Offenbarungseid

Meine verehrten Leserinnen und Leser wissen, dass ich ein kritischer, ja mürrischer Mensch bin, der oft mit sich und der Welt hadert und ich danke allen, die in meinen Worten mehr als nur Verdruss, sondern den verzweifelten Versuch erkennen, mit der Welt und sich ins Reine zu kommen.

Ob nun meine lakonische und oft despektierliche Art auf Erziehung oder anderem beruht, möchte ich an dieser Stelle nicht verifizieren, sondern mich meinen Schwächen widmen. Jenen Punkten in meinem Gebaren, die ich vielleicht mit etwas Mühe selbst korrigieren kann, denn beim reflektierten Blick in meine Seele muss ich mir eingestehen, dass ich für sehr viel Leid in meiner Persönlichkeit selbst verantwortlich gezeichnet werden kann.

Ich bin es, der sich immer wieder der morbiden Verlockung des Elendes hingibt, indem ich Nachrichten sehe, dessen tragisches Dasein von mir nicht verändert werden kann und ich bin es, der aus Begierde nach körperlicher Zuneigung immer wieder Pornographie konsumiere, obwohl ich doch sehr glücklich verheiratet bin.

All das und vieles mehr, befriedigt aber nur oberflächliche Begierden. Das Resultat ist jedoch, dass ich diese negativen, optimierten oder destruktiven Bilder als Logos meine wahren Erfahrungen und Erlebnisse diskreditieren lasse.

Sie tauchen mein ganzes Sein in eine Farbe, die es in der Realität nicht nur nicht gibt, sondern die darüber hinaus dem wahren Kern eines jeden Moments die Strahlkraft nehmen und mich Immerfort in einem Karussell der Sorgen einkerkern.

Ich komme nicht raus aus Sorgen, Missmut und Selbstkasteiung, weil es unmöglich ist, diese beiden völlig verschiedenen Welten miteinander zu versöhnen. Die digitale Welt ist nicht real und die Realität nicht digital, wie also mit digitalen Lösungsansätzen reale Probleme lösen?

Es geht nicht. Das einzige was die virtuelle Welt kann, ist die Realität zu relativieren. Sie sorgt für den Wunsch nach Optimierung durch Vergleiche, wie dem berühmten Synonym für die Absurdität im Exemplar von Apfel und Birne.

Ich weiss nicht, ob ich dieser omnipräsenten Versuchung wie der des Baums der scheinbaren Erkenntnis im Paradies meiner subjektiven Realität je entfliehen kann, aber ich werde nie müde werden, es immer weiter zu versuchen und wenn Nietzsche, den ich sehr schätze, Recht hat, ist sogar dieses ewige Scheitern das Los meines unendlichen Seins ist was ich nur dann nicht nur ertrage sondern schätze, wenn ich das Scheitern lieben lerne, indem ich das nicht erreichen nicht mehr Scheitern sondern genießen lerne.

Mein Leben ist das nicht erreichen idealisierter Ziele  und es liegt genau darin meine einzigartige Persönlichkeit verborgen, denn wenn das Erreichen für alle möglich und mein wie unser Dasein wäre sinnlos, weil wir doch darin dann gleich wären und wenn zwei Seins eins sein können, ist doch eines völlig überflüssig.

In english

Declaration of bankruptcy

My dear readers know that I am a critical, even grumpy person who often struggles with himself and the world, and I thank all those who see in my words more than just vexation, but rather a desperate attempt to come to terms with the world and myself.Whether my laconic and often disrespectful manner is due to my upbringing or other factors, I do not wish to verify at this point, but rather devote myself to my weaknesses.

Those aspects of my behavior that I may be able to compensate for with some effort, because when I take a reflective look into my soul, I must admit that I myself can be held responsible for a great deal of suffering in my personality.It is I who repeatedly succumb to the morbid temptation of misery by watching news reports whose tragic existence I cannot change, and it is I who, out of a desire for physical affection, repeatedly consume pornography, even though I am very happily married.

All this and much more, however, only satisfies superficial desires. The result, however, is that I allow these negative, optimized, or destructive images to discredit my true experiences and adventures.They immerse my entire being in a color that not only does not exist in reality, but also robs every moment of its true essence and keeps me constantly spinning in a carousel of worry.

I can’t escape my worries, discontent, and self-flagellation because it’s impossible to reconcile these two completely different worlds. The digital world is not real and reality is not digital, so how can digital solutions solve real problems?

It’s not possible. The only thing the virtual world can do is relativize reality. It creates a desire for optimization through comparisons, such as the famous synonym for the absurdity of this in the example of apples and pears.I don’t know if I will ever be able to escape this omnipresent temptation, like that of the tree of apparent knowledge in the paradise of my subjective reality, but I will never tire of trying, and if Nietzsche, whom I greatly admire, is right, even this eternal failure is the fate of my infinite being, which I can only bear and appreciate if I learn to love failure by learning to enjoy not achieving rather than failing.

My life is the failure to achieve idealized goals; this is precisely where my unique personality lies hidden, for if achievement were possible for everyone, my existence, like ours, would be meaningless, because we would then be equal, and if two beings can be one, one is completely superfluous.

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