Siga, siga

„Wellen rauschen, die Sonne scheint und alles, wirklich alles ist genau so, wie man es sich vorstellt, wenn man von einem Leben wie dem unsrigen träumt“. Herr M ist glücklich.

Es ist nicht so, als wären die Probleme plötzlich verschwunden, aber doch ist heute alles anders. Die Ruhe des „c’ette egal“, wie man und Frau in Frankreich sagen, ist eingetreten.

Vielleicht brauchte es diese Rolltreppe abwärts, um zu diesem Punkt zu kommen, der die Leichtigkeit eines scheinbar unüberwindbaren Berges hinter einem, hat.

Sind wir über den Berg? Ich glaube nicht“, lächelt unser „Held“ mit zusammen gekniffenen Augen in den wohlig wärmenden Feuerball am Himmel, „aber ich glaube, dass ich jetzt damit umgehen kann, denn die frustrierte Ohnmacht vor einem Weg ohne Hoffnung hat sich in eine Genügsamkeit verwandelt.“

Die unsichtbare Verbindung zu einem Leben voller vermeintlicher Gemütlichkeit mit Versicherungen für jede Situation ist einem Gefühl erstmaliger Freiheit gewichen.

Auf solchem Grund und Boden gedeiht gesundes Wohlbefinden, das nicht mehr nach ewigem Leben sondern genussvoller Genügsamkeit wie in diesem Moment giert.

Die Reise ins Ich ist nicht beendet, aber plötzlich ist der zurückgelegte und unbekannte zukünftige Weg so klar wie der Sternenhimmel einer klaren Nacht in der die Sterne wie Ereignisse vor dem Hintergrund der Milchstraße hervorstechen.

Vielleicht wird es nie wieder so schön, aber allein für diese Erfahrung hat es sich schon gelohnt zu leben.

In english

Siga, siga
„Waves are crashing, the sun is shining and everything, really everything is just as you imagine it when you dream of a life like ours“. Mr. M. is happy.

It’s not as if the problems have suddenly disappeared, but everything is different today. The calm of „c’ette egal“, as men and women say in France, has arrived.

Perhaps it took this downward escalator to get to this point, which has the lightness of a seemingly insurmountable mountain behind it.

Are we over the hill? I don’t think so,“ smiles our „hero“ with narrowed eyes into the comfortingly warming fireball in the sky, „but I think I can deal with it now, because the frustrated powerlessness before a path without hope has turned into contentment.“

The invisible connection to a life of supposed comfort with insurance for every situation has given way to a feeling of freedom for the first time.

Healthy wellbeing thrives on such ground, no longer craving eternal life but pleasurable contentment, as in this moment.

The journey into the self is not over, but suddenly the unknown future path that has been traveled is as clear as the starry sky on a clear night in which the stars stand out like events against the background of the Milky Way.

It may never be as beautiful again, but it was worth living for this experience alone.

Auf dem Zahnfleisch

Kein Schmerz, kein Unfall, kein Regen, heute gab es eine Krone bei Frau S, direkt beim Essen. Ernüchterung (welch. Passendes Wort an dieser Stelle) trat ein. Begleitet von einem süffisanten Lächeln.

Denn eins war klar, dass man hier eine Neue als Härtefall zugesprochen bekommt, ist so wahrscheinlich wie Geld finden, obwohl Herr M. ja letztes Jahr Silvester noch 100 Euro gefunden hätte.

Man könnte sagen, also nicht unwahrscheinlich, aber die Realität ist wohl, dass der letzte Geldfund einen Erneuten nicht wahrscheinlicher sondern noch unrealistischer macht.

Anyway, vom verzweifelten Aufgeben hatten sich Herr M und seine Frau schon lange verabschiedet, denn in ein Land, in dem man arbeitslos fürs Militär gemustert wird, wollten sie nicht zurück; zumindest nicht dauerhaft. Aber ein kurzer Abstecher lässt sich jetzt wohl mittelfristig nicht verhindern.

Na gut, dann eben bald die verbliebenen Zähne zusammenbeißen, sparen und dann Augen zu und durch. Es ist ja nicht für die Ewigkeit.

In english

On the gums
No pain, no accident, no rain, today there was a crown at Mrs. S’s, right at lunch. Disillusionment (what an appropriate word at this point) set in. Accompanied by a smug smile.

Because one thing was clear, getting a new one as a hardship case is as likely as finding money, although Mr. M. would have found 100 euros last New Year’s Eve.

You could say that it’s not unlikely, but the reality is that the last money find doesn’t make another one more likely, but even more unrealistic.

Anyway, Mr. M and his wife had long since given up in despair, because they didn’t want to go back to a country where you can be drafted into the military without a job, at least not permanently. But a brief detour is probably unavoidable in the medium term.

All right, then grit your remaining teeth, save money and then close your eyes and get on with it. After all, it’s not for eternity.

Das war knapp

Beinahe wären sie daran zerbrochen, denn nach den Katastrophen unterwegs hat sich auch ein wichtiger Teil der Familie für Herrn M. gegen sie verschworen.

Alles was passierte war nämlich nicht Pech oder Unglück sondern einzig und allein selbst verschuldete Dummheit oder Naivität, so die Interpretation von Herrn M. auf die ohnmächtig, verletzte und deshalb schroffe Antwort seiner vermeintlich Lieben.

Und dann kam die völlig unterschiedliche Meinung über die Lösungswege zwischen Herrn M und seiner Frau zum tragen. Es war knapp. Sehr knapp und wenn die beiden Helden dieser Geschichte nicht schon so viel gemeinsam durchgestanden hätten, wäre auch wohl ihre Liebe den Herausforderungen des Lebens zum Opfer gefallen, denn neben allem, was das Leben ihnen abforderte, kapitulierte schlussendlich die Heizung und es goss beinahe täglich bei niedrigsten Temperaturen wie aus Eimern.

Aber dann kam die Sonne und entzündete die Kerzen der Liebe und Zuneigung zwischen Herrn M. Und seiner Frau aufs Neue. „Wir haben uns‘, fühlten sie und kuschelten sich abends ins gemeinsame Bett und das ist mehr als viele von ihrem Leben sagen können und nachdem was sie bisher gemeistert haben, könnte von fehlender Liebe wahrlich keine Rede sein.

Wer weiss, wo sie wie das kleine Vermögen auftreiben werden, aber der Ritt auf der Waiküre wird daran nicht zerbrechen.

In english

It was a close call,
because after the disasters on the road, an important part of the family also conspired against them on Mr. M’s behalf.

Everything that happened was not bad luck or misfortune, but simply self-inflicted stupidity or naivety, according to Mr. M’s interpretation of the impotent, hurt and therefore brusque response from his supposed loved ones.

And then Mr. M and his wife’s completely different opinions on how to solve the problem came to the fore. It was close. Very close, and if the two heroes of this story hadn’t already been through so much together, their love would probably have fallen victim to life’s challenges too, because in addition to everything that life demanded of them, the heating finally capitulated and it poured like buckets almost every day in the lowest of temperatures.

But then the sun came and rekindled the candles of love and affection between Mr. M. and his wife. „We have each other“, they felt and cuddled up in bed together in the evening and that is more than many can say about their lives and after what they have mastered so far, there could really be no question of a lack of love.

Who knows where they will find the small fortune, but the ride on the Waiküre will not break up.

Bis zum bitteren Ende

Als Herr K. In „das Schloss“ in den kleinen Ort kam umfing ihn ein Unwohlsein. Er gehörte nicht zu jenen im Schloss, die die Regeln aufstellen, unter denen alle litten, aber auch nicht zu den Leidtragenden.

Er war, wie man heute sagen würde “ nicht Fisch und nicht Fleisch“. Er war ein Außenstehender, dessen Welt nicht vorgesehen war. Und diese Welt, hatte er sich selbst geschaffen. Nicht absichtlich, sondern seine Determination zwang ihm eine Perspektive auf das Sein auf, die er mit keinem teilen konnte.

Wie sehr bemühte er sich, einem Teil anzuschließen. Wie sehr umfing ihn die Sehnsucht irgendwo dazu zu gehören, aber man ließ ihn einfach nicht teilhaben.

Man sprach mit ihm und über ihn, aber nicht wie über einen Nachbarn, sondern wie über einen Außerirdischen.  „Der da, als das da, das was keiner kannte und allen Angst machte und deshalb zum extern sein verdammte.

Am Ende soll er gestorben sein, einsam, mit der Billigung über den Winter bleiben zu können, danach könne er ja weiter sehen.

Herr M. War auch ein Herr K, nur eben nicht in tschechischen Landen, sondern in Griechenland. Er war kein Grieche, aber auch kein Deutscher mehr, auch wenn diese Nationalität in seinem Ausweis vermerkt war. Aber er konnte nicht zurück, denn mit jenen Menschen Verband ihn nichts mehr, außer dem roten Heftchen, in dem sein Name vermerkt war.

Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er nicht zurück gekonnt, denn dort, wo Mercedes und Siemens heute Synonym wie damals das Etikett „Land der Dichter und Denker“ steht, verachtete man größtenteils seine scheinbar sinnlose Opposition.

Das kann nichts werden. Nicht, weil es nicht möglich war, sondern weil man selbst vor der Herausforderung „alternativer Lebensentwürfe“ aufgrund von stillschweigend er Akzeptanz resignierte.

Man kann ja eh nichts machen und wenn es einer oder eine doch machte, dann müsste man dies doch verurteilen, weil man sich ja sonst selbst, zumindest insgeheim, eingestehen müsste, dass man selbst diese Kraft oder Opferbereitschaft für ein Lebensideale nicht in der Lage wäre zu tragen.

In english

To the bitter end
When Mr. K. came to „the castle“ in the small town, he was surrounded by a feeling of unease. He was not one of those in the castle who set the rules that everyone suffered under, but neither was he one of those who suffered.

He was, as they would say today, „neither fish nor fowl“. He was an outsider whose world was not intended. And he had created this world for himself. Not intentionally, but his determination forced a perspective on existence on him that he could not share with anyone.

How hard he tried to join a part of it. How much he was surrounded by the longing to belong somewhere, but he was simply not allowed to participate.

People talked to him and about him, but not like a neighbor, but like an alien. „That one, as that one, the one that nobody knew and that scared everyone and was therefore condemned to be external.

In the end he is said to have died, lonely, with the agreement that he could stay for the winter, after which he could continue to see.

Mr. M. was also a Mr. K, but not in the Czech Republic, but in Greece. He wasn’t Greek, but he was no longer German either, even if this nationality was noted on his identity card. But he couldn’t go back, because nothing connected him to those people except the red booklet in which his name was written.

Even if he had wanted to, he would not have been able to go back, because where Mercedes and Siemens are now synonymous with the label “land of poets and thinkers”, his seemingly pointless opposition was largely despised.

Nothing could come of it. Not because it wasn’t possible, but because people resigned themselves to the challenge of “alternative lifestyles” due to tacit acceptance.

You can’t do anything anyway and if someone did, you would have to condemn it, because otherwise you would have to admit to yourself, at least secretly, that you were not able to carry this strength or willingness to sacrifice for an ideal life.

Die Show muss weiter geh’n

„Wer will meinen Willen brechen?“, dachte sich Herr M und saß fassungslos vorm Rechner, der mitten im Gewitter kein Internet mehr vorwies. Stunden haben sie ausgeharrt und den Motor laufen lassen, um genug Strom für die Sitzung zu haben, aber als es dann soweit war: „rien ne vas plus“, nichts ging mehr.

Einen kurzen Augenblick herrschte Sprachlosigkeit zwischen Herrn M und seiner Frau aber dann schafften sie es doch, die Starre in den Gliedern zu überwinden, um ins nächst gelegene Dort zu fahren, denn dort könnte man noch eine Internetkarte kaufen.

Freilich dauerte es Stunden,  bis das Handy wieder auf Empfang stand, aber wenigstens konnte Herr M allen Bescheid sagen. Jetzt nur noch täglich früh morgens wieder vom Strand in die Stadt auf einen Parkplatz fahren, sodass man über diese wieder ausreichend Empfang hatte, damit Unterricht wieder möglich war.

Aber solange wollte Frau M nicht warten. Sie versuchte wirklich alles, um ihren Mann mit alter Qualität wieder online zu schicken, bis ihr die Idee kam, mit einem anderen Kabel das offensichtlich vom Blitz lädierte zu ersetzen. And IT fuckng works!

Aber halt, kann man den in Mitleidenschaft gezogenen Kabelmeter nicht heraus schneiden und überbrücken? „Wir haben ja  noch Klemmen“. Und so bastelte und überlegte sie, bis schlussendlich gegen 11 wieder alles funktionierte. Besser denn je.

Herr M konnte es nicht glauben und streichelte sich die Plauze : „ich bin zu alt für den Scheiss“ und sackte in sich zusammen, während seine Frau das Bier öffnete und sich einen kräftigen Schluck „Mythos“ gönnte, wie passend.

Und während sie mit der Wagenheizung das Schlafzimmer wärmten, fing es draussen wieder an zu regnen.

In english

The show must go on!

“Who wants to break my will?” thought Mr. M and sat stunned in front of the computer, which had no internet in the middle of a thunderstorm. They waited for hours and kept the engine running to get enough power for the session, but when the time came: “rien ne vas plus”, nothing worked anymore.

There was a brief moment of speechlessness between Mr. M and his wife but then they managed to overcome the rigidity in their limbs to drive to the nearest shop, because they could still buy an Internet card there.

Of course, it took hours for the cell phone to get reception again, but at least Mr. M was able to let everyone know. The only thing left to do now was to drive from the beach to the town to a parking lot early in the morning every day so that they would have sufficient reception again for lessons to be possible.

But Mrs. M didn’t want to wait that long. She really tried everything to get her husband back online with the old quality, until she had the idea of replacing the cable that had obviously been damaged by lightning with another one. And IT fuckng works!

But wait, can’t the damaged cable meter be cut out and bridged? “We still have clamps”. And so she tinkered and pondered until finally, at around 11 o’clock, everything was working again. Better than ever.

Mr. M couldn’t believe it and stroked his bunvh: “I’m too old for this shit” and slumped down, while his wife opened the beer and took a big swig of “Mythos”, how fitting.

And while they were warming the bedroom with the car heater, it started to rain again outside.

Der Prozess

„Irgendwer musste Herrn K. verraten haben.“ So beginnt „der Prozess“ von Franz Kafka und Herr M. fühlte sich ähnlich.

Er saß am Strand und fühlte sich schuldig. Gewiss, es war eine abstrakte Schuld, aber so wie Herr K. Bemerkte Herr M. Auch nicht, dass er es war, der sich anklagte.

Jedes Gesicht was er sah und jede Person der er begegnete schien wie ein Kläger, denn für all die Niederschläge in seinem Leben musste es doch einen Schuldigen geben und man hat ihm seit frühester Kindheit beinahe eingeprügelt, dass man nur selbst für sein Glück und damit auch für sein Unglück verantwortlich sein musste.

Aber wie kann man schuldig sein, wenn man doch nichts gemacht hat?, dachte er sich und vergaß dabei, dass man ja nicht absichtlich Fehler begangen haben musste, um dennoch welche begangen zu haben.

Das Auto, die Hunde und all die Herausforderungen, die ihm auf einem Silbertablett beinahe täglich zum Frühstück zuwinkten waren ja immerhin von ihm provoziert, denn er war es ja, der sich unabsichtlich oder nicht, in jene Bedroullien manövrierte.

Wie also weiter machen, mit dem geknickten Selbstbewusstsein, das in jeder Faser nach Schuld schrie, ja beinahe erwartete, einfach nur, weil das Gute so selten das Schlimme unterbrach?

Es ist ein bisschen wie bei der Torwächter Analogie, das Leben, was er führte, war sein Tor des Lebens und auch wenn der Wächter ihm nicht erlaubte hindurchzuschreiten, musste er dieses doch durchschreiten, er muss eben nur begreifen, dass er es war, der sich sagte „du darfst hier nicht durch“.

Wenn er es nicht tat, dann würde er sich selbst das Leben nehmen, „wie einem reudigen Hund“ und wenn er es wagt, kann alles passieren. Aber eben auch nur dann, dass alles wieder gut würde.

Er musste es riskieren und er war fest entschlossen das zu wagen. „Es gibt ja nur diese eine Chance“, dachte er sich, denn zum Sterben war er noch nicht bereit.

In english

The trial
„Someone must have betrayed Mr. K.“ This is how „The Trial“ by Franz Kafka begins and Mr. M. felt the same way.

He sat on the beach and felt guilty. Certainly, it was an abstract guilt, but just like Mr. K., Mr. M. didn’t realize that it was he who was being accused.

Every face he saw and every person he met seemed like a plaintiff, because there had to be someone to blame for all the setbacks in his life and it had almost been beaten into him since early childhood that he had to be responsible for his own happiness and therefore also for his misfortune.

But how can you be guilty if you haven’t done anything? he thought to himself, forgetting that you don’t have to have made mistakes on purpose to have made them.

The car, the dogs and all the challenges that waved at him on a silver platter for breakfast almost every day were, after all, provoked by him, because he was the one who unintentionally or not maneuvered himself into those threats.

So how could he go on with his bruised self-confidence, which screamed guilt in every fiber, almost expected it, simply because the good so rarely interrupted the bad?

It’s a bit like the gatekeeper analogy, the life he led was his gate of life and even if the gatekeeper didn’t allow him to walk through it, he had to walk through it, he just had to realize that it was him who said to himself „you can’t go through here“.

If he didn’t, he would take his own life, „like a rude dog“ and if he dared, anything could happen. But only then would everything be all right again.

He had to risk it and he was determined to take the chance. „There’s only one chance,“ he thought to himself, because he wasn’t ready to die yet.

Wochenende

Freitag und frei. Nomen est Omen, sozusagen. Und wir genießen es, das für unsere Verhältnisse nichts passiert ist. Der Jürmann fährt, die Ringe sind noch auf unseren Fingern, der ATM spuckte noch nen Hunni und es ist auch abends um  acht noch 15 Grad warm.

Jetzt noch schnell einkaufen, kochen und dann mit einem guten Film ab ins Bett.

Ich wünschte, dass ich Mama und Bärbel jetzt bei mir hätte, denn ich glaube, diese beiden haben derlei Glück noch mehr verdient als wir. Denn diese beiden Menschen sind immer für mich bzw uns da, halfen immer, wenn wir sie brauchten.


Euer Ulf

En English

Weekend!
Friday and free. Nomen est omen, so to speak. And we enjoy the fact that nothing has happened by our standards. The Jürmann is driving, the rings are still on our fingers, the ATM is still spitting out a hunny and it’s still 15 degrees at eight in the evening.

Now it’s time to go shopping, cook and then go to bed with a good movie.

I wish I had my mom and Bärbel with me now, because I think they deserve this kind of happiness even more than we do. Because these two people are always there for me or us, always helping us when we need them.


Your Ulf


En francaise

Le week-end !
Vendredi et libre. Nomen est omen, pour ainsi dire. Et nous profitons du fait que rien ne s’est passé selon nos critères. Le Jürmann roule, les bagues sont toujours à nos doigts, le distributeur automatique de billets crache toujours un centime et il fait toujours 15 degrés à huit heures du soir.

Il est temps de faire les courses, de cuisiner et de se coucher avec un bon film.

J’aimerais avoir ma mère et Bärbel avec moi, car je pense qu’elles méritent ce genre de bonheur encore plus que nous. Car ces deux personnes sont toujours là pour moi ou pour nous, elles nous aident toujours quand nous avons besoin d’elles.


Ton Ulf

En Español

Fin de semana.
Viernes y libre. Nomen est omen, por así decirlo. Y disfrutamos del hecho de que no ha pasado nada según nuestros estándares. El Jürmann está conduciendo, los anillos siguen en nuestros dedos, el cajero automático sigue escupiendo un hachazo y todavía hace 15 grados a las ocho de la tarde.

Ahora una compra rápida, cocinar y luego a la cama con una buena película.

Me gustaría tener a mamá y a Bärbel conmigo ahora, porque creo que se merecen este tipo de felicidad incluso más que nosotros. Porque estas dos personas siempre están ahí para mí o para nosotros, siempre nos han ayudado cuando los hemos necesitado.
Tu Ulf

Die coolste Oma der Welt

Heute ist ein trauriger Tag. Ein sehr trauriger und was diesen Tag noch unfassbar trauriger macht ist, dass ich erst heute erfahren habe, was bereits am 29. Dezember passierte:

Die Cousine meines Vaters ist verstorben.

Sie war eine rüstige beinahe Kette rauchende Rentnerin, die digitaler unterwegs war, als so mancher digital native.

Ihre Fernbedienung für’s TV war ein I Pad, ihre Rente führte sie ins Restaurant und ihre Selbstständigkeit beeindruckend.

Eigentlich haben wir uns erst vor knapp 10 Jahren kennen gelernt und wenn ich ehrlich bin, waren wir nur selten einer Meinung, obwohl wir uns (für mich) gefühlt sehr ähnlich waren.

Sie machte ihr Ding, immer. Sie trotzte dem frühen Tod ihres Mannes mit Lebenslust und dem Alter mit Gelassenheit.

Von ihrem Lungenkrebs haben wir erst im Oktober erfahren, wer weiss, wie lange er sie schon quälte, aber mich würde auch nicht wundern, wenn er wirklich erst so spontan kam und kurz und knapp beendete, was kein Leiden verdient hat.

Sie war streitbar. Sie war angriffslustig und nie nachtragend. Mit ihr könnte ich oft diskutieren, wozu Menschen in meinem Alter nicht in der Lage waren.

Nicht konsensual, aber leidenschaftlich.

Ihr letzter Kommentar an mich war: Scheißegal, Hauptsache wir gehören zu den Guten.

Gibt es ein besseres Schlusswort?

Ich werde Dich sehr vermissen Bobby,

Für immer Dein Chaot

In english

The coolest grandma in the world

Today is a sad day. A very sad one and what makes this day even sadder is that I only found out today what happened on December 29th:

My father’s cousin passed away.

She was a sprightly, almost chain-smoking pensioner who was more digitally savvy than many digital natives.

Her remote control for the TV was an I Pad, her pension took her to a restaurant and her independence was impressive.

We actually only met almost 10 years ago and, to be honest, we rarely saw eye to eye, even though we felt very similar (to me).

She did her thing, always. She defied the early death of her husband with a zest for life and age with composure.

We only found out about her lung cancer in October, who knows how long it had been plaguing her, but I wouldn’t be surprised if it really came so spontaneously and ended what no suffering deserved.

She was belligerent. She was feisty and never held grudges. I could often argue with her, which people my age weren’t capable of doing.

Not consensual, but passionate.

Her last comment to me was: ‚I don’t give a shit, the main thing is that we’re one of the good guys.

Is there a better closing?

I will miss you very much Bobby,

Forever your mess

En francaise

La grand-mère la plus cool du monde

Aujourd’hui est un jour triste. Très triste et ce qui rend ce jour encore plus incroyablement triste, c’est que je n’ai appris qu’aujourd’hui ce qui s’était déjà passé le 29 décembre :

La cousine de mon père est décédée.

C’était une retraitée robuste, qui fumait presque à la chaîne et qui était plus numérique que beaucoup de digital natives.

Sa télécommande pour la télévision était un I Pad, sa retraite l’a menée dans un restaurant et son indépendance était impressionnante.

En fait, nous nous sommes rencontrés il y a à peine dix ans et, pour être honnête, nous étions rarement d’accord, même si nous nous ressemblions beaucoup (pour moi).

Elle a fait son truc, toujours. Elle a bravé le décès prématuré de son mari avec sa joie de vivre et la vieillesse avec sérénité.

Nous n’avons appris son cancer du poumon qu’en octobre, qui sait depuis combien de temps il la tourmentait, mais cela ne m’étonnerait pas non plus qu’il soit vraiment apparu si spontanément et qu’il ait mis fin en très peu de temps à quelque chose qui ne méritait aucune souffrance.

Elle était belliqueuse. Elle était agressive et jamais rancunière. Avec elle, je pouvais souvent discuter, ce que les personnes de mon âge n’étaient pas capables de faire.

Pas de manière consensuelle, mais avec passion.

Son dernier commentaire à mon égard était : „On s’en fiche, l’essentiel est de faire partie des bons“.

Y a-t-il une meilleure conclusion ?

Tu vas beaucoup me manquer, Bobby,

Pour toujours

El Español

La abuelita más guay del mundo

Hoy es un día triste. Uno muy triste y lo que lo hace aún más triste es que hoy me he enterado de lo que pasó el 29 de diciembre:

Falleció la prima de mi padre.

Era una jubilada alegre, casi fumadora empedernida, con más conocimientos digitales que muchos nativos digitales.

Su mando a distancia para la televisión era un I Pad, su pensión la llevaba a un restaurante y su independencia era impresionante.

En realidad nos conocimos hace casi 10 años y, para ser sincera, rara vez coincidíamos, aunque nos sentíamos muy parecidas (a mí).

Ella hacía lo suyo, siempre. Desafió la muerte prematura de su marido con ganas de vivir y envejeció con serenidad.

No supimos de su cáncer de pulmón hasta octubre, quién sabe cuánto tiempo llevaba atormentándola, pero no me sorprendería que realmente surgiera de forma tan espontánea y acabara con lo que ningún sufrimiento merecía.

Era beligerante. Era peleona y nunca guardaba rencor. A menudo podía discutir con ella, cosa que la gente de mi edad era incapaz de hacer.

No consensuadas, sino apasionadas.

Su último comentario para mí fue: ‚Me importa una mierda, lo principal es que seamos de los buenos‘.

¿Hay un cierre mejor?

Te echaré mucho de menos Bobby,

Por siempre tu lío

Richtig kann doch jeder (haben)

Das nenne ich mal richtig gut


Komisch, oder? Wir leben anscheinend in der besten Welt die es je gab. Alles, selbst die kleinste Information auf einem Zettelchen ist schön: perfekt mittig gesetzt, in einer einheitlichen Schriftart und Schriftgröße, kurz: Selbst ein Satz wie „Was für ein Chaos“ erstrahlt in perfekter Harmonie und Ordnung.

Man könnte fast meinen, dass es für jeden ein Kinderspiel ist, perfekt zu sein. Dann kommt aber das Aber!

Aber ich bin noch jung, muss angeblich noch lernen, weiss nichts und kann dennoch alles wissen, angeblich.

Denn, warum lernen schuften und üben, wenn es doch für alles eine KI oder einen mechanischen Profi gibt, der mir jedes Problem abnimmt und in perfekter Harmonie kredenzt?

Ja warum? Und vor allem: Warum sollte ich das machen, wenn ich es vergeigen kann und eine Maschine nicht? Warum in Konkurrenz zum Perfekten treten?

Ich merke das täglich in meinen Stunden, denn viele meiner SchülerInnen haben signifikante Versagensängste. Sie schweigen mehr, als dass sie reden und wenn sie sprechen, entschuldigen sich viele schon im Vorhinein prophylaktisch für potentielle Fehler. Das tut mir als Lehrer weh, denn ich finde, dass Sprachen lernen und auch alles andere natürlich Spaß machen muss, denn nur mit Freude lernt man wirklich.

Und nichts ist langweiliger und anstrengender als richtig.

Meine größte Aufgabe scheint also, nicht Grammatik, sondern Mut zu Fehlern beizubringen. Genieße die Freiheit etwas machen zu können, was keine Maschine machen kann: etwas falsch oder besser gesagt ungesehen selten und genieße, dass man aus Fehlern mehr lernt als aus Perfektion, denn diese kann nur eines: Enthusiasmus und Ehrgeiz im Keim ersticken.

Und in dieser Aufgabe bin ich wirklich gut, denn ich mache alles anders und mache nur noch, weil neu geiler ist als schön, denn schön ist eine Konvention, während neu immer eine ganz neue Welt bedeutet,

Bis morgen,

Euer Ulf

In english


Anyone can (have) the right thing,
right? We seem to live in the best world there ever was. Everything, even the smallest piece of information on a piece of paper is beautiful: perfectly centered, in a uniform font and font size, in short: even a sentence like „What a mess“ shines in perfect harmony and order.

You could almost think that it’s child’s play for everyone to be perfect. But then comes the but!

But I’m still young, supposedly still have to learn, know nothing and yet can know everything, supposedly.

After all, why learn, toil and practice when there’s an AI or a mechanical professional for everything, who takes every problem off my hands and serves it up in perfect harmony?

Why is that? And above all: why should I do it if I can mess it up and a machine can’t? Why compete with perfection?

I realize this every day in my lessons, because many of my students have significant fears of failure. They are silent more than they speak and when they do speak, many apologize in advance prophylactically for potential mistakes. That hurts me as a teacher, because I think that learning languages and everything else has to be fun, of course, because you can only really learn if you enjoy it.

And nothing is more boring and exhausting than doing it right.

So my biggest task seems to be to teach not grammar, but the courage to make mistakes. Enjoy the freedom of being able to do something that no machine can do: something wrong, or rather, unseen rare and enjoy the fact that you learn more from mistakes than from perfection, because the latter can only do one thing: nip enthusiasm and ambition in the bud.

And I’m really good at this task, because I do everything differently and only do it because new is cooler than beautiful, because beautiful is a convention, while new always means a whole new world,

See you tomorrow,

Ulf

En francaise

Tout le monde peut (avoir) raison
Bizarre, non ? Il semble que nous vivions dans le meilleur des mondes. Tout, même la plus petite information sur un petit bout de papier, est beau : parfaitement centré, dans une police et une taille de caractères uniformes, bref, même une phrase comme „Quel bordel“ brille d’une harmonie et d’un ordre parfaits.

On pourrait presque penser que c’est un jeu d’enfant pour tout le monde d’être parfait. Mais alors, il y a un « mais » !

Mais je suis encore jeune, je dois soi-disant encore apprendre, je ne sais rien et pourtant je peux tout savoir, soi-disant.

En effet, pourquoi apprendre et s’entraîner alors qu’il existe une IA ou un professionnel de la mécanique pour tout, qui se charge de tous mes problèmes et me les sert en parfaite harmonie ?

Oui, pourquoi ? Et surtout : pourquoi devrais-je le faire si je peux me planter et qu’une machine ne le peut pas ? Pourquoi entrer en concurrence avec le parfait ?

Je le constate tous les jours dans mes cours, car beaucoup de mes élèves ont une peur significative de l’échec. Ils se taisent plus qu’ils ne parlent et, lorsqu’ils parlent, beaucoup s’excusent d’avance de manière prophylactique pour les erreurs potentielles. En tant qu’enseignant, cela me fait mal, car je trouve que l’apprentissage des langues et de tout le reste doit bien sûr être un plaisir, car on n’apprend vraiment qu’avec plaisir.

Et il n’y a rien de plus ennuyeux et de plus fatigant que d’apprendre correctement.


Ma plus grande tâche semble donc être d’enseigner non pas la grammaire, mais le courage de faire des erreurs. Profite de la liberté de pouvoir faire quelque chose qu’aucune machine ne peut faire : quelque chose de faux ou plutôt de rare sans être vu et profite du fait que l’on apprend plus des erreurs que de la perfection, car celle-ci ne peut faire qu’une chose : étouffer l’enthousiasme et l’ambition dans l’œuf.

Et dans cette tâche, je suis vraiment bon, car je fais tout différemment et je ne fais plus que parce que le nouveau est plus excitant que le beau, car le beau est une convention, tandis que le nouveau signifie toujours un tout nouveau monde,

A demain,

votre Ulf

El Español

Cualquiera puede (tener) lo correcto,
¿verdad? Parece que vivimos en el mejor mundo que jamás haya existido. Todo, hasta la más pequeña información en un papel, es bello: perfectamente centrado, en un tipo y tamaño de letra uniformes, en fin: hasta una frase como „Qué lío“ brilla en perfecta armonía y orden.

Casi se podría pensar que es un juego de niños que todos sean perfectos. Pero entonces llega el ¡pero!

Pero aún soy joven, supuestamente aún tengo que aprender, no sé nada y sin embargo puedo saberlo todo, supuestamente.

Después de todo, ¿para qué aprender, esforzarse y practicar cuando hay una IA o un profesional mecánico para todo, que me quita todos los problemas de encima y me los sirve en perfecta armonía?

¿Por qué? Y sobre todo: ¿por qué debería hacerlo si yo puedo estropearlo y una máquina no? ¿Por qué competir con la perfección?

Me doy cuenta de esto cada día en mis clases, porque muchos de mis alumnos tienen un miedo importante al fracaso. Callan más que hablan y, cuando hablan, muchos se disculpan de antemano profilácticamente por posibles errores. Eso me duele como profesor, porque creo que aprender idiomas y todo lo demás tiene que ser divertido, por supuesto, porque sólo se puede aprender de verdad si se disfruta.

Y no hay nada más aburrido y agotador que aprender bien.

Así que mi mayor tarea parece ser enseñar no gramática, sino el valor de cometer errores. Disfrutar de la libertad de poder hacer algo que ninguna máquina puede hacer: algo mal, o mejor dicho, algo que no se ve y disfrutar del hecho de que se aprende más de los errores que de la perfección, porque esta última sólo puede hacer una cosa: cortar de raíz el entusiasmo y la ambición.

Y soy muy bueno en esta tarea, porque lo hago todo de forma diferente y sólo lo hago porque lo nuevo mola más que lo bonito, porque lo bonito es una convención, mientras que lo nuevo siempre significa un mundo completamente nuevo,

Hasta mañana,

Ulf