfinden, in dem sie wie in Abrahams Schoss schlafen sollten, auch wenn es bitter kalt war.

Aber beide nahmen sich in den Arm und dachten: Wenn Du bei mir bist, kann es draussen noch so kalt sein. In meinem Herzen wird steht’s ein kleines Feuer wie hier im Ofen lodern, das mich wärmt und behütet, wie es keine Heizung je könnte.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann schreibt der Junge auch morgen,

Euer Ulf

Crunchy, crunchy Kneuschen…
Once upon a time, many, many years ago, a boy and a girl were born who seemed to have fallen out of time.

She was shy and loved to stage imaginative stories of princesses and princes from fairy tales and legends alone with her dolls between the radiator and the couch, while he, despite his golden spoon, preferred to spend time alone rather than with other children.

He rummaged through the countless rooms of his parents‘ house for hidden treasures and loved the challenge of opening locked doors. The curiosity was simply too much for the little man.

Every box and drawer turned out to be a treasure chest of images from the past and countless exciting things he didn’t know. The world was full of secrets that he wanted to uncover.

And because they both loved the old and the past so much, they met many years later, not on the Internet, but via a newspaper ad that he placed in the city paper from his last few dollars.

The girl, who had since become a woman, was unusually new and mysterious, like the stores and boxes, for the boy, who had also matured, and he presented himself as a radiant prince, whose appearance was golden but whose truth was pitch black.

They sniffed at each other like interested dogs, listened to each other’s stories and became so fond of each other that nothing could separate them, even if that didn’t happen from one moment to the next.

Then one day, the two lonely hearts decided that although they couldn’t have a world of their own, they could experience everything differently together if they stopped living in apartments like so many others and lived in a van.

And so they sold their belongings and built themselves a small home on wheels and, like Hans in Luck who met Cinderella, drove out into the world, where they experienced together how fascinating what for many was just everyday life can be.

Streets from 10001 nights and sunrises like in a picture book. Strangers who were sometimes unusually brusque but often also incredibly well-disposed.

One of the latter was a woman whose daughter owned a small house in the mountains of Greece, far away from game consoles and shopping centers, which still lacked curtains. And because our heroine could sew and her husband only needed to write to be able to live, they visited the little home at the end of the world with their traveling living room and were to find a bed like cotton candy there again after a long time, between olives and slopes, in which they were to sleep as if in Abraham’s lap. Even if it was bitterly cold.

But they both hugged each other and thought: If you are with me, it may be cold outside. There will be a little fire in my heart, just like here in the oven, which will warm and protect me like no heating system ever could.

And if you haven’t died, then the boy will write tomorrow too,

Your Ulf

Wo ist die Stressbacke?

(down below in english) Obwohl ich nicht selten die Augen kaum aufbekomme, wenn morgens um sieben die Panflöte zum Appell ruft, bin ich fast immer entspannt. Nicht, dass ich es mag, aufstehen zu müssen, im Gegenteil, aber ich bin nicht mehr wütend wie früher zu Hause.

Ich liege dann neben Silvana, spüre die Kälte und höre die Wellen. Oft kann man sich im Jürmann kaum drehen, da wir keine Lust mehr hatten, aufzuräumen, aber dennoch motzt keiner von uns. Meist setzt einer das Kaffeewasser auf, macht die Heizung an und beginnt den Tag, während der andere dabei zusieht.

Wir erzählen uns dann von unseren Träumen oder schweigen in den Tag, während die Sonne ihr Bestes gibt, um den ihn beginnen zu lassen.
Was anfangs sehr viel Überwindung kostete, ist heute ritualisiert. Zu Beginn riss ich mich zusammen, wenn ich nicht gut geschlafen habe, meinen Unmut nicht umgehend in die kleine Jürmannwelt zu posaunen, heute erinnere ich mich in solchen Momenten nur daran, dass ich Silvana und mir damit nur den Tag versaue.

Ich schwieg also nur, weil ich mir erhoffte, dass das gut sei, während ich es mittlerweile weiss. Je weniger Unmut ich formuliere, desto besser geht es mir. Und wenn in mir der deutsche Angermann unbedingt schreien will, zieh ich mich an und geh ans Meer. Hier kann ich die Augen wieder Angstfrei schließen, denn es ist zu kalt zum einschlafen.

Hier höre ich nur die Wellen und nehme mir die Zeit zum Erwachen, auch wenn ich keine Kippen mehr habe. Hier glaube ich plötzlich an meine Selbstheilungskräfte und besonders an Autosuggestion. Es spielt sich doch alles nur in meinem Kopf ab und bei dem kann ich doch das Programm bestimmen. Ich könnte mich in ungute Gedanken begeben und darin Suhlen, aber warum, wenn man doch auch einfach nur träumen kann?


Beispielsweise vom Ferienhaus in den Bergen, wohin wir morgen fahren und wo Mareike schon Ofenholz für uns platziert hat, oder von den vielen schönen Sonnenaufgängen in Kalamata, die Morgen schon Geschichte sind.

Ich hoffe, dass dieses Wissen nie mehr verschwindet und ich die Kraft behalte, die kleine Stressbacke von früher auch zukünftig, tief in mir drin, nur mit Klugheit und nicht mit Anstrengung im Zaum halten . Oder sollte ich sagen, einfach nicht mehr suche?

Bis morgen,

Euer Ulf

Where is the stress cheek?

Although I often struggle to open my eyes when the panpipes call me to roll call at seven in the morning, I’m almost always relaxed. Not that I like having to get up, on the contrary, but I’m no longer angry like I used to be at home.

I lie next to Silvana, feel the cold and hear the waves. Often you can hardly turn around in the Jürmann because we didn’t feel like tidying up, but none of us grumble. Usually one of us puts the coffee on, turns on the heating and starts the day while the other watches.

We then tell each other about our dreams or just sit in silence while the sun does its best to start the day.
What initially took a lot of effort is now ritualized. In the beginning, if I didn’t sleep well, I pulled myself together and didn’t immediately trumpet my displeasure to the little Jürmann world, but now I just remind myself at such moments that I’m only ruining the day for Silvana and myself.

So I only kept quiet because I hoped it would be good, whereas I now know it is. The less resentment I express, the better I feel. And when the German Angermann in me really wants to scream, I get dressed and go to the sea. Here I can close my eyes again without fear, because it’s too cold to fall asleep.

Here I can only hear the waves and take the time to wake up, even if I have no more cigarettes. Here I suddenly believe in my self-healing powers and especially in autosuggestion. It’s all in my head and I can determine the program. I could get into bad thoughts and sit in them, but why, when you can just dream?
For example, of the vacation home in the mountains where we’re going tomorrow and where Mareike has already placed firewood for us, or of the many beautiful sunrises in Kalamata that will be history tomorrow.

I hope that this knowledge never disappears and that I retain the strength to keep the little stress cheek from before in check in the future, deep inside me, only with wisdom and not with effort.or should I say, just not looking anymore?

See you tomorrow,

Your Ulf

Traumland Griechenland


(Down below in english) Hat sich einer schon mal richtig Gedanken über die Kraft der Gedanken gemacht? Also ich meine über die Imagination. Hier in Griechenland merke ich jedenfalls, wie viel Fantasie in so manchem geistigen Bild bei mir steckt, die mit der Realität nichts zu tun haben muss.

Ich sehe nämlich grad vor mir, natürlich, Strand. Christall klares Wasser inmitten von niedriger Berglandschaft, über der das dunkle Blau der Nacht von einem Orangerot abgelöst wird, dass sich in einem Wolkenweiss verflüchtigt.

Die Wellen sind ganz seicht und die ersten Vögel zwitschern und piepen, wie im Garten Eden. Eigentlich kann die behagliche Sinnigkeit nichts trüben, wenn ich nicht beim Schluck Kaffee den Arm in einem dicken Strickpullover mit darüberliegender Strickjacke samt Winterjacke bewegen müsste, denn es ist Arschkalt.

Es ist nicht ein bisschen frisch von nächtlicher Brise, sondern so frostig, dass ich die Finger beim Tippen dieser Zeilen regelmäßig in die Jackentaschen stecken muss, damit ich sie weiter bewegen kann; ach was sag ich: ich flüchte in den beheizten Jürmann, um nicht zu erfrieren.

So, das ist besser. Silvana mag zwar nicht von meinen beinahe erfrohrenen Händen gestreichelt werden, aber das Wasser kocht und die Standheizung wabert, ja, sie macht es wirklich, yeah.

In solchen Momenten fragt man sich schon manchmal, warum man losgefahren ist, aber denkt dann doch an meine hier verfasste zweite Strophe und denkt, aber wir sind am Strand, schließt die Augen und vertraut auf die Fantasie, die einen im Nuh wieder träumen lässt; nur Einschlafen ist verboten, denn wir wollen ja trotz Winters lieber hier als in Germany sein.

Bis morgen,

Euer Ulf

Dreamland Greece

Has anyone ever really thought about the power of thought? I mean about the imagination. Here in Greece, I realize how much fantasy there is in many a mental image that has nothing to do with reality.

I can just see a beach in front of me, of course. Crystal clear water in the middle of a low mountain landscape, above which the dark blue of the night is replaced by an orange-red that fades into a white cloud.

The waves are very shallow and the first birds chirp and peep, just like in the Garden of Eden. Actually, nothing could spoil the cozy sensuality if I didn’t have to move my arm in a thick knitted sweater with a cardigan and winter jacket over it as I sip my coffee, because it’s freezing cold.

It’s not a bit chilly from the night breeze, but so frosty that I regularly have to put my fingers in my jacket pockets while typing these lines so that I can keep them moving; oh what am I saying: I take refuge in the heated Jürmann so as not to freeze to death.

There, that’s better. Silvana doesn’t like to be stroked by my almost frozen hands, but the water is boiling and the parking heater is wafting, yes, she’s really doing it, yeah.

In moments like these, you sometimes wonder why you drove off, but then you think of the second verse I wrote here and think, but we’re on the beach, close your eyes and trust your imagination, which lets you dream again in Nuh; only falling asleep is forbidden, because we’d rather be here than in Germany despite the winter.

See you tomorrow,

Your Ulf