Metamorphose

(down below in english)Es ist vollbracht, 2023 ist zu Ende. 365 mal 24 Stunden die für uns wirklich alles hatten, was man in ein Jahr packen kann.

Aufbruchstimmung zu Beginn, als weder Silvana noch ich eine Ahnung davon hatten, was uns erwarten würde. Der Jürmann stand noch in der Nähe von Düsseldorf, das Geld war noch auf unserem Konto und all die Bilder, die wir jetzt im Kopf haben, waren noch unkonkretes Wirrwarr.

Silvester 2022 war Silvester 23 noch nicht einmal theoretisch vorhanden. Florenz, Padua, Slowenien, Montenegro, Kroatien, Bosnien, Albanien und Griechenland waren verschiedenfarbige Flecken im Atlas oder Videotitel bei YouTube und kein Kupplungsschaden in Dubrovnik oder Turboproblem 200 Kilometer vor Thirana.

Vor einem Jahr waren Silvana und Ulf noch die, die mit der verrückten Idee, „die niemals funktionieren würde“, weil „wir ja gar keine Ahnung haben und eh viel zu wenig Geld hatten“ und Kalamata war eine Stadt, die für uns noch nicht einmal des Suchens auf einem Globus würdig war.

Bei shunt dachten wir, das jemand vom Klo spricht (in Anlehnung an das westfälisch umgangssprachlichen Synonym Schont). Und 4000 Kilometer nach Griechenland waren noch circa 2500 Meilen geradeaus. Eigentlich ganz einfach.

Aber wir kultivierten unsere Naivität, mieden Infos über Katastrophen und Probleme, denn wir waren auch damals schon über 40 und somit im gefährlichen Angsthasenzyklus a la “ wenn das passiert, drehen wir aber sofort wieder um“. Vor einem Jahr war das Ehepaar, das wir heute sind, noch Männlein und Frau mit Strom aus der Steckdose und 104 Quadratmetern, um sich bei Stress aus dem Weg zu gehen.

Zitronen gab es in grünen Säckchen und nicht Honigmelonengroß an Bäumen, die sogar in Hinterhöfen wuchsen, Weihnachtsmärkte brauchten lange Unterhosen und keine Sonnenbrillen, Calimero war ein Vogel mit Eierschale auf dem Kopf und kein griechisches „guten Tag, dass sich am Ende mit „a“ schreibt und Epicur ein weiser Mann dessen Name dicke Bücher titulierte und kein Tempelbesitzer, dessen Pfade wir mit 2,5 Tonnen Zuhause zu erklimmen versuchten.

Am 31. Dezember letzten Jahres konnten wir uns nicht vorstellen, wie Wellen unserem Van wahrhaftig den Boden unter den Füssen wegreissen können und das Deutschland wirklich das analogste Land der Welt zu sein scheint. Als 2022 endete, dachte ich noch, ich sei angstfrei und Silvana, dass Sie mit 100 PS und Handschaltung überfordert wäre.

Heute parkt sie in drei Zügen mit dem Jürmann rückwärts ein und ich heule in der Ecke, weil ich mir eine Steigung von 25 Prozent nicht zutraue. Heute sagt sie „Stell Dich nicht an“ und ich interveniere ein „Aber“.

Heute stehen wir an einem der schönsten Strände der Welt und liegen nicht auf einer Couch in Horstmar. Jetzt ist ein Jahr vorbei und hat zwei alte Ichs mitgenommen, mit denen wir nur noch äusserlich Ähnlichkeit haben. Aus dem Philosophiestudenten wurde ein Lehrer und aus der Bäckereierkäuferin eine selbstbewusste Frau, die unseren Jürmann komplett selbst ausbaute. Heute sagt sie zu alten weissen Männern nicht aus Prinzip oder Angst, „Du hast Recht“, sondern, „Sei nicht böse, aber. Ich mach das anders“.

Am 31. Dezember2023 ist aus Silvana eine Globetrotterin geworden und aus mir ihr Mann. Im vergangenen Jahr wurde aus uns eine Einheit, die nichts mehr trennen kann.

Und dabei sind wir genau genommen bei unserer ganzen Tour doch eigentlich erst am Anfang.

Und von diesem Anfang im Mittendrin eines Ritts auf der Waiküre, wünschen wir allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Euer Ulf

P.S. Jetzt ist es doch ein Rückblick geworden. Aber morgen ist der 1. Januar und da wird ja bekanntlich wirklich alles ganz anders.

Metamorphosis

It’s done, 2023 is over. 365 times 24 hours that really had everything you can pack into a year.

A spirit of optimism at the beginning, when neither Silvana nor I had any idea what to expect. The Jürmann was still near Düsseldorf, the money was still in our account and all the images we now have in our heads were still a vague jumble.

New Year’s Eve 2022 was not even a theoretical New Year’s Eve 23. Florence, Padua, Slovenia, Montenegro, Croatia, Bosnia, Albania and Greece were different colored spots in the atlas or video titles on YouTube and no clutch damage in Dubrovnik or turbo problem 200 kilometers before Thirana.

A year ago, Silvana and Ulf were the ones with the crazy idea that would never work because we had no idea and far too little money anyway, and Kalamata was a city that wasn’t even worth looking for on a globe.

When we heard the word shunt, we thought someone was talking about the toilet (based on the Westphalian colloquial synonym Schont). And 4000 kilometers to Greece was still about 2500 miles straight ahead. Actually quite easy.

But we cultivated our naivety, avoided information about disasters and problems, because we were already over 40 at the time and therefore in the dangerous „if that happens, we’ll turn around immediately“ cycle. A year ago, the couple we are today were still man and wife with electricity from the socket and 104 square meters to avoid each other in times of stress.

Lemons came in green bags and not the size of honeydew melons on trees that even grew in backyards, Christmas markets needed long johns and not sunglasses, Calimero was a bird with an eggshell on its head and not a Greek „good day“ that ends in „a“ and Epicur was a wise man whose name was the title of thick books and not a temple owner whose paths we tried to climb at home with 2.5 tons.

On December 31st last year, we couldn’t imagine how waves could really tear the ground out from under our van and that Germany really seemed to be the most analog country in the world. When 2022 ended, I still thought I was fearless and Silvana thought she would be overwhelmed with 100 hp and a manual gearbox.

Today, she parks backwards in three moves with the Jürmann and I’m crying in the corner because I don’t trust myself with a 25 percent incline. Today she says „Don’t start“ and I inject a „But“.

Today we are standing on one of the most beautiful beaches in the world and not lying on a couch in Horstmar. A year has now passed and has taken with it two old selves with whom we only bear an outward resemblance. The philosophy student has become a teacher and the baker’s egg buyer has become a self-confident woman, who has completely built our Jürmann herself. Today, she doesn’t say „You’re right“ to old white men out of principle or fear, but „Don’t be angry, but. I’ll do it differently“.

On December 31, 2023, Silvana became a globetrotter and I became her husband. Last year, we became a unit that nothing can separate.

And yet we are actually only at the beginning of our entire tour.

And from this beginning in the middle of a ride on the Waiküre, we wish all our readers a happy new year.

Your Ulf

P.S. Now it has become a review after all. But tomorrow is January 1st and, as we all know, everything really does change.

Von Biohazard zu Roy Black

(down below in english) Seit nunmehr etwa drei Monaten darf ich euch und Ihnen von unserem Ritt auf der Waiküre berichten, aber heute ist der erste Tag, an dem es sich nicht aufdrängt zu schreiben. Denn obwohl gestern wieder so viel Schönes passiert ist, bin ich von jener Zufriedenheit überwältigt, nach der ich so lange gegiert habe. Weit länger, als der kleine rollings stone oder Herr Rossi aus Westfalen, unterwegs ist.

Seit ich denken kann, bin ich auf der Suche, nach Anerkennung in Form von Geld oder Lob und seit dem 25. März 1976 war ich jeden Tag unzufrieden. Warum sonst, bin ich bereits mit vier das erste Mal abgehauen, oder auf Luftmatratze oder einem Boot meinem Leben entflohen? Mehr als einmal musste ich wohl gerettet werden, weil ich bei meiner Neugierde auf das Leben und die welt in Gefahr geraten bin. Mal holte man mich aus einer Tankerfahrrinne in der Nordsee, ein anderes Mal musste mich ein Kapitän in Spanien von einer kleinen Insel zurück nach Mallorca bringen, weil ich ohne zu fragen auf ein Glas-Bottom-Boot gestiefelt bin und einfach wegfuhr.

In der Grundschule habe ich die Rommekasse meiner Mutter geplündert und bin wieder abgehauen und mit zehn wollte ich auf ein Internat, weil es mir zu Hause nicht passte. Weg, weg, weg. Das hat mich im Laufe der Jahre an viele Orte gebracht und in viele Aufgaben geführt, in denen ich ein Heil suchte, Ob Amerika oder Mexiko, als Schauspieler oder Werbekonzeptioner, als Ehemann und Vater oder einsamer Wolf, wenn es eine neue Gelegenheit gab, mich zu verändern, griff ich zu.

Selten hatte ich eine Ahnung was ich tat, aber immer war ich von einem inneren Selbstbewusstsein erfüllt, dass mich mutig vor keiner Herausforderung zurückschrecken ließ. Das dachte ich zumindest, denn erst jetzt weiss ich, dass es kein Selbstbewusstsein war, sondern Unzufriedenheit. Ich war so unzufrieden mit mir und der Welt, dass mir kein Preis zu hoch war, um alles zu ändern.

Als Legastheniker Texter zu werden, ist dabei wohl das passenste Bild, um dieses ewige Dilemma meiner Seele zu beschreiben.

Man sieht also, dass es mir nicht an Fleiss fehlte, was mir oft vorgeworfen wurde, sondern an Orientierung. Weil ich keine Ahnung hatte wer ich war und was ich eigentlich mit meinem Leben anfangen sollte, verlor ich mich in einem sein aus Optionen, dessen Konstanz allein darin bestand, dass es diese nicht gab. Bis jetzt!

Denn seit ich mit Silvana im Jürmann unterwegs bin, habe ich eine Ahnung von dem, was ich in meinem Leben immer schon vermisst habe. Selbstwertgefühl, dass auf sicheren Boden gebaut ist. Ein Bewussein meiner selbst, das sich aus Wissen über das was ich kann und auch aus dem was ich nicht kann zusammensetzt.

Erst jetzt fange ich an morgens zu erwachen und nicht zu denken: „Just another victom kick!“ sondern „schön ist es auf der Welt zu sein!“ Von Biohazard zu Roy Black. Das nenne ich jetzt eine Rolle vorwärts und nicht rückwärts.

Meine Aufgabe besteht nicht mehr darin zu überleben, sondern zu erleben, obwohl Ersteres nie schwieriger war. Unser Geld reicht nur für die Basics, aber diese sind hier in Griechenland und auf dem Weg dorthin endlich nicht mehr Ray Ban, Ralph Lauren oder Porsche, sondern Friede, Freude Eierkuchen; ok, Letzteren mag ich auch heute noch nicht.

Wenn der Jürmann klingt wie eine Dampfmaschine und Silvana mit anlächelt, bin ich glücklich. Und wenn dazu noch eine Nachricht von Zoé kommt, könnte das Glück nicht schöner sein.

Ich habe aufgehört unentwegt zu gieren und zu erwarten, das Heil ausschließlich im Nächsten und immer wieder Neuen zu suchen. Seit Kalamata ist Jetzt das Beste. Nicht weil ich es mir nicht anders vorstellen kann, sondern weil ich froh bin, es erleben zu dürfen.

Bis morgen,

euer Ulf

From Biohazard to Roy Black

For about three months now, I’ve been able to tell you about our ride on the Waiküre, but today is the first day on which it doesn’t feel like writing. Even though so many wonderful things happened yesterday, I am overwhelmed by the satisfaction I have been longing for. Far longer than the little rolling stone or Mr. Rossi from Westphalia has been on the road.

For as long as I can remember, I have been searching for recognition in the form of money or praise and I have been dissatisfied every day since March 25, 1976. Why else did I run away for the first time at the age of four, or escape my life on an air mattress or a boat? I must have had to be rescued more than once because my curiosity about life and the world put me in danger. Once I was rescued from a tanker in the North Sea, another time a captain in Spain had to bring me back to Mallorca from a small island because I stepped onto a glass-bottom boat without asking and simply sailed away.

At elementary school, I plundered my mother’s Romme fund and ran away again and when I was ten, I wanted to go to boarding school because I didn’t like it at home. Away, away, away. Over the years, this has taken me to many places and led me to many jobs in which I sought salvation, whether in America or Mexico, as an actor or advertising designer, as a husband and father or lone wolf, whenever there was a new opportunity to change myself, I grabbed it.

I rarely had any idea what I was doing, but I was always filled with an inner self-confidence that made me brave enough not to shy away from any challenge. At least that’s what I thought, because only now do I know that it wasn’t self-confidence, but dissatisfaction. I was so dissatisfied with myself and the world that no price was too high for me to change everything.

Becoming a copywriter as a dyslexic is probably the most fitting image to describe this eternal dilemma of my soul.

So you can see that I wasn’t lacking in diligence, which I was often accused of, but in orientation. Because I had no idea who I was and what I was supposed to do with my life, I got lost in a world of options whose only consistency was that they didn’t exist. Until now!

Because since I’ve been out and about with Silvana at Jürmann, I’ve had an inkling of what I’ve always been missing in my life. Self-esteem that is built on solid ground. An awareness of myself that is made up of knowledge about what I can and cannot do.

Only now am I starting to wake up in the morning and not think: „Just another victory kick!“ but „It’s nice to be in the world!“ From Biohazard to Roy Black. Now that’s what I call a roll forward and not backwards.

My job is no longer to survive, but to experience, although the former has never been more difficult. Our money is only enough for the basics, but here in Greece and on the way there, they are finally no longer Ray Ban, Ralph Lauren or Porsche, but peace, joy and pancakes; ok, I still don’t like the latter.

When Jürmann sounds like a steam engine and Silvana smiles at me, I’m happy. And when there’s also a message from Zoé, I couldn’t be happier.

I’ve stopped constantly craving and expecting to find salvation only in what’s next and always new. Since Kalamata, now is the best. Not because I can’t imagine it any other way, but because I’m happy to be able to experience it.

See you tomorrow,

your Ulf






Jetzt ist Zoé Isabella

(down below in english) Siehst du dieses Licht?! Die Band! Wir bringen die Band wieder zusammen! Ich weiss nicht, wie oft ich schon dieses Zitat aus Blues Brothers genutzt habe, um verschiedenste Momente zu beschreiben.Aber so gut wie heute, hat es noch nie gepaasst. Ich glaube, nein ich weiss, dass das hier und heute und jetzt, der schönste Morgen der gesamten Fahrt ist.

Für heute habe zumindest ich mich auf den Weg gemacht. Auf diesen Tag habe ich gewartet, wie andere auf ein Paket von amazon oder die Lohnabrechnung. So schön, so warm, so friedlich, so unfassbar harmonisch, war mir noch nie. Das muss er sein, der innere Frieden.

Alles, wirklich alles ist gut. Nicht fantastisch, nicht großartig, nicht schlecht oder ok. Heute bin ich. Für Momente wie diesen, wurde das Wort Eudemonaia ersonnen, für Gefühle wie dieses, sind wir auf Erden. Dafür lohnt es sich zu leben. Denn es bedarf keines Müs mehr, um gesteigert zu werden. Die Seele verlangt nach Nichts, nicht einmal danach, dass es so bleiben mag. Denn sie ist zu gebannt vom Sein, dass sie vergisst zu werden.

Als wir vor knapp einem Jahr das erste Mal über diese Reise sprachen, haben wir von heute geträumt, ohne dass wir das Gefühl haben, jetzt ein Deja Vu zu erleben, denn was uns heute geschenkt wird ist so einmalig, dass es möglicherweise schon mal erlebt wurde, aber noch nie in worten oder Bildern auch nur ansatzweise gebannt werden konnte.

Die Vögel spielen und singen sanft im Wind, wie am jüngsten Tag, Angler zelebrieren ihre Passion, begelitet von Lauten die wir nicht verstehen, weil sie zu weit weg sind, aber dennoch laut genug, um mit dem Rauschen der Wellen zu verschmelzen.

Das Meer ist so sanft da, als wäre es nur für diesen einen Augenblick erschaffen worden. Und die Sonne strahlt so sanft und warm, dass es die Seele zum springen und singen bringt, ohne sich zu bewegen. Die Band spielt, ohne einen Ton von sich zu geben, und Jake Blues strahlt mit breitem Mondgesicht aus dem Himmel auf mich herab.

Ich bin so glücklich, dass die Tränen in meinen Gedanken bleeiben müssen, weil sie die Stille der Glückseligkeit am bleiben stören würden. Jetzt ist das Paradies. Jetzt habe ich das Bild, das mich in dunkelsten Momenten nicht verzweifeln lässt. Der Pinsel der Natur hat eine Venus von Milo geschaffen, ohne dafür malen zu müssen.

Dieses Glück kann man nicht erwarten und auf diese Freude kann man nicht hinarbeiten. Jetzt ist ein Geschenk für die Ewigkeit. Jetzt ist Zoé Isabella.

Bis morgen,

Euer Ulf

Now is Zoé Isabella

Do you see this light? The band! We’re getting the band back together! I don’t know how many times I’ve used this quote from Blues Brothers to describe different moments, but it’s never fit as well as it does today. I think, no I know, that here and now is the best morning of the whole trip.

For today at least I have set off. I’ve been waiting for this day like others wait for a package from amazon or a pay slip. I’ve never felt so beautiful, so warm, so peaceful, so incredibly harmonious. That must be inner peace.

Everything, really everything is good. Not fantastic, not great, not bad or ok. I am today. The word Eudemonaia was invented for moments like this, for feelings like this, we are on earth. It’s worth living for. Because it no longer needs My to be enhanced. The soul longs for nothing, not even for it to stay that way. Because it is too spellbound by being that it forgets to become.

When we first spoke about this journey almost a year ago, we dreamed of today without feeling like we were experiencing deja vu, because what we are being given today is so unique that it may have been experienced before, but could never be captured in words or images.

The birds play and sing softly in the wind, as if on the last day, anglers celebrate their passion, accompanied by sounds that we cannot understand because they are too far away, but loud enough to blend in with the noise of the waves.

And the sea is there so gently, as if it had been created just for this one moment. And the sun shines so softly and warmly that it makes the soul jump and sing without moving. The band plays without making a sound, and Jake Blues beams down on me from the sky with a broad moon face.

I’m so happy that the tears have to stay in my thoughts because they would disturb the silence of bliss. Now is paradise. Now I have the picture that does not let me despair in the darkest moments. The brush of nature has created a Venus de Milo without having to paint for it.

You can’t expect this happiness and you can’t work towards this joy. Now is a gift for eternity. Now Zoé is Isabella.

See you tomorrow,

Your Ulf

Einfach Mal die Fresse halten

(Down below in english) Wenn man wie Silvana und ich auf vier oder fünf Quadratmetern lebt, muss es langfristig  mehr als Palmen geben, dass einen durchhalten läßt. Denn Alltag auf dem Schoß des anderen erfordert viel Kompromissbereitschaft

Jeder ist ein eigener Charakter mit eigener Geschichte und individuellen Prioritäten, was in unserem Fall beispielsweise bedeutet, das Chaos und Ordnung eine solche Symbiose ergeben müssen wir Feuer und Holz.

Der Platz ist zu gering, als dass beide ein Parallelleben führen könnten, sie müssen sich ergänzen. Das ein muss das andere bedingen, ansonsten wird zumindest langfristig eine Seite sterben müssen, was hieße, dass einer von uns beiden keine andere Wahl hätte, als sich total zu verleugnen, um weiterhin mit dem anderen Leben zu können.

Aber wie schafft man es, das Ego zu überzeugen, zurück zu stecken? Sich selbst hinter dem anderen einzuordnen? Zu leben und nicht nur zu sagen: Es ist Grad gut und notwendig, nicht die erste Geige zu spielen. An dieser oder jener Stelle, ist die eigene Herangehensweise hinderlich und die des anderen das Gebot der Stunde?

Indem man so auf das Gemeinsam vertraut, dass man bereit ist, sich selbst konstruktiv in Frage zu stellen und bereit zu sein, in der eigenen Stärke auch die signifikante Schwäche zu entdecken.

Dafür bedarf es Mut, der aus dem Umstand erwächst, sich öffnen zu können auf Basis der Gewissheit, dass man nicht vorgeführt, sondern angenommen wird.

Silvana sagt in solchen Fällen „ich liebe Deinen Tatendrang und Fleiss, aber jetzt bedarf es Geduld, lass mich eine kleine Weile übernehmen“ dann küsst sie mich, nimmt mir beispielsweise das Telefon oder den Rechner aus der Hand und  nötigt mich zum inne halten; weiß Gott nicht meine Kernkompetenz.

Sie hat leider viel zu oft beweisen müssen, dass ihr das Ergebnis Recht gibt, weil ich viel zu sehr mit meinem Ego zu kämpfen hatte, als meine Kraft für eine Gelegenheit zu schonen, wenn wir auf diese vertrauen müssen.

Unser Ritt auf der Waiküre hat diese Königsdisziplin der Selbstbeherrschung in den letzten zehn Wochen so brachial gefordert, das nicht selten, unser gemeinsamer Traum, an einem seidenen Faden hing.

Es waren nicht Geldsorgen oder Pech, was unser Glück bedrohte, sondern die brachiale Zerstörungswut eines, ich muss es noch deutlicher sagen, meines Egos. Denn Aufgeben war das Einzige, was es nie gelernt hatte und somit musste es in Lichtgeschwindigkeit lernen, wofür es eigentlich Lichtjahre bedurft hätte: Vertrauen.

Nicht auf Silvana oder andere, sondern einzig darauf, dass die Lösung nur darin bestehen kann, zurück zu stecken und zu schweigen, obwohl einem keine Alternative auch nur irgendwie als logisch erscheint. Sich darauf zu verlassen, dass andere einen Weg kennen, wo man selbst  nichts als Leere sieht.

Ich habe in solchen Momenten gelernt, das destruktive Potential in meiner Stärke zu akzeptieren, dass schon das Unterlassen von Aktivität die größten Gefahren verhindert.

Das „es einfach nicht schlimmer machen“ das Beste ist, was ich beitragen kann. Dann funktioniert plötzlich der Strom, das Verhältnis zu Mama entspannt sich und das Wichtigste der Welt hat Platz sich zu entfalten: Liebe.

Bis morgen,

Euer Ulf

Just shut the fuck up

If you live in four or five square meters like Silvana and I do, there has to be more than palm trees to keep you going in the long term. Because everyday life on each other’s laps requires a lot of willingness to compromise

Everyone is a different character with their own story and individual priorities, which in our case, for example, means that chaos and order have to form such a symbiosis as fire and wood.

There is too little space for the two to lead parallel lives, they have to complement each other. The one must condition the other, otherwise one side will have to die, at least in the long term, which would mean that one of us would have no choice but to deny ourselves completely in order to continue living with the other.

But how do you manage to convince the ego to step back? To put yourself behind the other person? To live and not just say: It is good and necessary to not play first fiddle. At this or that point, is your own approach a hindrance and the other person’s the order of the day?

By trusting in each other in such a way that you are prepared to constructively question yourself and be ready to discover the significant weakness in your own strength.

This requires courage, which arises from the fact that you can open up based on the certainty that you are not being shown up, but accepted.

In such cases, Silvana says „I love your drive and diligence, but now I need patience, let me take over for a little while“ then she kisses me, takes the phone or computer out of my hand, for example, and forces me to pause; God knows this is not my core competence.

Unfortunately, she has had to prove her point far too often, because I’ve had far too much to do with my ego to spare my strength for an opportunity when we need to trust in it.

Our ride on the Waiküre has challenged this supreme discipline of self-control so brutally over the last ten weeks that our shared dream has often hung by a thread.

It wasn’t money worries or bad luck that threatened our happiness, but the brute destructive rage of, I have to say it even more clearly, my ego. Because giving up was the only thing it had never learned and so it had to learn at the speed of light what would have taken light years: trust.

Not in Silvana or others, but only in the fact that the solution can only be to stand back and remain silent, even though no alternative seems even remotely logical. Relying on others to know the way where you see nothing but emptiness.

In moments like these, I have learned to accept the destructive potential in my strength, that even refraining from action prevents the greatest dangers.

That „simply not making it worse“ is the best thing I can do. Then suddenly the electricity works, the relationship with mom relaxes and the most important thing in the world has room to unfold: Love.

See you tomorrow,

Your Ulf

Ganz schön viele „Jäger“

(down below in english) Eigentlich ist gestern nichts passiert. Die Sonne schien und, wie Bob Marley so schön sang „and the weather was easy“, als plötzlich ein Mann in Militäruniform neben uns hielt, Ausstieg und sich in seiner Camouflagekostümierung bewaffnete.

In aller Seelenruhe verstaubte er seinen Revolver im Halfter und verschloss an der Hüfte einen Monitonsgürtel. Beim Umhängen einer automatischen Waffe, begrüßte ihn und uns ein Zweiter, der nach ähnlichem Ritual mit Kimme und Korn, nur eben als Laser, einen Hund ins Visier nahm, dann jedoch lachend von einem Vorhaben wie diesem glücklicherweise wieder Abstand nahm.

„Wahrscheinlich Jäger“, meinte Peter. Doch als ich den Müll entsorgte, sah ich ganz schön viele „Jäger“. Außerdem deponiert man erlegte Wildschweine oder Rehe doch normalerweise auch nicht auf Militärfahrzeugen, ging es mir durch den Kopf. Und Kampfboote hatten mein Vater und seine Kollegen damals auch nicht dabei.

„Heul nicht rum, Dude“, zwang ich meinen Geist, sich zu beruhigen, „andere Länder, andere Sitten“. Und so ging ich, leicht irritiert, zurück zum Motorhome und begann meinen Blog zu schreiben, als plötzlich ein Maschinengewehrlauf an mein Fenster klopfte.

„Sind Sie hier im Urlaub?“ Hörte ich die Stimme des Besitzers ernst fragen. „Öhhh ja, …“ stammelte ich, noch etwas überfordert von so viel  Realität aus Nachrichten zum Frühstück. Und während ich auf den Gewehrlauf starrte, löcherte mich „Full Metal Jacket“ mit Fragen über Reisevorhaben und Ziele.

„In die Türkei würde ich jetzt nicht fahren, da sollten Sie wirklich Angst haben“ kommentierte Mann unsere Pläne. „OK, … ähmm, machen Sie hier grad ein Manöver?“ Versuchte ich daraufhin den Geschehnissen mit mir bekannten Bildern und Worten das Zittern in den Knien zu nehmen.

„Sowas ähnliches. Wir sind eine Privatarmee aus bewaffneten Bürgern, die als Eingreiftruppe dem Staat im Notfall sofort unter die Arme greifen kann. Eigentlich, dürfen wir auch keine Munition haben, weshalb wir momentan ohne unterwegs sind“, wurde mir bereitwillig geantwortet, während ich dachte „öffentlicher Auftrag wäre mir irgendwie lieber gewesen“ und auch Silvana konnte nur ein festgefrorenes Grinsen zum Besten geben.

Dann verabschiedete man sich und 20 Minuten später war alles vorbei.

So sehen also Milizen oder sogenannte Partisanen aus, resümierte ich flüsternd und drehte mit zittriegen Fingern eine Zigarette.

Meine Freiheit möchte von derlei Gestalten aber nicht unbedingt verteidigt werden und ob Bob Marley meiner Meinung gewesen wäre, weiß ich langsam auch nicht mehr. Für den von mir als Jugendlichen so gefeierten Che Guevara, wäre das grad jedenfalls ein Fest gewesen. Ich trage sein Konterfei -spätestens jetzt –  jedenfalls nicht mehr spazieren.

Bis morgen,

Euer Ulf

Hier fand alles statt, ein Beweisfoto hab ich besser unterlassen

Quite a lot of „hunters“

Nothing really happened yesterday. The sun was shining and, as Bob Marley sang so beautifully, „and the weather was easy“, when suddenly a man in military uniform pulled up next to us, got out and armed himself in his camouflage costume.

He calmly stowed his revolver in his holster and fastened a monitor belt to his hip. As he and we put on an automatic weapon, we were greeted by a second man who, following a similar ritual with rear sight and front sight, only as a laser, took aim at a dog, but then, laughing, fortunately refrained from such an undertaking.

„Probably hunters,“ said Peter. But when I was disposing of the garbage, I saw quite a few „hunters“. Besides, you don’t normally dump wild boar or deer on military vehicles, I thought. And my father and his colleagues didn’t have combat boats with them back then either.

„Don’t cry about it, Dude“, I forced my mind to calm down, „other countries, other customs“. And so, slightly irritated, I went back to the motorhome and started writing my blog when suddenly a machine gun barrel knocked on my window.

„Are you here on vacation?“ I heard the owner’s voice ask sternly. „Uhhh yes, …“ I stammered, still a little overwhelmed by so much reality from breakfast news. And while I stared at the barrel of the gun, „Full Metal Jacket“ peppered me with questions about travel plans and destinations.

„I wouldn’t go to Turkey now, you should really be scared,“ Mann commented on our plans. „OK, … umm, are you doing a maneuver here?“ I then tried to take the tremor out of my knees with familiar images and words.

„Something like that. We are a private army made up of armed citizens who can immediately assist the state in an emergency. Actually, we’re not allowed to have any ammunition, which is why we’re currently traveling without any,“ I was readily answered, while I thought „I would have preferred a public order somehow“ and Silvana could only give a frozen grin.

Then we said goodbye and 20 minutes later it was all over.

So this is what militias or so-called partisans look like, I whispered and rolled a cigarette with shaky fingers.

My freedom doesn’t necessarily want to be defended by such figures and I’m beginning to wonder whether Bob Marley would have agreed with me. It would have been a celebration for Che Guevara, who I celebrated so much as a teenager. In any case, I no longer wear his likeness – at least not now.

See you tomorrow,

Your Ulf

.

.

Hurra, wir leben noch!

Am Tag danach, als wäre nichts gewesen.

(down below in english) Der Jürmann bog sich förmlich in den Winden und versuchte mit letzter Kraft ein bisschen Standfestigkeit zu bewahren, während der Regen aus allen Richtungen auf ihn einprasselte und dieses Decresendo der Naturgewalten uns aus dem Schlaf riss.

„Nichts Neues“, dachten wir uns, von den Erfahrungen der letzten Wochen geschult und riskieren nur einen beiläufigen Blick aus dem kleinen Fenster, um das Spektakel der Blitze in den Bergen zu bestaunen.

Wir sahen jedoch keine Blitze, sondern nur Baumreste und anderen Morast von Wind und Wellen zum tanzen gebracht. „Weg, weg, wir müssen hier sofort weg!“, rief ich Panik erfüllt zu Silvana, während diese, cool wie eine alte Hühnerglucke, ihren kleinen Ulf mit „bleib ruhig, Schatz!“ Zur Besinnung mahnte und sich anzog.

Ich konnte also nicht wie früher durchdrehen und in wilden Aktionismus verfallen, sondern mich nur mit Pullover, Hose und Schuhwerk bewaffnen, um im Anschluss mit aller Gewalt die vom Sturm verriegelte Tür zu öffnen.

Es war beängstigend und großartig zugleich, sich auf vormals festem Boden wie auf hoher See zu fühlen, nur das man hier nicht verzweifelt mit einem Eimer das Deck vom Wasser versucht zu befreien, sondern sich vorsichtig durch tiefe Pfützen am Jürmann entlang in die Fahrerkabine zu kämpfen hatte.

Zum Glück ließ uns der Motor nicht im Stich und sprang sofort an, aber an vorwärtskommen war nicht zu denken. Also im Rückwärtsgang, beinahe blind in den Schutzhafen der Saisonhütten für Badegäste, wo wir erstmalig nach gefühlten Stunden (,es können nur Minuten gewesen sein), durchatmen konnten.

Als die Sonne dann schließlich mühsam einige Strahlen durch die dicke Wolkendecke bohrte, beruhigte sich auch die See ein wenig, aber es regnete weiterhin sogar von unten.

Irgendwann folgte ich Capitänin Jürgens Anweisungen und erkundete den einzig möglichen Fluchtweg in die Freiheit. Denn wir wollten auf keinen Fall mit den Bewohnern wie auf Guilligens Insel hier länger als nötig verweilen.

„Ja, es sind noch große und tiefe Pfützen zu überwinden, aber die größten Hürden hab ich beseitigt“, rapportierte ich und erntete einen dicken Schmatzer zum Dank dafür.

„Also los“, beschloss Silvana,“ die Wellen cruisen sich hoch ein. Jetzt oder nie!“

Und. Während ich nervös ein Kreuzzeichen schlug, befestigte die Frau meiner Träume, die mich also auch in Alpträumen nicht allein ließ, unser Hab und Gut im Jürmann.

Dann stellten wir uns der Natur mit 2.5 Tonnen auf 100 PS.

Es wackelte und schaukelte. Aber jedem Abrutschen könnte entgegen gelenkt werden, bis wir, mit Schutzblech auf dem Bett wieder in Sicherheit waren.

Durchatmen, umarmen und knutschen, bis die Anspannung langsam nachließ. „Besser hätte man es nicht machen können“, schlug ich mir selbst auf die Schultern. Nur Silvana fand dann doch noch ein Haar in der Suppe “ Wir haben den Handfeger vergessen“.

Bis morgen,

Euer Ulf

Hooray, we’re still alive!


The Jürmann was literally bending in the winds, trying with his last ounce of strength to maintain a bit of stability while the rain pelted down on him from all directions and this decresendo of the forces of nature tore us from our sleep.

„Nothing new,“ we thought to ourselves, trained by the experiences of the last few weeks, and only risked a casual glance out of the small window to marvel at the spectacle of lightning in the mountains.

However, we didn’t see any lightning, just the remains of trees and other debris made to dance by the wind and waves. „Away, away, we have to get out of here now!“ I shouted in panic to Silvana, while she, cool as an old hen’s cluck, urged her little Ulf to calm down with „stay calm, darling!“ and got dressed.

So I couldn’t go crazy and go into wild actionism like I used to, I could only arm myself with a sweater, trousers and shoes and then force open the door that had been locked by the storm.

It was scary and great at the same time to feel like you were on the high seas on previously solid ground, except that here you didn’t have to desperately try to clear the deck of water with a bucket, but had to carefully fight your way through deep puddles along the Jürmann into the driver’s cab.

Fortunately, the engine didn’t let us down and started immediately, but there was no way of moving forward. So we reversed, almost blindly, into the shelter of the seasonal cabins for bathers, where we were able to take a deep breath for the first time after what felt like hours (it could only have been minutes).

When the sun finally managed to pierce a few rays through the thick cloud cover, the sea calmed down a little, but it was still raining, even from below.

At some point, I followed Captain Jürgen’s instructions and explored the only possible escape route to freedom. We didn’t want to stay here longer than necessary with the inhabitants of Guilligen’s Island.

„Yes, there are still large and deep puddles to overcome, but I’ve cleared the biggest hurdles,“ I reported and received a big pat in return.

„So let’s go,“ Silvana decided, „the waves are getting high. It’s now or never!“

And. While I nervously made the sign of the cross, the woman of my dreams, who wouldn’t leave me alone even in my nightmares, secured our belongings in the Jürmann.

Then we faced nature with 2.5 tons at 100 hp.

It wobbled and rocked. But we were able to counteract any slippage until we were safe again with a protective sheet on the bed.

We took a deep breath, hugged and smooched until the tension slowly subsided. „It couldn’t have been done any better,“ I slapped myself on the back. Only Silvana found a fly in the ointment: „We forgot the hand brush“.

See you tomorrow,

Your Ulf




Nie wieder Sonnenuntergang

(down below in englisch) Die Welt des Zeus endet am Styx, dem Fluss, der die Lebenden von den Toten trennt. Genau hier findet ergo auch das Reich des Hades seinen Anfang, die Unterwelt.

Wörtlich genommen ist folglich, wenn der Gott der Unterwelt zu seiner geliebten Frau Persephone eilt, oder Orpheus nur mit einer Laute bewaffnet hier seine Eurydike befreien möchte, ein Untergang.

Die symbolische Wortbedeutung, nahm wohl mit  Schiffsuntergängen wie dem der Titanic 1912 ihren Anfang und erreichte mit Zeitenwendepunkten wie dem Ende des Römischen Reiches oder der Regentschaft Napoleons nach seiner Niederlage bei Leipzig 1812, wohl seine ganze (negative) Strahlkraft.

Warum, spricht man also auch bei einem der schönsten Momente die ein Mensch erleben kann, beim Sonnenuntergang  von Untergang und nicht beispielsweise von einem Finale oder dem Sonnenkuss?

Weil sie Abends so einmalig wie ein glückliches Gesicht ins Meer zu tauchen scheint, beinah wie unser Jürmann heute Morgen, als die Wellen ihn sanft untergruben, weshalb wir schnell flüchten mussten und erst jetzt schreiben können.

Hier standen wir

Da war wirklich Untergangsstimmung, weshalb ich zukünftig bei der innigen Berührung von Sonne und Meer von  einem Liebesspiel zweier Planeten sprechen möchte und nie wieder Untergang.

Bis morgen,

Euer Ulf

Endlich weder festen Boden unter den Rädern

Never again sunset
The world of Zeus ends at the Styx, the river that separates the living from the dead. This is also where the realm of Hades, the underworld, begins.

Taken literally, therefore, when the god of the underworld rushes to his beloved wife Persephone, or Orpheus, armed only with a lute, wants to free his Eurydice here, it is a downfall.

The symbolic meaning of the word probably began with the sinking of ships such as the Titanic in 1912 and reached its full (negative) radiance with turning points such as the end of the Roman Empire or Napoleon’s reign after his defeat at Leipzig in 1812.

So why do we talk about one of the most beautiful moments a person can experience, the sunset, and not, for example, a finale or the kiss of the sun?

Because in the evening it seems to dive into the sea as uniquely as a happy face, almost like our Jürmann this morning when the waves gently undermined him, which is why we had to flee quickly and are only now able to write.

It really was doom and gloom, which is why in future I would like to speak of the intimate contact between sun and sea as a love match between two planets and never again of doom.

See you tomorrow,

Your Ulf

Here’s Johnny!

(down below in english) Sonnenschein und Gewitter geben sich hier derzeit beinahe täglich die Klinke in die Hand. Das ist wunderschön, denn tagsüber kann man, auch jetzt im November, im T-Shirt an den Strand. Und Abends kuschelt es sich bei Blitz und Donner nochmal so schön.

Manchmal frag ich mich dennoch, was die Wildhunde so treiben, wenn es wie aus Eimern gießt.

Sie hocken vielleicht aneinandergeschmiegt irgendwo in einer Felsspalte oder unter einem Vorsprung und warten mit stoischer Ruhe auf das Ende von Zeus‘ Himmelsspektakel, während wir im Jürmann schlummern dürfen.

Ein Hundewetter sieht für sie wohl anders aus.

Erst morgens, wenn nur noch gigantische Pfützen von Starkregen und brachial gefällte Astgabeln auf Wegen und im Meer von Blitzen zeugen, kommen diese treuen Gefährten langsam wieder aus ihren Löchern gekrabbelt.

Ganz ohne Gebell, als wäre nichts passiert, machen sie sich erneut auf Futtersuche oder sitzen wie ich am Wasser und genießen die Morgensonne.

Es sei denn, es hat durch einen kleinen Schlitz in der Tür rein geregnet, sodass meine Schuhe so nass sind, dass man sie auswringen könnte.

Dann knütter ich mich barfuß über Kieselsteine, die am Ufer wie Eiswürfel in einem Whiskeyglas umherkullern und genieße eine Morgenzigarette.

Aber wenn dann plötzlich Johnny, als wolle er meine Not lindern, mit angespülten Schuhen im Maul vor mir steht und sich auf Streicheleinheiten freut, ist meine schlechte Laune gleich wieder verschwunden. Auch wenn er sich neugierig über meinen Kaffee hermacht.



Ich wünsche allen einen ähnlich schönen guten  Morgen

Euer Ulf

Here’s Johnny!

Sunshine and thunderstorms are almost a daily occurrence here. That’s wonderful, because during the day you can go to the beach in a T-shirt, even now in November. And in the evening, it’s so nice to snuggle up with thunder and lightning.

Sometimes I wonder what the wild dogs are doing when it’s pouring with rain.

They might be huddled together somewhere in a crevice or under a ledge, waiting with stoic calm for the end of Zeus‘ celestial spectacle while we slumber in the Jürmann.

Dog weather probably looks different to them.

Only in the morning, when only gigantic puddles of heavy rain and brute forks of branches on paths and in the sea bear witness to lightning, do these faithful companions slowly come crawling out of their holes again.

Quite without barking, as if nothing had happened, they set off again in search of food or, like me, sit by the water and enjoy the morning sun.

Unless it has rained purely through a small slit in the door, so that my shoes are so wet that you could wring them out.

Then I kneel barefoot over pebbles that roll around on the shore like ice cubes in a whiskey glass and enjoy a morning cigarette.

But when suddenly Johnny, as if he wanted to relieve my distress, stands in front of me with washed-up shoes in his mouth, looking forward to being stroked, my bad mood disappears right away. Even when he curiously gets hold of my coffee.

I wish everyone a similarly beautiful good morning

Your Ulf

Apokalypse now!

(Down below in english) Jetzt um 11 erinnert nur noch der feuchte Boden und die unfassbar reine Luft an die Blitze und den Donner, die vor wenigen Stunden noch das friedliche Umland zwischen Berghöhen und  Korfu mit einem Spektakel inszenierten, das meines Erachtens seines Gleichen sucht.

Eigentlich begann alles mit einem unfassbar schönen Sonnenuntergang, der mit einer so selbstverständlichen Ruhe die Wolken in Tiefosa tauchte, dass nicht nur uns der Atem stockte.

Kein Passant, kein Camper, ja selbst die Kellner im benachbarten Fischrestaurant konnten sich diesem Zauber entziehen. Alle standen mit offenen Mündern am Pier und ließen sich von Sonnenstrahlen wie im Märchen verzaubern und nach nur 20 Minuten war alles vorbei und der Himmel dunkel.

Es hatte etwas von Theaterathmosphäre, wenn die Lichter im Saal erlischen und das Publikum tuschelnd auf die Vorstellung wartet, die sich wie im wahren Leben so lang Zeit ließ, bis auch der Letzte sich gesetzt hat um das anstehende Schauspiel nicht unpfleglich zu unterbrechen.

Die ersten Regentropfen ergossen sich dann gegen 10, aber erst nach zwei in der Früh begann sich der Wind zu Böen zu formieren, die wenig später orkanartig ihr Unwesen treiben sollten.

Bühne frei!

Mit einem urplötzlichen KAWUMM!!, das nur Shakespeare annähernd so hätte inszenieren können, erbebte der Boden bis der Jürmann wackelte und das, was bis dato als unschuldige Tröpfchen bekannt war, schmetterte aus allen Richtungen auf alles, was sich der Natur in den Weg zu setzen schien.

Jeder Blitz, ein brennendes Inferno der Lüfte und jeder Donner die Pauke des Allmächtigen.

Flash for fantasy

Wer jetzt noch schlief, der ruhte in Frieden!

Und ich, vom Regen tropfnass und mit eingefrohrenem Lächeln im Gesicht mittendrin, bis gegen sieben die Sonne den Vorhang erzwang und das Saallicht wieder zu entzünden schien.

Zugabe!

Euer Ulf

Wir freuen uns über jede auch noch so kleine Spende, unter:

https://paypal.me/@Silvana379

Apocalypse now!

Now at 11 only the damp ground and the incredibly pure air reminds of the lightning and thunder, which just a few hours ago staged the peaceful surrounding countryside between mountain heights and Corfu with a spectacle that in my opinion is without equal.

Actually, it all began with an incredibly beautiful sunset that bathed the clouds in deep Pink with such a self-evident calm that not only we took our breath away.

No passerby,no camper, yes even the waiters in the neighboring fish restaurant could escape this magic. All stood with open mouths on the pier and let themselves be enchanted by sunbeams like in a fairy tale and after only 20 minutes everything was over and the sky was dark.

It had something of a theater atmosphere when the lights in the hall go out and the audience waits, whispering, for the performance, which took its time, as in real life, until even the last one sat down so as not to interrupt the upcoming spectacle in an uncaring manner.

The first raindrops poured down around 10, but it was only after two in the morning that the wind began to form gusts that were to make hurricane-force winds a little later.

Clear the stage!

With a sudden KAWUMM!!! that only Shakespeare could have staged in such a way, the ground shook until the Jürmann shook and what was known until then as innocent droplets smashed from all directions on everything that seemed to get in the way of nature.

Every flash of lightning, a burning inferno of the air and every thunder the timpani of the Almighty.

Those who were still asleep now, rested in peace!

And I, dripping wet from the rain and with frozen smile in the face in the middle of it, until around seven the sun forced the curtain and seemed to light the hall light again.

Encore!

Your Ulf