Rinde der Seele

(down below in english) Wenn man wie wir unterwegs lebt, will heißen, nicht von einem festen Zentrum in viele Richtungen sein Leben gestaltet, merkt man lange nicht, dass sich mehr als nur die Umgebung verändert.

Oft realisiert man auch gar nicht, wie sehr sich die Umgebung vom Vortag zu der von heute unterscheidet. Klar, die Natur organisiert sich etwas anders, also eine Palme, die gestern noch hinter einem stand, ähnelt heute einer vor der Windschutzscheibe, aber was ich meine ist, man bemerkt nicht das Warum.

Warum steht die eine Palme hier links und biegt sich nach vorne, wo doch gestern ein ähnliches Gewächs an anderer Stelle sich mit der gleichen Selbstverständlichkeit in eine andere Richtung bog?

Das die Sonne das Zentrum aller ist, deren Position sich alles unterwirft, wird einem erst klar, wenn man bemerkt, dass man selbst genau das Gleiche macht.

Man sucht das Licht, indem man morgens beinahe intuitiv mal nach links zum Strand geht oder nach rechts zu Orangenbäumen, je nachdem, wo die Wärme und Lichtquelle der Welt ihre Kraft entfalten kann.

Wie eine Blume am Fenster gieren auch die Menschen nach dem Quell des Lebens. Immer und überall. Selbst wenn der Himmel Wolken verhangen ist, sucht man das kleinste bisschen Licht, um darin sowas wie Halt zu finden.

Und wenn man jeden Tag woanders steht, ist das immer wieder ein anderer Ort und man muss sich folglich täglich neu orientieren. Gestern vorn, heute hinten und übermorgen wieder ganz woanders. Der innere Kompass muss jeden Tag. Die Nadel neu ausschlagen, den kleinen Magneten Seele sich einmal drehen lassen, um nach kurzer Zeit wie selbstverständlich in einer krummen Koordinate wie 37,5 Grad Ost zu verharren.

Dann schließt man die Augen, atmet tief ein, genießt den Triumph erneut fündig geworden zu sein und öffnet die Kamera zur Seele wieder.

Aber Moment, wo bin ich grad? Ach ja, in Albanien, Montenegro, Bosnien, Griechenland oder Italien? Und wo da genau?

Ach ja, am Strand von Sagiada oder Kalamatas, auf einem Hügel über Florenz oder in einem kleinen Tal in Bosnien und Herzegowina. Das ist wunderbar und unbeschreiblich, denn man spürt förmlich in den Gliedern den Facettenreichtum dieses so wundervollen Planeten.

Aber der Stiel der Blume Seele wird auch fragiler,weil er immer wieder zum sich drehen gezwungen ist. Er kann nicht dick wie der Stamm einer Eiche werden, sondern wird nur länger und mit jedem Zentimeter wird das Orientieren ein kleines bisschen Schwerfälliger, bis die Seele urplötzlich erschöpft ist.

Bevor man sich wieder drehen kann, muss der Stamm ein wenig aushärten, Rinde bilden und ein wenig dicker werden, um im Anschluss auf und mit dieser neuen Qualität neu zu wachsen und sich wieder in alle Richtungen drehen zu können.

Ich glaube, dass das der Punkt ist, den wir Müdigkeit nennen, ob täglich oder. Lebenstechnisch nach Wochen oder Jahren. Es ist harte Arbeit für die Seele, unentwegt die Sonne zu suchen und deshalb überkommt sie in regelmäßigen Zyklen Muskelkater, fleht um eine Pause,bittet um Ruhe, gierte nach Schlaf.

Eine Zeit lang verharren, wie die Sonne selbst. Beinahe, oder sagen wir besser wie unbemerkt, in alle Richtungen strahlen, aber immer wieder an einen Punkt zurückkehren.

Die fragile Seele mit Routine belohnen, damit sie vor lauter Veränderungen nicht das Selbstbewusstsein verliert. Denn was ist ein Ich, wenn es sich nirgendwo bestätigen kann?

Silvana und ich bilgen hier grad Rinde und genießen es. Mal schauen, wann wir wieder bereit sind zu wandern.

Bis morgen,

Euer Ulf

Bark of the soul

If, like us, you live on the move, that is, if you don’t shape your life from a fixed center in many directions, you don’t notice for a long time that more than just your surroundings are changing.

Often you don’t even realize how much the environment of the day before differs from that of today. Sure, nature organizes itself a little differently, so a palm tree that was behind you yesterday resembles one in front of your windscreen today, but what I mean is that you don’t notice the why.

Why is this palm tree here on the left and bending forwards, when yesterday a similar plant elsewhere was bending in a different direction with the same naturalness?

You only realize that the sun is the center of everything and that everything is subject to its position when you notice that you are doing exactly the same thing yourself.

You look for the light by almost intuitively walking to the left in the morning towards the beach or to the right towards the orange trees, depending on where the warmth and light source of the world can unfold its power.

Like a flower at the window, people also crave the source of life. Always and everywhere. Even when the sky is covered in clouds, we look for the slightest bit of light to find some kind of support.

And if you stand somewhere different every day, it is always a different place and you therefore have to reorient yourself every day. Yesterday in front, today behind and the day after tomorrow somewhere completely different again. Your inner compass has to be adjusted every day. You have to turn the needle anew, let the little magnet in your soul turn once and then after a short time you will naturally find yourself at a crooked coordinate such as 37.5 degrees east.

Then you close your eyes, take a deep breath, enjoy the triumph of having found it again and open the camera to the soul again.

But wait, where am I right now? Oh yes, in Albania, Montenegro, Bosnia, Greece or Italy? And where exactly?

Oh yes, on the beach at Sagiada or Kalamatas, on a hill above Florence or in a small valley in Bosnia and Herzegovina. It’s wonderful and indescribable, because you can literally feel the many facets of this wonderful planet in your limbs.

But the stem of the flower soul also becomes more fragile because it is forced to twist again and again. It cannot become as thick as the trunk of an oak tree, but only longer, and with every centimeter the orientation becomes a little more cumbersome until the soul is suddenly exhausted.

Before you can turn again, the trunk has to harden a little, form bark and become a little thicker in order to then grow anew on and with this new quality and be able to turn in all directions again.

I believe that this is the point that we call fatigue, whether daily or. In terms of life after weeks or years. It is hard work for the soul to constantly seek the sun and that is why it is overcome by aching muscles in regular cycles, begs for a break, asks for rest, craves sleep.

It pauses for a while, like the sun itself, almost, or should we say almost unnoticed, radiating in all directions, but always returning to one point.

Reward the fragile soul with routine so that it does not lose its self-confidence due to all the changes. Because what is an ego if it can’t confirm itself anywhere?

Silvana and I are forming degrees of bark here and enjoying it. Let’s see when we’re ready to hike again.

See you tomorrow,

Your Ulf

Vier Quadratmeter purer Luxus

(Down below in english) „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“. So beginnt „Deutschland, ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine und wie er damals in Frankreich, mache ich mir grad in Griechenland Sorgen, um meine Heimat, aber nicht nur mein Heimatland, sondern die ganze Welt.

Viele fragten und fragen mich, warum ich weggegangen bin. Ich sage es Euch: Angst. Die nackte Angst vorm Krieg. Denn mir scheint es, als spielen die Menschen grad mit dem Feuer, wie sie es seit über 70 Jahren nicht mehr gemacht haben.

Ich weiss, es gibt unendlich viele Probleme, die ihnen berechtigt die Seele zu erdrücken scheinen. Aber was können wir uns von mehr Rente, mehr Urlaub, mehr brutto vom Netto und anderem kaufen, wenn die Erde in Flammen steht?

Wie kann man guten Gewissens von Aufrüstung sprechen, von kriegsfähig, wie die „Bild“ den Verteidigungsminister gern zitiert, wenn man doch Frieden will und braucht? Wollen wir nicht alle nur Ruhe und Frieden? Und Letzteres nicht als Phrase, sondern wörtlich?

Ja, was Putin gerade in der Ukraine macht, ist mit keinem Argument entschuldbar und das Gebaren der Hamas in Israel und Palästina auch nicht. Aber sind wir 2023 immer noch so naiv, dass wir ernsthaft glauben, Aufrüstung könne noch irgendeinen abschrecken und Schlimmeres verhindern?

Wie können wir uns über einen durch die Decke steigenden DAX freuen, wenn wir wissen, das Aufrüstung diesen Konsumboom beflügelt? Griechenland hat allein einen Verteidigungsetat von 3,56 Milliarden Euro. Das ist doppelt so viel, wie man Scholz, Lindner und Habeck durch versteckte Steuererhöhung vorwirft einnehmen zu wollen.

Glauben wir ernsthaft, dass Panzer, Kampfjets und Drohnen unsere Probleme lösen? Wollen wir uns wirklich weiter blind von den Medien kriegstauglich machen lassen, indem wir eine Propaganda widerkeuen, die sich in Hinterzimmern erdacht wurde, um Reiche noch reicher und Arme noch ärmer zu machen?

Wann fangen wir, und ich meine nicht nur die anderen, sondern auch mich, endlich an, mit dem Meckern aufzuhören, darüber, dass beispielsweise Luxusprobleme wie eine lähmende Wirtschaft die Katastrophe ist und das Migrationsstop die Lösung sei?

Wenn wir nur noch ein bisschen so weiter machen, sind wir bald die Migranten, die nach Marokko und anderswo wandern, weil bei uns nicht nur der Weihnachtsbaum brennt.

Dann ist es nicht mehr unverständlich, wie man auf vier Quadratmetern Leben kann, sondern mit Glück Alltag für so viele, vielleicht die meisten Menschen auf der Welt.

Ja, ich weiss keine Lösung für die globale Katastrophe die unvermeidbar am Horizont wie ein Gewitter aufzuziehen scheint. Aber wäre nicht weniger Egoismus und Ignoranz, mehr Wohlwollen und Nettokette, mehr „good will“ dem Andersdenkenden gegenüber, in Momenten wie diesen mehr Bürgerpflicht als Hass?

Oder wie Heine sagte:
„Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.“

Bis morgen,

Euer Ulf

Four square meters of pure luxury
„When I think of Germany at night, I am deprived of sleep“. This is how „Germany, a Winter’s Tale“ by Heinrich Heine begins and, like him back in France, I’m currently worried about my homeland in Greece, but not just my homeland, but the whole world.

Many people asked and still ask me why I left. I’ll tell you why: Fear. The naked fear of war. Because it seems to me that people are playing with fire like they haven’t done for over 70 years.

I know there are an infinite number of problems that seem to justifiably crush their souls. But what can we buy with more pension, more vacation, more gross from net and other things when the earth is on fire?

How can we talk in good conscience about rearmament, about being ready for war, as the German newspaper „Bild“ likes to quote the Minister of Defense, when we want and need peace? Don’t we all just want peace and quiet? And the latter not as a phrase, but literally?

Yes, what Putin is currently doing in Ukraine cannot be excused by any argument, nor can the behavior of Hamas in Israel and Palestine. But are we still so naive in 2023 that we seriously believe that armament can still deter anyone and prevent worse things from happening?

How can we be happy about the DAX going through the roof when we know that armament is fueling this consumption boom? Greece alone has a defense budget of 3.56 billion euros. That is twice as much as Scholz, Lindner and Habeck are accused of wanting to raise through hidden tax increases.

Do we seriously believe that tanks, fighter jets and drones will solve our problems? Do we really want to continue to be blindly war-mongered by the media by believing propaganda that was devised in back rooms to make the rich even richer and the poor even poorer?

When are we, and I don’t just mean the others, but also myself, finally going to stop complaining that, for example, luxury problems such as a crippling economy are a disaster and that stopping migration is the solution?

If we carry on like this just a little longer, we’ll soon be the migrants who migrate to Morocco and elsewhere because it’s not just our Christmas tree that’s burning.

Then it will no longer be incomprehensible how you can live on four square meters, but with luck everyday life for so many, perhaps most people in the world.

Yes, I know there is no solution to the global catastrophe that seems to be looming unavoidably on the horizon like a thunderstorm. But wouldn’t less selfishness and ignorance, more goodwill and kindness, more „good will“ towards those who think differently, be more of a civic duty than hatred at times like these?

Or as Heine said:
„There is bread enough growing here
For all the children of men,
Roses and myrtles too, beauty and pleasure,
And sweet peas no less.“

See you tomorrow,

Your Ulf


Heimatgefühle

(Down below in english) Wir sind heute an einem Ort, der für viele das Paradies auf Erden ist, einem Campingplatz. Es gibt Strom, Waschmaschinen, einen Minimarkt und, wenn man die Nummernschilder sowie Satelitenschüsseln betrachtet, auch wohl RTL.

Selbst das Wetter ist wie in Deutschland: Grau. Man könnte sagen, wir fühlen uns wie Zuhause, nur die Rasenmäher fehlen, aber es ist ja auch Winter, selbst in Griechenland.

Aber unser Plan war doch weg zu fahren. Mehr als 4000 Kilometer haben wir zurück gelegt, um all dem zu entfliehen, aber ich bin eben Deutscher, muss also arbeiten und leider gibt es nur hier einigermaßen gutes Internet.

Kultivieren wir also, dass wir uns in einer germanischen Enklave befinden und nutzen die Gelegenheit, mal wieder Wäsche zu waschen, richtig zu duschen und den Strom aus der Steckdose zu beziehen.

Genießen wir, den Umstand, die Sprache der Einheimischen zu kennen. Mit rollenden „R“ wie in „guten Morgen“ und richtiger Grammatik, die ich gleich unterrichten muss. Freuen wir uns, wie in Horstmar aufs Wochenende, das morgen beginnt. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass wir dann zu einsamen Stränden reisen und nicht zum Weihnachtsmarkt gehen.

Ja, diese gemütliche Behaglichkeit der Weihnachtszeit vermissen wir hier ein wenig. Denn blinkende Lichter an einem Plastikbaum, können einen echten Weihnachtsbaum nicht ersetzen, aber ein bisschen Schwund ist ja immer.

Bis morgen,

Euer Ulf

Feelings of home
Today we are in a place that for many is paradise on earth, a campsite. There is electricity, washing machines, a mini-market and, judging by the license plates and satellite dishes, probably RTL.

Even the weather is like in Germany: gray. You could say we feel at home, only the lawnmowers are missing, but it’s winter, even in Greece.

But our plan was to leave. We’ve covered more than 4,000 kilometers to get away from it all, but I’m German, so I have to work and unfortunately there’s only reasonably good internet here.

So let’s cultivate the fact that we’re in a Germanic enclave and take the opportunity to do the laundry again, take a proper shower and get electricity from the socket.

Let’s enjoy the fact that we know the language of the locals. With a rolling „R“ as in „good morning“ and proper grammar, which I have to teach in a moment. Just like in Horstmar, let’s look forward to the weekend, which starts tomorrow. The only difference is that we’ll be traveling to secluded beaches instead of going to the Christmas market.

Yes, we miss the cozy comfort of the Christmas season a little here. After all, twinkling lights on a plastic tree can’t replace a real Christmas tree, but there’s always a bit of wastage.

See you tomorrow,

Your Ulf

Lieber Epicur

(down below in english) wir haben uns heute auf den Weg zu Deinem Tempel gemacht. Unzählige Höhenmeter und für uns unfassbare Steigungsgrade wurden überwunden, bis wir kurz vor Deinen Toren standen. Aber dann, mussten wir dennoch kehrt machen, weil wir 30 Prozent in Höhenmetern dann doch nicht schaffen.

Aber ich habe Deine Nähe gespürt, da oben, zwischen Schafen auf einer Bergspitze, dort, wo wir mit unserem Jürmann auf 4×3 Metern in Schieflage wenden mussten. Dort, wo Du womöglich auch vor 2000 Jahren gesessen und Deine Philosophie ersonnen hast.

Ich spürte die Ruhe und den Frieden, den man zum denken kluger Gedanken braucht, ohne eine Ahnung von echter Tiefsinnigkeit zu haben. Ich kann nur zitieren, interpretieren und kultivieren, was Dir die gleiche Sonne auf dem gleichen Berg wohl einst geflüstert hat.

Tief in mir drin, rumorte die Seele, die sich einst aufmachte, Deine Gedanken zu studieren. Aber sie verzweifelte nicht, dass Deine Tempeltore mir verschlossen blieben,sondern freute sich wie ein kleines Kind, Dir so nahe gewesen zu sein.

Wenn ich Aristotele wäre, dann würde ich jetzt trauern. In unendlich vielen Kategorien nach dem Sinn meiner Reise suchen und mir vielleicht vornehmen, es erneut zu versuchen. Aber ich bin Epikuräer, Pragmatiker unter den Philosophen, Anhänger des Machbaren, Gläubiger eines beschränkten Geistes und jemand, der die Verzweiflung und den Tod nicht leugnet, sondern akzeptieren kann.

So wie den der Schildkröte vor mir. Sie ist nicht mehr. Sie war. 250 Jahre hat sie die Meere durchschwommen, die nun sanft vor mir plätschern. Leibniz, Napoleon und Hitler. Sie hat alle überlebt, aber ist beinahe vor meinen Füßen verstorben. Sie hat keine Schmerzen, sie leidet nicht, sondern ist einfach nur nicht mehr. Wie Du. Und ich in einem Wimpernschlag der Zeit.

Wir werden uns nie näher kommen als ich heute morgen Dir und am Abend ihr, aber dennoch habt ihr beiden mein Leben maßgeblich beeinflußt. Dafür will ich dankbar sein. Bis ich nicht mehr bin.

Aber bis dahin werde ich für alle Leserinnen und Leser noch schreiben und für alle mich Liebenden noch sein. Was ihr wollt und nicht was ich sein will. Denn jeder ist seines Glückes Schmied, indem er oder sie ist, wenn man oder frau ist, nicht Lehrer sondern hin und wieder Angelhaken für Gedanken.

Bis morgen,

Euer Ulf

Dear Epicur,
Today we made our way to your temple. We overcame countless meters of altitude and gradients that we couldn’t believe until we were just outside your gates. But then we had to turn back because we couldn’t manage 30 percent in altitude after all.

But I felt your closeness up there, between sheep on a mountain top, where we had to turn around with our Jürmann on a 4×3 meter incline. There, where you probably sat 2000 years ago and thought up your philosophy.

I felt the calm and peace that you need to think clever thoughts without having any idea of real profundity. I can only quote, interpret and cultivate what the same sun on the same mountain must have once whispered to you.

Deep inside me, the soul that once set out to study your thoughts was rumbling. But it did not despair that your temple gates remained closed to me, but was as happy as a little child to have been so close to you.

If I were Aristotele, I would be mourning now. Search for the meaning of my journey in an infinite number of categories and perhaps resolve to try again. But I am an Epicurean, a pragmatist among philosophers, a believer in what is possible, a believer in a limited mind and someone who does not deny despair and death, but can accept it.

Like the turtle in front of me. It is no longer. She was. For 250 years it has swum the seas that now gently ripple in front of me. Leibniz, Napoleon and Hitler. She survived them all, but almost died at my feet. She is not in pain, she is not suffering, she is simply no more. Like you. And me in the blink of an eye.

We will never be closer than I was to you this morning and to her this evening, but you have both had a significant influence on my life. I want to be grateful for that. Until I am no more.

But until then I will still write for all readers and still be for all those who love me. What you want and not what I want to be. Because everyone is the architect of his or her own happiness by being, if you are, not a teacher but a hook for thoughts from time to time.

See you tomorrow,

Your Ulf

Jetzt geht es mir gut

(down below in english)Wisst Ihr und wissen Sie, was an Olympia für mich das Besondere ist? Der Tempel von Epicur.

Denn dieser weise Philosoph, den man erst etwas später im Philosophiestudium kennenlernt, beschäftigte sich mit dem Problem, mit dem ich am meisten zu kämpfen habe: abschalten.

Es ist eine Sache, dass man nie in den selben Fluss steigen kann, oder dass das Leben nur eine Schattenwelt ist, die man durchschreiten muss, aber wie macht man das?

Epicur, hatte dafür eine beinahe mathematische, eine binäre Lösung. Er empfahl in eins und null zu denken. Wenn ich lebe, bin ich nicht tot und wenn ich tot bin, lebe ich nicht (mehr). Warum also über morgen und übermorgen nachdenken, wenn doch heute ist?
Und warum sich über gleich sorgen, wenn es ein Jetzt gibt, dass meine volle Aufmerksamkeit ebenso verdient hat?

Es sprach nicht von Atem zählen oder meditieren und auch nicht von stoischem Verzichtdenken nach dem Motto „weniger ist mehr“. Sein Mantra war, nimm was ist und genieße es. Wenn es Lachs gibt, dann freu Dich nicht darauf oder darüber, finde es jetzt schön. Erwarte einfach nur nicht, dass es ihn jeden Tag gibt. Und das schafft man, wenn man im Augenblick wachsam bleibt.

Wir haben es also nicht grad acht Uhr irgendwas, sondern ich sitze am See und erwache gemeinsam mit der Sonne und den Enten und Im Hintergrund erklingen Glocken.

Es ist mir nicht wichtig, zumindest nicht, wenn die Aufgabe erwachen ist, dass es Ziegen sind, die den Klang um ihren Hals tragen, der so lieblich die Atmosphäre in Harmonie taucht.

Entscheidend ist nur, dass es sich gut anfühlt, die Sonne im Gesicht zu spüren und ihre Energie in mich aufzunehmen. Alles andere ist nicht. Nicht da und deshalb auch nicht wichtig.
Wahrscheinlich fahren wir gleich weiter und wahrscheinlich werde ich gleich arbeiten. Aber was ist schon wahrscheinlich?

Ist dies Möglicherweise nicht auch nur eine von vielen Optionen, die noch ungesichert wie Mandarinen am Baum im Äther meiner Potentiale hängen? Ich kann auch genausogut, erneut an die Spielstädte alter Griechen zurückkehren oder einfach sitzen bleiben.

Was passiert schon, wenn ich meinen sogenannten Pflichten nicht nachkommen? Ich muss nur unter anderen Bedingungen das jetzt leben genießen. Und wenn mir das unmöglich ist, einfach das machen, das mir als am sinnigsten erscheint. Nicht für andere arbeiten und dafür Geld erhoffen, sondern für mich, weil ich davon überzeugt bin, dass es mir gut tut. Nicht gut tun wird.

Ich will zukünftig nicht bei Jobs fleissig sein und in Freizeit ruhen, sondern immer meine ganze Aufmerksamkeit darauf fokussieren, was ist, wie es ist und sich erst zukünftig ändern muss um anders zu sein, anzunehmen, ja annehmen zu wollen. Sonnenschein, Glück, Zufriedenheit, aber auch Aufgaben als Herausforderungen oder Geld als Geld. Nicht als Potentiale. Das ist es erst im Anschluss, wenn es Teil einer Realität ist, die ein neues Jetzt gestaltet.

Man muss also nicht wissen, dass man nie in den selben Fluss steigen kann. Wofür auch? Ich steige in einen Fluss oder nicht. So wie ich jetzt aufstehe, weil ich die Lust auf Kaffee genieße. Ich weiß nicht, ob ich ihn auch trinken werde, nicht einmal wahrscheinlich. Denn jetzt habe ich keinen in den Händen.

Vielleicht genießt Silvana gerade, mir einen zu machen, aber das obligatorische ihr und nicht mir.

Bis morgen,

Euer Ulf

I’m fine now
Do you know what makes Olympia so special for me? The temple of Epicurus.

Because this wise philosopher, who you only get to know a little later in your philosophy studies, dealt with the problem I struggle with the most: switching off.

It’s one thing that you can never get into the same river, or that life is just a shadow world that you have to pass through, but how do you do that?

Epicur, had an almost mathematical, binary solution to this. He recommended thinking in terms of one and zero. If I am alive, I am not dead and if I am dead, I am not alive (anymore). So why think about tomorrow and the day after tomorrow when today is today?
And why worry about now when there is a now that also deserves my full attention?

He wasn’t talking about counting breath or meditating or stoic renunciation thinking along the lines of „less is more“. His mantra was to take what is and enjoy it. If there is salmon, don’t look forward to it or about it, enjoy it now. Just don’t expect it to be there every day. And you can do that if you stay alert in the moment.

So it’s not eight o’clock anything, but I’m sitting by the lake and waking up together with the sun and the ducks and bells ringing in the background.

It is not important to me, at least not when the task is to wake up, that it is goats that carry the sound around their necks that so sweetly bathes the atmosphere in harmony.

The only thing that matters is that it feels good to feel the sun on my face and absorb its energy. Everything else is not. Not there and therefore not important.
We’ll probably be driving on soon and I’ll probably be working straight away. But what is probable?

Isn’t this possibly just one of many options still hanging unsecured like tangerines on a tree in the ether of my potentials? I could just as easily return to the gambling towns of ancient Greece or simply stay put.

What happens if I don’t fulfill my so-called duties? I just have to enjoy life now under different conditions. And if that’s impossible for me, just do what I think makes the most sense. Not working for others and hoping to get paid for it, but for myself, because I’m convinced that it’s good for me. It won’t do me any good.

In future, I don’t want to be busy at jobs and rest in my free time, but always focus all my attention on what is as it is and only needs to change in the future in order to be different, to accept it, to want to accept it. Sunshine, happiness, satisfaction, but also tasks as challenges or money as money. Not as potential. It is only then, when it is part of a reality that shapes a new now.

So you don’t have to know that you can never get into the same river. What for? I get into a river or I don’t. Just like I get up now because I enjoy the desire for coffee. I don’t know if I will drink it, not even probably. Because I don’t have any in my hands right now.

Maybe Silvana is enjoying making me one right now, but it’s obligatory for her, not me.

See you tomorrow,

Your Ulf

Sechs Menschen, ein Ziel

(down below in english) In dem Weihnachtslied „leise rieselt der Schnee“ lautet die zweite Zeile „still und starr ruht der See“ und genauso erstrahlt jener, der vor uns liegt. Nicht vereist und der Wald um uns glänzt auch nicht weihnachtlich, aber friedlich, so friedlich wie einer im Wunderland von Alice.

Umrandet von Schilf, Bambus und anderen Gewächsarten strahlt der Frieden mit einer unaufdringlichen Ruhe uns an.

Silvana meinte gestern“ das Meer schreit immer förmlich „los Guck mich an. Ich bin schön!“ Der See flüstert nur „schön, dass ihr da seid“.

Aber er heißt nicht nur uns willkommen, sondern auch ein Schweizer Pärchen, mit dem wir gestern beim Tee über Reiseerfahrungen sprachen. Es war so angenehm schön, endlich Gleichgesinnte zu treffen, die mit noch weniger Komfort als wir den gleichen Schritt gewagt haben.

In einem T3 sind Larissa und Lou seit September unterwegs und entdecken mit gleicher Neugierde wie wir, die gleichen Stellen mit anderen Augen. Sie haben ebenfalls alles aufgegeben und sich auf den Weg gemacht, um Menschen wie uns zu begegnen, obwohl wir jeweils nicht vorher voneinander wissen konnten.

Es war schön, mit Lou in der naheliegenden Therme Wasser zu holen, während Silvana sich mit Larissa unterhielt. Und als die beiden weiter fuhren gen Süden, winkten wir uns zum Abschied wie Freunde, die schon einmal vorfahren „Wir sehen uns auf Kreta“.

Dann erkundeten Silvana und ich noch die bereits geschlossene Therme mit heißen Quellen mitten im Felsen und Eisvögeln über der Wasseroberfläche. Erneut ein „lost place“ der die Fantasie beflügelte und uns Händchen haltend ein behagliches Schweigen genießen ließ.

Auf dem Rückweg trafen wir dann auf zwei junge Frauen aus Freiburg, die auf dem Rad dieses versteckte Kleinod erreichten. Bis tief in die Nacht saßen wir beisammen und sprachen über alles, was uns im Leben begegnete und so irgendwie zur jeweiligen Weggabelung führte, die, kurz vor Olympia ein Kennenlernen provozierte.

Zwei junge Frauen um die 30, allein mit dem Rad in Griechenland da sage noch einer, dass Silvana und ich mutig seien. Wir waren tief beeindruckt von ihrem Mut und ihrer Lebensfreude und sie wissbegierige Zuhörer unserer Geschichten, die zugegeben meist von mir vorgetragen wurden.

Wir lachten und sinnierten bei heißem Kakao über Kosovo, Bosnien, Montenegro, den Schwarzwald und Münster, während ein malerischer Sternenhimmel uns zu beschützen schien. Gleich treffen wir uns in Olympia, vielleicht. Vielleicht auch nicht, aber vergessen werden wir alle Vier ganz bestimmt nicht.

Bis morgen,

Euer Ulf

Six people, one goal
In the Christmas carol „the snow is falling softly“, the second line reads „still and frozen the lake rests“ and that is exactly how the one in front of us shines. Not icy and the forest around us doesn’t shine like Christmas either, but peaceful, as peaceful as one in Alice’s Wonderland.

Surrounded by reeds, bamboo and other plants, the peace radiates towards us with an unobtrusive calm.

Silvana said yesterday“ the sea always literally screams „Look at me. I am beautiful!“ The lake only whispers „it’s nice that you’re here“.

But it doesn’t just welcome us, but also a Swiss couple with whom we talked about our travel experiences over tea yesterday. It was so nice to finally meet like-minded people who had dared to take the same step with even less comfort than us.

Larissa and Lou have been traveling in a T3 since September and are discovering the same places with the same curiosity as us, but with different eyes. They have also given up everything and set off to meet people like us, even though we couldn’t have known about each other beforehand.

It was nice to get water with Lou in the nearby thermal baths while Silvana chatted with Larissa. And as the two of them drove on south, we waved goodbye like friends who had already driven up to say „See you in Crete“.

Silvana and I then explored the already closed thermal baths with hot springs in the middle of the rock and kingfishers above the surface of the water. Another „lost place“ that fired the imagination and allowed us to hold hands and enjoy a cozy silence.

On the way back, we met two young women from Freiburg who had reached this hidden gem on their bikes. We sat together until late into the night and talked about everything we encountered in life that somehow led us to the fork in the road that provoked us to get to know each other shortly before Olympia.

Two young women in their 30s, alone on their bikes in Greece – someone else said that Silvana and I were brave. We were deeply impressed by their courage and zest for life and they were eager listeners to our stories, which were admittedly mostly told by me.

We laughed and mused over hot cocoa about Kosovo, Bosnia, Montenegro, the Black Forest and Münster, while a picturesque starry sky seemed to protect us. We’ll meet in Olympia soon, maybe. Maybe not, but all four of us will definitely not forget.

See you tomorrow,

Your Ulf

Ein Leben wie im Puzzle

(down below in english) Das Leben im Van ist anders, als man es sich vorstellt. Binsenweisheit, werden jetzt einige sagen, ist es vielleicht auch, aber was ich meine ist, dass sich viele Vorurteile zwar bewahrheiten, aber dennoch „in process“ merkt man plötzlich, wie sehr man doch in Bildern denkt und nicht in eigenen Erfahrungen.

Ganz banal beginnt es schon dabei, dass es beispielsweise hier heute Morgen aussieht, wie auf einem 1000 oder mehr Teile Puzzlemotiv. Einsame Boote, sogar eines, das von Sand so eingefangen ist, dass es schon selbst Teil vom Strand wurde. Davor Meer und darüber Sonnenaufgang. Es ist schon beinahe kitschig schön und dennoch für uns mittlerweile eine Art Alltag.

Denn es ist kalt, richtig kalt. Für den geneigten Leser in Deutschland, der just bei Minustemperaturen im Schnee hockt, sind drei, vier Grad vielleicht lächerlich, aber hier, wo es tagsüber dennoch gern T-Shirt warm wird, die Temperaturen also zwischen vier Uhr Mittags und sieben Uhr Abends gern um 20 Grad sinken, sind diese Temperaturschwankungen wie Jahreszeitenwechsel in drei bis vier Stunden. Von kurzer Hose zu langer Unterhose, von Sonnenbrille zu Heizung, alles binnen eines gefühlten Augenblicks.

Und in der gleichen Zeit, wird ein 1000 Quadratmeter Wohnzimmer zu einer Fototapete, denn, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und mag folglich nur ungern totale Veränderungen wie diese. Man geht rein, obwohl es draussen paradiesisch schön ist und weil man alles schon so häufig genossen hat, möchte man auch Abends gern Mal einen Film sehen, aber leider hat man vergessen, ob das Internetsignal gut genug ist. Also bleibt nur Stricken, schreiben oder Lesen, zu zweit,auf dem Klo, denn Schlafzimmer, Küche und Bad, sind ja zurück auf ihre vier Quadratmeter geschrumpft, die auf vier Rädern die Kernkompetenz Mobilität haben.

Ja, das ist oft urgemütlich und kuschelig, wenn der Gaskocher das Teewasser erhitzt und manchmal der Regen wie ein Fremder an die Scheiben klopft, man fühlt sich wie bei einer Bergsteigerexpedition an der zweiten Versorgungsstelle, obwohl wir davon keine Ahnung haben.

Aber man weiss schon vor dem Einschlafen, dass morgen aus dem Schlafzimmer wieder ein Büro werden muss, weil man auch im Paradies Geld verdienen muss. Und wenn man dann einschläft, oft zu geschafft vom alternativen Alltag, dann reduziert sich das gemeinsame kuscheln oft auf einen „Gute-Nacht-Kuss“, dem wichtigsten Moment in diesem Leben, auch wenn er nur flüchtig ist. Denn Streit würde in dieser Enge ein Miteinander unmöglich machen, da sich aus dem Weg gehen nicht selten unmöglich ist.

Dennoch passiert er und natürlich dauert es auch schon Mal eine Stunde, bis man sich wieder annähert, aber Tage von atmosphärischer Giftgalle kann man sich „on track“ nicht leisten. Nicht nur, weil der Platz zu gering ist, sondern auch deshalb, weil es nicht selten keinen anderen Menschen gibt, mit dem man sich alternativ austauschen kann.

Ich bin froh, dass ich all dieses mit der großartigsten Frau auf Erden teilen, genießen und ja, auch manchmal nur ertragen kann. Denn es gehört oft mehr als nur klischeige Liebe dazu, um gemeinsam einen solchen Ritt auf der Waiküre machen zu können.

Bis morgen,

Euer Ulf

A life like a puzzle

Life in a van is different from what you imagine. Some may say that this is a truism, but what I mean is that although many preconceptions prove to be true, „in process“ you suddenly realize how much you think in pictures and not in your own experiences.

It starts in a very banal way with the fact that here this morning, for example, it looks like a 1000 or more piece jigsaw puzzle. Lonely boats, even one that is so captured by sand that it has become part of the beach itself. The sea in front and the sunrise above. It’s almost kitschy and yet for us it’s now a kind of everyday life.

Because it’s cold, really cold. For readers in Germany, who are sitting in the snow in sub-zero temperatures, three or four degrees is perhaps ridiculous, but here, where it still likes to be T-shirt warm during the day, meaning temperatures can drop by 20 degrees between four in the afternoon and seven in the evening, these temperature fluctuations are like changing seasons in three to four hours. From shorts to long underpants, from sunglasses to heating, all within what feels like an instant.

And in the same time, a 1000 square meter living room becomes a photo wallpaper, because humans are creatures of habit and therefore don’t like total changes like this. You go inside even though it’s paradisiacally beautiful outside and because you’ve enjoyed everything so often, you’d like to watch a movie in the evening, but unfortunately you’ve forgotten whether the internet signal is good enough. So all you can do is knit, write or read, together, on the loo, because the bedroom, kitchen and bathroom have shrunk back to their four square meters, which have the core competence of mobility on four wheels.

Yes, it’s often very cozy and snug when the gas stove heats the tea water and sometimes the rain knocks on the windows like a stranger, you feel like you’re on a mountaineering expedition at the second supply point, even though we have no idea what it’s like.

But you know before you fall asleep that tomorrow the bedroom will have to become an office again, because you have to earn money in paradise too. And when you fall asleep, often too exhausted from the alternative everyday life, cuddling together is often reduced to a „goodnight kiss“, the most important moment in this life, even if it is only fleeting. After all, arguments would make togetherness impossible in such close quarters, as it is often impossible to avoid each other.

Nevertheless, it happens and of course it sometimes takes an hour to get closer again, but you can’t afford days of atmospheric toxic bile „on track“. Not only because there is not enough space, but also because there is often no one else to talk to as an alternative.

I am glad that I can share all this with the greatest woman on earth, enjoy it and yes, sometimes just endure it. Because it often takes more than just clichéd love to be able to take such a ride on the Waiküre together.

See you tomorrow,

Your Ulf

„Die Perspektive ist fertig“

(down below in english) Hier, in einer unspektakulären Einöde, hinter Olivenhainen und Orangenbäumen, scheinen wir endlich angekommen.

Es ist nicht so, dass wir ewig bleiben, aber dieser Platz bleibt, so wie er jetzt ist, für immer in unseren Herzen. Keine Palmen, keine Müllcontainer und keine Touristen. Nur ein kleiner Schrain für Gläubige erinnert daran, dass es hier auch andere Menschen gibt oder gab.

Die Wucht der Wellen ist so gleichmäßig gewaltig, dass man die Schönheit kaum ertragen kann und ihr Rauschen scheint fast lauter als die Tiefflieger, die auch hier in Griechenland jetzt wieder so oft zu vernehmen sind wie zu Zeiten, als ich noch ein kleiner Junge war.

Hier gibt die Natur den Ton an, weißt den Menschen ihren Platz zu und zelebriert die Gezeiten so, wie sie einst begonnen haben.

Auf dem Weg zu dieser verlassenen Einöde streiften wir Kilometer von Gewächshäusern mit all jenem Gemüse und Obst, dass bei uns, auch jetzt tief im Winter, bei Schnee und Eis so selbstverständlich in den Regalen liegt, als würde da, wo jetzt unser Jürmann steht, ein Lidl beheimatet sein.

Aber hier sind Lidl und Co ganz weit weg. Statt dessen findet man in der benachbarten Gemeinde einen kleinen Supermarkt, der sie alle in Preis und Freundlichkeit in den Schatten stellt.

Hier wohnen ehrliche Leute mit ehrlichen Bedürfnissen. Kein Reisebüro oder kläffende Köter vor prunkvollen Villen. Nur ein kleiner Münsterländer mit Kuhglocke um den Hals begrüßte uns, um direkt danach wieder zwischen wildem Geäst zu verschwinden.

Dieses liebe Tier gierte nicht nach Lebensmitteln und Streicheleinheiten wie so viele andere freilaufende Haustiere hier, dieser Hund ist ein geliebtes und versorgtes Tier und sieht darüber hinaus noch aus wie der Liebling meiner Kindheit Aggy.

Hier kann ich endlich zu schreiben beginnen und die Arbeit genießen. Hier möchte Silvana nähen und Yoga machen. Hier möchte man ausruhen, denn das nächste Abenteuer kommt bestimmt; nur hoffentlich nicht gleich morgen.

Ob dem so ist, erfahrt ihr und erfahren Sie in 24 Stunden,

Euer Ulf

„The perspective is ready!“
Here, in an unspectacular wasteland, behind olive groves and orange trees, we finally seem to have arrived.

It’s not as if we’ll stay forever, but this place, as it is now, will remain in our hearts forever. No palm trees, no garbage containers and no tourists. Only a small shrine for believers reminds us that there are or were other people here too.

The force of the waves is so uniformly powerful that you can hardly bear the beauty and their roar seems almost louder than the low-flying planes that can be heard here in Greece as often now as when I was a little boy.

Here, nature sets the tone, assigns people their place and celebrates the tides as they once began.

On the way to this deserted wasteland, we passed miles of greenhouses with all the fruit and vegetables that are so commonplace on our shelves, even now in the depths of winter, in the snow and ice, as if a Lidl was located where our Jürmann is now.

But here, Lidl and Co are a long way away. Instead, there is a small supermarket in the neighboring community that puts them all in the shade in terms of price and friendliness.

Honest people with honest needs live here. No travel agencies or yapping dogs in front of magnificent villas. Only a small Münsterländer with a cowbell around his neck greeted us, only to disappear again immediately afterwards among the wild branches.

This dear animal was not craving food and cuddles like so many other free-roaming pets here, this dog is a loved and cared for animal and also looks like my childhood favorite Aggy.

Here I can finally start writing and enjoy the work. This is where Silvana wants to sew and do yoga. This is where you want to rest, because the next adventure is sure to come, but hopefully not tomorrow.

You will find out in 24 hours,

Your Ulf

Ein unbehagliches Paradieschen

(down below in english) Gestern war ein merkwürdiger Tag. Erst begann alles wie immer: Strand, Meer Sonne und so, aber dann zogen irgendwie Wolken auf, ohne dass welche zu sehen waren.

Wir spürten eine Leere in uns, die sich einfach nicht verdrängen lassen wollte.vielleicht war es ein bisschen Einsamkeit, die sonst nur unser Geld auf dem Konto kannte.

Die Schweizer waren abgefahren und auch andere kamen nicht, was uns eigentlich immer sehr genehm ist, aber sich gestern unbehaglich anfühlte.

Als ich nach dem Unterricht in ein etwas fünf Kilometer entfernten Dorf spazierte, wurde sogar der kleine Schäferhund unruhig, so bedrückend war die Atmosphäre. Man sah kaum Menschen, hörte kaum Geräusche und suchte beinahe nach einem Ereignis.

Im Dorf fand ich es dann in Form von nicht angeleinten Hunden, die mit fletschenden Zähnen auf mich zu rannten und mich das fürchten lehrten eine unangenehme Manifestation.

Wie konnte das sein? Eigentlich war das Örtchen ganz gepflegt, wirklich. Beinahe wie im Bilderbuch, aber dass ich keine Spur von Super- noch Mini Markt finden konnte, machte mich schon stutzig. Bei meiner Flucht vor den Zerberussen (Höllenhunde) streifte ich nur eine kleine Apotheke, was mich in meiner Situation irgendwie nicht wunderte, die ich aber nicht zwingend besuchen wollte.

Zurück, hinter einem hohen Zaun, auf dem Weg zum Jürmann, begegneten mir dann noch Einheimische, die sich auf Motorrädern ohne Helm, aber mit dicken Schrotflinten bewaffnet wild gestikulierend unterhielten und wohl wenig später die Ursache der widerhallenden Schüsse in den Bergen waren.

Als ich jedenfalls wieder glücklich und erleichtert in Silvanas Armen lag, erzählte sie mir von Einbrechern die hier wohl ihr Unwesen treiben sollten. Ein nettes griechisches Pärchen warnte sie davor und meinte, dass wir zum nahegelegenen Restaurant umziehen sollten. Man könne dort kameraüberwacht frei stehen und es gäbe sogar Strom.

Hier stehen wir deshalb nun. Nicht überfallen, nicht von Hunden gebissen, aber glücklich fühlt sich dennoch irgendwie anders an. Deshalb fahren wir gleich weiter. Es darf nämlich gern wieder ein bisschen lieblicher sein.

Bis morgen,

Euer Ulf

An uncomfortable little paradise

Yesterday was a strange day. At first everything started as usual: beach, sea, sun and all that, but then somehow clouds appeared without any being visible.

We felt an emptiness inside us that just wouldn’t go away. Maybe it was a bit of loneliness that usually only our money in the bank account knew.

The Swiss had left and others didn’t come either, which is actually always very convenient for us, but felt uncomfortable yesterday.

When I walked to a village about five kilometers away after class, even the little German shepherd got restless, the atmosphere was so oppressive. You hardly saw any people, hardly heard any noises and were almost looking for an event.

In the village, I found it in the form of unleashed dogs running towards me with bared teeth and teaching me to fear an unpleasant manifestation.

How could that be? Actually, the place was really well-kept. Almost like a picture book, but the fact that I couldn’t find any trace of a supermarket or mini market made me wonder. On my escape from the Cerberuses (hellhounds), I only came across a small pharmacy, which somehow didn’t surprise me in my situation, but which I didn’t necessarily want to visit.

Back, behind a high fence on the way to Jürmann, I came across some locals on motorcycles without helmets but armed with big shotguns, gesticulating wildly and who were probably the cause of the echoing gunshots in the mountains a little later.

In any case, when I was lying happily and relieved in Silvana’s arms again, she told me about burglars who were probably up to mischief here. A nice Greek couple warned her about this and said that we should move to the nearby restaurant. We could stand there freely under camera surveillance and there was even electricity.

So here we are now. Not attacked, not bitten by dogs, but happy still feels different somehow. So we drive on straight away. It could be a bit more pleasant again.

See you tomorrow,

Yours Ulf

Wie ein Korn Zucker in schwarzem Kaffee

Wie ein Korn Zucker in schwarzem Kaffee

Das Leben im Van ist aufregend. Man sieht ständig Neues und begegnet überall Menschen, die so verschieden sind und dennoch eines gemeinsam haben: Sehnsucht.

Ob Schweizer, Italiener, Russen, Grienchen Deutsche oder andere, es wechseln Alter, Haut und Sprache, aber die meisten sind auf der Suche nach dem Ich, das so begierig nach Ruhe und dennoch meist mit Abenteuern beschäftigt ist.

Egal ob im Wagen etwas nicht funktioniert, ein Supermarkt gesucht oder Enge kultiviert werden muss, das einsame Ich eines jeden, macht aus der Suche nach dem Glück eine individuelle Erfahrung.

Denn es ist das gleiche Ich, das zu Hause die Fernbedienung und unterwegs den Löffel nicht finden kann. Es flucht und freut sich in der gleichen Sprache, in der es immer Emotionen ausgedrückt hat. Es bleibt sich immer treu, auch wenn sich noch so vieles ändert.

Wie könnte es auch anders sein, denn es ist ja dieses Ich das flüchtet und diese Seele die begehrt. Man hofft täglich darauf, dass man es bändigt, es sich neu determiniert und alte Gewohnheiten ablegt, aber die Seele ist träge.

Jedes neue Ereignis wird mit der Erfahrung eines ganzen Lebens reflektiert. Und jeden Tag kommen bei mir beispielsweise nur 24 Stunden Neues zu 411720 Stunden Altlast hinzu. Das ist wie ein Korn Zucker in schwarzem Kaffee oder ein Sandkorn Westfalen an unendlich langen Strand.

Bis ich also statt beispielsweise „danke“, „echaristio“ denke und nicht nur sage, ist mein ganzer Körper wahrscheinlich schon selbst wieder zu Staub geworden.

So, wie mir von meiner Mutter die Freundlichkeit beigebracht wurde, so werde ich sie an jeden Platz der Welt zurückgeben. Jeden Tag wird in jedem Wort und Gedanken meine Wut auf das Leben seinen Tribut fordern.

Das einzige was sich ändern kann, nicht muss, ist meine Perspektive darauf. Ich kann nur mich lieben lernen wie den Sonnenaufgang hier am Pelepones. Mein Ich zur friedlichen Woge vor mir machen, die manchmal plätschert und manchmal Kapriolen schlägt, aber am Ende das gleiche Wasser bleibt, das es seid Anbeginn der Zeit ist.

Es zählt nicht seine Wellen, um sich zu beruhigen wie ich meine Atemzüge.

Das Meer ist nur nicht sauer auf sich, weil die Welt grad nicht zu seiner Emotion passt. Es nimmt sich den Raum den es braucht und steht sich nicht selber im Weg. Es genügt sich, weil es sich nicht verändern will, sondern einfach ist. Jeden Tag wieder, jeden Tag anders und dennoch jeden Tag das selbe Wasser wie zuvor.

Aber das Meer ist auch nicht ohne mich so wie es ist. Denn gibt es diese Schönheit, wenn sie nicht erkannt wird?

So thank you for reading und danke, dass ich für Sie schreiben darf.

Bis morgen,

Euer Ulf

Like a grain of sugar in black coffee

Life in a van is exciting. You constantly see new things and meet people everywhere who are so different and yet have one thing in common: Longing

Whether Swiss, Italian, Russian, Grien, German or other, age, skin and language change, but most of them are in search of the self that is so eager for peace and yet mostly preoccupied with adventure.

Whether it’s something not working in the car, looking for a supermarket or cultivating confinement, everyone’s lonely self makes the search for happiness an individual experience.

Because it’s the same me that can’t find the remote control at home or the spoon on the road. It curses and rejoices in the same language in which it has always expressed emotions. It always remains true to itself, no matter how much changes.

How could it be otherwise, because it is this ego that flees and this soul that desires. You hope every day that you can tame it, that it will re-determine itself and discard old habits, but the soul is inert.

Every new event is reflected with the experience of a lifetime. And every day, for example, I only add 24 hours of new to 411720 hours of old. That’s like a grain of sugar in black coffee or a grain of Westphalian sand on an endlessly long beach.

So by the time I think „echaristio“ instead of just saying „thank you“, for example, my whole body has probably turned to dust again.

Just as I was taught kindness by my mother, I will return it in every place in the world. Every day, in every word and thought, my anger at life will take its toll.

The only thing that can change, not has to, is my perspective on it. I can only learn to love myself like the sunrise here on the Pelepones. To turn my self into a peaceful wave in front of me that sometimes ripples and sometimes capers, but in the end remains the same water it has been since the beginning of time.

It doesn’t count its waves to calm itself down like I count my breaths.

The mee is just not angry with itself because the world doesn’t match its emotions at the moment. It takes the space it needs and doesn’t stand in its own way. It suffices itself because it doesn’t want to change, it simply is. Every day again, every day different and yet every day the same water as before.

But the sea is not as it is without me. Because does this beauty exist if it is not recognized?

So thank you for reading and thank you for letting me write for you.

See you tomorrow,

Your Ulf