Wie eine musikalische Fuge

(down below in english) Viele denken, dass unsere Tour eine echte Herausforderung ist, aber für mich ist in der düsteren Frühe aufstehen die wahre Challenge.

Wenn der Jürmann sich über Nacht auf Außentemperaturen von zwei bis drei Grad abgekühlt hat und es mit offenen Augen so dunkel ist, als hätte man sie noch geschlossen, klingt die Harfe und ruft sanft aber bestimmt zum Dienst.

Ich quäle mich dann aus warmer Decke gepellt erst zur Heizung und dann zum Gaskocher, um Wasser für Kaffee aufzusetzen.

Bevor ich mich setzte ziehe ich mir dann sofort meine Sachen an damit mich ja nicht die Gemütlichkeit im Nacken zurück ins Bett zieht. In diesem Momenten vermisse ich eine Wohnung, wo ich jetzt unter eine heiße Dusche gehen könnte, aber freue mich gleichzeitig, dass ich nicht nass werden muss, denn in den Tiefen meiner Seele bin ich Wasserscheu. Angucken und drüber schreiben ja, berühren muss aber nicht sein.

Nach solchen Momenten ist dann meist das Wasser heiß und ich brühe meinen halben Liter „Hallo wach“auf und Stelle mich mit Zigarette der Welt.

Tür auf, kalte Seeluft ins Gesicht und schnell ans Wasser, natürlich nur zum angucken, und dann tiiiief einatmen, einen großen Schluck aus der Campingtasse und plätscher, plätscher für die Seele. Dies versteht sich natürlich wie eine musikalische Fuge, also gleichzeitig vorwärts und rückwärts.plätscher, Gluck, hmmmmm…. . Und wieder ausatmen.

Man könnte sagen, ich sitze wie ein Passagier an einer Haltestelle der auf den Bus wartet, nur dass es bei mir die Sonne ist, die wenig später hinter einem Gipfel erscheint.

Und sobald wir uns sehen, ist, im Gegensatz zum Fahrgast im Bus, meine Welt wieder in Ordnung. Ich lächle zufrieden, drück die Kippe aus, hol mir noch einen Kaffee und freu mich auf ein Küsschen von Silvana.

Bis morgen,

Euer Ulf
Der sich jetzt wieder seiner Fuge widmet. Plätscher, plätscher, gluck, Gluck hmmmmm…

Like a musical fugue
Many people think that our tour is a real challenge, but for me, getting up in the dark early morning is the real challenge.

When the Jürmann has cooled down overnight to outside temperatures of two to three degrees and it is as dark with your eyes open as if you still had them closed, the harp sounds and gently but firmly calls me to duty.

I then drag myself out of the warm blanket to the heater and then to the gas stove to put on some water for coffee.

Before I sit down, I immediately put on my clothes so that the comfort in my neck doesn’t pull me back into bed. At this moment, I miss having an apartment where I could take a hot shower, but at the same time I’m glad that I don’t have to get wet, because in the depths of my soul I’m afraid of water. I can look at it and write about it, but I don’t have to touch it.

After such moments, the water is usually hot and I brew my half liter of „Hello awake“ and face the world with a cigarette.

Door open, cold sea air in my face and quickly to the water, just to look at it of course, and then take a deep breath, a big sip from the camping cup and splash, splash for the soul. This is of course like a musical fugue, i.e. forwards and backwards at the same time.splash, glug, hmmmmm…. . And exhale again.

You could say I’m sitting like a passenger at a bus stop waiting for the bus, only in my case it’s the sun that appears behind a peak a little later.

And as soon as we see each other, unlike the passenger on the bus, my world is in order again. I smile contentedly, put the cigarette out, get another coffee and look forward to a kiss from Silvana.

See you tomorrow,

Your Ulf
Who is now back to his fugue. Splash, splash, gurgle, gurgle hmmmmm…

Guten Morgen Fernweh

(down below in english) Auch hier in Griechenland ist es morgens um sieben noch dunkel und es fällt mir schwer, mit den Augen dem Wecker zu gehorchen.

Aber heute war es anders als sonst. Denn kaum war der müde Körper in der Vertikalen, spürte ich ein Kribbeln am ganzen Leib. Ich war nicht nervös wegen des Unterrichts gleich, sondern fühlte und fühle mich aus anderen Gründen wie ein Jockey auf seinem Pferd im Stall.

Ich will wieder los. Dem Jürmann die Sporen geben und weiter auf unseren einhundert Pferdestärken Richtung Sonnenaufgang reiten.

Leider ist aber das Geld noch nicht da, weshalb ich noch einige Tage mit den Hufen scharren muss, bis sich plötzlich die Tore öffnen und Silvana und ich wieder im Galopp und mit offenem Blick der Sehnsucht folgen können.

Neues erleben. Grenzen ausreizen und über uns hinauswachsen, so wie am 1. September, als wir um diese Zeit in unsere Hochzeitsjacken schlüpften, um nach „Ja“-Wort und Suppe, das Cockpit des Renault Masters zu besetzen um dem Fernweh nachzugeben.

Jetzt ist es wieder soweit, die Comfort-Zone zu verlassen. Die Abläufe sind routiniert, die Einnahmequellen gesucht und das Schürfen der Goldnuggets kein Experiment mit ungewissem Ausgang, sondern eingeübtes Handwerk, das nicht mehr die volle Aufmerksamkeit des Tages fordert.

Wie Windhunde strecken wir die Nasen in den Wind und riechen den falschen Hasen. Wir ahnen, dass es nicht unbedingt besser werden muss, aber spannender, lebendiger werden darf.

Irina wartet mit ihrer Tochter auf Silvanas Vorhänge und Athen, Tessaloniki und Istanbul erwarten uns.

Ja, ähnlich wie im September umschleicht und auch ein wenig die Furcht vor dem Ungewissen, aber die Sehnsucht ist größer.

Ich weiss nicht, wie ich es aushalten soll zu warten, bis es endlich wieder los geht, aber bin mir sicher, dass ich diesmal ein angenehmer Passagier im Wartesaal des Lebens bin, denn jetzt hab ich ja meinen inneren Frieden gefunden, oder zumindest eine Ahnung davon bekommen, dass auch ich diese Kraftquelle in mir trage.

Aber vorher ein bisschen Grammatik, denn das Gold zum Reisen muss immer noch selbst geborgen werden.

Bis morgen,

Euer Ulf

Good morning wanderlust
Even here in Greece, it’s still dark at seven in the morning and I find it hard to keep my eyes open to the alarm clock.

But today was different than usual. As soon as my tired body was in a vertical position, I felt a tingling sensation all over my body. I wasn’t nervous about the lesson, but felt and still feel like a jockey on his horse in the stable for other reasons.

I want to get going again. Give Jürmann the spurs and ride on towards the sunrise on our one hundred horsepower.

Unfortunately, the money isn’t there yet, which is why I have to drag my feet for a few more days until the gates suddenly open and Silvana and I can gallop off again and follow our longing with open eyes.

Experience new things. Pushing our limits and surpassing ourselves, just like on September 1st, when we slipped into our wedding jackets at this time of year and, after saying „I do“ and having soup, occupied the cockpit of the Renault Master to give in to our wanderlust.

Now it’s time to leave the comfort zone again. The procedures are routine, the sources of income are sought and the digging for gold nuggets is no longer an experiment with an uncertain outcome, but a practiced craft that no longer demands the full attention of the day.

Like greyhounds, we stick our noses into the wind and smell the wrong hare. We sense that it doesn’t necessarily have to get better, but it must become more exciting, more lively.

Irina is waiting with her daughter for Silvana’s curtains and Athens, Tessaloniki and Istanbul await us.

Yes, just like in September, a little fear of the unknown creeps around us, but the longing is greater.

I don’t know how I’m going to cope with waiting until we finally set off again, but I’m sure that this time I’ll be a pleasant passenger in the waiting room of life, because now I’ve found my inner peace, or at least got an inkling that I too have this source of strength within me.

But first a bit of grammar, because the gold for traveling still has to be found by yourself.

See you tomorrow,

Your Ulf

Ein bisschen Kalamata für Euch alle

(down below in english) Die Glut unseres Feuers der letzten Nacht glimmt noch, als die Füsse des kleinen Münstermanns heute verschlafen den ersten Schritt nach draussen wagen.

Endlich hat die Sonne es wieder geschafft, sich gegen ihre schlecht gelaunten grauen Brüder durchzusetzen.

Mir wird warm ums Herz und mein ganzes Gesicht strahlt vor Freude über ihren Besuch mit ihr um die Wette. Wir scheinen beide ausgeschlafen zu sein und besonders ihr Gesicht ist dabei so ansteckend fröhlich, dass die Hunde am Strand vor Glück einen Schaukampf zelebrieren.

Frohes Neues Jahr Wellen, Berge, Griechenland und du, meine Welt und unsere Heimat. Ich hoffe, dass diese unfassbare Schönheit und besinnliche Eintracht von krähendem Hahn und vereinzelt noch lachenden Coyoten uns Lust auf Frieden macht.

Ich wünsche mir, dass jeder wütende Gedanke und jede Sorge sich im sandigen Boden vor mir verkriecht und sich ein Stück vom Glück dieser selbstzufrieden Region abschneidet.

Denn hier ist es nicht nur tagsüber und am Strand schön. Kalamata scheint der zufriedenstellendste Ort der Welt zu sein.

Als wir gestern Abend die Silvesterstimmung und Neujahrseuphorie inhalieren wollten, durften wir uns erneut davon überzeugen. Die Stadt war beleuchtet wie in einem Disneyfilm und die Menschen lächelten, als ob sie noch nie traurig waren. Alle, wirklich alle strahlten.

Ballonverkäufer tanzten zur Musik aus den Clubs wie die Fahrerinnen und Fahrer im Stau, sodass sie jede Eile vergaßen und aus hunderten von Blechkarossen kein einziges Hupen zu hören war.

Wir sahen Omas mit Rehntierhörnern auf dem Kopf neben Fussballspielenden Jungs und rappenden Künstlern, aber keinen einzigen Menschen der mit Bierdose in der Hand sein Elend in die Welt gröhlte.

Als die Nudelverkäuferin den Laden schloss und verspäteten Gästen sagen musste, dass sie jetzt schließen, wünschte man ihr dennoch ein frohes neues Jahr, statt die Pest an den Hals. Und über allem lag ein wahrhaftiger Geist der Weihnacht, wie ich wir ihn noch nie erlebten.

Was man hier anders macht? Wir glauben, dass man sich hier einfach mehr sein lässt was man ist und nicht ständig darauf bedacht ist, nach dem panoptischen Prinzip von Focault die Ordnung zu erhalten.

Hier stöhnte man nicht über spielende Kinder auf den Gehwegen oder Mopedfahrer ohne Helm, hier lebt man Carpe Diem und entschuldigt sich, wenn man dabei versehentlich in den Weg eines Unbekannten gerät.

Hier will man einfach, dass alles bleibt wie es ist, ohne omnipräsente Polizei, verletzte Egos und zelebrierter Standesunterschiede.

In und um Kalamata setzt man sich auf eine Bank oder an den Strand und lässt sich von guter Laune anstecken statt provozieren.

Und hier zieht es grad wieder zu, sodass ich jetzt schließe und mir einen warmen Pullover hole. So einfach kann man in Kalamata glücklich sein.

Bis morgen,

Euer Ulf

A little Kalamata for you all
The embers of our fire from last night are still smouldering as little Münstermann’s feet sleepily take their first step outside today.

At last, the sun has managed to prevail against its bad-tempered gray brothers.

It warms my heart and my whole face beams with joy at her visit. We both seem to have had a good night’s sleep and her face in particular is so infectiously cheerful that the dogs on the beach are celebrating an exhibition match of happiness.

Happy New Year waves, mountains, Greece and you, my world and our home. I hope that this incomprehensible beauty and contemplative harmony of crowing roosters and the occasional laughing hyena will make us long for peace.

I hope that every angry thought and every worry buries itself in the sandy soil in front of me and cuts off a piece of the happiness of this self-satisfied region.

Because it’s not just beautiful here during the day and on the beach. Kalamata seems to be the most satisfying place in the world.

Last night, when we wanted to soak up the New Year’s Eve atmosphere and New Year’s euphoria, we were able to experience it for ourselves once again. The city was lit up like a Disney movie and people were smiling as if they had never been sad. Everyone, really everyone, was beaming.

Balloon sellers danced to the music from the clubs just like the drivers in the traffic jam, so that they forgot to hurry and not a single honk could be heard from hundreds of metal cars.

We saw grannies with horns on their heads next to boys playing football and artists rapping, but not a single person with a beer can in their hand shouting their misery to the world.

When the pasta vendor closed the store and had to tell late customers that they were closing now, they still wished her a happy new year instead of the plague. And above all, there was a true spirit of Christmas that I have never experienced before.

What do we do differently here? We believe that people here simply let themselves be what they are and are not constantly concerned with maintaining order according to Focault’s panoptic principle.

Here you don’t moan about children playing on the sidewalks or moped riders without helmets, here you live Carpe Diem and apologize if you accidentally run into the path of a stranger.

Here, people simply want everything to stay as it is, without the omnipresent police, bruised egos and celebrated differences in status.

In and around Kalamata, people sit down on a bench or on the beach and let their good mood infect them instead of provoking them.

And it’s just getting cloudy here again, so I close up and grab a warm sweater. It’s that easy to be happy in Kalamata.

See you tomorrow,

Your Ulf

Erwachsen werden

(Down below in Englisch) Heute könnte der Strand nicht einsamer sein. Eine graue Suppe hat sich über uns ergossen, so dick und zähflüssig, dass die Sonne wie mit grobschlächtigen Händen mühsam ein kleines Loch hinein reissen musste, sodass man wenigstens die Hand vor Augen sieht.

Und das Meer vor mir plätschert so leise, als habe es Angst vor diesem faden Nichts. Und beim Stapfen durch den weichen und feuchten Sand rieseln einem kleinen Kiesel in die Socken, als dürfte kein fröhlicher Gedanke aufkommen.

Ich fühle mich wie ein ungebetener Zuschauer, der verbotenerweise durch den Türschlitz des Kinderzimmers den Eltern beim Weihnachtsgeschenke aufbauen zuschaut. Als würde ich etwas sehen, das nicht für meine Augen bestimmt ist. Es ist, als würde auch ich ganz plötzlich erwachsen werden,indem ich eine Wahrheit sehe, die ich lieber nicht gewusst hätte

Auch ich weiss, dass gleich alles wieder gut und freundlich ist. Die Sonne scheint und alles wieder genauso erstrahlt wie im Bilderbuch. Aber ab jetzt weiss ich eben mehr. Ich weiss quasi seit jetzt und für immer, dass es kein Christkind gibt. Und wie der kleine Junge in meiner Metapher, fühle auch ich mich irgendwie betrogen.

Ich sehe nicht den guten Willen, mir ein Freude zu machen. Den Wunsch hinter der Mühe, mich glücklich zu machen, sondern erfahre einzig die bittere Tatsache, dass ich klein und unwissend bin. Noch unendlich viel lernen muss und dass es keine Wunder gibt.

Geschenke, egal ob unterm Weihnachtsbaum oder als paradiesisch gestalteter Strand, sind auch nur ein Produkt aus Ursache und Wirkung.
Kein Sonnenstrahl ist sichtbar, wenn nicht Milliarden und mehr Wassertropfen als Wolken sie zum Strahlen bringen.

Ich vermisse meine Unwissenheit schon jetzt und hätte mir gewünscht, heute etwas länger geschlafen zu haben, denn für diese Wahrheit bin ich einfach noch nicht erwachsen genug.

Bis morgen,

Euer Ulf

Growing up
The beach couldn’t be lonelier today. A gray soup has poured over us, so thick and viscous that the sun had to laboriously tear a small hole in it, as if with rough hands, so that you can at least see your hand in front of your eyes.

And the sea in front of me ripples so quietly, as if it were afraid of this bland nothingness, and as I trudge through the soft, damp sand, small pebbles trickle into my socks as if no cheerful thoughts were allowed to arise.

I feel like an uninvited spectator, watching my parents assembling Christmas presents through the door slit of the children’s room. As if I am seeing something that is not meant for my eyes. It’s as if I too am suddenly growing up, seeing a truth that I would rather not have known

I also know that everything will soon be good and friendly again. The sun is shining and everything is as bright as in a picture book. But from now on I know more. I know now and forever that there is no Christ Child. And like the little boy in my metaphor, I also feel somehow cheated.

I don’t see the good will to make me happy. The desire behind the effort to make me happy, but only the bitter fact that I am small and ignorant. I still have so much to learn and that there are no miracles.

Presents, whether under the Christmas tree or as a paradise-like beach, are also just a product of cause and effect.
No ray of sunshine is visible unless billions more drops of water than clouds make it shine.

I already miss my ignorance and wish I had slept a little longer today, because I’m just not grown up enough for this truth.

See you tomorrow,

Your Ulf

Apollo 11 am Peleponnes

(Down below in english) In der Realität war ich auf alles vorbereitet: ich war ausgeschlafen, Strom war da, das Internet hatte perfekten Empfang. Und dennoch funktionierte nichts. Die Zoomsitzung war, als wollte ich vom Mond zur Erde funken und das einzige was man am anderen Ende verstand war „Huston, we’ve got a Problem“.

Ob es die wohl zu große Anzahl Camper war, die gleichzeitig ins Netz wollte, auch mein neueres, teureres Handy wieder zu voll war oder nur das Schicksal etwas dagegen hatte, dass alles lief wie geplant, weiss ich nicht, jedenfalls mussten wir die Sitzung abbrechen und werden es morgen wieder probieren.

Der Tag an dem unendlich viele „eigentlichs“ auf der Agenda stand, obwohl mein. Kopf nach ausruhen schreit. Mein Plan auf dieser Fahrt war zu schreiben, doch statt dessen gilt es von Tag eins an, Probleme zu bewältigen. Bremsen,Getriebe, Kupplung, Turbo. Im Anschluss Heizung, Solar, Batterien, Innenraum fertig machen, Job suchen und Campingplatz finden. Da war ja alles funktionsfähig und nachdem im Jürman alles ready“ scheint, funktioniert in der Zivilisation das Internet nicht mehr. Also am Straßenrand vorm Hotel arbeiten und bei all dem die Beziehung nicht vergessen.

Und cool bleiben, was das Geld angeht, denn ich habe zu liefern, aber Zahlungen kommen mal am 10. mal am 20., oder so. Je nachdem welche Probleme der Arbeitgeber grad hat.(Aber: Er zahlt!)

Ich will keine Vorwürfe machen, denn ich kenne es ja, wie oben erwähnt,wenn einen Probleme das Eigentliche vergessen lassen müssen, aber Fakt ist, dass ich hier Ruhe bewahren muss, obwohl alles nach ausrasten schreit.

Aber, ich bin nicht allein, habe Chefs, die mir wohlgesonnen sind und mich nicht Vierteilen, wenn eine Sitzung trotz jedweder Prophylaxe in Zweiundreissigstel oder noch mehr Teile zerstückelt wird. Schüler, die sich mit einer außer planmäßigen Sitzung einverstanden erklären, obwohl es nicht ihr Fehler war, dass alles streikte. Eine andere Chefin, die mich verteidigt,wenn ein ihr Vorgesetzter bemängelt, dass auch ich mich mal verschreibe und eine Frau, die mit ihrer Liebe meiner Hoffnung immer wieder Mut macht, nicht aufzugeben.

Im Raumfahrt Duktus würde man vielleicht sagen: „Das Leben ist oft ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber eine große Herausforderung für mich.

Aber, die Sonne scheint, was will man mehr?!

Bis morgen,

Euer Ulf

Apollo 11 on the Peloponnese
In reality, I was prepared for everything: I had slept well, there was electricity, the internet had perfect reception. And yet nothing worked. The zoom session was as if I was trying to radio from the moon to earth and the only thing anyone at the other end could understand was „Huston, we’ve got a problem“.

I don’t know whether it was the large number of campers who wanted to connect to the internet at the same time, whether my newer, more expensive cell phone was too full again or whether it was just fate that prevented everything from working as planned, but we had to abort the session and will try again tomorrow.

The day on which there were an infinite number of „actuallys“ on the agenda, although my. My head was screaming for a rest. My plan on this trip was to write, but instead there are problems to deal with from day one. Brakes, gearbox, clutch, turbo. Then heating, solar, batteries, getting the interior ready, looking for a job and finding a campsite. Everything was working and after everything seems to be ready in Jürman, the internet no longer works in civilization. So we work on the roadside in front of the hotel and don’t forget our relationship.

And stay cool about the money, because I have to deliver, but payments sometimes come on the 10th, sometimes on the 20th, or so. Depending on what problems the employer has at the moment (but: he pays!).

I don’t want to make any accusations because, as mentioned above, I know what it’s like when problems make you forget the real thing, but the fact is that I have to keep calm here, even though everything seems to be screaming out.

But I’m not alone, I have bosses who are well-disposed towards me and don’t cut me in half if a session is split into thirty-second or more parts despite any prophylaxis. Students who agree to an unscheduled session even though it wasn’t their fault that everything went on strike. Another boss who defends me when one of her superiors complains that I sometimes make mistakes and a woman who, with her love, always encourages my hope not to give up.

In space travel terms, you might say: „Life is often a small step for mankind, but a big challenge for me.

But the sun is shining, what more could you want?

See you tomorrow,

Your Ulf

Wir sind hier ja nicht im Urlaub

Der Mond ist noch nicht unter gegangen

(down below in english) Heute ist ein richtiger Montag. Das Wochenende liegt hinter einem, man hat schlecht geschlafen, der Wecker klingelt um sieben und es ist kalt.
Willkommen im Van Alltag von einem kostenlosen Parkplatz mit Straße im Hintergrund und dem Zivilisationsluxus, Mülltonne und gutem Internet, denn auch hier muss man, oder besser gesagt zumindest ich, arbeiten.

Ich will aber nicht meckern, sondern einfach Mal das zum Ausdruck bringen, was viele verschweigen, denn hinter all den Bildern von Sonnenuntergang und Aufgang, Strand und Meer, das wir trotz allem vor der Nase haben, gibt es auch Müll entsorgen, Klo leeren und Einkaufen gehen. Ach ja, die Klamotten gehören auch mal wieder in die Waschmaschine.

Das alles ist für uns natürlich nichts Neues mehr, aber dennoch, auch für uns, die Kehrseite der Medaille. Denn auch wir würden jetzt gerne zum Buffet gehen, uns in einem Wirlpool entspannen und danach in einem Bockspringbett ein bisschen weiter schlummern.

Aber, das ist der Deal für die Berghöhe, die wir gestern erklommen haben, den Mond, den man auf dem Bild oben schlecht, aber vom Ufer hier wie eine Sonne erkennen kann. Für schneebedeckte Bergspitzen im Sonnenaufgang und einem fröhliches „Calimera“, statt eines brummigen „Morgen“.

Hier fahren wir gleich an Palmen gesäumten Uferlandschaften zum Campingplatz mit Waschmaschine, Dusche und Strom, statt im Stau auf dem Weg in die Stadt zu stehen, wo das kleine Büro kein Jürmann, sondern nicht selten Stoff begangene Stellwände einzäunt und ein murrischer Chef nur auf Fehler wartet, während man Instantkaffee aus einer Diddlmazstasse trinkt.

Sicherlich ist das nicht bei jedem unserer Leser so, aber meiner hatte oft was davon und Silvana musste um diese Zeit schon auf ihren ersten Zwischenkaffee verzichten, weil es keinem mit seinen Brötchen schnell genug gehen konnte.

Es handelt sich also trotz aller pragmatischen Facetten unseres Ritts auf der Waiküre immer noch um einen Traum, der zwar manchmal nicht ideal, aber dennoch im Großen und Ganzen einfach großartig ist. Denn wo sonst, würden wir uns Abends am Strand versöhnen oder auf Berghängen feiern können, dass der Jürnann und wir wieder über uns hinaus gewachsen sind und die Aussicht wie im Bilderbuch ist?

Wir stehen ja nicht ewig hier und morgen ist ja auch schon Dienstag, oder Donnerstag? Welch ein Luxus, darüber nachdenken zu müssen.

Bis morgen,

Euer Ulf

We’re not on vacation here
Today is a real Monday. The weekend is behind you, you haven’t slept well, the alarm clock rings at seven and it’s cold.
Welcome to the everyday van life of a free parking lot with a road in the background and the luxuries of civilization, garbage cans and good internet, because even here you have to work, or at least I do.

But I don’t want to complain, I just want to express what many people fail to mention, because behind all the pictures of sunset and sunrise, the beach and the sea that we have right in front of our noses, there is also garbage to dispose of, toilets to empty and shopping to do. Oh yes, the clothes will have ti go in the washing machine again.

That. None of this is anything new to us, of course, but it’s the other side of the coin for us too. Because we would also like to go to the buffet now, relax in a whirlpool and then slumber a little longer in a trestle spring bed.

But, that’s the deal for the mountain height we climbed yesterday, the moon, which is hard to see in the picture above, but can be seen like a sun from the shore here. For snow-covered mountain peaks at sunrise and a cheerful „Calimera“ instead of a grumpy „Morning“.

Here we drive straight through palm-lined shorelines to the campsite with a washing machine, shower and electricity, instead of being stuck in a traffic jam on the way into town, where the small office is not a Jürmann, but often has fabric-covered partition walls and a grumpy boss just waiting for mistakes while you drink instant coffee from a Diddlmaz cup.

This is certainly not the case for every one of our readers, but mine often had some of it and Silvana had to give up her first coffee in between because no one could get their sandwiches fast enough.

So despite all the pragmatic facets of our ride on the Waiküre, it’s still a dream, which may not be ideal at times, but on the whole is simply great, because where else would we be able to make up on the beach in the evening or celebrate on mountain slopes, that Jürnann and we are growing beyond ourselves and the view is like in a picture book?

We won’t be here forever and tomorrow is already Tuesday, or Thursday? What a luxury to have to think about it.

See you tomorrow,

Your Ulf

Sonne allein reicht nicht

(down below in english)In der Nutellawerbung heißt es“ Der Morgen macht den Tag und wenn man wie wir beinahe täglich mit den schönsten Margarine, Toast und Kornflakesbildern geweckt wird, kann man diesem Claim kaum widersprechen.

Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht zuvorderst singen möchte“ guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Botterram“.

Aber selbst das fröhlichste Lächeln der Sonne ist kein Garant für einen guten Tag. Denn zu viel kann passieren, sodass aus einem Anlachen ein Auslachen wird. Wenn die Solarzellen nicht laden oder für den ersten Kaffee zuvorderst gespült werden muss, weil auch die vergangene Vollmondnacht so schön war, dass man lieber Arm in Arm kuscheln statt Business as ususal machen wollte.

Die Kunst, den anderen dann ausreden zu lassen, war und ist auch heute noch die Königsdisziplin einer solchen Reise. Man muss lernen, die Kritik als befreiende Brise einzuatmen, sie sacken zu lassen und auch als Gegenpart nicht als Provokation zu empfinden.

Denn Nitzsche sagte schon, man kann sich nie verstehen, sondern immer nur mögen oder nicht“. Wir verstehen uns ergo auch heute oft nicht, aber das Verstehen der Argumentation des anderen ist nicht wichtig, sondern einzig das sich vertrauen. Der andere meint es nicht böse, er oder sie will nicht streiten, sondern sich nur aus dem Korsett seelischer Konventionen befreien.

Jede Schlaufe ist ein liebgewonnenes Ritual und Erfolgsrezept aus einer Welt, in der wir uns nicht mehr befinden. Jedes Fluchen eine Reminiszenz an das, was wir hinter uns gelassen haben und heute ein Grund, dem Gegenüber zu signalisieren, nimm mich bitte in den Arm.

Das klappt freilich nicht immer, aber mit jedem Streitgespräch ein bisschen besser, denn wahrlich, Versöhnung ist beflügelnder als der schönste Sonnenaufgang.

Ein Tag, an dem wir uns versöhnen könnten, würde somit zum unvergesslichsten Moment. Man könnte fast sagen“ Versöhnung macht den Tag“, aber glücklicherweise, bereichern wir unsere Gewohnheiten derzeit immer häufiger mit Ruhe und Schweigen. Lassen nicht jeden Unmut am anderen aus, sondern lassen ihn sich mit dem Dampf des ersten Kaffees einfach auflösen oder schicken ihn als befreiendes Ohhhmmmm mit den Wellen auf die Reise.

Dafür braucht es nicht unbedingt Sonne und Strand und schon gar nicht Nutella, aber all das schadet ganz bestimmt auch nicht.

Bis morgen,

Euer Ulf

Sun alone is not enough
The Nutella advertisement says „The morning makes the day“ and if, like us, you are woken up almost daily with the most beautiful pictures of margarine, toast and cornflakes, you can hardly contradict this claim.

Hardly a day goes by without you wanting to sing „Good morning, good morning, good morning Botterram“.

But even the sun’s cheerful smile is no guarantee of a good day. Because too much can happen to turn a smile into a laugh. When the solar panels don’t charge or the first coffee has to be washed up first because the previous full moon night was so beautiful that you’d rather cuddle arm in arm than do business as usual.

The art of letting the other person finish speaking was and still is the supreme discipline of such a journey. You have to learn to breathe in criticism as a liberating breeze, let it sink in and not perceive it as a provocation.

As Nitzsche said, „You can never understand each other, you can only like each other or not“. So even today we often don’t understand each other, but understanding each other’s arguments is not important, only trusting each other is. The other person doesn’t mean any harm, he or she doesn’t want to argue, they just want to free themselves from the corset of mental conventions.

Every loop is a cherished ritual and recipe for success from a world in which we no longer find ourselves. Every curse is a reminder of what we have left behind and today a reason to signal to the other person to please give me a hug.

Of course, this doesn’t always work, but it works a little better with every argument, because reconciliation is truly more inspiring than the most beautiful sunrise.

A day on which we could reconcile would therefore be the most unforgettable moment. You could almost say „reconciliation makes the day“, but fortunately, we are increasingly enriching our habits with calm and silence. We don’t take out our resentment on others, but simply let it dissolve with the steam of our first coffee or send it on its way with the waves as a liberating Ohhhmmmm.

You don’t necessarily need sun and beach for this, and certainly not Nutella, but all that certainly doesn’t hurt either.

See you tomorrow,

Your Ulf

„Scheiss-egal“ zu Weihnachten

(down below in english) Ruhe, es war eine Stille Nacht, man könnte fast sagen, eine heilige, die hinter uns liegt. Selbst die Kojoten schienen zu schlafen, als hätten auch sie Weihnachten gefeiert.

Selbst als ich um zehn erwachte, umgab uns trotz Nachbarn noch eine meditative Stille, die nur vom Wellenrauschen als lebendige Zeit markiert wurde.

Vor gar nicht langer Zeit, hätte ich das nicht ertragen können, weil eine Mischung aus schlechtem Gewissen oder irgendeinem zivilisiert überflüssigen Pflichtbewusstsein mich genötigt hätte, irgendwas wie Musik zu konsumieren, um meinen Geist wie ein weinerliches Kind zu beruhigen.

Aber ich bekam dieses Jahr Muße vom Christkind, ein schlicht verpacktes „scheiss egal“, dass nicht durch seine pompöse Verpackung, sondern seine Kraft beeindruckt.

Ob der Kaffee zu lange braucht, die Zigaretten knapp werden oder der Computer Rechenschieber spielt: Mein „Scheiss egal“ ist da und jedweder Druck im Kopf ist verschwunden.

Aber, wie so häufig auf unserem Ritt, darf ich solche Conclusiae weder denken noch schreiben, ohne vom Schicksal geprüft zu werden, ob ich nur rede oder es auch meine.

Diesmal war der Kaffee mein Lehrmeister, ich goss,oder besser habe zu viel heißes Wasser in den Filter gegossen, die Filtertüte dadurch verknickt und mir die heiße Plörre über die Finger gegossen. Nicht viel, aber zu viel, um ein Fluchen und reflexartiges Klagen nicht vermeiden zu können. Und gleichzeitig säuselt es von hinten “ ist noch Kaffee da?“

„Ja mein Schatz, sogar mit Stückchen, soll ich Dir einen eingießen?“

Und während ich einen guten Morgen Kuss in der Sonne genieße, Nehm ich mir einfach vor, für Silvana Neuen zu machen und meine Stückchenbrühe einfach umzurühren.dann wird er eben türkisch, wir wollen ja eh nach Istanbul.

Es wirkt also wirklich,

Bis morgen,

Euer. Ulf

P.S.“Aber ich hab ihn doch auch getrunken“, meinte Silvana grad, und ich dachte glücklich „wie schön, sie hat offensichtlich auch eines bekommen.“

„who care’s“ for Christmas


Quiet, it was a silent night, one could almost say a holy one, behind us. Even the coyotes seemed to be asleep, as if they too had celebrated Christmas.

Even when I woke up at ten, despite the neighbors, a meditative silence still surrounded us, marked as a living time only by the sound of the waves.

Not so long ago, I wouldn’t have been able to bear it because a mixture of guilty conscience or some civilized superfluous sense of duty would have compelled me to consume something like music to calm my mind like a whiny child.

But this year I got leisure from the Christ Child, a plainly packaged „who cares“ that impresses not with its pompous packaging, but with its power.

Whether the coffee is taking too long, the cigarettes are running low or the computer is playing slide rule: my „who care’s?!“ is there and any pressure in my head is gone.

But, as so often on our ride, I’m not allowed to think or write such conclusions without being tested by fate to see whether I’m just talking or actually mean it.

This time the coffee was my teacher, I poured, or rather poured too much hot water into the filter, kinked the filter bag and poured the hot brew over my fingers. Not a lot, but too much to prevent me from swearing and reflexively complaining. And at the same time I hear a whisper from behind: „Is there any coffee left?“

„Yes my darling, even with a slice, shall I pour you one?“

And while I enjoy a good morning kiss in the sun, I simply decide to make new ones for Silvana and stir my chunky brew. then it will be Turkish, we want to go to Istanbul anyway.

So it really works.

See you tomorrow,

Yours. Ulf

P.S. „But I drank it too“, Silvana just said, and I thought happily „how nice, she obviously got one too.“

Liebe Leser*innen,

Einfach glücklich

(down below in english) Das einzige, was Me(h/e)r wird, wenn man es teilt, ist eine Geschichte in der Bibel. Alles andere geht kaputt: Ein Stuhl, ein Auto und auch Glück.

Denn teilen heißt angreifbar und bewertbar machen. Zu teilen heißt zu offenbaren: Hier, das habe ich und möchte, dass auch Du daran Freude hast. Aber nur selten sieht man andere gern glücklich, denn wenn man es erkennt, dann erkennt man gleizeitig, dass man selbst an einem anderen Punkt steht und zumindest nicht das selbe Glück empfindet.

Dasjenige, von dem im Sprichwort „das einzige, das mehr wird, wenn man es teilt, ist Glück“ spricht, ist etwas anderes. Dieses Glück ist keine Ware, die man mitteilen darf oder kann, sondern ein Zustand den man lebt und der wie eine Krankheit ansteckend ist. Hier ist die Expression des Gefühls der Kommunikator, nicht der, die oder das Fühlende.

Das ansteckende Glück, kann nämlich nicht weniger werden, wenn es nicht verstanden oder bezweifelt wird, sondern nur sein, indem es erfüllt geseint wird. Wer es sieht oder fühlt, kann nicht anders als es annehmen und wer es lebt braucht nicht zu wissen, dass er gerade nicht nur glücklich ist, sondern auch Freude schenkt.

Je bewusster dieser Akt, desto geringer das Gefühl, denn glücklich sein ist nicht “ glücklich machen wollen, weder sich noch andere. Glücklich sein ist die Bedingtheit eines kontingenten Gefüges, dass man nur dergestalt steuern kann, dass man es provoziert hat, indem man ihm durch das Leben das man lebt, wie man es lebt, Gestalt verleiht.

Glück ist Glück wenn man es nicht erwarten konnte. Als ein gesuchtes Ziel, wie beim glücklich machen, ist es Wirkung einer inszenierten Ursache. Das ist kein Glück, sondern Kalkül und als solches macht es nicht glücklich sondern maximal (mit sich) zufrieden.

Glück teilen wollen ist nichts anderes als geseinter Egoismus, „bin ich nicht selbstlos, dass ich all meine Kraft aufwende, damit es Dir gut geht?!“. Glück ist, wenn man selbst davon überzeugt ist, es nicht verdient zu haben. Ein überwältigendes Gefühl der Erfüllung, indem nichts anderes Platz hat, als eine Seele, die es wahr nimmt, weil sie nicht anders kann.

Wahres Glück ist dann vollkommen, wenn es unerträglich ist, weil der Mensch im bewussten Zustand nie zufrieden sein kann, da er immer nach mehr giert, um ein gutes und sicheres Über und Weiterleben wahrscheinlicher zu machen, denn der Mensch ist und das einzige was er mit diesem Sein machen kann, ist es zu genießen. Wer will, egal was, ist schon nicht mehr Genuss, sondern das Wollen und somit nicht glücklich.

Wollen kann man genießen und Glück wahrscheinlich nicht mal das. Glücklich ist, wer dem erfüllten Gefühl nicht mit prognostizierten Erwartungen entgegen wirkt, sondern einfach zulässt, sich darauf einlässt, dass man nichts dagegen unternimmt, dass das Sein ohne eigene Anstrengung einfach statthaben kann.

Das Glück muss also nicht enden um Glück zu sein und zu bleiben, sondern die Seele muss bereit sein, dass Leben in all seinen Facetten immer wieder ohne Widerstände annehmen und (dieses) Sein sein zu können.

Ich wünsche Ihnen allen deshalb kein Glück zu Weihnachten, sondern möglichst wenige innere Widerstände, die als Kategorien das Glück zur prognostizierten Ware machen.

Sein Sie ihr Ihr ich indem Sie alles was dies in jedem Moment ausmacht einfach annehmen. All die Sicherheit die man so gerne kauft, ist am Ende eben nur ein Teil eines sich gegenseitig bedingenen Ganzen, das mit seiner Kernkompetenz Planbarkeit, der Kernkompetenz unverdient, wahres glücklich sein unmöglich macht.

Bis morgen,

Euer und Ihr Ulf

Dear readers
The only thing that becomes more when you share it is a story in the Bible. Everything else breaks: a chair, a car and even happiness.

Because sharing means making it vulnerable and assessable. To share means to reveal: Here, I have this and I want you to enjoy it too. But you rarely like to see others happy, because when you realize it, you realize at the same time that you yourself are at a different point and at least don’t feel the same happiness.

The one referred to in the proverb „the only thing that gets more when you share it is happiness“ is something else. This happiness is not a commodity that one may or can share, but a state that one lives and that is contagious like a disease. Here, the expression of the feeling is the communicator, not the person or thing feeling it.

The contagious happiness cannot become less if it is not understood or doubted, but can only be if it is felt. Those who see or feel it cannot help but accept it and those who live it do not need to know that they are not only happy, but that they are also giving joy.

The more conscious this act is, the less the feeling, because being happy is not “ wanting to make yourself or others happy. Happiness is the conditionality of a contingency. Happiness is the conditionality of a contingent structure that you can only control in such a way that you have provoked it by living the life you live, the way you live it.

Happiness is happiness when you could not expect it. As a sought-after goal, as with happiness, it is the effect of a staged cause. This is not happiness, but calculation and as such it does not make you happy, but at most satisfied (with yourself).

Wanting to share happiness is nothing more than selfish selfishness: „Aren’t I selfless for spending all my energy to make you feel good?“. Happiness is when you are convinced that you don’t deserve it. An overwhelming feeling of fulfillment in which there is no room for anything other than a soul that perceives it because it cannot do otherwise.

True happiness is perfect when it is unbearable, because man can never be satisfied in a conscious state, as he always craves more in order to make a good and secure survival and continuation of life more likely, because man is and the only thing he can do with this being is to enjoy it. Whoever wants, no matter what, is no longer enjoyment, but wanting and therefore not happy.

You can enjoy wanting and happiness is probably not even that. You are happy if you don’t counteract the fulfilled feeling with predicted expectations but simply allow it to happen, if you accept that you don’t do anything to prevent it, that being can simply happen without any effort on your part.

So happiness does not have to end in order to be and remain happiness, but the soul must be prepared to accept life in all its facets again and again without resistance and to be able to be (this) being.

I therefore wish you all no happiness for Christmas, but as little inner resistance as possible, which as categories turn happiness into a predicted commodity.

Be your own self by simply accepting everything that constitutes this in every moment. All the security you like to buy is ultimately just one part of a mutually dependent whole that makes true happiness impossible with its core competence of predictability, the core competence of being undeserving.

See you tomorrow,

Yours and yours Ulf

Von Biohazard zu Roy Black

(down below in english) Seit nunmehr etwa drei Monaten darf ich euch und Ihnen von unserem Ritt auf der Waiküre berichten, aber heute ist der erste Tag, an dem es sich nicht aufdrängt zu schreiben. Denn obwohl gestern wieder so viel Schönes passiert ist, bin ich von jener Zufriedenheit überwältigt, nach der ich so lange gegiert habe. Weit länger, als der kleine rollings stone oder Herr Rossi aus Westfalen, unterwegs ist.

Seit ich denken kann, bin ich auf der Suche, nach Anerkennung in Form von Geld oder Lob und seit dem 25. März 1976 war ich jeden Tag unzufrieden. Warum sonst, bin ich bereits mit vier das erste Mal abgehauen, oder auf Luftmatratze oder einem Boot meinem Leben entflohen? Mehr als einmal musste ich wohl gerettet werden, weil ich bei meiner Neugierde auf das Leben und die welt in Gefahr geraten bin. Mal holte man mich aus einer Tankerfahrrinne in der Nordsee, ein anderes Mal musste mich ein Kapitän in Spanien von einer kleinen Insel zurück nach Mallorca bringen, weil ich ohne zu fragen auf ein Glas-Bottom-Boot gestiefelt bin und einfach wegfuhr.

In der Grundschule habe ich die Rommekasse meiner Mutter geplündert und bin wieder abgehauen und mit zehn wollte ich auf ein Internat, weil es mir zu Hause nicht passte. Weg, weg, weg. Das hat mich im Laufe der Jahre an viele Orte gebracht und in viele Aufgaben geführt, in denen ich ein Heil suchte, Ob Amerika oder Mexiko, als Schauspieler oder Werbekonzeptioner, als Ehemann und Vater oder einsamer Wolf, wenn es eine neue Gelegenheit gab, mich zu verändern, griff ich zu.

Selten hatte ich eine Ahnung was ich tat, aber immer war ich von einem inneren Selbstbewusstsein erfüllt, dass mich mutig vor keiner Herausforderung zurückschrecken ließ. Das dachte ich zumindest, denn erst jetzt weiss ich, dass es kein Selbstbewusstsein war, sondern Unzufriedenheit. Ich war so unzufrieden mit mir und der Welt, dass mir kein Preis zu hoch war, um alles zu ändern.

Als Legastheniker Texter zu werden, ist dabei wohl das passenste Bild, um dieses ewige Dilemma meiner Seele zu beschreiben.

Man sieht also, dass es mir nicht an Fleiss fehlte, was mir oft vorgeworfen wurde, sondern an Orientierung. Weil ich keine Ahnung hatte wer ich war und was ich eigentlich mit meinem Leben anfangen sollte, verlor ich mich in einem sein aus Optionen, dessen Konstanz allein darin bestand, dass es diese nicht gab. Bis jetzt!

Denn seit ich mit Silvana im Jürmann unterwegs bin, habe ich eine Ahnung von dem, was ich in meinem Leben immer schon vermisst habe. Selbstwertgefühl, dass auf sicheren Boden gebaut ist. Ein Bewussein meiner selbst, das sich aus Wissen über das was ich kann und auch aus dem was ich nicht kann zusammensetzt.

Erst jetzt fange ich an morgens zu erwachen und nicht zu denken: „Just another victom kick!“ sondern „schön ist es auf der Welt zu sein!“ Von Biohazard zu Roy Black. Das nenne ich jetzt eine Rolle vorwärts und nicht rückwärts.

Meine Aufgabe besteht nicht mehr darin zu überleben, sondern zu erleben, obwohl Ersteres nie schwieriger war. Unser Geld reicht nur für die Basics, aber diese sind hier in Griechenland und auf dem Weg dorthin endlich nicht mehr Ray Ban, Ralph Lauren oder Porsche, sondern Friede, Freude Eierkuchen; ok, Letzteren mag ich auch heute noch nicht.

Wenn der Jürmann klingt wie eine Dampfmaschine und Silvana mit anlächelt, bin ich glücklich. Und wenn dazu noch eine Nachricht von Zoé kommt, könnte das Glück nicht schöner sein.

Ich habe aufgehört unentwegt zu gieren und zu erwarten, das Heil ausschließlich im Nächsten und immer wieder Neuen zu suchen. Seit Kalamata ist Jetzt das Beste. Nicht weil ich es mir nicht anders vorstellen kann, sondern weil ich froh bin, es erleben zu dürfen.

Bis morgen,

euer Ulf

From Biohazard to Roy Black

For about three months now, I’ve been able to tell you about our ride on the Waiküre, but today is the first day on which it doesn’t feel like writing. Even though so many wonderful things happened yesterday, I am overwhelmed by the satisfaction I have been longing for. Far longer than the little rolling stone or Mr. Rossi from Westphalia has been on the road.

For as long as I can remember, I have been searching for recognition in the form of money or praise and I have been dissatisfied every day since March 25, 1976. Why else did I run away for the first time at the age of four, or escape my life on an air mattress or a boat? I must have had to be rescued more than once because my curiosity about life and the world put me in danger. Once I was rescued from a tanker in the North Sea, another time a captain in Spain had to bring me back to Mallorca from a small island because I stepped onto a glass-bottom boat without asking and simply sailed away.

At elementary school, I plundered my mother’s Romme fund and ran away again and when I was ten, I wanted to go to boarding school because I didn’t like it at home. Away, away, away. Over the years, this has taken me to many places and led me to many jobs in which I sought salvation, whether in America or Mexico, as an actor or advertising designer, as a husband and father or lone wolf, whenever there was a new opportunity to change myself, I grabbed it.

I rarely had any idea what I was doing, but I was always filled with an inner self-confidence that made me brave enough not to shy away from any challenge. At least that’s what I thought, because only now do I know that it wasn’t self-confidence, but dissatisfaction. I was so dissatisfied with myself and the world that no price was too high for me to change everything.

Becoming a copywriter as a dyslexic is probably the most fitting image to describe this eternal dilemma of my soul.

So you can see that I wasn’t lacking in diligence, which I was often accused of, but in orientation. Because I had no idea who I was and what I was supposed to do with my life, I got lost in a world of options whose only consistency was that they didn’t exist. Until now!

Because since I’ve been out and about with Silvana at Jürmann, I’ve had an inkling of what I’ve always been missing in my life. Self-esteem that is built on solid ground. An awareness of myself that is made up of knowledge about what I can and cannot do.

Only now am I starting to wake up in the morning and not think: „Just another victory kick!“ but „It’s nice to be in the world!“ From Biohazard to Roy Black. Now that’s what I call a roll forward and not backwards.

My job is no longer to survive, but to experience, although the former has never been more difficult. Our money is only enough for the basics, but here in Greece and on the way there, they are finally no longer Ray Ban, Ralph Lauren or Porsche, but peace, joy and pancakes; ok, I still don’t like the latter.

When Jürmann sounds like a steam engine and Silvana smiles at me, I’m happy. And when there’s also a message from Zoé, I couldn’t be happier.

I’ve stopped constantly craving and expecting to find salvation only in what’s next and always new. Since Kalamata, now is the best. Not because I can’t imagine it any other way, but because I’m happy to be able to experience it.

See you tomorrow,

your Ulf