(down below in english) Bedecke deinen Himmel Zeus, mit Wolkendunst. Und übe, dem Knaben gleich, der Disteln köpft.
So beginnt der junge Goethe seiner Wut auf Gottheiten Luft zu machen und mir klingen seine Worte wie Donnerhall in den Ohren, wenn der Wind wie auf Helgoland wütet und dazu Blitze aus den Bergen auf uns nieder preschen.
Urgewalten bahnen sich hier ihren Weg, ohne Rücksicht auf Verluste. Wer sich nicht in Sicherheit gebracht hat, wird von orkanartigen Regenfällen wie von einem Lasso umschlungen und vom. Wind in die wilden Fluten gestoßen.
Der Schall aufeinanderprallender Luftmassen direkt über uns, läßt den Jürmann erzittern und unsere Blicke stieren ergriffen durch die Fenster in ein Spektakel, das Wagner nicht besser hätte inszenieren können.
Hier in Griechenland beginnt der Winter nicht sanft mit hinabfallenden Blättern als Herbst. Hier folgt er auf Frühling oder Sommer. Am gleichen Tag, bleibt dann manchmal nur 20 Minuten und verschwindet genauso schnell wieder.
Aber wenn er so plötzlich auftaucht, wie ein ungebetener Gast an Weihnachten, dann werden kleine Hunde an der Leine ihres Herrchens zu Drachen und vier Quadratmeter zu einem Liebesnest, dass nie wieder verlassen werden möchte. Es sei denn, es wird gleich wieder Sommer.
Bis morgen,
Euer Ulf
Cover your sky Zeus,
with cloudy haze. And practice like the boy who beheads thistles.
This is how the young Goethe begins to vent his anger at deities and his words ring in my ears like thunder when the wind rages as if on Heligoland and lightning flashes down on us from the mountains.
Elemental forces make their way here, regardless of the consequences. Those who have not taken shelter are lassoed by hurricane-like downpours and thrown into the wild waters by the wind. wind into the wild floods.
The sound of colliding air masses directly above us makes the Jürmann tremble and our gazes stare through the windows into a spectacle that Wagner could not have staged better.
Here in Greece, winter does not begin gently as autumn with falling leaves. Here it follows spring or summer. On the same day, it sometimes lasts only 20 minutes and disappears just as quickly.
But when it appears as suddenly as an uninvited guest at Christmas, small dogs on their master’s leash become dragons and four square meters become a love nest that never wants to be left again. Unless it’s about to be summer again.
(Down below in english) Gestern war es soweit, wir sind wieder gestartet. Raus aus der Comfort Zone Igoumenitsa zurück ins Abenteuer. Ein letztes Gyros mit unseren neuen Freunden Andrea und Nikita in der Stadt und dann los Richtung Süden.
Und beide überkam ein wenig Wehmut, man könnte fast sagen Heimweh, als wir um die Ecke Richtung Parga bogen. Das kleine örtchen an der Grenze zu Albanien war uns mit seiner unscheinbaren Schönheit und ihren freundlichen Bewohnern wie Gästen ans Herz gewachsen.
Aber wir hatten den Jürmann ja als mobiles Heim gedacht und so freuten wir uns auch auf das, was uns jetzt erwarten würde.
Und wir würden wahrlich nicht enttäuscht. Traumstrände, so weit das Auge reicht und jeder einzelne war ein Erlebnis. Dennoch, wir spürten, das uns die letzten Wochen verändert haben. Ein Traumstrand ist ein Traumstrand, aber wir bekamen Lust auf Menschen. Es muss ja nicht gleich Istanbul sein.
Also verließen wir eine einsame Lagune, schön wie in „the beach“ nur, weil wir den Kaffee vergessen haben und fuhren weiter. Diesmal ohne Navi, nur die Nase im Wind und den Blick in die Ferne, bis wir Parga erreichten.
Unbeschreiblich schön, wie die niederländischen Antillen. Einsame kleine Inseln, bewohnt wie von Jim Knopf, vor einer kleinen Bucht, die von den Menschen liebevoll gestaltet wurde. Nur ein paar Hotels, dessen Auffahrten für uns jedoch wirklich unpassierbar waren. Natürlich der einzige Grund, warum wir nicht einkehren.
Wir genossen also den Sonnenuntergang, auch wenn es ein wenig wolkig war und fuhren später glückselig in einen weiteren, noch kleineren Ort, wo wir heute erwachten. Hier, wo wir endlich an unseren Kaffee dachten und genau zwischen vereinzelten Häusern und einem Strand, an dem die Wellen 50 Meter lang auslaufen, werden wir bleiben, sagten wir uns und lächelten in den Regenbogen
Nur für ein paar Tage versteht sich. Wie immer.
Bis morgen,
Euer Ulf
Welcome and farewell
Yesterday was the day, we took off again. Out of the comfort zone of Igoumenitsa and back into adventure. One last gyros with our new friends Andrea and Nikita in the city and then off south.
And both of us were a little nostalgic, you could almost say homesick, as we turned the corner towards Paga. We had grown fond of the small village on the border with Albania with its unassuming beauty and friendly inhabitants and guests.
But we had thought of the Jürmann as a mobile home and so we were looking forward to what awaited us.
And we were not disappointed. Dream beaches as far as the eye could see and every single one was an experience. Nevertheless, we felt that the last few weeks had changed us. A dream beach is a dream beach, but we were in the mood for people. It doesn’t have to be Istanbul.
So we left a lonely lagoon, beautiful as in „the beach“ only because we forgot the coffee and drove on. This time without a satnav, just our noses in the wind and a view into the distance until we reached Paga.
Indescribably beautiful, like the Dutch Antilles. Lonely little islands, inhabited as if by Jim Knopf, in front of a small bay that has been lovingly landscaped by the people. There were only a few hotels, but their driveways were really impassable for us. The only reason why we didn’t stop off, of course.
So we enjoyed the sunset, even if it was a little cloudy, and later drove blissfully to another, even smaller town, where we woke up today. Here, where we finally thought of our coffee and right between scattered houses and a beach where the waves run out for 50 meters, we will stay, we said to ourselves and smiled into the rainbow
(Down beloe in english) heute vor 81 Jahren, wurdest Du geboren und dennoch gibt es Dich schon seit sechs Jahren nicht mehr.
Ich weiss noch genau, wie ich damals, Mitten im Abiturstress zu Dir in die Klinik gefahren bin und Dich besuchte. Gesprochen haben wir beiden aber nicht mehr miteinander.
Du lagst im Bett, nach der OP, vollgepumpt mit Propophol und aufgedunsen von all den anderen Medikamenten die man Dir verabreichte auf dem Bauch, mit dem Gesicht nach unten und ich stand hilflos an Deiner Seite.
Ich hab mir so gewünscht, mich noch mit Dir zu versöhnen, aber die Gelegenheit gab es leider nicht mehr, Du musstest gehen. Und ich es akzeptieren.
Zoé war damals 12 und fragte mich, ob Du wieder gesund würdest und ich konnte nicht lügen und meinte “ ich fürchte nicht. Und ich glaube auch, dass es wohl besser ist, denn man müsste Dir sonst die Beine abnehmen und das würde Opa geistig wohl nicht verkraften“.
Dann kamen mir wie jetzt die Tränen und sie, das kleine Mädchen, nahm mich in den Arm und sagte “ ich bin ja bei Dir Papa“.
In diesem Moment habe ich zum ersten Mal wirklich gespürt, was Zeit ist, dass sie unaufhörlich voranschreitet und alle mitnimmt. Auch mich. Dass ich jetzt der Generation angehöre, die als nächstes zu gehen hat. Nicht zwingend morgen oder übermorgen, aber eben als nächstes.
Für die Ewigkeit bin ich jetzt dran und dann wird vielleicht Zoé als Mama weinend von ihren Sohn in den Arm genommen und getröstet.
Mittlerweile ist das alles schon wieder sehr lange her. Zoé studiert in Wiesbaden und ich sitze in Griechenland am Strand mit einer Frau, meiner Frau, die du leider nicht mehr kennen lernen konntest.
Und Du? Du bist wahrscheinlich Teil des Himmels über mir. Unendlich viele Teilchen, die zurück in den ewigen Kreislauf gekehrt sind.
Für viele mag das unbefriedigend sein, denn sie wünschen sich Flügel zu bekommen und in einem Jenseits auf ihre Lieben geduldig zu warten. Ich finde die Teilchen Idee nicht nur realistischer, sondern auch versöhnlicher.
Es ist beruhigend zu wissen, dass Du nicht über mir, sondern bei mir bist, im Sand, in den Palmen, den Wellen und der Luft um mich herum.
Aufpassen konnte man eh nie auf mich, dafür war ich schon von Kindesbeinen an zu eigensinnig, aber es ist ein schönes Gefühl, nicht allein zu sein. Du liegst nicht in einem 3500 Kilometer entfernten Grab und erwartest meinen Besuch, sondern bist omnipräsent, für Mama in Heek, Marén in Herrsching und mich hier im Süden.
Du bist das, was Du eigentlich fast immer für mich warst, ein Ideal im Kopf, das mich begleitet wo immer ich bin. Zu weit weg, um mich mit Dir zu streiten, aber nah genug, um Adressat all meiner Sorgen und Sehnsüchte zu sein. Ansprechpartner in Selbstgesprächen, die mich in dunklen Stunden wieder aufrichten und in hellen zum lächeln bringen.
Und so, auch ganz ohne Physik, immer ein Teil von mir.
Dein Ulf
Dear Dad,
81 years ago today, you were born and yet you have not been around for six years.
I still remember exactly how I drove to the clinic to visit you in the middle of the stress of my A-levels. But we never spoke to each other again.
You were lying in bed after the operation, pumped full of Propophol and bloated from all the other medication you had been given, on your stomach, face down, and I stood helplessly by your side.
I wanted so much to make up with you, but unfortunately I didn’t get the chance, you had to go. And I had to accept it.
Zoé was 12 at the time and asked me if you would get better and I couldn’t lie and said „I’m afraid not. And I also think it’s probably better, because otherwise your legs would have to be taken off and Grandpa wouldn’t be able to cope with that mentally“.
Then I started to cry, just like now, and she, the little girl, took me in her arms and said „I’m with you, Dad“.
At that moment, I really felt for the first time what time is, that it is constantly progressing and taking everyone with it. Including me. That I now belong to the generation that has to go next. Not necessarily tomorrow or the day after tomorrow, but next.
For eternity, it’s my turn now and then maybe Zoé, as mom, will be taken in her son’s arms and comforted while he cries.
In the meantime, it’s all been a very long time. Zoé is studying in Wiesbaden and I’m sitting on the beach in Greece with a woman, my wife, who you unfortunately never got to meet.
And you? You are probably part of the sky above me. An infinite number of particles that have returned to the eternal cycle.
For many, this may be unsatisfactory, as they wish to take wings and wait patiently for their loved ones in an afterlife. I find the particle idea not only more realistic, but also more conciliatory.
It is comforting to know that you are not above me, but with me, in the sand, in the palm trees, the waves and the air around me.
You could never take care of me anyway, I was too headstrong for that from an early age, but it’s a nice feeling not to be alone. You’re not lying in a grave 3500 kilometers away awaiting my visit, you’re omnipresent, for mom in Heek, Marén in Herrsching and me here in the south.
You are what you have almost always been for me, an ideal in my head that accompanies me wherever I go. Too far away to argue with you, but close enough to be the addressee of all my worries and longings. Someone to talk to when I’m talking to myself, someone who lifts me up in dark hours and makes me smile in bright ones.
And so, even without physics, always a part of me.
(Down below in english) „die Luft schmeckt irgendwie anders, es riecht nach Winter“ sagte Silvana neulich und streckte dabei ihre Nase in den Wind.
Sie sollte Recht behalten, denn auch hier wird es langsam kalt. Nicht immer, aber immer öfter, regnet es in Strömen und auch der Jürmann wird dadurch nicht selten zu einer einzigen Schlammgrube.
Wenn Silvana nicht wäre, würden wir wirklich darin versinken. Gut, dass Sie auf all diese Details achtet, sonst könnte ich mich nicht nur aufs Geld verdienen konzentrieren.
Ja, man merkt wohl, derzeit ist unser Ritt mehr Bürde als Segen, aber dennoch wollen wir weiter, denn. Unzählige, unvergessliche Sonnenuntergänge,Strände, Leute und andere nie gekannte Eindrücke, kompensieren so viele Herausforderungen, die sich täglich neu gestalten.
Mal spinnt das Netz, oder unsere Technik, was das Verdienen bedroht, dann das Wetter oder die bei beiden belasteten Nerven machen einen Strich durch die oft so leicht gemachte Rechnung, aber nie, wirklich nie haben wir ernsthaft an eine Rückkehr ins alte Leben gedacht.
Das heißt nicht, dass die Heimat nicht manchmal verführerisch mit einfacheren Umständen lockt, das schon, aber wir mögen, ja lieben, das Leben am Meer, die Weiten und die Ruhe, auch wenn es manchmal stressigiger ist, als uns lieb ist.
Denn hier entspannen wir bei Wellenrauschen und nicht bei RTL2 und Co.
Hier fallen wir müde ins Bett und wissen nicht, welche Herausforderung uns erwarten wird. Ob man es glaubt oder nicht, das macht unmenschlichen machbarer als die Aussicht auf 9 to 5 in bürgerlicher Tristesse, irgendwo im Festland der deutschen Republik, denn da wird selbst in schönen Momenten gemotzt, was hier nie vorkommt.
Es sei denn,wir können mit unserem Glück nicht umgehen, wenn wir beispielsweise mal wieder in alte Rituale zurückfallen und uns über Kleinigkeiten streiten.
Aber über fehlenden Schnee, haben wir hier noch nie geklagt.
Bis morgen,
Euer Ulf
Winter is here
„the air tastes different somehow, it smells like winter“ said Silvana the other day, sticking her nose out into the wind.
She was right, because it’s getting cold here too. Not always, but more and more often, it rains cats and dogs and the Jürmann often turns into a muddy pit.
If it weren’t for Silvana, we would really sink into it. It’s a good thing she pays attention to all these details, otherwise I wouldn’t be able to concentrate solely on earning money.
Yes, you can probably tell that our ride is more of a burden than a blessing at the moment, but we still want to keep going because. Countless, unforgettable sunsets, beaches, people and other never-before-seen impressions compensate for so many challenges that change every day.
Sometimes the network or our technology goes haywire, which threatens our earnings, then the weather or our nerves, both of which are fraught, throw a spanner in the works, but never, really never, have we seriously thought about returning to our old life.
That’s not to say that home doesn’t sometimes tempt us with simpler circumstances, it does, but we like, indeed love, life by the sea, the vastness and the peace and quiet, even if it is sometimes more stressful than we would like.
Because here we relax to the sound of the waves and not to RTL2 and the like.
Here we fall into bed tired and don’t know what challenges await us. Believe it or not, that makes the inhuman more feasible than the prospect of 9 to 5 in bourgeois dreariness somewhere on the mainland of the German Republic, because people grumble there even in good moments, which never happens here.
Unless, for example, we can’t deal with our happiness when we fall back into old rituals and argue about little things.
But we’ve never complained about the lack of snow here.
(down below in english) Vermisst ihr sie auch grad so wie ich? Da denkt man sich, jetzt schön mit einem Becher Kaffee an den Strand, Sonnenaufgang und so, und was ist?
Man fühlt sich wie in Hamburg, nur das Hammerbrook als Korfu vor einem liegt und Aaldieter noch schläft.
Aber die Möwen kreischen und die kleinen Wellen plätschern, leicht gelangweilt vor sich hin. Echtes Schietwetter quasi. Beinah wie früher, als ich ausnüchternd von einer Nacht am Kiez an der Strandperle ausnüchterte.
Da plötzlich kommt sogar ein „Moin, Moin“ von den Nachbarn aus Stade. Da kriegt man glatt Lust auf ein Fischbrötchen.
Glücklicherweise ist Silvana dabei und erinnert mich mit braungebrannte Gesicht daran, dass diesmal meine vier Quadratmeter Kajüte mobil ist und nicht in der Seilerstraße steht.
Aber auch diesmal muss ich gleich arbeiten, nur nicht als Telefonverkäufer sondern als Onlineleherer.
Dann heißt es wieder: „Seid ihr down?“ „Türlich, türlich, sicher Digger!“
Man merkt schon, ich bin nordisch by Nature, auch wenn meine Wurzeln eigentlich in Gronau liegen. Aber ich bin in der Auslegung so frei wie mein Freund Udo der, trotz gleicher Wurzeln, sogar behauptet, dass er “ hoch im Norden, hinter den Deichen“ geboän ist.
Aber er wohnt ja auch im Atlantik und nicht im Jürmann.
Nun denn, nicht lang snacken, Kopp in’n Nacken. Tasse Kaff an‘ Start und ab dafüä!
Ich wünsch Euch nen crämigen Start in den Tag und immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel nej?!
Bis morgä(h)n,
Euer Ulf
Good morning, friends of the sun Do you miss it like I do? You think to yourself, now off to the beach with a cup of coffee, sunrise and all, and what?
You feel like you’re in Hamburg, only Hammerbrook is in front of you as Corfu and Aaldieter is still asleep.
But the seagulls are screeching and the small waves are lapping, slightly bored. Real shitty weather, so to speak. Almost like when I was sobering up from a night on the beach at the Strandperle.
Suddenly there’s even a „Moin, Moin“ from the neighbors in Stade. It really makes you want a fish sandwich.
Luckily, Silvana is there and reminds me with a tanned face that this time my four square meter cabin is mobile and not in Seilerstraße.
But this time I also have to work straight away, just not as a telemarketer but as an online teacher.
Then it’s „Are you down?“ again. „Sure, sure, sure Digger!“
You can tell I’m Nordic by nature, even though my roots are actually in Gronau. But I’m as free in my interpretation as my friend Udo who, despite having the same roots, even claims that he was born „high in the north, behind the dykes“.
But he also lives in the Atlantic and not in Jürmann.
Well then, don’t „snack“ for long, head down. Cup of coffee at the start and off you go!
I wish you a good start to the day and always a hand’s breadth of water under your keel!
(down below in english) Wenn man das Gesicht wie ein Hund gierig auf einen langen Hals aus einer gemütlichen Betthöhle in die Wärme streckt und die einzelnen Strahlen die Lippen zu trocknen beginnen, denkt man normalerweise nicht an November, sondern an Frühling.
Und wenn die ersten Töne, die das Ohr an den Geist senden muss nicht Nachrichten oder ein Wecker sind, sondern Spatzengezwitscher, dass von Nahrung erzählt, die sich am Rande der rauschenden Wellen befinden soll, dann darf sogar die erste Zigarette ein wenig zu stramm gedreht sein. Denn der frisch aufgebrühte Kaffee übernimmt gerne die meditative Aufgabe des Objekts der Begierde, als Ursprung kleiner Wölkchen den Blick zu fesseln um zu träumen.
Eigentlich haben wir das fast täglich, aber das menschliche Naturell ist oft viel zu träge, ähnliche Naturereignisse jedes Mal aufs Neue wie ein einmaliges Wunder zu genießen. Es sucht nach Gemeinsamkeiten mit bereits Erlebten und will alles zu einer konstruktiven Routine pragmatisieren.
Wenn die Sonne so scheint, kann man ideal die Batterien laden oder braun werden, noch Kleinigkeiten am Jürmann optimieren oder wenigstens spazieren gehen, alles nur nicht inne halten. Kein Gedanke wird an Genuss „verschwendet“, denn: Zeit ist Geld.
Das die Seele ohne diese stillen Momente zugrunde geht, weil sie alles noch so kleine Erlebte immer wieder verarbeiten muss, wird dabei oft vergessen.
Wenn bei einer Erkältung der Körper nach Ruhe schreit, weil einem beispielsweise die Glieder schmerzen, ist es selbstverständlich richtig, (nicht zwingend gut), sich auszuruhen.
Aber die Seele beschwert sich nicht laut und schreit „Stopp, Hilfe! Ich brauche Ruhe zum Verarbeiten der Gedanken als Emotionen“.
Denn die Seele ist wie die Ohren. Sie kann sich auch nicht einfach verschließen und sich wie Augen für kleine Momente verschnaufen. Sie arbeitet wie eine scheinbar unkaputbare Maschine unaufhörlich weiter.
Bis sie streikt und plötzlich alles nur noch dunkel sieht und keinen Ausweg aus dem schönsten Paradies als wahr genommene Hölle offeriert. Dann ist es meist zu spät für einfach nur Ruhe. Denn man hat ganz „en passent“ das Genießen verlernt, weil man sich in dieser Wahrnehmung zu wenig geschult hat.
Dann wird die unerträgliche Stille eines friedlichen Jetzt zur unerträglichen Belastung, weil sie nicht zu Geld gemacht werden kann sondern nur eine Möglichkeit bietet: Sie zu genießen.
Wir haben uns vorgenommen dieses „Genießen“, wie eine hohe Kunst die man als Kind einfach geschenkt bekam, wieder zu erlernen. Jeden Tag beginnen wir, wie beim Fahrrad fahren oder laufen lernen, der Seele Ruhe zu gönnen, allein von der Aussicht angetrieben, es irgendwann wieder zu können, genießen. Nur dass wir am Ende nicht von A noch B gelangen, sondern in einem zufriedenen Ich ankommen.
Das nennt man dann oft inneren Frieden. Ich nenne eudemonaia, von einem guten Dämon beseelt sein, wie der Grieche sagt oder kurz: Glückseligkeit.
jetzt muss ich aber Schluss machen, denn mein Jetzt sagt, es ist just eine ideale Gelegenheit zu üben.
Bis morgen,
Euer Ulf
A Sunday like in a picture book
When you stretch your face like a dog greedily onto a long neck from a cozy bed cave into the warmth and the individual rays begin to dry your lips, you don’t normally think of November, but of spring.
And if the first sounds that the ear has to send to the mind are not news or an alarm clock, but the chirping of sparrows telling of food that is supposed to be on the edge of the rushing waves, then even the first cigarette may be rolled a little too tightly. Because the freshly brewed coffee is happy to take on the meditative task of the object of desire, as the source of little clouds to captivate the gaze in order to dream.
We actually do this almost every day, but the human nature is often far too lazy to enjoy similar natural phenomena anew every time, like a unique miracle. It looks for similarities with what it has already experienced and wants to pragmatize everything into a constructive routine.
When the sun is shining like this, you can ideally recharge your batteries or get a tan, optimize little things on the Jürmann or at least go for a walk, just don’t stop for anything. No thought is „wasted“ on enjoyment, because: Time is money.
The fact that the soul perishes without these quiet moments because it has to process everything it experiences, no matter how small, is often forgotten.
If you have a cold and your body is crying out for rest because your limbs are aching, for example, it is of course right (but not necessarily good) to rest.
But the soul doesn’t complain loudly and shout „Stop, help! I need rest to process my thoughts as emotions“.
Because the soul is like the ears. It cannot simply close itself off and take a breather for a few moments like eyes. It continues to work like a seemingly unbreakable machine.
Until it goes on strike and suddenly sees everything as dark and offers no way out of the most beautiful paradise as a perceived hell. Then it is usually too late to simply rest. Because you have forgotten how to enjoy things „en passent“ because you have not trained yourself enough in this perception.
Then the unbearable silence of a peaceful now becomes an unbearable burden because it cannot be turned into money but only offers one possibility: To enjoy it.
We have resolved to relearn this „enjoyment“, like a fine art that was simply given to us as a child. Every day, like learning to ride a bike or walk, we begin to give our souls a rest, driven solely by the prospect of being able to enjoy it again at some point. Only that in the end we don’t get from A to B, but arrive in a satisfied self.
This is often called inner peace. I call it eudemonaia, being animated by a good demon, as the Greeks say, or in short: bliss.
But now I have to stop, because my now says it’s just the perfect opportunity to practise.
(down below in english) Ich habe auf dieser Reise bemerken müssen, dass mir meine Unbeschwertheit abhanden gekommen ist. Früher konnte mich nichts erschrecken und jede Hürde hat mich stärker motiviert, über mich hinaus zu wachsen. Das kann ich heute nicht mehr von mir behaupten und nicht mehr als Stärke ins Feld führen, wenn Mut gefragt ist.
Es war nicht so, als gab es früher keinen Grund zur Sorge, ganz im Gegenteil. Omnipräsente schlechte Noten, Stress mit meinen Eltern sowie unzählige Probleme die ich mir selbst zuzuschreiben hatten, pflasterten meinen Weg. Das hat mich auch immer schon sehr belastet und hing wie eine Hantel an meiner Seele, aber seit einigen Jahren wurde daraus eine tiefsitzende Angst, die mich massiv einschränkt.
Während ich noch vor gar nicht so langer Zeit nach jeder gemeisterten Herausforderung sorgloser die nächste kaum erwarten könnte, denke ich heute: Besser nicht noch einmal.
Ich hasse das! Ich will so nicht sein! Ich will nicht, dass die Angst mein Leben beherrscht, aber ich merke, dass sie es macht und ich bin ratlos, wie ich diese Ohnmacht in den Griff bekommen soll.
An welchem Punkt wurde aus konkreter Furcht omnipräsente Angst und wie kann ich sie besiegen?
Oft denke ich, das liegt am Alter und dass es die Masse Furcht einflössender Momente ist, die aus einer zarten Pflanze einen stattlichen Baum Angst mit langen Schatten in meinem Inneren gemacht hat.
Und noch öfter denke ich an bestimmte Personen, die mich mit omnipräsenten Drohungen zu nackter, immer währender Konfrontation mit der Nichtigkeit meiner Selbst in einer Welt drängt, dessen Werte ich nicht, oder zumindest nicht mehr teile.
Ich komme aus privilegiertem Elternhaus, aber Geld war für mich immer nur Mittel zum Zweck. Ich hatte nie den Wunsch, viel zu haben, sondern immer nur das Verlangen nach genug und ich war nie zu faul zum Arbeiten, aber auch nie bereit, für den Reichtum anderer mein Leben zu opfern.
Es sollte reichen um das Leben mit beiden Händen zu packen und genießen zu können. Es ging mir nie, um mehr als andere, denn teilen war nie ein Problem für mich. Wenn ich hatte gab ich und wenn es half, machte das nicht nur mein Gegenüber, sondern auch mich glücklich.
Aber irgendwie darf man so nicht leben. Die oberste Priorität muss sein zu haben, weshalb man besser nie aufhören sollte anzuhäufen. Man weiss ja nie, wann man es gebrauchen könnte.
Kein Vertrauen in Solidarität oder Gemeinsamkeit a la, die eine Hand wäscht die andere. Wenn es gut werden muss, mach es allein. Verlass Dich auf keinen sondern nur auf Geld, denn nur Geld kann alles. Fürs Jugendamt ist es sogar wichtiger als Liebe: „Man hat sie nicht gebeten ihre Tochter zu besuchen. Sie müssen zuvorderst zahlen“.
Seit ich Vater des schönsten, klügsten und besten Menschen der Welt bin, wird mir von derlei Stellen das Leben omnipräsent schlecht geredet und systematisch zur Hölle gemacht. Ich hatte nur die Wahl zwischen unterzuordnen und mich aufzugeben, oder zu kämpfen. Ein Kampf den ich nie gewinnen konnte. Ein Kampf der mich mürbe gemacht hat.
Ein die letzten Kräfte raubender Wettkampf zwischen Gut und Böse, wobei jede Seite sich des Etiketts „gut“ sicher wähnte.
Ich will nicht bestreiten, dass ich auch finanziell besser hätte für mein Kind sorgen müssen, aber meine Bemühungen reichten nicht. Und man darf mir glauben, dass ich am meisten darunter litt.
Ich wollte ein guter Vater sein und habe alles gemacht, was ich in diesem Zusammenhang für notwendig hielt, aber es war und ist seit 18 Jahren zu wenig und man bindet mir das seit 18 Jahren täglich unter die Nase.
Ich habe mir einen guten Job in der Werbung gesucht und bin alle zwei Wochen von München, Hamburg, Berlin und anderen Städten für den letzten Cent nach Münster gefahren, um meinem Kind ein guter und sichtbarer Papa zu sein und alles was dabei rauskam war ein Häufchen Elend, das derzeit in Griechenland weilt und seine Angst nicht mehr in den Griff bekommt.
Aus meiner Tochter wurde in der Zwischenzeit eine stolze und selbstbewusste Frau. Alles,was ich ihr immer gewünscht habe. Und aus ihrem Vater ein Gejagter, der wie Francois Villion auf der Flucht ist, obwohl er keiner Fliege was zu Leide tat.
Das Beste an dieser Tour, dem Ritt auf der Waiküre, der Kunst zu überleben ist, dass ich vor dieser tief sitzenden, destruktiven Angst, nicht mehr weglaufen kann. Denn sie sitzt tief in mir und will jeden Tag aufs neue bezwungen werden. An Anfahrten und bei Umbauten. Im Zusammen mit Silvana und bei der Suche nach Jobs.
Vielleicht bin zumindest ich nur deshalb unterwegs, um endlich diesen Gegner zu bezwingen. Denn mit diesem Gefährten im Nacken kann ich nicht weiterleben und auch Silvana kein guter Partner und Zoé kein guter Vater sein.
Diesen Kampf muss ich noch führen und ich muss ihn gewinnen. Für Zoé und Silvana, aber am meisten für mich.
Denn Angst ist nie ein guter Berater und wenn sie aufgrund der Masse ihrer Erscheinungen ihre Größe erlangte, kann nur eines sie besiegen: mehr Positives.
In diesem Sinne erklimmen wir gleich mit dem Jürmann den Berg und morgen wieder, bis aus Angst wieder Furcht und aus Furcht wieder Herausforderung wird. Denn damit kann ich gut leben, das weiss ich ja aus Erfahrung.
Bis morgen,
Euer Ulf
The difference between fear and anxiety
On this journey, I have realized that I have lost my light-heartedness. In the past, nothing could scare me and every hurdle motivated me more to surpass myself. Today, I can no longer say that about myself and can no longer cite it as a strength when courage is required.
It wasn’t as if there was nothing to worry about in the past, quite the opposite. Omnipresent bad grades, stress with my parents and countless problems that I had to blame on myself paved my path. This has always weighed heavily on me and hung like a barbell on my soul, but in recent years it has become a deep-seated fear that restricts me massively.
Whereas not so long ago, I could hardly wait for the next challenge without a care in the world, I now think: better not again.
I hate this! I don’t want to be like this! I don’t want fear to rule my life, but I realize that it does and I’m at a loss as to how to get a grip on this powerlessness.
At what point did concrete fear become omnipresent fear and how can I conquer it?
I often think it’s down to age and that it’s the mass of fear-inducing moments that have turned a tender plant into a stately tree of fear with long shadows inside me.
And even more often I think of certain people who urge me with omnipresent threats to naked, perpetual confrontation with the nothingness of myself in a world whose values I do not share, or at least no longer share.
I come from a privileged background, but money was always just a means to an end for me. I never had the desire to have a lot, only the desire for enough.and I was never too lazy to work, but also never willing to sacrifice my life for the wealth of others.
It should be enough to be able to grab life with both hands and enjoy it. I was never interested in having more than others, because sharing was never a problem for me. If I had, I gave and if it helped, it not only made the other person happy, but also me.
But somehow you can’t live like that. The top priority must be to have, which is why you should never stop accumulating. You never know when you might need it.
No trust in solidarity or togetherness a la, one hand washes the other. If it has to be good, do it alone. Don’t rely on anyone but money, because only money can do everything. For the youth welfare office, it’s even more important than love: „You weren’t asked to visit your daughter. You have to pay first“.
Ever since I became the father of the most beautiful, smartest and best person in the world, I’ve had my life systematically made a living hell by such authorities. I only had the choice between submitting and giving up, or fighting. A fight that I could never win. A fight that wore me down.
A contest between good and evil that sapped the last of my strength, with each side believing itself safe from the label „good“.
I won’t deny that I should have done better financially for my child, but my efforts weren’t enough. And you can believe me that I suffered the most.
I wanted to be a good father and did everything I thought was necessary in this context, but it was and has been too little for 18 years and I have been told this every day for 18 years.
I looked for a good job in advertising and drove every two weeks from Munich, Hamburg, Berlin and other cities to Münster for the last penny to be a good and visible dad to my child and all that came out of it was a pile of misery that is currently in Greece and can no longer get a grip on its anxiety.
In the meantime, my daughter has become a proud and self-confident woman. Everything I always wanted her to be. And her father has become a hunted man who, like Francois Villion, is on the run, even though he wouldn’t hurt a fly.
The best thing about this tour, the ride on the Waiküre, the art of survival, is that I can no longer run away from this deep-seated, destructive fear. Because it sits deep inside me and wants to be conquered anew every day. On journeys and during renovations. Together with Silvana and when looking for jobs.
Perhaps I, at least, am only on my way to finally defeat this opponent. Because I can’t go on living with this companion breathing down my neck, nor can I be a good partner to Silvana or a good father to Zoé.
I still have to fight this battle and I have to win it. For Zoé and Silvana, but most of all for me.
Because fear is never a good advisor and when it has reached its greatness due to the mass of its manifestations, only one thing can defeat it. more positivity.
With this in mind, let’s climb the mountain with Jürmann right now and again tomorrow, until fear becomes fear again and fear becomes a challenge again. Because I can live with that, I know that from experience.
(down below in english) Am 1. Oktober vergangenen Jahres, stand für uns fest, dass es so wie es war, nicht weiter gehen kann. Zu viel Routinen und zu viel Tristesse macht ein Leben zwar nicht unerträglich, aber unmöglich zu genießen. Uns fehlte die Lebensfreude.
Also beschlossen wir, uns zu verändern. Es sollte radikal sein, also mindestens aus Stadt und Land. Aber wenn man von Horstmar nach, wie wir erst dachten, nach Madeira auswanderte, würde sich doch auch unweigerlich irgendwann wieder ein Alltag einschleichen und man würde, so unsere Befürchtung, erneut im Tagesgeschäft überleben stranden.
„Wie wäre es mit Vanlife?“ Schlug ich vor und Silvana war gleich Feuer und Flamme. Jeden Tag woanders, täglich Sonne und Meer, Meer, Meer.
Wir waren uns bewusst, dass wir nicht viel Geld hatten und auch, dass uns keinerlei Ahnung von dem was uns erwarten würde, als Erfahrung helfen würde. Und selbst unsere optimistische Naivität, war kein unbekanntes Geheimnis, sondern Teil des Plans. Nicht zu viele Probleme kennen, die auf uns zukommen würden, könnte helfen, nicht aufzugeben, bevor wir losgefahren sind.
Und wahrlich, hätten wir eine Ahnung davon gehabt, was uns bisher bereits alles passiert ist, wir wären jetzt noch in Horstmar und nicht an dem Traumstrand, dessen Aussicht uns heute zum Frühstück geschenkt ist.
Was wir aber nicht wussten, war ein Ziel. Nur eine Ahnung von Abenteuer und Selbstfindungserfahrungen motivierte uns von 100 in vier Quadratmeter zu ziehen und die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Der unbedingte Wille, es nicht nur bei honorigen Wünschen zu belassen, gab uns Kraft, viel zu verkaufen, noch mehr wegzuwerfen, alles zu kündigen und uns mit dem Jürmann, den es freilich damals noch nicht gab, aufzumachen, die Welt zu entdecken.
Heute, 13. Monate und ein paar Wochen später, sind wir bereits durch zehn Länder gereist und haben das Schicksal bei den Hörnern gefasst.
Wir haben erleben dürfen und müssen, wie befreiend loslassen ist und reduzieren nicht einschränkt, sondern Möglichkeiten für Neues schafft.
Heute haben wir Bilder im Kopf, statt Schränken voller Plänen. Und heute, wo neben unfassbar einmaligen Erlebnissen und so manchem Unglück ein erstes Fazit gezogen werden darf, können wir nur sagen: Genau richtig, dass wir gefahren sind, auch wenn wir nicht, wie ich gern schreibe, alles richtig gemacht haben.
Denn heute, oder besser gestern, als wir den ersten Tag nur genossen und nicht gearbeitet haben, spüren wir, was wir vor gut einem Jahr nur geahnt haben.
Wir haben uns verändert. Silvana ist die, auf dessen Selbstvertrauen unsere Zukunft ruht und ich musste lernen, das Schwäche als Stärke zu akzeptieren, ein wesentlicher Baustein zur Selbstzufriedenheit ist. Heute habe ich auch noch nicht den Job oder das Leben, aber heute weiß ich zumindest schon einmal viel genauer, was ich will und nicht will und wie ich zukünftige Aufgaben im Kopf vorbereiten muss. Mit Ruhe und Fokussierung und vor allem ohne Angst.
Und ich weiss jetzt, mit Silvana an einem Traumstrand im Griechenland im Arm, was ich nie wieder möchte und das ich ohne die Erlebnisse des letzten Jahres wohl nie erfahren hätte:
Ich will mich nie wieder über Dinge ärgern, die ich mache, obwohl ich sie nicht machen will, deshalb lasse ich das Ungeliebte und erwarte mit Freude das Unvermeidliche immer wieder neue Jetzt, auch wenn das morgen vielleicht bedeuten kann, dass der Jürman die Steigung aus dieser Lagune nicht schafft.
Dann bleiben wir eben noch ein Weilchen, wir sind ja schließlich nicht in Horstmar!
Bis morgen,
Euer Ulf
We are not in Horstmar On October 1 last year, we realized that things could not go on as they were. Too many routines and too much dreariness made life not unbearable, but impossible to enjoy. We lacked joie de vivre.
So we decided to change. It had to be radical, so at least out of the city and out of the country. But if we emigrated from Horstmar to Madeira, as we initially thought, everyday life would inevitably creep back in at some point and, we feared, we would once again be stranded in the daily grind.
„How about vanlife?“ I suggested and Silvana was immediately hooked. Every day somewhere new, every day sun and sea, sea, sea.
We were aware that we didn’t have much money and that no idea of what to expect would help us as an experience. And even our optimistic naivety was not an unknown secret, but part of the plan. Not knowing too many problems that would come our way could help us not to give up before we set off.
And truly, if we’d had any idea what had happened to us so far, we’d still be in Horstmar and not on the dream beach whose view we’ve been given for breakfast today.
But what we didn’t know was a destination. Only an inkling of adventure and the experience of self-discovery motivated us to move from 100 to four square meters and leave the past behind us. The unconditional will to not just leave it at honorable wishes gave us the strength to sell a lot, throw away even more, quit everything and set off to discover the world with Jürmann, who admittedly didn’t exist back then.
Today, 13 months and a few weeks later, we have already traveled through ten countries and taken fate by the horns.
We have experienced and had to experience how liberating it is to let go and not to reduce, but to create opportunities for something new.
Today we have pictures in our heads instead of cupboards full of plans. And today, when we can draw a first conclusion from our unbelievably unique experiences and many a misfortune, we can only say that we were right to go, even if, as I like to write, we didn’t do everything right.
Because today, or rather yesterday, when we were just enjoying the first day and not working, we feel what we only suspected a good year ago.
We have changed. Silvana is the one on whose self-confidence our future lies and I had to learn that accepting weakness as strength is an essential building block for self-satisfaction. Today, I still don’t have the job or the life, but at least today I know much more precisely what I want and don’t want and how I need to prepare future tasks in my head. With calm and focus and, above all, without fear.
And I now know, with Silvana on a dream beach in Greece in my arms, what I never want again and what I would probably never have known without the experiences of the past year:
I never want to get angry again about things I do, even though I don’t want to do them, so I leave the unloved and happily await the inevitable New nows again and again, even if tomorrow that might mean that the Jürman doesn’t make the climb out of this lagoon.
Then we’ll just stay a while longer, we’re not in Horstmar after all!
(down below in english JJetzt hier am Pier eines kleinen Feriendorfes zu sitzen und von einem griechischen Motorradfahrer mit „Morgen“, lächelnd begrüßt zu werden, ist Glück, obwohl im Hintergrund gehämmert wird.
Keiner, der mich zurechtweist, dass ich nur eine Badehose trage,oder dass wir an prominentester Stelle geparkt haben, sondern einfach nur ein freundliches Miteinander als Nebeneinander, bei Sonnenaufgang wie jetzt oder Untergang wie gestern.
So kann man den Tag planen, auch wenn viele Aufgaben warten, denn die Umstände ermöglichen eine Druckbefreite Vorbereitung und Durchführung.
Glück ist, keine Angst zu haben zu versagen, weil auch das nicht Erreichen eines Ziels kein Weltuntergang ist, sondern nur eine Herausforderung, die noch gemeistert werden möchte.
Glück ist, wenn man die Sonne genießt und dabei vielleicht zufällig den Besitzer des Hafens kennenlernt und mit diesem Fasili Kapitalismus kritische Gespräche führt, auch wenn er am Ende Nikos heißt.
Wenn ein Lächeln im Gesicht durch nichts getrübt werden kann, weil das nächste Jetzt immer das Beste ist.
Wenn es kein Morgen, keine Zweifel und keinen Neid gibt, bekommt das Glück immer wieder einen neuen Namen. Das hab ich grad aus dem Gespräch mit Fasili gelernt, der sehr wohl wußte, dass er sich am Ende Nikos nannte.
Mein Glück heißt Zoé, Silvana und Jürmann. Und ihr Glück vielleicht hin und wieder auch Ulf.
Bis morgen,
Euer Adi
The many faces of happiness
Sitting here on the pier of a small vacation village and being greeted by a Greek motorcyclist with a smiling „Morning“ is happiness, even though there is hammering in the background.
No one reprimanding me for only wearing swimming trunks or for parking in the most prominent spot, but simply a friendly togetherness as a side-by-side, at sunrise like now or sunset like yesterday.
You can plan your day like this, even if there are a lot of tasks waiting, because the circumstances make it possible to prepare and carry out the day without any pressure.
Happiness is not being afraid of failing, because not achieving a goal is not the end of the world, but just a challenge that still needs to be mastered.
Happiness is enjoying the sun and perhaps meeting the owner of the harbor by chance and having critical conversations with this Fasili capitalist, even if his name ends up being Nikos.
When nothing can spoil the smile on your face, because the next now is always the best.
When there is no tomorrow, no doubt and no envy, happiness is always given a new name. I just learned that from my conversation with Fasili, who knew very well that he would end up calling himself Nikos.
My happiness is called Zoé, Silvana and Jürmann. And her happiness might be Ulf from time to time.
(down below in english) So oder so ähnlich klingt die häufigste Frage, die Silvana und ich zu beantworten haben, wenn wir von unserem Ritt auf der Waiküre sprechen. Nicht “ Wo wart ihr schon überall?“ Oder „“was habt ihr schon alles erlebt?“ All das scheint kaum zu interessieren. Im Fokus steht meist allein die Frage nach dem Geld, dass wir offensichtlich nicht haben.
Und dennoch wachen wir meist am Meer auf und haben selbst im November noch gut 20 Grad im Schatten.
Was ist also das Geheimnis von Pinky und Brain, die trotz aller widrigen Umstände jeden Abend aufs Neue ihre ganz eigene Welt erobern wollen?
Ich versuch es kurz zu umreißen: Während ich, der sich selbst gern als Hirn der Reise bezeichnet, für ein paar Cent Liebesbriefe an einsame Herzen in der alten Heimat schreibt, liegt meine Pinky im Bett hinter mir und schläft.
Das ist gut und wichtig, denn zum Einen beruhigt es mich ungemein, in stillen Momenten ihren Atem ruhig hinter mir zu hören. Aber viel wichtiger ist, dass sie morgens ausgeschlafen ist,
Denn während ich, wie mein Zeichentrickidol, jeden Morgen versucht zwanghaft die Weltherrschaft an mich zu reißen, begrüßt sie ganz beschwingt und beinahe Sorgenfrei jeden neuen Tag und ihren Gefährten mit einem breiten Lächeln und antwortet auf die meisten meiner so gern klug sein wollenden Gedanken mit einem müden: Mööp!
Für sie ist das alles nämlich nur ermüdende Theorie, die weder Geld noch Befriedigung oder gar auch nur den kleinsten Vorteil schafft.
So vergehen oft die ersten Stunden des Tages, mit einem schreibenden Adi am Strand und einer ganz im Verborgenen agierenden Silvana, die, während ich 1,50 verdiene, spült, aufräumt und ganz nebenbei das Blues Mobil auf Vordermann bringt.
Umbau, Dämmung, Solar, Batterien und all der Rest, den andere Vanlifer von Papa gestaltet bekommen, macht sie. Ganz allein, ohne zu knurren und Schuldige zu suchen.
Wie machen wir das eigentlich?
So oder so ähnlich klingt die häufigste Frage, die Silvana und ich zu beantworten haben, wenn wir von unserem Ritt auf der Waiküre sprechen. Nicht “ Wo wart ihr schon überall?“ Oder „“was habt ihr schon alles erlebt?“ All das scheint kaum zu interessieren. Im Fokus steht meist allein die Frage nach dem Geld, dass wir offensichtlich nicht haben.
Und dennoch wachen wir meist am Meer auf und haben selbst im November noch gut 20 Grad im Schatten.
Was ist also das Geheimnis von Pinky und Brain, die trotz aller widrigen Umstände jeden Abend aufs Neue ihre ganz eigene Welt erobern wollen?
Ich Versuch es kurz zu umreißen: Während ich, der sich selbst gern als Hirn der Reise bezeichnet, für ein paar Cent Liebesbriefe an einsame Herzen in der alten Heimat schreibt, liegt meine Pinky im Bett hinter mir und schläft.
Das ist gut und wichtig, denn zum Einen beruhigt es mich ungemein, in stillen Momenten ihren Atem ruhig hinter mir zu hören. Aber viel wichtiger ist, dass sie morgens ausgeschlafen ist,
Denn während ich, wie mein Zeichentrickidol, jeden Morgen versucht zwanghaft die Weltherrschaft an mich zu reißen, begrüßt sie ganz beschwingt und beinahe Sorgenfrei jeden neuen Tag und ihren Gefährten mit einem breiten Lächeln und antwortet auf die meisten meiner so gern klug sein wollenden Gedanken mit einem müden: Mööp!
Für sie ist das alles nämlich nur ermüdende Theorie, die weder Geld noch Befriedigung oder gar auch nur den kleinsten Vorteil schafft.
So vergehen oft die ersten Stunden des Tages, mit einem schreibenden Adi am Strand und einer ganz im Verborgenen agierenden Silvana, die, während ich 1,50 verdiene, spült, aufräumt und ganz nebenbei das Blues Mobil auf Vordermann bringt.
Umbau, Dämmung, Solar, Batterien und all der Rest, den andere Vanlifer von Papa gestaltet bekommen, macht sie. Ganz allein, ohne zu knurren und Schuldige zu suchen.
Und das ist nicht nur äusserst angenehm für mich, sondern auch die größte Hilfe für den Geldbeutel, denn all unsere Träume wären ohne ihr Talent und die Liebe zu noch so kleinen Detail unmöglich.
Und alles was sie dafür verlangt, ist, dass ich mit vorm Betreten des Jürmanns die Füße abtrete.
Aber jetzt muss ich rein, denn entgegen aller Klischees bleibt die Rollenverteilung in einer Sache beim Alten: Der Mann bringt den Müll raus.
„Ich komm schon Pinky, ich meine Brain!“
Bis morgen,
Euer Ulf
How do we actually do that?
This or something similar is the most common question that Silvana and I have to answer when we talk about our ride on the Waiküre. Not „Where have you been?“ Or „What have you experienced?“ None of that seems to be of interest. The focus is usually solely on the question of money, which we obviously don’t have.
And yet we usually wake up by the sea and even in November it’s still a good 20 degrees in the shade.
So what is the secret of Pinky and Brain, who want to conquer their very own world every evening despite all the adverse circumstances?
I’ll try to outline it briefly: while I, who likes to call myself the brain of the trip, write love letters to lonely hearts in the old country for a few cents, my Pinky lies in bed behind me and sleeps.
This is good and important, because on the one hand it calms me down immensely to hear her breathing quietly behind me in quiet moments. But more importantly, she is well rested in the morning,
Because while I, like my cartoon idol, obsessively try to take over the world every morning, she greets each new day and her companion with a broad smile and responds to most of my thoughts with a tired: „Mööp!
For her, it’s all just tedious theory that doesn’t generate money, satisfaction or even the slightest advantage.
This is how the first hours of the day often pass, with Adi writing on the beach and Silvana working in complete secrecy while I earn 1.50, washing up, tidying up and, incidentally, getting the Blues Mobil up to scratch.
She does the conversion, insulation, solar, batteries and all the rest that other vanlifers get done by dad. All by herself, without growling and looking for someone to blame.
And that is not only extremely pleasant for me, but also the biggest help for my wallet, because all our dreams would be impossible without her talent and attention to even the smallest detail.
And all she asks in return is that I wipe my feet before entering the Jürmanns.
But now I have to go in, because despite all the clichés, the roles remain the same in one respect: The man takes out the garbage.
„I’m coming Pinky, I mean Brain!“
See you tomorrow,
Your Ulf
Und das ist nicht nur äusserst angenehm für mich, sondern auch die größte Hilfe für den Geldbeutel, denn all unsere Träume wären ohne ihr Talent und die Liebe zu noch so kleinen Detail unmöglich.
Und alles was sie dafür verlangt, ist, dass ich mit vorm Betreten des Jürmanns die Füße abtrete.
Aber jetzt muss ich rein, denn entgegen aller Klischees bleibt die Rollenverteilung in einer Sache beim Alten: Der Mann bringt den Müll raus.
„Ich komm schon Pinky, ich meine Brain!“
Bis morgen,
Euer Ulf
How do we actually do that?
This or something similar is the most common question that Silvana and I have to answer when we talk about our ride on the Waiküre. Not „Where have you been?“ Or „What have you experienced?“ None of that seems to be of interest. The focus is usually solely on the question of money, which we obviously don’t have.
And yet we usually wake up by the sea and even in November it’s still a good 20 degrees in the shade.
So what is the secret of Pinky and Brain, who want to conquer their very own world every evening despite all the adverse circumstances?
I’ll try to outline it briefly: while I, who likes to call myself the brain of the trip, write love letters to lonely hearts in the old country for a few cents, my Pinky lies in bed behind me and sleeps.
This is good and important, because on the one hand it calms me down immensely to hear her breathing quietly behind me in quiet moments. But more importantly, she is well rested in the morning,
Because while I, like my cartoon idol, obsessively try to take over the world every morning, she greets each new day and her companion with a broad smile and responds to most of my thoughts with a tired: „Mööp!
For her, it’s all just tedious theory that doesn’t generate money, satisfaction or even the slightest advantage.
This is how the first hours of the day often pass, with Adi writing on the beach and Silvana working in complete secrecy while I earn 1.50, washing up, tidying up and, incidentally, getting the Blues Mobil up to scratch.
She does the conversion, insulation, solar, batteries and all the rest that other vanlifers get done by dad. All by herself, without growling and looking for someone to blame.
And that is not only extremely pleasant for me, but also the biggest help for my wallet, because all our dreams would be impossible without her talent and attention to even the smallest detail.
And all she asks in return is that I wipe my feet before entering the Jürmanns.
But now I have to go in, because despite all the clichés, the roles remain the same in one respect: The man takes out the garbage.