Geschüttelt, nicht gerührt

Geschüttelt nicht gerührt
Der Wind, der Wind, das himmlische Kind scheint in die Pubertät gekommen zu sein, denn schon die ganze Nacht rüttelt er am Jürmann, als seien wir auf hoher See.

Gut, dass Udo Lindenberg mit einigen Zeilen vorgesorgt hat, denn zur Melodie von Andrea Andoria und Co schunkeln Silvana und ich in unserer Kajüte und hoffen, dass die Böen nicht noch stärker werden.

Silvan hört schon die Flöhe husten, denn irgendwas unter uns rumpelt und pumpelt wohl, während ich „keine Panik auf der Titanic“ summe und nur das Pfeifen in den Ritzen höre und dem Mobiliar beim Wackeln zuschaue.

Aber ehrlich gesagt finde ich das Wetter gar nicht schlecht, sondern richtig spannend. Ich bin sogar bei der Frühstückszigarette wieder in nordischen „Släng“ verfallen und begrüßte den Morgen mit einem fröhlichen “ Na du Olle Spinatwachtel, tut das Not, dass du hier so’n Stress machen tust?““
„Nej“, pfiff es durch irgendeine undichte Stelle hinten, während die schneebedeckten Bergspitzen im kalten Sonnenlicht erstrahlen, die den Himmel in heroischem Licht einer Schneekönigin eine wahrhaft imposante Würde verleihen.
Im wahrsten Sinne des Wortes „Nordisch bei Nature“ nur hier bei sanften 14 Grad. Wenn wir nicht wüssten, dass heute Nacht das bockige Kind sogar wieder Lust auf Bäume ausreißen bekommen könnte, würden wir bleiben und es nur genießen, aber da unser Jürmann weder Segel noch Flügel hat, riskieren wir das lieber nicht und werden uns wohl nachher ein stilleres Örtchen suchen, damit Mutti sich in Westfalen keine Sorgen machen muss.
In diesem Sinne verkneifen wir uns jetzt einen schönen Rum mit Tee und gönnen uns einen heißen Kaffee mitm büschn Milch, geschüttelt, nicht gerührt, versteht sich.

Bis morgen,

Euer Ulf


Shaken, not stirred


The wind, the wind, the heavenly child seems to have hit puberty, because it shakes the Jürmann all night long as if we were at sea.

It’s a good thing that Udo Lindenberg contributed a few lines, because Silvana and I sway in our cabin to the sounds of Andrea Andoria and co. and hope that the gusts don’t get any louder.

Silvana can already hear the fleas coughing because something must be purring and pumping underneath us, while I hum „no panic on the Titanic“ and only hear the hissing in the cracks and see the furniture shaking.

But to be honest, I don’t think the weather is that bad, I actually find it really exciting. I even returned to my Scandinavian „Släng“ over my morning cigarette and greeted the morning with a cheery „Well, you old spinach quail, is it necessary to make such a fuss here?“.
„Nej,“ he hissed through a leak in the back, while the snowy mountain peaks glowed in the cold sunlight, giving the sky the heroic light of a snow queen with truly imposing dignity.
Literally „Scandinavian by nature“, except that it was a balmy 14 degrees here. If we hadn’t known that the stubborn child might have the urge to uproot trees again tonight, we would have stayed and just enjoyed it, but as our Jürmann has neither sails nor wings, we’d rather not take the risk and will probably look for a quieter spot later so that mom doesn’t have to worry in Westphalia.
With this in mind, we’ll forgo a nice rum and tea and enjoy a hot coffee with a little milk – shaken, not stirred, of course.

See you tomorrow,

Your Ulf

Endlich ich

Auch eine sehr erzählenswerte Geschichte

(down below in english) Vor einigen Tagen bekam ich eine Reaktion auf meinen Blog. „Immer“, so der Schreiber, “ wenn man denkt, jetzt geht es tiefer und würde es interessant, wäre meine kleine Geschichte zu Ende.
„Ich habe das Gefühl, dass Du viel mehr zu sagen und zu erzählen hast“, so die griechische Stimme, „aber du hörst meist an der Oberfläche auf.“
Diese wenigen Sätze meines neuen Freundes haben mich tief bewegt, denn in der Tat habe ich viel mehr zu erzählen, als ich im Blog preisgebe. Ich kann sogar sagen, dass dieser Wunsch zu schreiben ein wesentlicher Grund war, mich auf den Weg zu machen; ich wollte endlich erzählen. Zeit haben, mich dem geschriebenen Wort zu widmen, den Mut aufbringen, die Prioritäten zu wechseln; hauptsächlich schreiben und notwendig viel arbeiten.
Und hätte sich nicht Jannis gemeldet, wäre ich wohl wieder in den alten Trott verfallen. Ja, ich verdiene jetzt unser Geld wieder mit Sprache wie einst als Werbetexter oder Schauspieler, aber bis letzte Woche habe ich mich wieder in erster Linie mit den Worten und Geschichten anderer beschäftigt und nicht mit meinen.

Aber seit fünf Tagen befasse ich mich endlich wieder mit meiner Leidenschaft, schreibe, was mein Geist mir aufgibt und formuliere, was das Leben mir erzählt hat.

Der Stoff den ich zu Papier bringe, wird dabei nicht erstmalig angegangen, aber erstmalig konstruktiv. Der rote Faden steht, die Inspiration ist da und all meine Leser hier, in diesem Blog, geben mir das notwendig gute Gefühl, das Richtige zu tun.
Jedes Like und jeder Kommentar beflügelt meine Seele und sagt: Du kannst das, trau Dich.

Dafür danke ich jedem einzelnen und ganz besonders Jannis, denn ich fühle mich endlich wie der Mensch der ich immer sein wollte.

Plötzlich kann ich sagen „ich muss schreiben“, ob ich davon leben kann oder nicht und bin endlich auch von meiner deterministischen Geiselhaft befreit, dass ich ja schreiben könne, wenn ich frei habe.

Nein jetzt ist es endlich richtig herum, Arbeiten kann ich, wenn ich nicht schreibe; und es gibt viel zu erzählen.

Bis morgen,

Euer Ulf

Me at last
A few days ago, I received a response to my blog. „Whenever,“ said the writer, „you think now it’s going to go deeper and get interesting, my little story would be over.
„I have the feeling that you have a lot more to say and tell,“ said the Greek voice, „but you usually stop at the surface.“
I was deeply moved by these few sentences from my new friend, because I do indeed have much more to tell than I reveal on the blog. I can even say that this desire to write was a major reason for setting out on my journey; I wanted to finally tell my story. To have the time to dedicate to the written word, to have the courage to change priorities; to write mainly and to work a lot if necessary.
And if it hadn’t been for Jannis getting in touch, I would probably have fallen back into the old rut. Yes, I’m now earning our living with language again, as I once did as a copywriter or actor, but until last week I was again primarily concerned with other people’s words and stories rather than my own.

But for the past five days, I’ve finally gotten back to my passion, writing what my mind tells me and putting into words what life has told me.

The material I am putting down on paper is not being tackled for the first time, but it is being tackled constructively for the first time. The central theme is there, the inspiration is there and all my readers here, on this blog, give me the necessary good feeling of doing the right thing.
Every like and every comment inspires my soul and says: you can do it, dare to do it.

I thank every single one of them and especially Jannis, because I finally feel like the person I always wanted to be.

Suddenly I can say „I have to write, whether I can make a living from it or not and I am finally free from my deterministic hostage that I can write when I have time off.

No, now it’s finally the right way round, I can work when I’m not writing; and there’s a lot to tell.

See you tomorrow,

Your Ulf

Endlich wieder Vogelfänger

Und plötzlich sogar wieder Sonne

(down below in english) „Wo warst du denn? Die Frauen vom Kostüm sind schon da!“ „Welche Frauen vom Kostüm?“ „Na wir! Hier, zieh das mal an, was da auf dem Stuhl liegt!“
Ich tat, wie mir geheißen und nichts war komisch, denn ich kannte das Prozedere, leicht verkatert irgendwo einfach machen was man mir sagt, dann wird schon alles gut. Denn damals als Schauspieler war das normaler Alltag. Irgendwer holt mich irgeqndwo ab und betüddelt mich mit leichter Hektik,bis ich schlussendlich mit einem versifften Textbuch an einem Cateringbus auf meinen Einsatz warten musste.

Diesmal holte mich aber keine Regieassistentin ans Set, sondern der Wecker zurück ins Jetzt und das war waschküchengrau und kalt.

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann es morgens mal so deutsch durchs Fenster winkte. Aber es machte mir eigentlich nichts aus, ich stellte das Kaffeewasser an, blickte in die Ferne und überlegte, wann ich letztmalig so Katastrophen arm geträumt habe.

Und während ich meinen Gedanken so nachhing, krabbelte plötzlich ein Kleinstinsekt an mir vorbei. „Wie schön“, ging es mir durch den Kopf, „ein Vorbote des Frühlings und dazu Vogelgezwitscher, dass mich wie eine mozartsche Ouvertüre vom Papageno in Erinnerungen entführte.

Plötzlich stand ich am Stadtrand von Wien, 10 Mark in der Tasche und auf dem Weg nach München. Danach auf dem alten Marktplatz in Rostock, trampend nach Berlin, mit der Vorfreude auf Döner und Großstadt im Bauch.

Herrlich, trotz Armut frohgemute wie ein Hans im Glück die Zukunft kaum erwarten zu können; selbst wenn das Wetter schlecht ist.

Ich vertraute einfach auf mich und mein Adressheft. Irgendeiner wird schon da sein und sich über das Bier, was ich für 10 Mark bekäme freuen.

Und da wir dann eh bis in die Nacht reden würden, bräuchte ich auch kein Bett, denn der Schlaf würde mich eh mitten im Satz heimsuchen, bis ich wieder erwachen würde und dran denke, dass unten bereits ein Wagen auf mich wartet und mich zur Kostümprobe holt, oder eine Castingdirektoren zwischen Tapes und Fotos dem kleinen Mann aus Westfalen guten Tag sagt.
Ich freue mich schon darauf, was heute Nacht passiert, aber jetzt erst einmal Kaffee und dann Schule, als Lehrer, auf den sich andere junge Menschen freuen, fast so wie ich damals, nur dass sie meist besser vorbereitet sind.

Bis morgen,

Euer Ulf

Bird catcher again at last
„Where have you been? The women from the costume are already here!“ „Which women from the costume?“ „Well, us! Here, put this on, what’s on the chair!“
I did as I was told and nothing was strange, because I knew the procedure – just do what I’m told, slightly hungover, and everything will be fine. Because back then, as an actor, that was normal everyday life. Someone would pick me up from somewhere and would pester me until I finally had to wait for my cue on a catering bus with a filthy textbook.

This time, however, it wasn’t an assistant director who brought me to the set, but the alarm clock brought me back to the present, which was cold and gray.

I can’t even remember when it waved so German through the window in the morning. But I didn’t really mind, I turned on the coffee water, looked into the distance and thought about the last time I had such a poor dream about a catastrophe.

And while I was pondering my thoughts, a tiny insect suddenly crawled past me. „How beautiful,“ it went through my head, „a harbinger of spring and the twittering of birds that transported me into memories like a Mozartian overture from Papageno.

Suddenly I was standing on the outskirts of Vienna, 10 marks in my pocket and on my way to Munich. Then on the old market square in Rostock, hitchhiking to Berlin, with the anticipation of kebabs and the big city in my stomach.

It’s wonderful to be able to look forward to the future like a happy-go-lucky Hans despite poverty, even if the weather is bad.

I simply trusted in myself and my address book. Someone will be there and will be happy about the beer I get for 10 marks.

And since we’d be talking into the night anyway, I wouldn’t need a bed, because sleep would haunt me in the middle of a sentence anyway, until I woke up again and remembered that a car was already waiting for me downstairs to take me to the costume rehearsal, or a casting director was saying hello to the little man from Westphalia between tapes and photos.
I’m looking forward to what happens tonight, but for now, coffee and then school, as a teacher, which other young people look forward to, almost like I did back then, only they’re usually better prepared.

See you tomorrow,

Your Ulf

Von Adolf und Eva

(Down below in english) Jeden Morgen das Gleiche: Aufstehen, Kaffeewasser anstellen und ab an den Strand. Ja, selbst das Leben im Van hat seine Schattenseiten; nur gut, dass sie hier nie vor einem liegen, denn die Sonne geht in Kalamata immer rechts von uns unter.

Es tut mir leid, heute gab es Clown statt Müsli zum Frühstück. Silvana ist auch schon genervt. Also hab ich mich ans Wasser verzogen, lausche dem Rauschen und genieße die Wärme auf der Haut.

Aber zugegeben, ein bisschen vermisse ich das tägliche Echauffieren über Gott und die Welt schon. Kein Hupen, kein Motzen, kein Regen, also auch kein Aufregen (Tusch) und keine schlechten Nachrichten.

Nicht einmal die deutsche Garantie für Gestöhne, der Wetterbericht, ist hier ein Grund zur Klage. Wer weiss, vielleicht hat Eva nur deshalb zum Apfel am Baum der Erkenntnis im Paradies gegriffen, weil ihr langweilig war?!

Ja, Langeweile ist etwas das man ertragen lernen muss, denn während einer langen Weile können einem viele Gedanken durch den Kopf gehen, Gedanken wie dieser „kommt Eile von Weile oder umgekehrt?“

Konnte also der (Er-)Finder von Eile das Tempo nicht mehr ertragen oder der von Weile die Langsamkeit?

Und was hat diese Weile mit dem Kausaladverberbial „weil“ zu tun? Der Philosoph muss an dieser Stelle unweigerlich an Hegel denken, der 1820 postulierte „Wesen kommt von gewesen“; großartiger Gedanke, oder?

Aber Adam und Eva kannten kein Hegel, also konnten sie auch in mutmaßlich mehr als nur einer langen Weile nicht über ihn nachdenken.

Schaut man übrigens in die Bedeutung des Wortes Langeweile, stößt man auf „nichts zu tun haben“, oder „ohne Aufgabe sein“. Aber wenn man es mal ganz genau nimmt, hat man in Momenten der „Langeweile“nicht vielleicht die schwerste Aufgabe von allen zu bewältigen: Sich selbst ertragen lernen?

Ich denke einfach Mal darüber vor, denn ich habe es ja noch nicht getan, also würde „nachdenken“ ja keinen Sinn ergeben, was auch schon wieder sinnlos ist, denn entweder hat etwas Sinn, um nicht zu sagen ist sinnig, oder nicht, Selbst „Unsinn“, wäre ja schon falsch, weil „Un“ ja eine Vorsilbe als Negation ist und das würde ja das Gegenteil eines Sinns sein, also ein anderer.

Wie schön, dass ich endlich für solche Fragen mehr als nur eine lange Weile Zeit habe und gut, dass es hier keinen Baum der Erkenntnis gibt, denn wenn ich die Antwort von ihm erführe, was würde ich dann mit dem Rest meiner Zeit machen? Mich wahrscheinlich darüber aufregen, dass ich nichts zu tun habe, also darüber, dass ich mit meiner Langeweile nichts anfangen könnte, also mit mir.

Bis morgen,

Euer Ulf (Adolf)

From Adolf and Eva
The same thing every morning: Get up, turn on the coffee water and off to the beach. Yes, even life in a van has its downsides; it’s just a good thing they’re never in front of you here, because the sun always sets to our right in Kalamata.

I’m sorry, today we had clown instead of muesli for breakfast. Silvana is already annoyed too. So I’ve moved to the water, listen to the sound and enjoy the warmth on my skin.

But admittedly, I do miss the daily echoes about God and the world a little. No honking, no grumbling, no rain, therefore no excitement (Tusch) and no bad news.

Not even the German guarantee for moaning, the weather report, is a reason to complain here. Who knows, maybe Eve only reached for the apple on the tree of knowledge in paradise because she was bored!

Yes, boredom (German: Long while) is something you have to learn to endure, because during a long while many thoughts can run through your head, thoughts like this „does hurry come from while or vice versa?“

So could the finder of haste no longer bear the speed or the finder of while the slowness?

And what does this while have to do with the causal adverbial „because“? At this point, the philosopher must inevitably think of Hegel, who postulated in 1820 that „being comes from having been“; great thought, isn’t it?

But Adam and Eve didn’t know Hegel, so presumably they couldn’t have thought about him for more than just a long while.

Incidentally, if you look at the meaning of the word boredom, you come across „having nothing to do“ or „being without a task“. But when you get right down to it, don’t you perhaps have the hardest task of all to master in moments of „boredom“: learning to put up with yourself?

I just think about it, because I haven’t done it yet, so „thinking“ wouldn’t make sense, which is also pointless, because either something makes sense, not to say is meaningful, or it doesn’t, even „nonsense“ would be wrong, because „un“ is a prefix as a negation and that would be the opposite of a meaning, i.e. a different one.

How nice that I finally have more than just a long while for such questions and it’s good that there is no tree of knowledge here, because if I found out the answer from it, what would I do with the rest of my time? Probably get upset that I have nothing to do, i.e. that I couldn’t do anything with my boredom, i.e. with me.

See you tomorrow,

Your Ulf (Adolf)

Lieber Max,

(down below in english)

Lieber Max,
mein lieber guter bester Freund, bevor Du morgen in Dein Schweigekloster fährst, möchte ich Dich noch kurz vollabern, denn heute ist ein so schöner Tag, dass ich nicht umhin kann, mich einmal bei Dir zu bedanken.

Seit jetzt etwa 15 Jahren bist Du nun schon an meiner Seite und selten hat “ in guten wie in schlechten Zeiten“ besser gepasst, als bei uns. Obwohl Freunde wohl nicht unterschiedlicher sein können als wir. Gibt es eigentlich überhaupt etwas, bei dem wir nicht antiproportional gestrickt sind?

Ja, eines fällt mir ein, bei der Sehnsucht.

Ich weiss noch genau, wie ich zum Vorstellungsgespräch nach München kam. Es lief alles schief, der LKW-Fahrer, der mich mitnahm, ließ mich Nachts um drei am Flughafen raus, die Bewerbungsmappe war nicht ausgedruckt und der Copyshop hatte geschlossen.

Als ich das Gebäude neben der Senffabrik erreichte, stank ich nach Frustbier und Schweiß und mein zukünftiger Vorgesetzter war ein Spießer. Gut, dass ihm meine Arbeiten, die er ausdruckte so gut gefielen, dass seine letzten Worte waren „wann kannst Du anfangen?“ Denn sonst hätte ich nie beim Golfen auf Schulfluren den Mann kennenlernen können, mit dem ich so gut geistiges Ping Pong spielen kann.

Vom ersten Tag an funktionierten wir, ohne, dass wir uns gegenseitig charakterlich erklären mussten. Klar, ich war ich seit jeher die Labertasche, aber Du hast immer wie mit einem mentalen Skalpell meine Gedanken seziert und filetiert, aus durchgeknallten Scheiß großes Kino gemacht und mich sogar bei Dir einziehen lassen. Wohl der einzige Mensch der Welt, der mich nicht omnipräsent daran erinnerte, was für ein anstrengender Sack ich bin.

Auf sonntäglichen Museumstouren lachten wir über Deine Erlebnisse in Paraguay und meine in Mexiko und festigten dabei ein Band, dass weit über Sympathie hinausging. Wenn ich in Salzburg bei einem Wurstfabrikant zeigen sollte, was ich kann, warst Du natürlich dabei und hast mit mir Parkbänke getestet und ein Hotelbett geteilt und wenn ich mich in meinem Frust verloren habe, hast Du mir meinen Kopf wieder zurechtgerückt.

Oder wenn uns Messen in Frankfurt zu langweilig waren, bist Du mit mir eine Nacht nach Marseille geflogen, einfach so. Wie geil! Mit Dir war ich erstmalig im Auftrag des Herrn unterwegs.

Du bliebst immer der stille Teilhaber all meiner Gedanken und tanzender Freund am Rhein, mit dem ich unzählige Kilometer spaziert bin und meine Hochzeit feiern durfte. Du bist wirklich der einzige, auf den ich mich in meinem Leben immer verlassen konnte, was bestimmt sehr oft nicht leicht war. Du hast mich, wie Silvana jetzt, immer so genommen wie ich war. Nicht schön aber selten.

Wenn ich nicht wusste wohin mit mir, hast Du Dir meinen Scheiss angehört und wenn meine Welt zusammenbrach, mehr als einmal, hast Du mit der Mechanik eines Psychologen aus meinen Aussagen Fragen an mich formuliert und mir geholfen, mir selbst die fehlende Antwort zu geben und ganz selten, konnte ich sogar für Dich da sein.

Und selbst jetzt, wo ich in Griechenland bin und nur selten Deine Stimme wirklich höre, denke ich oft an Dich „Jordan Peterson hat dazu mal gesagt“, klingt es dann in meinen Ohren oder „der Dude macht das schon“.

Der einzige Wehrmutstropfen ist wohl, dass der Dritte im Bunde das Ratpack verlassen hat. Aber ich bin froh, dass Du, wer sonst, noch in Kontakt mit ihm stehst, denn es gibt wohl keinen, der einen Freund wie Dich so gut gebrauchen kann wie er.

Danke, dass es Dich gibt Dude,

Dein Freund Adi, Ulf oder welche Bezeichnung dir grad in den Kopf kommt, ich weiss ja, dass ich gemeint bin, bei wem denn sonst?!

Dear Max,
My dear best friend, before you leave for your silent monastery tomorrow, I would like to give you a quick shout-out because today is such a wonderful day that I can’t help but thank you.

You’ve been by my side for about 15 years now and rarely has „for better or for worse“ been a better fit than with us. Although friends couldn’t be more different than we are. Is there actually anything that we are not antiproportionally knitted?

Yes, one thing comes to mind, when it comes to longing.

I remember exactly how I got to the job interview in Munich. Everything went wrong, the truck driver who gave me a lift dropped me off at the airport at three in the morning, the application folder hadn’t been printed out and the copy store was closed.

When I arrived at the building next to the mustard factory, I reeked of frustration beer and sweat and my future supervisor was a philistine. It’s a good thing he liked the work he was printing out so much that his last words were „when can you start?“ Because otherwise I would never have been able to meet the man with whom I can play intellectual ping pong so well while playing golf in school corridors.

From day one, we worked together without having to explain each other’s character. Sure, I’ve always been the blabbermouth, but you always dissected and filleted my thoughts like a mental scalpel, made great cinema out of crazy shit and even let me move in with you. Probably the only person in the world who didn’t constantly remind me what an exhausting sack of shit I am.

On Sunday museum tours, we laughed about your experiences in Paraguay and mine in Mexico and strengthened a bond that went far beyond sympathy. When I had to show what I could do at a sausage factory in Salzburg, you were of course there to test park benches and share a hotel bed with me, and when I lost myself in my frustration, you set me straight.

Or when trade fairs in Frankfurt were too boring for us, you flew with me to Marseille for a night, just like that. How cool! I was traveling with you for the first time on behalf of the Lord.

You were always a silent partner in all my thoughts and a dancing friend on the Rhine, with whom I walked countless kilometers and celebrated my wedding. You really are the only person I could always rely on in my life, which was certainly not always easy. Like Silvana now, you always took me as I was. Not nice but rare.

When I didn’t know what to do with myself, you listened to my bullshit and when my world collapsed, more than once, you formulated questions for me from my statements with the mechanics of a psychologist and helped me to give myself the missing answer and very rarely, I could even be there for you.

And even now, when I’m in Greece and rarely really hear your voice, I often think of you „Jordan Peterson once said this“, it sounds in my ears or „the Dude will do it“.

The only downer is probably that the third member has left the Ratpack. But I’m glad that you, who else, are still in contact with him, because there’s probably no one who can use a friend like you as much as he can.

Thank you for being there Dude,

Your friend Adi, Ulf or whatever name comes into your head, I know that you mean me, who else?
who else?!

Apsolem hat jetzt Flügel

(Down below in English) Die gute Nachricht zuerst: ich habe viel besser geschlafen. Und jetzt die schlechte: Der Blog wird ab heute später kommen. Denn erstens möchte ich mich weniger stressen und zweitens möchte ich gehaltvoll bleiben oder werden.

Der Ritt auf der Waiküre als schriftliches Fragment soll nicht zu einer Aneinanderreihung irgendwelcher Ereignisse a la “ und das ist passiert nachdem das war“ oder umgekehrt werden, so wie aus einem kleinen unschuldigen Jungen ein Mann mit dem vorbeilasteten Namen Adolf wurde, der mit dem Rufnamen Adi versuchte, diese Bürde zu verdrängen.

Wo wir für einige Leser auch schon bei der nächsten Änderung sind, mei Name ist jetzt wirklich Ulf. Silvana und ich haben gestern gemerkt, dass Adi nicht mehr passt.

Nach Monaten in denen mich Schüler, neue Freunde und Leser Ulf nannten, bin ich mit dieser Bezeichnung sukzessive zu einem neuen Ich verwachsen, das sich nicht mehr als Adolf identifiziert, sondern mit dem Zweitnamen, der laut seiner Mutter eh der erste werden sollte.

Mir gefällt das, wie das Weglassen der schlechten digitalen Nachrichten zum Frühstück und wenn ich nicht schlafen kann, oder das weniger rauchen, weil ich mich nicht mehr gehetzt fühlen mag.

Das heißt nicht, das morgen alles anders oder besser wird, aber das es ab jetzt eine andere Voraussetzung hat, mehr Freundlichkeit und mehr Lust das zu mögen was ich bin und mag und ich hoffe, dass allen Lesern das auch, zumindest meist, gefällt.

Ich freue mich jedenfalls drauf.

Bis morgen Mittag oder irgendwann um den Dreh,

Euer Ulf

Absolem now has wings

First the good news: I slept much better. And now the bad news: the blog will come later today. Because firstly, I want to stress less, and secondly, I want to stay or become content.

The walk in Waiküre as a written quote should not become a string of events a la „and this happened afterwards“ or vice versa, just as a small innocent boy became a man with the overloaded name Adolf, who tried to suppress this burden with the surname Adi.

Which brings us to the next change for some readers: My name is now actually Ulf. Silvana and I realized yesterday that Adi no longer fits.

After months of students, new friends and readers calling me Ulf, I have gradually evolved into a new me who no longer identifies as Adolf, but with the middle name, which according to his mother should have been the first name anyway.

I like that, like skipping the bad digital news for breakfast and when I can’t sleep, or smoking less because I no longer feel rushed.

It doesn’t mean that everything will be different or better tomorrow, but that from now on it will have a different premise, more kindness and more willingness to like me for who I am, and I like that, and I hope all the readers like it too, at least most of the time.

In any case, I’m looking forward to it.

See you tomorrow at noon or sometime there,

Your Ulf

Der Küchenchef enpfielt


(Down below in english) Jeden Tag werden etwa 10 Millionen Essensbilder gepostet. Egal ob kulinarische Leckerbissen oder verbrannter Toast, die digitale Festplatte ist voll von Bildern, die kein Mensch braucht. Der Vorteil dabei scheint, dass das digitale Gehirn nicht aktiv in dem Sinne leben muss, dass es all diese Menüs und andere mehr oder weniger erinnerungswürdige Momente zur Bestreitung anstehender 24 Stunden braucht.

Beim menschlichen Gehirn ist das anders. Jeden Tag kommen auch hier neue Bilder, Töne und Gefühle zum bisher wahrgenommen hinzu und, ob man es will oder nicht, alles Vergangene gestaltet die Perspektive, mit der man das Zukünftige betrachtet.

Wenn ich also jetzt meinen Kaffee genieße, bestimmt sogar meine ehemalige Englischlehrerin Frau Brumberg, Nomen est Omen, wie er mir schmeckt.

Man kann also fast sagen, dass es einem Wunder gleichkommt, dass ich überhaupt noch genießen kann. Glücklicherweise ist dem ganz und gar nicht so, denn es gibt unendlich viel, was ich wie ein Neugeborenes genießen kann. Aber die Nacht gehörl leider nicht dazu.

Wenn es draussen dunkel wird, scheint sich auch mein Geist zu verdunkeln. Beinahe jede Nacht fühlt es sich so an, als blättere ich sämtliche Erinnerungsalben meines Lebens durch, wobei ich mit Themen wie „schlimmste Erinnerungen aller Zeiten zu beginnen scheine und erst gegen sechs bei Zoé, Silvana oder Kalamatas ankomme.

Es ist nicht so, vielleicht leider, dass ich mich daran erinnere, aber ich wache jede Nacht unzählige Male auf und bin gerädert vom Kopfkino, bis der Wecker um sieben Klingelt und der Autor dieses Blogs aufstehen muss.

Ich habe so viel auf dieser Reise zum guten wenden können, aber wenn es um durschlafen geht fühle ich mich wie ein Fisch der fliegen soll, ich kann es einfach nicht. Die unzähligen verkochten Mahlzeiten aus in der Schule sitzen bleiben oder anderer versalzener Erinnerungen auf der Festplatte meines Superrechners, wollen jede Nacht betrachtet werden, als ob mein RAM dächte, dass ohne diese kein Leben möglich wäre.

Ich weiss, dass das Quatsch ist und da ich alles von Freud gelesen habe, habe ich sogar eine Ahnung davon, was mein persönlicher Yogibär mir damit sagen will, aber den Schritt, diese schwatzen Gedanken wie unweigerlich verstreichende Sekunden und Stunden einfach ziehen zu lassen, gelingt mir einfach noch nicht.

Aber vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich genau dieser Baustelle zu widmen, denn alles andere in meinem Leben hat sein Ziel erreicht. Jetzt gilt es also, einfach nur das Gute zu genießen.Wer hätte gedacht, das eine scheinbar so herrliche und dankbare Aufgabe, die schwerste Hürde in einem Leben sein kann?

Aber ehrlich, es gibt doch keinen einzigen Grund, davor Angst zu haben, denn man muss ja nicht Verbrannte Toasts verdauen lernen sondern ausschließlich, Gambas, Hähnchen, Filetsteaks und Schokopudding.

Vielleicht fehlte bisher einfach der Hunger, aber jetzt ist er da!

Bis morgen,

Euer Ulf

The chef recommends
Around 10 million food pictures are posted every day. Whether culinary delicacies or burnt toast, the digital hard disk is full of pictures that nobody needs. The advantage of this seems to be that the digital brain does not have to live actively in the sense that it needs all these menus and other more or less memorable moments in order to cope with the upcoming 24 hours.

The human brain is different. Every day, new images, sounds and feelings are added to what we have already perceived and, whether we like it or not, everything in the past shapes the perspective with which we view the future.

So when I enjoy my coffee now, even my former English teacher Mrs. Brumberg, nomen est omen, determines how it tastes to me.

So you could almost say it’s a miracle that I can still enjoy it at all. Fortunately, that’s not the case at all, because there are so many things I can enjoy like a newborn. But unfortunately, the night is not one of them.

When it gets dark outside, my mind seems to darken too. Almost every night it feels like I’m leafing through all the memory albums of my life, where I seem to start with topics like „worst memories ever“ and only get to Zoé, Silvana or Kalamatas around six.

It’s not, perhaps sadly, that I remember, but I wake up countless times every night and I’m choked up from the head cinema until the alarm clock rings at seven and the author of this blog has to get up.

I’ve managed to turn so much of this trip around, but when it comes to sleeping through the night I feel like a fish that’s supposed to fly, I just can’t do it. The countless overcooked meals from sitting at school or other salty memories on my supercomputer’s hard drive want to be looked at every night, as if my RAM thinks that life is impossible without them.

I know this is nonsense and having read all of Freud, I even have an idea of what my personal yogi bear is trying to tell me, but I just can’t yet take the step of letting these chattering thoughts pass like inevitable seconds and hours.

But perhaps now is exactly the right time to dedicate myself to this construction site, because everything else in my life has reached its destination. So now it’s time to simply enjoy the good: who would have thought that such a seemingly wonderful and rewarding task could be the hardest hurdle in life?

But honestly, there’s not a single reason to be afraid of it, because you don’t have to learn to digest burnt toast, only prawns, chicken, fillet steaks and chocolate pudding.

Maybe I just wasn’t hungry before, but now I am!

See you tomorrow,

Your Ulf

Logbucheintrag vom 30. Januar 2024

(Down below in english) Die See ist stürmisch und der blanke Hans des Mittelmeers tobt nicht nur auf den Meeren sondern auch in meiner Brust, denn kleine Meutereien im virtuellen Raum haben mich zu viel Rum in den Tee schütten lassen.

Wir sind mit der MS Jürmann zwar noch auf dem richtigen Kurs Richtung Glückseligkeit, aber ein dreimal schwarzer Kater hat die Laune von Kapitän Ulfsen verfinstert.

Glücklicherweise ist die erste Steuerfrau auf Posten und hat das Ruder übernommen, sodass der alte Seebär brummig die Krabben fürs Mittagessen pulen kann.

„Warum“, so der alte Kapitän, „müssen immer irgendwo solche Döspaddel sein und warum findet sich auf jedem Deck mindestens ein Hain Blöd“, hustet Ulfsen in den Dreitagebart.
Aber da kommt auch schon Steuerfrau Jürgenson und bringt eine Aspirin mit pechschwarzen Kaffee.

„Weil“, sagt die unerbitterlich frohgemute Offizierin, „das weiss ich nicht Chef, „aber“, holt sie Luft, „deshalb braucht jedes Schiff das dampft und segelt, einen, der die Sache regelt, und das sind glücklicherweise Sie Chef“.

„Ach Kappes“, brummt Ulfsen, „erstens mag ich keine Westerwellischen Zitate und 2. Würde ohne Sie die MSS Jürmann schon viel länger nicht mehr fahren, sondern auf Grund laufen, nech?!“.


„Aber wir fahren und das sollten Sie nicht vergessen Kapitän,  sie bekamen gestern ein Angebot von einer kleinen Reederei, dass sie notfalls die Flagge wechseln können,schon vergessen?!“

„Gut, gut, me Deern“, lächelt Kapitän Ulfsen etwas gequält und steckt sich eine Zigarette in den Mund, dann geh ich jetzt noch Mal kurz an Deck und wenn ich wiederkommen wird gespult, bis die Finger bluten, ja?“

„Eye, eye, Captain, und immer dran denken, ney, nicht lang schnacken, kopp in Nacken“.

„Yo, yo yo yo yo!“

Bis morgen,

Euer alter Seebär Ulf

Logbook entry January 3, 2024
The seas are stormy and the sheer Hans of the Mediterranean is raging not only on the seas but also in my chest, because small mutinies in virtual space have caused me to pour too much rum into my tea.

We are still on the right course towards bliss with the MSS Jürmann, but a triple black hangover has darkened Captain Ulfsen’s mood.

Fortunately, the first helmswoman is on duty and has taken over the helm so that the old sea dog can grumpily pick the crabs for lunch.

Why, says the old captain, do there always have to be such döspaddles somewhere and why is there at least one Hain Blöd on every deck, Ulfsen coughs into his three-day beard.
But then helmswoman Jürgenson arrives and brings an aspirin with pitch-black coffee.

„Because,“ says the implacably cheerful officer, „I don’t know boss, but,“ she takes a breath, „that’s why every ship that steams and sails needs someone to take care of things, and fortunately that’s you boss.“

„Oh, that’s silly,“ grumbles Ulfsen, „firstly, I don’t like Westerwellian quotes and secondly, without you, the MSS Jürmann wouldn’t have been sailing for much longer, it would have run aground, wouldn’t it?“.
„But we are sailing and you shouldn’t forget that, Captain, yesterday you received an offer from a small shipping company that you can change the flag if necessary, remember?“

„Well, well, me Deern,“ smiles Captain Ulfsen a little pained and puts a cigarette in his mouth, „then I’ll go on deck for a moment and when I come back I’ll wind until my fingers bleed, yes?“

„Eye, eye, Captain, and always remember, ney, don’t take too long, head in neck“.

„Yo, yo yo yo yo!“

See you tomorrow,

Your old sea dog Ulf

I had a dream

(down below in english) Puuuh, hab ich einen Scheiss geträumt. Wir waren in New York und wie früher lief erst alles gut bis es plötzlich ins Gegenteil umschlug. Ich kämpfte nach Leibeskräften um gesellschaftliche Akzeptanz, die mir einfach nicht zu Teil werden wollte,weil ich die Dinge zu individuell betrachtete und dementsprechend auch anging.

Und wie kurz vor Beginn unserer Reise, bekam ich es mit der Angst zu tun, dass ich den Ausweg nicht fänd. Ich wusste, dass wir zum Flughafen mussten, aber fürchtete mich, dass ich den Weg nicht finden würde. Ich haderte an meinen Sprachkenntnissen und strampelte in meiner Traumwelt wie eine Fliege in Milch ums überleben.

Dann wurde ich wach und war noch ganz benommen von diesem comicartig pituresken Eindrücken in meinem Kopf und verstand gar nicht, was ich wohl damit verarbeitet habe, denn die Reise auf der ich mich mit Silvana befinde, läuft ausgesprochen gut. Wir finden, was wir suchen und haben keinerlei Sozialisationsprobleme. Im Gegenteil, nie hat man uns mit offenen Armen empfangen als auf unserem Ritt auf der Waiküre und nie war ich mir sicherer, auf dem richtigen Weg zu sein.

Vielleicht muss ich einfach mein Gestern mit dem heute versöhnen und begreifen, in was für einem Leben ich mich befand. Ein hilflos Suchender, der alles für einen Hinweis auf den richtigen Weg gegeben hätte, aber nie bekam.

Mein Fehler war wahrscheinlich, dass ich tief in mir drin, meiner Intention nicht traute, obwohl ich dieser Alternativlösung ausgeliefert war und bin. Mein Weg ist nicht der von vielen anderen, ja ich lebe nicht einmal in der gleichen Welt wie die meisten, nicht zwingend wegen der scheinbar objektiv gleichen Welt, die uns allen gegeben ist, sondern allein schon, wie ich sie sehe.

Andere mögen im Chaos einen Flughafen brauchen, weshalb auch ich mich nach diesem auf den Weg machte, aber mein Platz ist nicht in einer Boing von Lufthansa und Co mit Nahmen Landsberg oder Heidelberg, meine Arche Noah ist ein alter Transporter aus Frankreich mit dem Namen Jürmann.

Und diesen Renault Master fliegt kein Kapitän und ich bin kein Passagier, sondern ich sitze im Cockpit und Silvana ist mein Copilot. Und wir verschwinden nicht mit 1000 Kilometer pro Stunde auf Flügeln über den Wolken, sondern wir fahren mit 80 km/h mitten durchs Leben.

Und während andere in einem New York ankommen und dort zwei oder drei Wochen verweilen, quälen wir uns durch Bosnien, Slowenien und Griechenland, um an Orten wie diesen den ganzen Winter zu verweilen.

Wir reisen nicht um vieles zu sehen, sondern uns zu finden. Und unser Ziel ist die Weite und das Meer, statt verstopfte Straßen. Wo es in New York Gucci gibt haben wir Palmen und wo in der Zivilisation das Leben unruhig pulsiert, plätschern hier sanft die Wellen.

Und während alle fürchten, dass der Urlaub bald vorbei ist, warten wir nur auf den richtigen Moment an dem die Sonne und weiter führt, wohin auch immer.

Bis morgen,

Euer Ulf

I had a dream

Phew, I had a dream. We were in New York and, just like before, everything was going well until it suddenly turned into the opposite. I fought as hard as I could for social acceptance, which I simply didn’t want because I looked at things too individually and approached them accordingly.

And just like just before we started our trip, I was afraid that I wouldn’t find a way out. I knew that we had to get to the airport, but I was afraid that I wouldn’t be able to find the way. I struggled with my language skills and struggled to survive in my dream world like a fly in milk.

Then I woke up and was still in a daze from these comic-like pituresque impressions in my head and didn’t even understand what I was dealing with, because the journey I’m on with Silvana is going really well. We find what we are looking for and have no socialization problems whatsoever. On the contrary, people have never welcomed us with more open arms than on our ride on the Waiküre and I’ve never been more sure that I’m on the right track.

Maybe I just need to reconcile my yesterday with today and realize what kind of life I found myself in. A helpless seeker who would have given anything for a clue to the right path, but never got it.

My mistake was probably that deep down I didn’t trust my intention, even though I was and still am at the mercy of this alternative solution. My path is not that of many others, indeed I don’t even live in the same world as most, not necessarily because of the seemingly objectively identical world that we are all given, but simply because of how I see it.

Others may need an airport in the chaos, which is why I also set off for one, but my place is not in a Boeing from Lufthansa and Co called Landsberg or Heidelberg, my Noah’s Ark is an old van from France called Jürmann.

And this Renault Master is not driven by a captain and I am not a passenger, I sit in the cockpit and Silvana is my co-pilot. And we don’t disappear at 1000 kilometers per hour with wings above the clouds, but we drive right through life at 80 kilometers per hour.

And while others arrive in a New York and stay there for two or three weeks, we torture ourselves through Bosnia, Slovenia and Greece to spend the whole winter in places like these.

We don’t travel to see many things, but to find ourselves. And our destination is the vastness and the sea, rather than congested streets. Where there is Gucci in New York, we have palm trees and where life pulsates restlessly in civilization, the waves lapping gently here.

And while everyone fears that the vacation will soon be over, we’re just waiting for the right moment for the sun to take us onwards, wherever that may be.


See you tomorrow,

Your Ulf

Warten auf Sokratis

(down below in english) Die Nacht war bescheiden. Ironischerweise wahrscheinlich deshalb, weil ich gestern zur Entspannung mal wieder gelesen habe „das egoistische Gen“ von Richard Dawkins.

Ein sehr interessantes Buch und in Bezug auf die philosophische Interpretation biologischer Selektion eines der wichtigsten und besten die je geschrieben wurden. Aber eben auch eines über Selektion und nicht Inklusion.

In den beeindruckenden Bildern und Beschreibungen erzählt und erklärt der Autor, warum die Welt ist, wie sie ist, ohne den Egoismus zu bewerten, aber er spricht ihm eine genetische Relevanz zu.

Ich hatte nie Zeit für dieses Werk und habe mich gestern so darauf gefreut, im Sonnenschein den lang gehegten Wunsch endlich wahr werden zu lassen, diesen Wälzer verschlingen zu können.

Aber ich merkte schnell, dass es mich nicht beflügelt, sondern belastet, zu verstehen. Denn ich bin wohl das, was er selbst eine genetische Fehlmutation genannt hätte, denn im klassischen Sinne habe ich wohl nichts vom darwinistischen „survival of the fittest“, denn ich funktioniere nicht wie die anderen. Ich bin sensibel, wo man hart sein soll, selbstlos, wo Egoismus gefragt ist und mit Geld (Ressourcen), kann ich auch nicht umgehen.

Ich teile mir Bedürftigen und nicht nur mit jenen, von dessen Wohlwollen ich profitieren kann. Meine Schulstunden sind oft länger als sie bezahlt werden, weil es mir wichtig ist, das jeder versteht und Silvana und ich helfen mit Busti kets, wo Menschen allein hilflos wären.

Wir werden Oli wahrscheinlich nicht wieder sehen und wenn, dann nicht um Geld einzutreiben, sondern, um einen lieb gewonnenen Menschen wieder zu sehen.

Und ich bin so naiv, dass ich glaube, dass die meisten Menschen so sind. Ich glaube an das Prinzip von Karma, wenn jeder hilft wo er kann, ist jedem geholfen und wenn alle mehr an den nächsten denken, gibt es weniger Leid.

Interessant ist, dass es auf dieser Reise plötzlich zu funktionieren scheint. Hier wird mir und uns von Fremden geholfen, die sich zumindest keinen Nutzen davon versprechen können oder könnten, uns zu unterstützen und dennoch waren und sind Jannis, Jens Peter und Antonius in Albanien für uns da. Immer? Nicht immer, aber immer, wenn sie können und deshalb möchte ich auch, dass der Name Antonius ein gutes Omen war, denn meine Mama steckte mich mit der Hoffnung an den heiligen Antonius, den Schutzheiligen an und auch deshalb will ich auch, dass es kein Zufall ist, dass der Mechaniker der uns gleich abholt, Sokratis heißt.

Gewiss, das muss nicht so sein, aber wie sagte der verstorbene Papst Benedikt zu Henrik MBroder in Bezug auf Gott und Glauben so schön: Tun sie doch einfach so.

Bis morgen,
Euer und Ihr Ulf

Waiting for Sokratis
It was a modest night. Ironically, probably because yesterday I read „The Selfish Gene“ by Richard Dawkins again to relax.

A very interesting book and, in terms of the philosophical interpretation of biological selection, one of the most important and best ever written. But also one about selection and not inclusion.

In the impressive pictures and descriptions, the author tells and explains why the world is the way it is, without judging selfishness, but giving it a genetic relevance.

I never had time for this work and yesterday I was so looking forward to finally fulfilling my long-cherished wish to devour this tome in the sunshine.

But I quickly realized that it doesn’t inspire me, but burdens me to understand. Because I am probably what he himself would have called a genetic mutation, because in the classic sense I probably have nothing of the Darwinian „survival of the fittest“, because I don’t function like the others. I’m sensitive where you have to be tough, selfless where selfishness is required and I can’t handle money (resources) either.

I share with those in need and not just with those whose goodwill I can benefit from. My school hours are often longer than they are paid for because it is important to me that everyone understands and Silvana and I help with Busti kets where people would be helpless on their own.

We probably won’t see Oli again and if we do, it won’t be to collect money, but to see a loved one again.

And I am so naive that I believe that most people are like that. I believe in the principle of karma, if everyone helps where they can, everyone is helped and if everyone thinks more about the next person, there is less suffering.

It is interesting that it suddenly seems to work on this trip. Here I and we are being helped by strangers who at least cannot or could not expect any benefit from supporting us and yet Jannis, Jens Peter and Antonius were and are there for us in Albania. Always? Not always, but always when they can and that’s why I want the name Antonius to be a good omen, because my mom infected me with the hope of St. Antonius, the patron saint, and that’s also why I want it to be no coincidence that the mechanic who is about to pick us up is called Sokratis.

Of course, it doesn’t have to be that way, but as the late Pope Benedict said to Henrik MBroder in relation to God and faith: just pretend.

See you tomorrow,
Yours and yours Ulf