Der Küchenchef enpfielt


(Down below in english) Jeden Tag werden etwa 10 Millionen Essensbilder gepostet. Egal ob kulinarische Leckerbissen oder verbrannter Toast, die digitale Festplatte ist voll von Bildern, die kein Mensch braucht. Der Vorteil dabei scheint, dass das digitale Gehirn nicht aktiv in dem Sinne leben muss, dass es all diese Menüs und andere mehr oder weniger erinnerungswürdige Momente zur Bestreitung anstehender 24 Stunden braucht.

Beim menschlichen Gehirn ist das anders. Jeden Tag kommen auch hier neue Bilder, Töne und Gefühle zum bisher wahrgenommen hinzu und, ob man es will oder nicht, alles Vergangene gestaltet die Perspektive, mit der man das Zukünftige betrachtet.

Wenn ich also jetzt meinen Kaffee genieße, bestimmt sogar meine ehemalige Englischlehrerin Frau Brumberg, Nomen est Omen, wie er mir schmeckt.

Man kann also fast sagen, dass es einem Wunder gleichkommt, dass ich überhaupt noch genießen kann. Glücklicherweise ist dem ganz und gar nicht so, denn es gibt unendlich viel, was ich wie ein Neugeborenes genießen kann. Aber die Nacht gehörl leider nicht dazu.

Wenn es draussen dunkel wird, scheint sich auch mein Geist zu verdunkeln. Beinahe jede Nacht fühlt es sich so an, als blättere ich sämtliche Erinnerungsalben meines Lebens durch, wobei ich mit Themen wie „schlimmste Erinnerungen aller Zeiten zu beginnen scheine und erst gegen sechs bei Zoé, Silvana oder Kalamatas ankomme.

Es ist nicht so, vielleicht leider, dass ich mich daran erinnere, aber ich wache jede Nacht unzählige Male auf und bin gerädert vom Kopfkino, bis der Wecker um sieben Klingelt und der Autor dieses Blogs aufstehen muss.

Ich habe so viel auf dieser Reise zum guten wenden können, aber wenn es um durschlafen geht fühle ich mich wie ein Fisch der fliegen soll, ich kann es einfach nicht. Die unzähligen verkochten Mahlzeiten aus in der Schule sitzen bleiben oder anderer versalzener Erinnerungen auf der Festplatte meines Superrechners, wollen jede Nacht betrachtet werden, als ob mein RAM dächte, dass ohne diese kein Leben möglich wäre.

Ich weiss, dass das Quatsch ist und da ich alles von Freud gelesen habe, habe ich sogar eine Ahnung davon, was mein persönlicher Yogibär mir damit sagen will, aber den Schritt, diese schwatzen Gedanken wie unweigerlich verstreichende Sekunden und Stunden einfach ziehen zu lassen, gelingt mir einfach noch nicht.

Aber vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich genau dieser Baustelle zu widmen, denn alles andere in meinem Leben hat sein Ziel erreicht. Jetzt gilt es also, einfach nur das Gute zu genießen.Wer hätte gedacht, das eine scheinbar so herrliche und dankbare Aufgabe, die schwerste Hürde in einem Leben sein kann?

Aber ehrlich, es gibt doch keinen einzigen Grund, davor Angst zu haben, denn man muss ja nicht Verbrannte Toasts verdauen lernen sondern ausschließlich, Gambas, Hähnchen, Filetsteaks und Schokopudding.

Vielleicht fehlte bisher einfach der Hunger, aber jetzt ist er da!

Bis morgen,

Euer Ulf

The chef recommends
Around 10 million food pictures are posted every day. Whether culinary delicacies or burnt toast, the digital hard disk is full of pictures that nobody needs. The advantage of this seems to be that the digital brain does not have to live actively in the sense that it needs all these menus and other more or less memorable moments in order to cope with the upcoming 24 hours.

The human brain is different. Every day, new images, sounds and feelings are added to what we have already perceived and, whether we like it or not, everything in the past shapes the perspective with which we view the future.

So when I enjoy my coffee now, even my former English teacher Mrs. Brumberg, nomen est omen, determines how it tastes to me.

So you could almost say it’s a miracle that I can still enjoy it at all. Fortunately, that’s not the case at all, because there are so many things I can enjoy like a newborn. But unfortunately, the night is not one of them.

When it gets dark outside, my mind seems to darken too. Almost every night it feels like I’m leafing through all the memory albums of my life, where I seem to start with topics like „worst memories ever“ and only get to Zoé, Silvana or Kalamatas around six.

It’s not, perhaps sadly, that I remember, but I wake up countless times every night and I’m choked up from the head cinema until the alarm clock rings at seven and the author of this blog has to get up.

I’ve managed to turn so much of this trip around, but when it comes to sleeping through the night I feel like a fish that’s supposed to fly, I just can’t do it. The countless overcooked meals from sitting at school or other salty memories on my supercomputer’s hard drive want to be looked at every night, as if my RAM thinks that life is impossible without them.

I know this is nonsense and having read all of Freud, I even have an idea of what my personal yogi bear is trying to tell me, but I just can’t yet take the step of letting these chattering thoughts pass like inevitable seconds and hours.

But perhaps now is exactly the right time to dedicate myself to this construction site, because everything else in my life has reached its destination. So now it’s time to simply enjoy the good: who would have thought that such a seemingly wonderful and rewarding task could be the hardest hurdle in life?

But honestly, there’s not a single reason to be afraid of it, because you don’t have to learn to digest burnt toast, only prawns, chicken, fillet steaks and chocolate pudding.

Maybe I just wasn’t hungry before, but now I am!

See you tomorrow,

Your Ulf

Logbucheintrag vom 30. Januar 2024

(Down below in english) Die See ist stürmisch und der blanke Hans des Mittelmeers tobt nicht nur auf den Meeren sondern auch in meiner Brust, denn kleine Meutereien im virtuellen Raum haben mich zu viel Rum in den Tee schütten lassen.

Wir sind mit der MS Jürmann zwar noch auf dem richtigen Kurs Richtung Glückseligkeit, aber ein dreimal schwarzer Kater hat die Laune von Kapitän Ulfsen verfinstert.

Glücklicherweise ist die erste Steuerfrau auf Posten und hat das Ruder übernommen, sodass der alte Seebär brummig die Krabben fürs Mittagessen pulen kann.

„Warum“, so der alte Kapitän, „müssen immer irgendwo solche Döspaddel sein und warum findet sich auf jedem Deck mindestens ein Hain Blöd“, hustet Ulfsen in den Dreitagebart.
Aber da kommt auch schon Steuerfrau Jürgenson und bringt eine Aspirin mit pechschwarzen Kaffee.

„Weil“, sagt die unerbitterlich frohgemute Offizierin, „das weiss ich nicht Chef, „aber“, holt sie Luft, „deshalb braucht jedes Schiff das dampft und segelt, einen, der die Sache regelt, und das sind glücklicherweise Sie Chef“.

„Ach Kappes“, brummt Ulfsen, „erstens mag ich keine Westerwellischen Zitate und 2. Würde ohne Sie die MSS Jürmann schon viel länger nicht mehr fahren, sondern auf Grund laufen, nech?!“.


„Aber wir fahren und das sollten Sie nicht vergessen Kapitän,  sie bekamen gestern ein Angebot von einer kleinen Reederei, dass sie notfalls die Flagge wechseln können,schon vergessen?!“

„Gut, gut, me Deern“, lächelt Kapitän Ulfsen etwas gequält und steckt sich eine Zigarette in den Mund, dann geh ich jetzt noch Mal kurz an Deck und wenn ich wiederkommen wird gespult, bis die Finger bluten, ja?“

„Eye, eye, Captain, und immer dran denken, ney, nicht lang schnacken, kopp in Nacken“.

„Yo, yo yo yo yo!“

Bis morgen,

Euer alter Seebär Ulf

Logbook entry January 3, 2024
The seas are stormy and the sheer Hans of the Mediterranean is raging not only on the seas but also in my chest, because small mutinies in virtual space have caused me to pour too much rum into my tea.

We are still on the right course towards bliss with the MSS Jürmann, but a triple black hangover has darkened Captain Ulfsen’s mood.

Fortunately, the first helmswoman is on duty and has taken over the helm so that the old sea dog can grumpily pick the crabs for lunch.

Why, says the old captain, do there always have to be such döspaddles somewhere and why is there at least one Hain Blöd on every deck, Ulfsen coughs into his three-day beard.
But then helmswoman Jürgenson arrives and brings an aspirin with pitch-black coffee.

„Because,“ says the implacably cheerful officer, „I don’t know boss, but,“ she takes a breath, „that’s why every ship that steams and sails needs someone to take care of things, and fortunately that’s you boss.“

„Oh, that’s silly,“ grumbles Ulfsen, „firstly, I don’t like Westerwellian quotes and secondly, without you, the MSS Jürmann wouldn’t have been sailing for much longer, it would have run aground, wouldn’t it?“.
„But we are sailing and you shouldn’t forget that, Captain, yesterday you received an offer from a small shipping company that you can change the flag if necessary, remember?“

„Well, well, me Deern,“ smiles Captain Ulfsen a little pained and puts a cigarette in his mouth, „then I’ll go on deck for a moment and when I come back I’ll wind until my fingers bleed, yes?“

„Eye, eye, Captain, and always remember, ney, don’t take too long, head in neck“.

„Yo, yo yo yo yo!“

See you tomorrow,

Your old sea dog Ulf

War was?!

(down below in english) Laut ADAC sind wir gerade einmal 2876 Kilometer von Münster entfernt, oder wie man im Netz sagt one day four hours and 40 Minutes. Ein Katzensprung quasi. Da fragt man sich natürlich auch, wo die rund 2000 Kilometer mehr auf der Uhr des Jürmanns kommen, denn gefühlt standen wir ja hauptsächlich in Igoumenitsa und hier in Kalamata.

Ach ja, da war ja noch die Sache mit Brüssel und, ach ja, der Friedhof mit den freundlichen alten Ladies in Arlon, die Tanke mit dem Motorradfahrer dem ich beinahe die Maschine umgefahren habe in Luxemburg und Billard mit Dylan in Saarburg habe ich noch vergessen.

Und Herrsching, Salzburg, Florenz, das Tichuana von Slowenien, unser erster richtiger Strand in Krk und Dubrovnik. Oh Dubrovnik, da fällt mir ein, dass die abgeschleppten Kilometer gar nicht mitgezählt wurden.

Ups, das wunderschöne Bosnien und Herzegowina mit Anton und Slatan ist mir da wohl durchgerutscht und die unfassbar schöne Flusströmung mit dem Obdachlosen Penthouse, der uns sogar die Pornos da gelassen hat. Zum Glück ging unser kleiner Streit dort nicht ganz so weit, dass ich das Angebot annehmen musste.

Und während ich hier so liege und gedanklich durch unser Zuhause streife, denke ich natürlich an die blaue Beule am Jürmann hinten rechts, die wir uns auf dem Parkplatz in Bosna zugezogen haben. Gut, dass Montenegro auch noch Kotar und den Long Beach zu bieten hatte, sonst würde ich bei dieser Region wohl nur noch an den Golffahrer mit Flachmann auf der Schnellstraße denken, oder an die Panik die ich hatte, als ich Silvana Nachts nicht wieder fand.

Aber alles vergeben und vergessen. Auch der wahrscheinlich überflüssige Werkstattaufenthalt in Albanien bei Antonio, der so nett war und unser Pfeifproblem doch nicht lösen konnte. Aber den Turbo zu checken, war bestimmt eine gute Prophylaxe für später.

Und dann waren wir ja auch schon in Igoumenitsa, wo wir uns endlich den wahren Problemen wie beinahe Absaufen und unsere Heizung Petra kümmern konnten, ach ne, das kam ja erst später, nach Peter, Andrea und Nikita und TJ aus Hannover.

Wann war eigentlich das mit der Miliz? Ach ja, da, kurz vor dem Campingplatz von Andrea, wo wir unseren Jeffrey Lebowski zurück lassen mussten.

Unvergesslich auch das Treffen mit Peter am Meer, das jeden Tag die Farbe wechselte, und seinem Wohnmobil, dass in Italien Jürmannattitüden annahm. Gut, dass ihm nichts passiert ist.

Oder das Münster von Griechenland, Patras, von dem wir immer noch nicht wissen, ob es mit oder ohne „s“ geschrieben wird aber dessen Brückenkosten unvergesslich bleiben.

Und natürlich Jannis, unser Freund aus Inglewood, würde man in Pulp Fiction wohl sagen. Der griechische Ulf mit Dortmunder Wurzeln, dessen Waschsalon unser Ziel war, aber dessen Freundschaft wir gewinnen konnten. Zwar kurz vor Patras, aber wen stört das schon?

Irina fragt sich bestimmt grad, ob ich sie vergessen habe. Nein hab ich nicht und Mareike mit ihrem Mann Chris sowie das schnuckeligen Haus in den Bergen natürlich auch nicht.

Und dann sind auch schon fünf Monate um und ein waschechter Sokratis repariert den Wagen eines Philosophen. Was will man mehr?

Nie wieder zurück!

Bis morgen,

Euer Ulf

Something Missing?!
According to the ADAC, we are just 2876 kilometers away from Münster, or as they say on the net, one day four hours and 40 minutes. A stone’s throw, so to speak. Of course, this also makes you wonder where the extra 2000 kilometers on the Jürmann’s clock came from, because we felt like we were mainly in Igoumenitsa and here in Kalamata.

Oh yes, there was also the thing with Brussels and, oh yes, the cemetery with the friendly old ladies in Arlon, the petrol station with the motorcyclist I nearly knocked over in Luxembourg and billiards with Dylan in Saarburg.

And Herrsching, Salzburg, Florence, the Tichana in Slovenia, our first real beach in Krk and Dubrovnik. Oh Dubrovnik, I just remembered that I didn’t count the kilometers we towed.

Oops, I must have slipped through the beautiful Bosnia and Herzegovina with Anton and Slatan and the incredibly beautiful river current with the homeless penthouse, who even left us the porn. Fortunately, our little argument there didn’t go quite so far that I didn’t have to accept the offer.

And while I’m lying here, mentally wandering around our home, I’m of course thinking about the blue bruise on Jürmann’s back right that we got in the parking lot in Bosna. It’s a good thing that Montenegro also had Kotar and Long Beach to offer, otherwise I would probably only think of the golf driver with a hip flask on the highway, or the panic I had when I couldn’t find Silvana again at night.

But all is forgiven and forgotten. Even the probably superfluous workshop visit in Albania with Antonio, who was so nice and couldn’t solve our whistle problem after all. But checking the turbo was certainly a good preventative measure for later.

And then we were already in Igoumenitsa and could finally deal with the real problems like almost sinking and heating, oh no, that only came later, after Peter, Andrea and Nikita and TJ from Hanover.

When was it with the militia? Oh yes, just before Andrea’s campsite, where we had to leave our Jeffrey Lebowski behind.

The meeting with Peter by the sea, which changed color every day and whose motorhome in Italy took on Jürmannatti characteristics, was also unforgettable. It’s a good thing nothing happened to him.

Or the cathedral of Greece, Patras, which we still don’t know whether it is spelled with or without an „s“ but whose bridge costs remain unforgettable.

And of course Jannis, our friend from Inglewood, as they would say in Pulp Fiction. The Greek Ulf with roots in Dortmund, whose launderette was our destination, but whose friendship we managed to win. Just before Patras, but who cares?

Irina must be wondering if I’ve forgotten her. No, I haven’t and of course neither have Mareike and her husband Chris, nor the cosy house in the mountains.

And then it’s already five months later and a real Sokratis is repairing a philosopher’s car. What more could you want?

Never go back!

See you tomorrow,

Your Ulf

Du liest mich, also bin ich

(Down below in english) Es gibt viele, beinahe unendlich viele Menschen, die sich auf den Weg machten und machen, um die Welt zu entdecken oder sich selbst zu finden und es gibt wohl nur wenige, die das nicht in die Welt tragen.

Bilder, Videos, Kommentare und Blogs auf Instagram, Tik,Tok, Facebook und WordPress sind eindrückliche Beweise dafür.

Unzählige Synonyme wie „Vanlife happylife“ oder „unserrittaufderwaiküre“ zeugen von dieser Sehnsucht und dem Mut, der damit verbunden ist oder scheint. Aber sie sind auch Reminiszenz einer mitteilungsbedürftigen Gesellschaft, die sich zurückgelassen oder vergessen fühlt. „Hey ihr da, sehr ihr, was ich Tolles mache?“ Schreit es täglich von diversen social Media Seiten an die vermeintlich unglücklich Zuhausegeblieben.

Einzig wichtig scheint, dass die Bilder beeindrucken. Höher, schneller, weiter und immer mit einem grinsenden Gesicht als Ausdruck purer Glückseeligkeit. Denn wann sieht man schon mal einen Motorschaden, Mechaniker,leere Kassen oder Streit?

Nur dann, wenn man sich auch davon ein lukratives Geschäft verspricht. „10 Gründe, warum wir nie wieder Vanlifen“ oder „die fünf besten Tipps, damit die Reise im Wohnmobil keine Katastrophe wird“, heißt es da in Überschriften auf YouTube und immer mit dem Verweis “ was haltet ihr davon? Schreibt es in die Kommentare und vergesst auch nicht zu liken, damit ihr auch beim nächsten Mal dabei seid“, wenn es wieder heißt: ich habe ein Ego oder Geldproblem.

Ich bin da keine Ausnahme, denn auch ich habe das Netz mit meinem Bullshit in der Hoffnung geflutet, damit Geld zu verdienen. Ich mache es ja sogar in diesem Moment und es gibt nicht das kleinste Gegenargumente, dass diese negative Seite meines Blogs entkräften könnte.

Für mich zeigt das, dass ich immer noch nicht da bin, wo ich sein will. In einer Selbstzufriedenheit, die einer inszenierten Darstellung erübrigt. Solange ich schreibe, ob kritisch oder freundlich, weiss jeder, dass ich ein Problem mit mir habe.

Ja, es stimmt, es ist nicht mehr so groß wie zu Beginn der Reise, aber das es kleiner wurde liegt nicht an meinem Blog, sondern einzig an der Reise, die mich mit Momenten konfrontiert, die meine Seele zur selbstreflektierten Genesung zwingen.

Und ja, das Schreiben hilft mir, aber das Posten hat mit der Selbstheilung Nichts zu tun. Ich möchte beinahe sagen, es steht mir im Weg.
Denn solange ich öffentlich mache, was mich bewegt, will ich auch wissen, ob man das auch an anderer Stelle gut findet. Und ist es nicht eigentlich das jenes, von dem ich mich befreien wollte?

Aber ich bin ein Mensch, also zumindest heute ein lieb gemeint es:

Bis morgen,

Euer Ulf

You read me, therefore I am
There are many, almost infinitely many people who have set out to discover the world or to find themselves and there are probably only a few who do not bring this to the world.

Pictures, videos, comments and blogs on Instagram, Tik,Tok, Facebook and WordPress are impressive proof of this.

Countless synonyms such as „Vanlife happylife“ or „unserrittaufderwaiküre“ bear witness to this longing and the courage that is or seems to be associated with it. But they are also reminiscent of a society in need of communication that feels left behind or forgotten. „Hey you there, do you know what great thing I’m doing?“ It is shouted daily from various social media sites to the supposedly unhappy people who have stayed at home.

The only thing that seems to matter is that the pictures impress. Higher, faster, further and always with a grinning face as an expression of pure bliss. Because when do you ever see engine damage, mechanics, empty tills or arguments?

Only when you expect to make a lucrative business out of it. „10 reasons why we’ll never vanlift again“ or „the five best tips to ensure your motorhome trip isn’t a disaster“ are the headlines on YouTube, always with the link „What do you think? Write it in the comments and don’t forget to like it so that you’ll be there next time too“ when it says again: I have an ego or money problem.

I am no exception, because I too have flooded the net with my bullshit in the hope of earning money with it. I’m even doing it right now and there’s not the slightest counterargument that could invalidate this negative side of my blog.

For me, this shows that I’m still not where I want to be. In a self-satisfaction that makes a staged presentation unnecessary. As long as I write, whether critically or kindly, everyone knows that I have a problem with myself.

Yes, it’s true, it’s not as big as it was at the beginning of the journey, but the fact that it’s gotten smaller is not because of my blog, but solely because of the journey, which confronts me with moments that force my soul into self-reflective recovery.

And yes, writing helps me, but posting has nothing to do with self-healing. I almost want to say it gets in my way.
Because as long as I make public what moves me, I also want to know whether it will be appreciated elsewhere. And isn’t that actually what I wanted to free myself from?

But I’m a human being, so at least today I’m a well-meaning one:

See you tomorrow,

Your Ulf

I had a dream

(down below in english) Puuuh, hab ich einen Scheiss geträumt. Wir waren in New York und wie früher lief erst alles gut bis es plötzlich ins Gegenteil umschlug. Ich kämpfte nach Leibeskräften um gesellschaftliche Akzeptanz, die mir einfach nicht zu Teil werden wollte,weil ich die Dinge zu individuell betrachtete und dementsprechend auch anging.

Und wie kurz vor Beginn unserer Reise, bekam ich es mit der Angst zu tun, dass ich den Ausweg nicht fänd. Ich wusste, dass wir zum Flughafen mussten, aber fürchtete mich, dass ich den Weg nicht finden würde. Ich haderte an meinen Sprachkenntnissen und strampelte in meiner Traumwelt wie eine Fliege in Milch ums überleben.

Dann wurde ich wach und war noch ganz benommen von diesem comicartig pituresken Eindrücken in meinem Kopf und verstand gar nicht, was ich wohl damit verarbeitet habe, denn die Reise auf der ich mich mit Silvana befinde, läuft ausgesprochen gut. Wir finden, was wir suchen und haben keinerlei Sozialisationsprobleme. Im Gegenteil, nie hat man uns mit offenen Armen empfangen als auf unserem Ritt auf der Waiküre und nie war ich mir sicherer, auf dem richtigen Weg zu sein.

Vielleicht muss ich einfach mein Gestern mit dem heute versöhnen und begreifen, in was für einem Leben ich mich befand. Ein hilflos Suchender, der alles für einen Hinweis auf den richtigen Weg gegeben hätte, aber nie bekam.

Mein Fehler war wahrscheinlich, dass ich tief in mir drin, meiner Intention nicht traute, obwohl ich dieser Alternativlösung ausgeliefert war und bin. Mein Weg ist nicht der von vielen anderen, ja ich lebe nicht einmal in der gleichen Welt wie die meisten, nicht zwingend wegen der scheinbar objektiv gleichen Welt, die uns allen gegeben ist, sondern allein schon, wie ich sie sehe.

Andere mögen im Chaos einen Flughafen brauchen, weshalb auch ich mich nach diesem auf den Weg machte, aber mein Platz ist nicht in einer Boing von Lufthansa und Co mit Nahmen Landsberg oder Heidelberg, meine Arche Noah ist ein alter Transporter aus Frankreich mit dem Namen Jürmann.

Und diesen Renault Master fliegt kein Kapitän und ich bin kein Passagier, sondern ich sitze im Cockpit und Silvana ist mein Copilot. Und wir verschwinden nicht mit 1000 Kilometer pro Stunde auf Flügeln über den Wolken, sondern wir fahren mit 80 km/h mitten durchs Leben.

Und während andere in einem New York ankommen und dort zwei oder drei Wochen verweilen, quälen wir uns durch Bosnien, Slowenien und Griechenland, um an Orten wie diesen den ganzen Winter zu verweilen.

Wir reisen nicht um vieles zu sehen, sondern uns zu finden. Und unser Ziel ist die Weite und das Meer, statt verstopfte Straßen. Wo es in New York Gucci gibt haben wir Palmen und wo in der Zivilisation das Leben unruhig pulsiert, plätschern hier sanft die Wellen.

Und während alle fürchten, dass der Urlaub bald vorbei ist, warten wir nur auf den richtigen Moment an dem die Sonne und weiter führt, wohin auch immer.

Bis morgen,

Euer Ulf

I had a dream

Phew, I had a dream. We were in New York and, just like before, everything was going well until it suddenly turned into the opposite. I fought as hard as I could for social acceptance, which I simply didn’t want because I looked at things too individually and approached them accordingly.

And just like just before we started our trip, I was afraid that I wouldn’t find a way out. I knew that we had to get to the airport, but I was afraid that I wouldn’t be able to find the way. I struggled with my language skills and struggled to survive in my dream world like a fly in milk.

Then I woke up and was still in a daze from these comic-like pituresque impressions in my head and didn’t even understand what I was dealing with, because the journey I’m on with Silvana is going really well. We find what we are looking for and have no socialization problems whatsoever. On the contrary, people have never welcomed us with more open arms than on our ride on the Waiküre and I’ve never been more sure that I’m on the right track.

Maybe I just need to reconcile my yesterday with today and realize what kind of life I found myself in. A helpless seeker who would have given anything for a clue to the right path, but never got it.

My mistake was probably that deep down I didn’t trust my intention, even though I was and still am at the mercy of this alternative solution. My path is not that of many others, indeed I don’t even live in the same world as most, not necessarily because of the seemingly objectively identical world that we are all given, but simply because of how I see it.

Others may need an airport in the chaos, which is why I also set off for one, but my place is not in a Boeing from Lufthansa and Co called Landsberg or Heidelberg, my Noah’s Ark is an old van from France called Jürmann.

And this Renault Master is not driven by a captain and I am not a passenger, I sit in the cockpit and Silvana is my co-pilot. And we don’t disappear at 1000 kilometers per hour with wings above the clouds, but we drive right through life at 80 kilometers per hour.

And while others arrive in a New York and stay there for two or three weeks, we torture ourselves through Bosnia, Slovenia and Greece to spend the whole winter in places like these.

We don’t travel to see many things, but to find ourselves. And our destination is the vastness and the sea, rather than congested streets. Where there is Gucci in New York, we have palm trees and where life pulsates restlessly in civilization, the waves lapping gently here.

And while everyone fears that the vacation will soon be over, we’re just waiting for the right moment for the sun to take us onwards, wherever that may be.


See you tomorrow,

Your Ulf

Warten auf Sokratis

(down below in english) Die Nacht war bescheiden. Ironischerweise wahrscheinlich deshalb, weil ich gestern zur Entspannung mal wieder gelesen habe „das egoistische Gen“ von Richard Dawkins.

Ein sehr interessantes Buch und in Bezug auf die philosophische Interpretation biologischer Selektion eines der wichtigsten und besten die je geschrieben wurden. Aber eben auch eines über Selektion und nicht Inklusion.

In den beeindruckenden Bildern und Beschreibungen erzählt und erklärt der Autor, warum die Welt ist, wie sie ist, ohne den Egoismus zu bewerten, aber er spricht ihm eine genetische Relevanz zu.

Ich hatte nie Zeit für dieses Werk und habe mich gestern so darauf gefreut, im Sonnenschein den lang gehegten Wunsch endlich wahr werden zu lassen, diesen Wälzer verschlingen zu können.

Aber ich merkte schnell, dass es mich nicht beflügelt, sondern belastet, zu verstehen. Denn ich bin wohl das, was er selbst eine genetische Fehlmutation genannt hätte, denn im klassischen Sinne habe ich wohl nichts vom darwinistischen „survival of the fittest“, denn ich funktioniere nicht wie die anderen. Ich bin sensibel, wo man hart sein soll, selbstlos, wo Egoismus gefragt ist und mit Geld (Ressourcen), kann ich auch nicht umgehen.

Ich teile mir Bedürftigen und nicht nur mit jenen, von dessen Wohlwollen ich profitieren kann. Meine Schulstunden sind oft länger als sie bezahlt werden, weil es mir wichtig ist, das jeder versteht und Silvana und ich helfen mit Busti kets, wo Menschen allein hilflos wären.

Wir werden Oli wahrscheinlich nicht wieder sehen und wenn, dann nicht um Geld einzutreiben, sondern, um einen lieb gewonnenen Menschen wieder zu sehen.

Und ich bin so naiv, dass ich glaube, dass die meisten Menschen so sind. Ich glaube an das Prinzip von Karma, wenn jeder hilft wo er kann, ist jedem geholfen und wenn alle mehr an den nächsten denken, gibt es weniger Leid.

Interessant ist, dass es auf dieser Reise plötzlich zu funktionieren scheint. Hier wird mir und uns von Fremden geholfen, die sich zumindest keinen Nutzen davon versprechen können oder könnten, uns zu unterstützen und dennoch waren und sind Jannis, Jens Peter und Antonius in Albanien für uns da. Immer? Nicht immer, aber immer, wenn sie können und deshalb möchte ich auch, dass der Name Antonius ein gutes Omen war, denn meine Mama steckte mich mit der Hoffnung an den heiligen Antonius, den Schutzheiligen an und auch deshalb will ich auch, dass es kein Zufall ist, dass der Mechaniker der uns gleich abholt, Sokratis heißt.

Gewiss, das muss nicht so sein, aber wie sagte der verstorbene Papst Benedikt zu Henrik MBroder in Bezug auf Gott und Glauben so schön: Tun sie doch einfach so.

Bis morgen,
Euer und Ihr Ulf

Waiting for Sokratis
It was a modest night. Ironically, probably because yesterday I read „The Selfish Gene“ by Richard Dawkins again to relax.

A very interesting book and, in terms of the philosophical interpretation of biological selection, one of the most important and best ever written. But also one about selection and not inclusion.

In the impressive pictures and descriptions, the author tells and explains why the world is the way it is, without judging selfishness, but giving it a genetic relevance.

I never had time for this work and yesterday I was so looking forward to finally fulfilling my long-cherished wish to devour this tome in the sunshine.

But I quickly realized that it doesn’t inspire me, but burdens me to understand. Because I am probably what he himself would have called a genetic mutation, because in the classic sense I probably have nothing of the Darwinian „survival of the fittest“, because I don’t function like the others. I’m sensitive where you have to be tough, selfless where selfishness is required and I can’t handle money (resources) either.

I share with those in need and not just with those whose goodwill I can benefit from. My school hours are often longer than they are paid for because it is important to me that everyone understands and Silvana and I help with Busti kets where people would be helpless on their own.

We probably won’t see Oli again and if we do, it won’t be to collect money, but to see a loved one again.

And I am so naive that I believe that most people are like that. I believe in the principle of karma, if everyone helps where they can, everyone is helped and if everyone thinks more about the next person, there is less suffering.

It is interesting that it suddenly seems to work on this trip. Here I and we are being helped by strangers who at least cannot or could not expect any benefit from supporting us and yet Jannis, Jens Peter and Antonius were and are there for us in Albania. Always? Not always, but always when they can and that’s why I want the name Antonius to be a good omen, because my mom infected me with the hope of St. Antonius, the patron saint, and that’s also why I want it to be no coincidence that the mechanic who is about to pick us up is called Sokratis.

Of course, it doesn’t have to be that way, but as the late Pope Benedict said to Henrik MBroder in relation to God and faith: just pretend.

See you tomorrow,
Yours and yours Ulf

Kein Grund zur Klage

(down below in english) Ich gebe zu, ein bisschen leichter habe ich mir das alles schon vorgestellt und auch ein bisschen wärmer, aber ich mache mir nicht vor, dass unsere Reise ein Fehler war, denn ich liebe das Leben derzeit so sehr wie selten.

Vielleicht vermisse ich manchmal ein wenig den Platz einer richtigen Wohnung oder eben die Sonne, wie jetzt, aber wann habe ich schon einmal das Privileg besessen, an einem Strand darüber nachzudenken? Wann habe ich zuvor in einen Blog über die Zukunft, ja Pläne sinniert?
Und wann nickte mir ein Grieche mit Zigarette zu, der wie ich das Meer zum Frühstück statt Nachrichten brauchte?

Wann erwachte in Deutschland der Morgen trotz aller wartenden Aufgaben so friedlich wie hier?

Ich weiss es: Nie.in Deutschland war ein heute wie jeder Tag, 24 Stunden eines Lebens, das es zu bewältigen gab. Nichts besonderes, sondern nur eine Aufgabe, die es zu bewältigen galt. Hier ist jetzt oft superschön, immer friedlich, manchmal kalt, aber nie ätzend. Hier ist der Unterricht gleich etwas, dass hinter einem schöneren Konjunktiv verschwindet, der morgen schon wahr werden kann. Hier ist jeder Morgen eine neue Chance und nie „wie immer“.

Wenn mir wie gestern Altlasten auf die Füße fallen oder auf der Seele liegen, geh ich spazieren, atme ein, Blicke in die Ferne und denk ganz schnell, „who care’s?!“ Statt *euch zeig ich’s!“

Hier ist mir das Leben zu wertvoll für Rache, weil ich stetig am Planen und umsetzen bin, weil mich das Umfeld nicht mit kultivierten Erinnerungen erdrückt, sondern zu Ideen inspiriert und hier habe ich auch erstmalig das Gefühl, nicht allein zu sein. Nie fühlte ich meine Mama mehr an meiner Seite, nie waren die Gespräche mit Zoé schöner und der Abend trotz Arbeit erfüllter von Tagwerk als auf dieser Reise.

Nie freute ich mich mehr auf ein Lächeln wie hier auf eines von Silvana, das nicht hin und wieder zufällig erhascht werden kann, sondern schwer ist zu übersehen, denn auch sie scheint mir hier trotz aller Probleme die glücklichste Silvana zu sein, die es je gab und gibt es etwas Schöneres, als derlei Gewissheiten?

Ich glaube nicht.

Bis morgen,

Euer Ulf

No reason to complain
I admit, I imagined it would be a little easier and a little warmer, but I’m not fooling myself that our trip was a mistake, because I’m loving life more than ever at the moment.

Maybe I sometimes miss the space of a real apartment or the sun, like now, but when have I ever had the privilege of thinking about it on a beach? When have I written a blog about future plans before?
And when did a Greek man with a cigarette nod to me who, like me, needed the sea for breakfast instead of the news?

When did the morning in Germany wake up as peacefully as here, despite all the waiting tasks?

I know: never in Germany was today like any other day, 24 hours of a life to be mastered. Nothing special, just a task that had to be accomplished. Here now is often super beautiful, always peaceful, sometimes cold, but never corrosive. Here, the lesson is something that disappears behind a more beautiful subjunctive that can come true tomorrow. Here, every morning is a new opportunity and never „the same as always“.

When old burdens fall on my feet or weigh on my mind like yesterday, I go for a walk, breathe in, look into the distance and quickly think „who cares?“. Instead of „I’ll show you!“

Here, life is too precious to me for revenge, because I am constantly planning and implementing, because my surroundings don’t overwhelm me with cultivated memories, but inspire me with ideas, and here, for the first time, I feel that I am not alone. I’ve never felt my mom by my side more, the conversations with Zoé have never been more beautiful and the evenings more full of day-to-day work despite my work than on this trip.

Never have I looked forward more to a smile like this one from Silvana, which can’t be caught by chance from time to time, but is hard to miss, because despite all her problems, she seems to me to be the happiest Silvana there ever was and is there anything more beautiful than such certainties?

I don’t think so.

See you tomorrow,

Your Ulf

Ein guter Plan

(down below in english) Der Schlaf war unruhig und geweckt wurden wir, wie fast immer, von Militärflugzeugen, die über der Bucht ihre Übungen machten. Das alles ist schon so normal, dass es mich nicht einmal mehr aufregt.

Denn sobald die Seitentür des Jürmanns geöffnet wird, springt und die Sonne wie ein Liebes hungriges Hundewelpen an. Ihre warmen Strahlen lecken voller Zuneigung übers Gesicht und, obwohl alles ein bisschen viel ist, kann zumindest ich nicht umhin zu lächeln.

Und wenn mir dann von Silvana noch ein Kaffee gereicht wird, kann man wahrhaftig von Eudemonaia sprechen „Glückseligkeit“. Dann will ich nicht mehr fahren, entdecken, Jürmann umbauen oder Geld verdienen, sondern einfach nur mit Jacke, Mütze und Sonnenbrille atmen. Einfach sein.

Das ist es, wonach wir auf der Suche waren, diese Momente. Wenn Silvana auf dem Klo sitzt und sagt “ wer hat schon von der Toilette einen solchen Ausblick“ weiss ich, wofür wir losgefahren sind und was unser Ziel ist: dieses Gefühl.

Mehr brauchen wir beide nicht. Der Jürmann ist groß genug für alle zivilen Bedürfnisse. Er hat ein gemütliches Bett, eine kleine Küche, einen Hocker für den ersten Kaffee am Strand und es gibt genügend Sonne um zu schreiben.

Und wenn ich schreibe, rauche ich nicht und mich umfängt kein Frust, der mit einem Bier kompensiert werden muss. Wenn die Tage so sind wie heute, dann sind wir angekommen in unserem Paradies.

Hier stört mich nur eines, auch wenn es mich nicht mehr aus der Fassung bringt, das Militär. Ich will mich nicht verteidigen, denn wir haben beinahe nichts, was man uns nehmen kann. Und selbst wenn das genommen würde besteht mein „Problem“ nur darin, im Sand sitzen zu müssen und statt zu tippen mit einem Stock in den Strand schreiben zu müssen.

Wenn der Verteidigungsminister also sagt, dass wir fünf Jahre zur Vorbereitung auf den Krieg haben, haben wir noch fünf Jahre Zeit zu sparen, um auf die kleine Insel zu kommen, bei der heute immer ist.

Wir schafften in einem Jahr Jürmann, wo liegt also das Problem?

Bis morgen,

Euer Ulf

A good plan
Our sleep was restless and, as almost always, we were woken up by military planes doing their exercises over the bay. It’s all so normal that it doesn’t even upset me anymore.

Because as soon as the side door of the Jürmann is opened, the sun jumps out at us like a hungry puppy. Its warm rays lick affectionately across my face and, although it’s all a bit much, at least I can’t help but smile.

And when Silvana then serves me a coffee, you can truly speak of Eudemonaia „bliss“. Then I no longer want to drive, discover, convert Jürmann or earn money, I just want to breathe with my jacket, cap and sunglasses on. Just be.

That’s what we were looking for, these moments. When Silvana sits on the toilet and says „who has a view like this from the toilet“, I know what we set off for and what our goal is: this feeling.

That’s all we both need. The Jürmann is big enough for all civilian needs. It has a comfortable bed, a small kitchen, a stool for the first coffee on the beach and there is enough sun to write in.

And when I’m writing, I don’t smoke and I’m not surrounded by frustration that needs to be compensated for with a beer. If the days are like today, then we have arrived in our paradise.

There is only one thing that bothers me here, even if it no longer upsets me: the military. I don’t want to defend myself, because we have almost nothing that can be taken away from us. And even if that were taken, my „problem“ is just having to sit in the sand and write on the beach with a stick instead of typing.

So if the Secretary of Defense says we have five years to prepare for war, we still have five years to save up to get to the little island where today is always.

We managed Jürmann in a year, so what’s the problem?

See you tomorrow,

Your Ulf

Nichts genaues weiss man nicht

(down below in english) Es ist Freitag, die Koffer sind gepackt und die Wohnung gleich erneut Bezugs fertig; samt Vorhängen. Wir sind startklar. Und dennoch sind wir es nicht, denn Krisenstimmung überschattet, die Weiterfahrt.

Silvana ist krank und ich bin nicht gut drauf, keine gute Mischung um frohen Mutes die weiterreise anzutreten, aber irgendwie auch da Beste, was einem in dieser Situation passieren kann, denn ein Tapetenwechsel hilft, um sich von erdrückenden Gedanken zu befreien und den Geist neu zu ordnen.

Wir hatten alles auf dem Zettel, dass uns das Geld ausgeht, oder dass wir uns nicht mehr lieben, alles, aber die Befürchtung von Sinnlosigkeit nicht. Was hat der nächste Strand, was der erste nicht hatte, was hat Istanbul, was Berlin nicht hat. Und ich rede an dieser Stelle nicht davon, dass es in Berlin eine Siegessäule gibt oder in Istanbul die blaue Moschee, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ich rede davon, was mir der neue Ort geben kann, was ein anderer Ort nicht kann. Was sucht man auf dieser Reise, woran hängt man Hoffnungen, wenn man das Gefühl hat, dass einen der gleiche Scheiß überall wieder begegnet.

Es ist ein Dilemma, zurück will man nicht, aber so weiter machen will man auch nicht. Das Reisen ist schön und ereignisreich, man erfährt viel über die Welt und sich, aber wie soll man beispielsweise nach Iran fahren, wenn man sich nicht positionieren darf? Wie nach Indien kommen, wenn auf der halben Strecke schreckliche Kriege wüten und warum auf vier Quadratmetern leben, wenn das die Probleme sind, denen man nicht ausweichen kann?

Wir wollen die Welt sehen und entdecken, aber derzeit wirkt es, als will die Welt an jedem Punkt in Ruhe gelassen werden. In Griechenland muss man, gegen sein Gewissen, Ölbäume fällen ,weil man sonst nicht überleben kann, In Deutschland muss man gegen seine Intentionen Chefs in den Arsch kriechen, die dafür sorgen, dass die Welt im Egoismus versinkt.

Ist das in der Türkei anders? Oder in Marokko? Brennt es nicht an jedem Zipfel der Welt und versuchen nicht derzeit knapp acht Milliarden Menschen, vor dem einen Feuer zu flüchten und rennen dabei in ein anderes?

Wohin, wenn man sich nirgendwo willkommen fühlen kann? Nicht weil es nirgendwo nette Menschen gibt, sondern weil alle nur noch dagegen kämpfen, dass die Tristesse und Sinnlosigkeit des Jetzt sie nicht mit Haut und Haaren verschlingt.

In Griechenland hat man gegen diese Öde in der Seele Strände, In Deutschland Geld und in der Türkei Erdogan. Die Frage ist also wohl nicht, was einen glücklich macht, sondern wobei man weniger unglücklich ist.

Schwere Frage, die zumindest ich heute nicht beantworten kann

bis morgen,

euer Ulf

We don’t know anything for sure

It’s Friday, the suitcases are packed and the apartment is ready to move into again, complete with curtains. We are ready to go. And yet we’re not, because the mood of crisis overshadows the journey.

Silvana is ill and I’m not in a good mood, not a good mixture to continue the journey in high spirits, but somehow also the best thing that can happen to you in this situation, because a change of scenery helps to free you from overwhelming thoughts and reorganize your mind.

We had everything on our minds, like running out of money or no longer loving each other, everything but the fear of futility. What does the next beach have that the first one didn’t, what does Istanbul have that Berlin doesn’t? And I’m not talking about the fact that Berlin has a Victory Column or Istanbul has the Blue Mosque, to name just a few examples.

I’m talking about what the new place can give me that another place can’t. What do you look for on this journey, what do you pin your hopes on when you have the feeling that you’ll encounter the same shit everywhere.

It’s a dilemma, you don’t want to go back, but you don’t want to carry on like this either. Traveling is nice and eventful, you learn a lot about the world and yourself, but how can you go to Iran, for example, if you’re not allowed to take a stand? How can you get to India when terrible wars are raging halfway there and why live on four square meters if these are the problems you can’t avoid?

We want to see and discover the world, but at the moment it seems as if the world wants to be left alone at every point. In Greece, you have to cut down olive trees against your conscience because otherwise you can’t survive. In Germany, you have to kiss the asses of bosses who make sure that the world sinks into selfishness against your intentions.

Is it different in Turkey? Or in Morocco? Isn’t there a fire at every corner of the world and aren’t almost eight billion people currently trying to flee from one fire and running into another?

Where to go when there is nowhere to feel welcome? Not because there are no nice people anywhere, but because everyone is fighting to prevent the dreariness and meaninglessness of the present from swallowing them whole.

In Greece, people have beaches to counter this bleakness in their souls, in Germany they have money and in Turkey they have Erdogan. So the question is not what makes you happy, but what makes you less unhappy.

A difficult question, which at least I can’t answer today

See you tomorrow,

Your Ulf

Die schönste Freude

(down below in english) Es ist Donnerstag. Noch drei Stunden Unterricht und gut 24 Stunden wohlig, dekadente Gemütlichkeit, dann steigen wir wieder in den Jürmann, um uns gemeinsam weiter auf den Weg als Ziel zu machen.

Ein geheimnisvolles gestrandetes Schiffswrack soll der nächste Anlaufpunkt sein. Wir laufen also das an, was damals unbedingt vermeiden werden sollte: zu stranden. Ich weiss nicht, ob damals Menschen ertrunken sind, wie 1912 auf der Titanic, an der vor Kurzem noch tragischer Weise eine Expedition ums Leben kam und ich weiss auch nicht, was uns alles auf diesem Weg, ganz nebenbei, passieren wird, aber ich habe wieder Lust, das Cockpit unseres Masters zu entern und mit Silvana das von uns ausgesuchte Leben zu zelebrieren.

Ich vermisse schon wieder die unendlichen Weiten des Meeres und die gemütliche Enge unseres mobilen Zuhauses. In mir regt sich schon wieder Fernweh, das mein Herz zum Frohlocken bringt und meinen Blick neugierig ins Unbekannte schweifen lässt.

Es ist nicht so, als ob wir die Zeit hier nicht genießen, in diesem urgemütlichen Haus mitten in den griechischen Bergen. Jeden Morgen ist es herrlich, all den Luxus zu genießen, der für uns früher alltäglich war. Ein richtiges Klo und ein riesiges Bett, ein kleiner Ofen und eine Dusche, die sogar ich benutzt habe. Aber ich brauche wieder Raum, das Gefühl von maximaler Freiheit, dass wohl nur in unserem Van möglich ist. Keine Küche, in der man auch morgen spülen kann, keine Internet, das sicher funktioniert und keine Hausschlappen, die Konstanz suggerieren, die es doch eigentlich gar nicht gibt.

Aber morgen geht es ja weiter, weiter auf vier Rädern und vier Quadratmetern, die nur eines verlangen, Wanderlust.

Ich freue mich schon drauf wie ein Kind auf seinen Geburtstag, auch wenn ich mir jetzt schon bewusst darüber bin, das Vorfreude die schönste Freude ist.

Bis morgen,

Euer Ulf

The greatest joy
It’s Thursday. Three more hours of lessons and a good 24 hours of cozy, decadent comfort, then we get back into the Jürmann to continue our journey together.

A mysterious stranded shipwreck is the next port of call. So we head for the one thing that should be avoided at all costs back then: getting stranded. I don’t know whether people drowned back then, like on the Titanic in 1912, where an expedition tragically lost its life not long ago, and I also don’t know what will happen to us along the way, but I feel like boarding the cockpit of our Master again and celebrating the life we have chosen with Silvana.

I already miss the endless expanses of the sea and the cozy confines of our mobile home. Wanderlust is stirring in me again, making my heart rejoice and my eyes wander curiously into the unknown.

It’s not as if we don’t enjoy our time here, in this cozy house in the middle of the Greek mountains. Every morning, it’s wonderful to enjoy all the luxuries that used to be commonplace for us. A proper toilet and a huge bed, a small oven and a shower that even I used. But I need space again, the feeling of maximum freedom that is probably only possible in our van. No kitchen where you can wash up tomorrow, no internet that works reliably and no slippers that suggest constancy that doesn’t actually exist.

But tomorrow we’ll continue, on four wheels and four square meters that demand only one thing: wanderlust.

I’m looking forward to it like a child on its birthday, even though I’m already aware that anticipation is the greatest joy.

See you tomorrow,

Your Ulf